Ausgabe 
14.1.1909
 
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Line Erinnerung und vom Altkönig!

Am 14. Januar d. I. werden es hundert Jahre, baß Landgraf Friedrich V. von Hessen - Homburg seinen Geheimrat v. Sinclair anmies, eine Teilung des uralten kaiserlichen Reichsforstesdie Hohe Mark", über den der Be­sitzer der Burg Homburg als kaiserlicher Waldgraf seit 1484 die Oberaufsicht führte, vorzunehmen, nachdem die 7016 Morgen fassende Seulburger Mark, zu der die Ortschaften Seul- berg, Ober- und Nieder-Erlenbach, Petterweil, Köppern und Friedrichsdorf gehörten, bereits 1804 geteilt worden waren. Der Landgraf Friedrich V. hatte ein Achtel, die genannten Ortschaften sieben Achtel erhalten. DieHohe Mark" um­faßte ein Gebiet von 26161 Morgen zwischen Homburg, Oberursel und Neiffenberg, woran 30 Ortschaften auf dem rechten Ufer der Nidda teil hatten. Die Teilung derHohe Mark" konnte aber erst nach langen Verhandlungen, bei denen das Großherzogtum Hessen, daZ Kurfürstentum Hessen, die Landgrafschaft Hessen-Hombrirg, das Herzogtum Nassau und die Freie Stadt Frankfurt a. M. beteiligt waren, durch­geführt werden. Der bekannte kurhessische Oberforstmeister v. Wildungen in Marburg a. d. L. leitete als Sachverständiger die Verhandlungen. Endlich im Jahre 1813 kam der Teiluugs- traktat zustande. Der Landgraf von Hessen-Homburg erhielt als oberster Märker ein Sechstel voraus und außerdem noch einen An­teil, der die Gipfel des Feldbergs und Altkönigs einschloß; das übrige rourde nach der Kopfzahl der 4444 Märker verteilt. Am 28. September 1813 fand schließlich auf dem Feldberg das Teilungsfest feierlichst stait, bei dem noch einmal der im Jahre 1623 gestiftete Markbecher geleert wurde. Aus dem Gesagten erhellt, das; der Gipfel des Altkönig nicht, ivie vor einiger Zeit angenomuien, zum großherzoglich hessischen Ge­biete gehört und er der höchste unter den Bergen un Groß­herzogtum sei, sondern daß er 1813 dem landgräflich hessen- homburgischen Gebiet zugesprochen, das 1866 schließlich preußisch geworden. Allerdings siel nach den; Tode des letzten Landgrafen von Hessen - Homburg, Ferdinand, am 24. März 1866 Hessen - Hornburg an das Großherzogtuu, Hessen und blieb bei diesem Staate bis zum 6. Sept. 1866, an welchem Tage Hessen u. a. auch die kann; erivorbene Landgrasschaft Hessen-Homburg an Preußen abtreten mußte. Vorn 24. März bis 6. September rourbe dein Feldberg und Altkönig allerdings die Ehre zu teil, als die höchsten Berge im Großherzogtum Hessen zu gelten, von da aber sind 2l(t- könig und Feldberg preußisch, nur der am Nordabhang des Altkönigs gelegene Harheimer Wald ist hessisches Gebiet, und der 771 Meter hohe Taufstein im Vogelsberg wurde wieder Hessens höchster Berg.

VevMs Achtes.

* Die Fischhalle von Messina. Man schreibt der K. Z.: Welch großen wirtschaftlichen Schaden das Unglück von Messina dem Lande bringt, geht n. a. auch daraus hervor, daß Messina der Mittelpunkt für bett Fischhandel Siziliens und weiter darüber hinaus war. Der wiederholte Besuch des allmorgend- lichen Fischmarktes, an diesen wundervollen, von Palästen tun» rahmten Hafenkai wird mir unvergeßlich bleiben; denn ich fand diesen Markt reicher itttb interessanter als selbst die berühmten Alt Genua, Venedig und Neapel ititb voller kennzeichnender Eigen­tümlichkeiten. In einer einfachen, rittgsnin offenen, überdachten Halls, dicht aut MM e, fand der Markt statt. Aber da Fische i)in ein ipauprnau.uugsmittel bilden, so herrschte hier täglich eilt südlich bewegtes und überaus ntalerisches Leben und Treiben. Den Nordländern fällt es immer wieder auf, daß es hier viel Mehr die Mänu.er find, welche den Einkauf für Haushalt und Küche, besorgett. Sie verstehen sich ebenso gut aufs Feilschen und Handeln, wie, bei uns die Frauen. Aber tut allgemeinen, be­sonders für die besten Sorten, gelten doch feste Preise, die. nach dem Kilo berechnet werden.Ja, hier lohnt es, ein Fischer zu sein", das war mein- Gedanke, als ich all die herrlichen, zum Teil riesigett Meerestiere, in überraschend vielen Farben und Sorten, vor mir auf bett Tischen ausgebreitct sah. Manche dieser Riesenleiber liegen da gleich einem großen Braten, und werden pjundweise zerlegt und verkauft. Die. Tierwelt der Meere des Südens ist eben in. Zahl und Arten sehr viel reicher und- Mannigfaltiger, als in den nördlichen Meeren. Ungefähr 200 Wcharten tverden in Mesjitta als eßbar verkauft. Sehr hübsch

