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ifthbmen Geräniensträuchern aus deut sonnigen Kent, in betien Bluutenflut das grüne Land ertrinkt, leuchten die großen vollen Nelken aus Mrddlesese und die prachtvollen schlesischen Züchtungen der Gräflich Matuschkaschen Gaitenverwaltung und die delikaten Tnttlinger Züchtungen. Es sind ganz wundervolle Exemplare, die hier dem Laien' einen Einblick in die Erfolge der Blumen- künstlet- gewähren ; nicht umsonst timdrängt die Damenwelt gerade diese Stände. Warte Farbenzusamiuenstellungen berauschen das Ange; da sieht man ein wundervolles Rot, über das ein seines Silbergran Hinzittert und die launisch aufblitzenden, lichten wein- rotcn Tupfen zu zarter Delikatesse dämpft, oder große hellzitronengelbe Blütcnsterne,. fast cremefarben. Eine ganze Sinfonie fein abgetönter Farblverte gleitet fließend durch die üppige, rosengroße Louis Färard-Nelke; unter dem schwermütigen Klang einer lila irrisicrenden Opalfarbe flutet eine reiche Skala von zitternden, Tönen dahin, von dem in der Luft sich auflöseichen, unendlich flüchtigen Silberschimmer über inattes lichtes Hellgrau bis hinauf zu beit sonoren dunkel-violetten Schattenstreifen. Ein metallisches Rostbraun spielt in den üppig quellenden Blütenblätte'rn der „Triomphe de la Republique"; freudig und froh klingt das leuchtende Gelb der Rose-Bonheurnelke mit ihrer delikaten hellroten. Zeichnung.
Andächtige Stille waltet in dem hochgewölbten schattenvolleu Saal, in dem vom tiefblauen Wandgrund die phantastischen Formen der Orchideen sich säst gespenstisch abheben. An langen gewundenen Stielen lauern seltsam geformte Blütenkelche; matte tiefbrauuc Farben finden in einem Hellen Gelb einen Gegenwert gegen ihre tiefsinnige Melancholie. Neben süßlockendem, lichtem Lila, in dem, gleich schmerzhaften Wunden, blutigrote Streifen leuchten, tauchen fast schwarze Blumen auf: nur ein zitternd versprengtes Silberweiß mildert den geheimnisvollen Ernst dieser wunderlichen Blütengebilde, die die Erinnerung an ihre Heimat, an die einsamen Urwälder Brasiliens, an die zeitlose Stille des tiefsten Indiens, nicht vergessen können. Dann wieder schweben über schlangengleich gekrümmten, glattgleißcnden Blättern zartwciße Blüten int verführerischen Unschuldskleidc. Wie gvoße Stiefmütterchen sind sie anzusehen; aber in dem bleichen Weiß schimmert gläfern glatt die Feuchtigkeit des Sumpfes; man errät, daß diese Blumen nicht in der freundlichen Sonnigkeit eines deutschen Gartens wohnen und Das; hinter der Maske farbenlichter Heiterkeit Träume von dunklen Schatten und sumpfiger Tropenerde glühen. Dort vollen sich winzige kleine violette Blüten mit geometrischer Genauigkeit zu schlanke» Blumenähren zusammeit, die steil aus wunderlich verschlungenen, schwarzgrüueu Lederblättern aufsteigen. Daneben atmet eine mächtige steile Banda tricolor schwüllockende süße Düfte in den Raum, Aus breit aufstrebenden saftigen Stielen von Menscheuhöhe gleiten rechts und links spitze, flache, mesferartige Blätter hervor und hier und dort, zwischen diesen saftig glänzenden Blätterklingen spielen unschuldige lilafarbene Blutendolden, die aus rotgelben Staubgefäßen betäubenden Duft aushauchen. Oder kleine zinnoberrote, spitze, schmale Blütenstreifen starren wie giftige Stacheln. Eine rätselvolle Traumwelt tut sich auf, unergründete Grausamkeiten vermählen sich mit dem Spiel seltsamer, unermeßlicher Formverschlingungen; in dem süßbetäubenden Duft spielt ei» seiner Hauch unbekannten Giftes. Mit einer unerklärlichen Mischung von heißaufflutendem Entzücken und dunkler Ahnung todbringender, schleichender Gefahr blickt man auf diese fremden, „fleurs du mal", die man lieben muß und zugleich fürchtet.
