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teil, fo'ns' uüii mich her lebt und, irr die Erscheinung tritt. Die kleinen besckMeiterr Häuser ftiimnen mich glücklicher, die schmalen Gassen lasse» mich tnieder das Heimelige der kleinen Stadt an- genehmi empsindeü. Wie freundlich, rein und kräftig wirkt hier die Welt ans mich ein! Leute, denen ich begegne, grüßen mich Natürlicher und unbefangener, freier, munterer tollen die Kinder KeruM. Vertraulicher ist aller Verkehr. Heller schauen hier die Menscheii^auL den Augen.
In den Straßen hat der Verkehr noch ettoas Anmutiges. Alles Bewegliche und Feststehende vereint sich harmonischer. Die Häuser erfreuen Durch ihre Schlichtheit, ängstigen nicht durch angeklebte B allone, Erker und Verzierungen. Wie angenehm muten diese einfachen Fassaden an. Ich steige, immer weiter, komme Über den schönen Marktplatz unb trete weitersteigend in eine neu« .Straße ein; sie führt scharf bergan. Ue6er.aU sind Schlitten unterwegs, Glocken .am Halse der Pferde läuten da und dort, durchklingcn lieblich, die Stille, vibrierend in der Lust. Kinder vergnügen sich in der Straße mit Ruscheln, Schwatzen und- Juchzen. Ungezwungener betrechen sie ihr Spiel, betrachten den Fahrdamm als ihr eigenstes Gebiet, das sie mit ihren kleinen Schlitten beherrschen. Welch ein Vergnügen, kleine Knaben und Mädchen, einzeln oder zu zweien, auf der Schneebahn der Straße abwärtssausen zu sehen.,. Da stiebt der Schnee auf, da schreien die Kleinen und fühlen sich bedeutend als kühne Abenteuerer. Auf her Höhe der Straße bin ich angekonimen. Gerade will ein Junge mit seinem Schlitten abwärts' sausen. Im Nu habe ich meinen Entschluß gefaßt. _ Mitmachen möchte ich die lustige Reise zii Tal. Der Junge ist stolz darauf, mich mitnehmen zu dürfen. Er letzt sich vorne, hin; ich nehme hinten Platz, dann stoßen wir ab. Plötzlich foult der Schlitten dahin, wir lehnen uns weit zurück, der Wind pfeift mir um die Ohren, Schneeperlen fliegen mir ins, Gesicht. Eine wilde Lust lebt während der Fahrt in mir auf, mente Augen weiten sich, leuchten in Helle, und ein Gefühl erregt mich, als müßt ich immerfort in den Abend, hineinjauchzen.
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Das ist vor allem das Schöne am Gebirgswinter, daß er zu erneut gesunden sportlichen Treiben so viel Gelegenheit bietet, so Vieh Anregung gibt. Was aber ist im menschlichen Dasein er- Mschender, belebender, erheiternder als das freie Tummeln an den schneehellen Bergabhängen, in den reizenden Tälern, tvo eine Kerbe freie Luft den Körper stählt und zu froherer Bewegu nchkert antrerbt! Da äußert sich, alles Leben elementarer, da erhält die AnÄgelassenheit und Fröhlichkeit der spiellreibenden wrenschen-emen eigenen Reiz, denn Erschlaffungen treten spar- lamer auj, die Regsamkeit ermattet nicht so schnell. Alle Lust ist lugendlich belebt, alle Begeisterung sinnliche kräftiger. Er- frcultch ist auch, daß imi Gebirge auf so vielerlei Art und Weist Sport betrieben werden kann. Wem das Schilausen, das schon Mehr geübt fein will, nicht zusagt, versucht es mit dem Reun- ivolf oder begnügt sich mit dem Rodeln oder Ruscheln, das nun M überall uni Gebirge der winterliche Sport des Volkes geworden ist. Das Ruscheln ist vor allem ein geselliges Vergnügen; jeder, der nicht ängstlich oder eitel ist, kann daran teilnehmcn, für jeden ist es geeignet; man kamt nicht zu jung, man kann nicht zu alt daftir feilt. Für beide Geschlechter ist es gleich passend. Eine besondere Kostümierung ist nicht nötig,. Jeder kann in seinem täglichen Anzug erfchemen, das Elegante ist freilich in keiner Weise zweckmäßig.^ Lackschuhe zerfetzen, schön gebügelte Anzüge kommen.aus. der Mcon; überdies sind sie hinderlich, unbequem bei allen Bewegungen. Tas Rodeln, Rnscheln erfordert, tvie stder WrnteriPort, eine gewisse Derbheit, denn ohne diese ist ein- „Sichgehenlasssn" nicht möglich, und ohne dieses tvird man nie zn entern Genug kommen.