ist es, hast man den Fischett, um sie gegen die warme Luft ztk schützen, angefeuchtetes Grünzeug auflegte. Ganze Körbe mit frischen Rosenblättern hatte man zur Hand. In der Mitte der Halle hat ein Geldwechsler seine Bude; denn da das Geschah so flott geht, fehlt es an Kleingeld. Gern unterrichtete man mich über die hauptsächlichsten Fischarten. Es schmeichelte den Fischern, daß ich- etwas darüber in die Zeitungen bringen wollte. Dck zeigte man mir diespada" (Schwertfisch) und diespatulal"^ die lang, platt und ganz silbern ist und ein großes Auge hat, das tote Saphir glänzt. Sehr beliebt sind dergrongo", citi Meeraal, der größer ist als unsere Aale, und der goldig btnrnttf ccrniado", der unseren Schleien ober Karpfen ähnelt. Sehn interessant ist diealalunga", ein großer, zirka 20 Kilo schwerer Fisch, der seinen Namen von der langen, hochstehenden Rückens stosse hat. Alle diese Sorten sind aber teuer und kosten 2 Lire bis 2 Lire 50 Ct. das Kilo. Fertier sind da dermerlttzzo" aus der Familie,,baccala" (Stockfische) aus befielt Fett der Lebertran gewonnen tmrd, dieeipolla", ein merkwürdig roter Fisch mit Riesenkopf, diemnggielli", kleinere rosige Fischchen u. a. hl Der größte von allen ist dertonno", der Tunfisch, der bis 200 Kilo schwer wird; frisch kostet er hier 1.75 Lire das Kilo, Ganz billig sind die frischenfärbe" (Sardellen) und dieacciughe" (Sommerfische, Anchovis). Für den Fremden besonders intern essant sind die verschiedenenpolpi", die Polypen und Mollnskeif, die leider einen guten Teil ihrer Leuchtkraft und Farben verlieren, sowie sie aus dem! Wisser kommen. Am' bekanntesten sind da wohl diesepia", aus deut das weiße Fischbein (osso di sepi,ch gewonnen wird, und dercalamajo", der Tintenfisch. In Salz-° ivasscr gekocht oder ;in Öel gebacken, die kleineren ganz, die größeren in Stücke ober Ringe geschnitten, munden sie zum Teil vortrefflich, haben zumeist einen feilten hunrmerähnlichen Ge-- schmack. Ich weiß, daß die Deutschen ein Vorurteil gegen die Polypen haben. Wer es ist ganz ungerechtfertigt. Und sie sollten es zu überwinden suchen. Auch was es an reizvollen Muscheln des südlichen Meeres gibt, konnte man auf dem Fische, markt von Messina erstehen.

* Sie ist schuld daran. JinWiener Extrablatt"- luirb unterin 1. d. M. berichtet: Der städtische Motorführer I. B. stand gestern vor dem Bezirksrichter der Josefftadt unter der Anklage, aus Unachtsamkeit bei der Kreuzung Universitäts- und Reichsratsstraße den .Hörer der Medizin P. B. überfahren zu haben, der unter die Schutzvorrichtung geriet und mehrfache Hautabschürfungen davontrug. Richter:Ist das richtig?" Angeklagter:Er ist nur selber schuld, ich hab' ein Signal nach dem anderen gegeben, alles umsonst, der junge Mann bleibt mitten auf dem Gleise steh'n, schaut au schönen Mädel nach und 's Malheur war fertig! Ich bin sofort steh'« geblieben, weil ich lang­sam gefahren bin." Der Verteidiger beruft sich aus einen Zeugen, den Aufleger A. R. Richter (zum Zeugen):Was wissen Sie über den Unfall?" Zeuge:Bor allem, Herr Richter, muß ich angeben, daß ich ein geborener Erbfeind von allen Motorführern bin. . . aber. . . der Wahrheit alle Ehre: Der is wirklich Unschuldig."Woraus schließen Sie das?" Zeuge:So was is mir noch nie vorgekom- men! Neber die Straßen is a wunderschönes Madel gangen ... da hat sich der Student in die förmlich verschaut . . wie angezaubert bleibt er mitten auf dem Gleise steh'«, hört nichts und schaut und schaut nach dem schönen Madel ... die ist au dem ganzen Unglück schuld, nicht der Motor­führer!" Auf Grund dieser bestimmten Aussage fällte der Richter einen Freispruch.

Das genügt. Besuch:Nachdem Herr Benoiston nickst zu Hanse ist, so sagen Sie ihm, Kitte, wenn er wiederkommt, daß ich hier war." Diener:Will der Herr mir seinen werte« Namen sagen?" Besuch:Nicht nölig, nicht nötig, mein Guter. . . . Ihr Herr kennt mich schott dreißig Jahre!"

Charade.

In der ersten tmnineln stch die Wellen, Zn der zmetien rüstet sich der Kte!;

Früher war das Ganze nur kür Geister, ' Jetzt tst'S großer Geister hohes Ziel. to. ,

Auflösung in nächster Nummer.?

Auslösung deS Magischen Quadrats in voriger Nummer: A M 0 R M 0 R A 0 R A N RANK

Redaktion: E. Anderson. Rotationsdruck und Verlag der Vrüht'schen Universitäts-Buch» und Stemdruckerei, N. Lange, Gieße».