. H, W.
Vermischtes.
C.K. Ein geschickter Regisseur. Aus dem Leben Monsieur P a o l i s, des französischen Beamten, dem stets die Obhut für die persönliche Sicherheit fremder Frankreich besuchender Fürstlichkeiten oblag und der jetzt die Bürde seines Amtes niedergelegt hat, um die verdiente Ruhe zu genießen, erzählt Adolphe Brisson in den Annales eine amüsante Anekdote. Paoli begleitete die Königin V i k t o r i a auf ihrer Erholungsreise nach der Riviera; sein taktvolles, liebenswürdiges Wesen und die diskreten Aufmerksamkeiten, mit denen er seiner erlauchten Schutzbefohlenen den Aufenthalt auf französischem Boden angenehm zu machen suchte, gewannen dem greisen Beamten bald die besondere Vorliebe der Königin und sie pflegte Paoli stets persönlich aus- zuzeichneu. Auf ihren einsamen Spazierfahrten in der Umgebung von Nizza pflegte Paoli der Königin Gesellschaft zu leisten. Am Tage der ersten Spazierfahrt begegnete man wie zufällig einem Kavallerieregiment, das in den Wiesen exerzierte, und mit unverhohlenem Vergnügen verfolgte die Königin die Bewegungen der Truppe. Tas farbenprächtige Bild des kriegerischen Spieles gefiel der Königin so sehr, daß sie sich freundlich zu Paoli wandte: „Aber das ist prachtvoll, Monsieur Paoli. Ihre Soldaten sind großartig, übermitteln Sie doch dem Obersten meine Komplimente." - Paoli verbeugt sich dankend. Aber was er dec Königin nicht verrät, das ist die nebensächliche Tatsache, daß er, als der einzige, der die Spazierroute der Königin kennt, nicht vcr- saunst hat, den Adjutanten des Regiments von der Ausfahrt der Königin vorher zu verständigen. „Manövrieren Sie doch morgen dort oder dort. . . Vielleicht treffen Sie die Königin." Diese
„zufälligen" Begegnungen mit französischen Truppen wurden zur fast unumstößlichen Regel. Am zweiten Tage genießt die Königin ein anderes Bild. Sic fährt in der Richtung nach Villefranch«. Ans der Landstraße begegnet sie einigen Infanteristen, die sich sofort in Linie längs des Weges anfpflanzeu, mit elegantem! Schwung die Hand zum Käppi führen und die Königin mit einem frischen „Vive la Reine" begrüßen. Wieder ist die Königin entzückt und findet nicht genug Worte zum Lobe dieser wackeren französischen Soldaten. „Sie sind prachtvoll, diese französischen Soldaten, und wie liebenswürdig sie sind! Sagen Sie es ihren Offizieren, lieber Monsieur Paoli." Die gute Königin hätte keine Ahnung, daß auch diese so begeistcruugsgcwandteu braven Infanteristen auf einen diskreten Wink Paolis hin auf jene Landstraße kommandiert waren und keine andere Aufgabe hatten, als auf beit Wagen der Königin von England zu.warten, um die Majestät, die als Gast in Frankreich weilte, mit jenen frischen Hochrufen zu begrüßen, die der Königin sowohl eine Freude machen als ihr einen möglichst vorteilhaften Begriff von der. Beschaffenheit der französischen Armee geben sollten. „