/„ Luchsten Nachmittage bin ich draußen am Abhange des lwaüten.Verles ur der nächsten Umgebung des Städtchens. Zwei Knider und m meiner Begleitung, ein Junge und ein Mädchen, <uLrrtv-tlfv -trohlichkctt ruckst zn halten sind. Wir haben zwei RnschÄichlitten bei uns. Gute reichlich 2000 Meter lange Herr- iiche Ruichelbahn erstreckt sich aus einer Höhe von 200 Metern bei. glerchmnygem Fall stach der Stadt hin abwärts. " Diele bequem angelegten langen Ruschelbahneit kommen jetzt neuer- vlng^ in allen größeren Orten des Gebirges auf, zur größten Fr eit de der Bewohner, u-er Tag ist hell, das Licht der Svnne Meßt breit über me ichonen' reinen Schn.-eflächen. ' W lch Herr- uchev ^cuchten geht von diesen ans! Das schillert und reflektiert ui zarten ^-arbeit, ttchtgrMich hier, bläulich und rötlich dort. Ueberall blitzen winzige blendende Lichtlein auf, flimmern und B“' Ad Rrbreüeu über den Schnee ein stilles zauberhaftes ■SVfiu < dem Auge etwas Köstliches, art dem es sich ÄJ )?Rn'. l’w dem cs nicht loskommen kann, denn M>mer noch, mochte es von dem wunderbaren Scheinen auf den Schneeflachen m gch ausnehmen, damit es den Blick kläre.
öchischeni Flächen, zwischen Hügeln und Waldungen, da iu E• -itmcö Bvltte-.n beim Ruschplu lebendig. Ta saufen
~ tcll<.Erctn, nebeneinander, hintereinander, einer übcr- tzo t den. atidern, „nach lmks und rechts schießen sie aneinander' iKder, Mrmqew über Uttnere Erhöhungen, stocken oder drehen M /»n Ito;., selbft mit» .taufen wieder weiter. Oester verliert eurer die Richtung,, wendet sich in voller Fahrt plötzlich nach ieuwärts, kiM um, uitd rvirft Üe Ritsch,ei in Ä» W? S iitu> klein? Abentest.er, die die Lust am Spiel steigern. Es iß
anfsalleud, ^vie dieser Sport Arm und Reich, Jugend und Alter zu, fröhlichem Treiben vereinigt und zusammenhält. Da sind kleute Knaben und Mädchen von vier und fünf Jahren mit kleinen zierlichen Schlittet!. Kindliche Kühnheit strahlt ihnen aus den Augen, und mitten unter der beweglichen Menge mtter- nehm'en sie die lustigsten Fahrten in rasender Schnelle über zwcitaitstüd Meter talwärts'. Zwischen den Kindern sind alte Vater und Mütter jeden Standes, ergraute Junggesellen, pensio- merte Beamte zu jugendlicher Munterkeit erwacht. Junge lebens- frftche Mädchen zu Hunderten, jubelnd, und jauchzend, sind, in ihrer Lust und Ausgelassenheit nicht zn halten. Zu zweien und dreteü sitzen sie ost auf länglichen Schlitten und tvährend der Fahrt iacheu sie ihr Helles übermüttges Lachen. Hier sitzt ein Brautpaar, dort ein Ehepaar auf einem Schlitten. Mutter und Kind ruscheln zusammen. Neben dem Arbeiter int Arbeitsrock tummelt sich der vornehme junge Mann im kostbaren Sportanzug.. Teure gekaufte Schlitten, große und kleine, vermengen sich Mit Primitiven selbstgefertigten. Aber der Unterschied fällt hier nicht auf. Denn der Verkehr ist nicht von Bedingungen abhängig. Der Umgang wird nicht durch gesellschaftliche Formen oestimmt. «eine Vorschriften machen besangen und behindern das natürliche Lebendigsein. Hier herrscht das Gemüt über den Verstand, dw Freiheit, über den Zwang, die Natürlichkeit über die strenge Moral. Richt.Worte sind nötig zur Verständigung, denn eine schöne Freude allein, die sich in stohen lebhaften Bewegungen m Hellen.Geberden und frischen uaturkrästigen Lauten äußert, verkettet hier me verschiedenen im täglichen Leben einander entfremdeten menschlichen Elemente harmonisch zn einer glücklichen Gemeinschaft.