* Karussell. Es gibt manche volkstümliche oeuhche Namen für das bekannte Kicmesvergniigen, das man auf hochdeutsch nur selten mit „Rinqelstechen" oder „Ringelrennen", vielmehr meist mit dem Fremdwort „Karussell" (iranzösisch carronsel) zu bezeichnen pflegt,' das mit unserer „Karre" (lateinisch eamts) gleichen Ursprungs ist? Georg Böhling plauderte darüber kürzlich tu der Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins wie folgt: Wer von Hannover nach England reist, hört zuerst bei Wunstorf Trirkepärd, „Drehpierd" — in Hessisch-Oldeudors sagt. man halb spottender Weise noch „Ziaarrentrilkcr" für Zigarreumachcr, — nur ivemge Stunden weiter, bei Bückeburg und Alinden Tanterwagen (von „(andern", mhd. tauten = tändeln, spielen, scherzen); int Münster- laude halbsranzösisch und gemütlich Schäsken, S-chasken (kleine Chaise), um stauten Bossmölle (Rößmühle); in Holland ein nüchternes draaiineulen (Drehmühle) und in England ganz nüchtern roundabout (rund herum). Im Vogtland und int Altenburgischen, auch in Teilen Nordböhmeus und in Baden (z. T. auch in Pessen. D. R.) heißt das Karussell Reitschule, in Wien und Oesterreich Ringelspiel; in Schwaben nannte man es früher „der Triller ; int Leinetal bei Meld heißt es Sluirii (Schleuder), Sluirnpnul, und Sluiru kennt sagt man für Karussell iahren. itnd wie viel Stauten, deutsche Namen mag es noch sonst in deutschen Landen geben?
humoristische;.
* Verblümt. Neffe (zum Onkel, der ihm ein Geldgeschenk aegcben, weil sich der Lehrmeister lobend über ihn ausgesprochen): Bestell Tank, lieber Onkel!" — Onkel: „O, es hat mir Vergnügen gemacht!" — Neffe: „Weißt du, Onkel, sehr vergnngimgs- süchtig bist du aber nicht!"
* Die Konjunktur. „Mensch, wo haste de new Hose jekooft?" — „Jckooft? Onatschkopp! Bei Müllern in de Rosenstraße bammeln so vor'n Laden mit'» Zettel: „>wlci.enheit — „Nu, und?" — „Nu, die Jelegenhett hab ick eben erirtsfcn.
* Nette Aussicht. , Ich möcht' mir eineu Zahn flehen lassen; habt Ihr Zeit, Bader?" — „Ja, die ganze nächste Woche hab' ich noch frei."
* S t a r k e m p f o h l e n! Herr: „Also das ist Ihre Tochter, gnädige Frau? Uebrigens genau Ihr Ebenbild; derselbe kleine Mund, das herrliche blonde Haar, die schöne Figur ... — Dame: „Und kriegt auch fünfzigtausend Mark mit, genali so viel wie ich, als ich heiratete!"
* Z n d e u t l i ch. Kellnerlchrlmg: „Herr Meherl, Sie sollen hinaiiskommeii, ein Herr steht draußen." — „Ach was, sag shw, er soll nur hereinkommeu!" — Kellnerlehrling (nach einer Weste) . „Herr Meherl, Sie sollen sofort hinauskommen, sonst--lonp
— — kratzt sie Ihnen die Äugen aus!"
Deutschen Fluß.
Neapolitanischen Feldherrn.
Schweizerischen Staatsmann, in nächster Nnmmer.
Manisches Quadrat.
In die Felder iiebeustehenden Quadrais find die Buchstaben DEE E E. F E K 0 0 B P 1 HY derart einzutragen, daß die wagrechtcii u. senkrecht.Reihen gleichlautend folgendes bedeuten: Einen Teil des menschlichen Körpers.
1.
2.
3.
4. Auflösung
Auflösung des Rätsels ans voriger Nummer, Radler Adler Ader (Ar) Aar Ar
Rahe
Nahe beinahe
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindriickerei, R. Lange, Gießen»