Vis zum Abend betreibe ich eifrig und lustig mit den Kindern w meiner Begleitung, mit all den andern, die sich im bunten Gewoge tummeln, den Ruschelsport, der nur eine Schattenseite Hat, dw oft ini lustiger Weise besprochen wird-: nämlich, daß man die Ruschelbaim nicht auch hiuanffausen kann, und zwap auf vom Schtttten, sondern gezwungen ist, diesen nach jeder Fahrt roiteoer zur Höhe emporzuziehen. Daran ist nun leider Wichts zn andern. Warum sollte es auch anders sein. Vielleicht rst es ganz gut, daß man gezwungen ist, zwischen Fahrt und! Fahrt eine kleine Pause zu machejnl, und daß man, während man beim Schlitten zur Höhe hinauf zieht, Go- legenhett hat die Mildern beim Ruscheln zu beobachten, und sich ft?', dw alle so liebenswert macht, teilnehinend W
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. An einem Abend steige ich alleine den reickstich 800 Mete« Wen Berg hinauf, uml oben vom Aussichtsturm aus eine Fahri mit dem Hörnerschlftten, die nur unter Führung ans'geführt werden rann, zu unternehmen. Der Hörnerschlftten ist ein größerer Schlitten mit einem erhöhten Hintersitz für ein oder zwei Passa- giere, und efttem, nieder« Vordersitz für den Führer. Vorne rage« zwei, hohe, nach rückwärts gebogene Holzhörner empor, an denen sch der Führer während der Fahrt festhält. Um 1.0 Uhr abends besteige uh bett Schlitten'. Der Führer ist ein junger kräftiger Bursche. Ich frage ihn, ob denn die Fahrt wohlgelingen wird, worauf er Mr mit einem „Nu freilich" antwortet. Wir komme« zunächst.nur langsam vorwärts, gleiten gemächlich auf schmalen «ttv werteren SBegen zwischen Taimemvaldungen hindurch. Di« Füße des Führers schleifen immer über den Schnee hin. Ich verhalle.mich still auf meinem Hintersitz, spähe nach allen Rich- tmige« .xit Ine Nacht hinaus und weiß bald nicht mehr, wo ich Mich heftnde. Ich kann nichts deutlich erkemien, die Einzelheiten der Natur verschwimmen int Dunkel des Abends. Hin und wieder, passieren wir eine Lichtung int Tannendickicht. Tann rann W wohl tief unten ftu Tal die Schneeflächen erkennen, me. sich, cmmv stillen, sce gleich, bis in weite Fernen aus- bretten. Bald gleiten wir aus den Waldungen heraus und er- rerchen den freien, leicht sich talwärts senkenden Bergabhang, "äd. gleich eilt der schlitten geschwinder dahin, sanft, lautlos als berühre et DteSchnreyäche« Nicht. Er geht wie im Fluge. Ich om MM (Jft» irre, weiß nicht, wo wir hier gekommen sind, weiß nicht wohm »me WÄen. LiM u. rechts spielen gleichsam! kleine vereinzelt« TannenbäUMhen, kahle Sträucher, gespenstisch erscheinende Bäume an «NN vorbm. Mir, ist, seltsam zu Mute. Befinde ich mich oenn auf der Erde? Ist nicht alles um mich her märchenhaft ver- ü'Midette Wirs beim feie Fahrt ein Ende haben? Werden wir mchi de« Weg verfehlen und schließlich unendlich ferne landen? W wunderlichsten Gedaikk-'N werden in mir lebendig. Oester frage ssch laut den Führer, wo wir denn sind-. Er hört mich NE. Ja) schreie, er murmelt etwas; das mit der Fahrt für mich unverAndiich, verfliegt. Und immer gleitet der Schlitten im Fluge dahin, durch Dunkel, das unendlich ist, durch Skillc P? tzee alW Leben verftmken scheint, immer abwärts zur Tiefe, die M mich grundtos ist Mein Sinnen verwirrt sich. Stimmen tuscheln m der Lust. Em fernes Singen, Lacken und Läute» * ■ E m her, geheimnisvolle Laute weben durcheinander. Nechelhafte Gestalten nmAatteru mich, lasten nach mir, werfen Sastcier zkber mich, meim vor meinen Augen. Und immer vertvokreukr wird das, ttanmhafte Leben in der vunklen Weite, tmnwt imoht' versmke ich in den Traum, verliere mich aus der ^caeiMurt^ » -■ Sre schiitten hält plötzlich am Fuße des Bciws Mr- m Führer Miß Mich von meinem Sitze aufrütteln..
Heinrich Grcter.


