Donnerstag den U. Januar
1909
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Maria Hendrina von Goch.
Novelle von Luise Schulze-Brück.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Beert legte vorsichtig Hendrina den Mantel um. Das MH-- fettche» Hatte das besorgen iroffön, aber Beert hatte sie mit einer einzigen Bewegung zurückgeschoben. 9hm stand sie zaghaft daneben. „Berkmitsche Se nor 's Klredchen net — gewwe Se Obacht. Mannsleut' könne doch so waS uet."
Aber Beert konnte es. Gartz zart und geschickt machte er das, «und zart und geschickt streifte er der Hendrina auch die weiten Pelzstiefel über die ausgeschnittenen Schuhe.
Hendrina sah ihm halb staunend zu. Daß der Beert das konnte! Aber freilich, er hantierte ja auch auf dem Schiff so geschickt luitb gewandt. Er nahm ihr ja da alle Arbeit ab, die sie ganz gut hätte tun Birnen. Und tote gut er aussah in deut schwarzen 'Anzug. Das fand Hildegard auch:
„Ater 'hawive ä [diceu.e Gawalier," sagte sie stolz, während sie die steile Strafte «ach dem „Pariser Hof" hinaufgingen, wo der Ball stattfand. — Und gerade wieder Ivars Hendrina wie am Silvesterabend vor dein Kirchgang. Nur daß diemvl Beert neben ihr ging und sie sorglich führte. (
„Was für Tänze krieg' ich denn, Hendrina?" fragte er halblaut.
„Ach du." M war ihr doch ,beklommen. „Ich hab' ja gar nicht gewußt, ob du mit mir tanzen willst und da —“
„Ich 'kann mirS denken," murmelte er. „Dem Amerikaner, dem hast du wohl schon alles versprochen?"
In Hendrina regte sich der Trotz.
„Du hältst ja fragen können."
„'Noch. ift’S, ja nicht -zu spät," sagte Bert gelassen. „Und- weiin du mir immer den Tanz nach einem gibst, den du Mit dem -andern tanzt! —"
Sie sah ihn betroffen an. „Ach Beert."
Er 'lachte ärgerlich. „Das ist zu viel, meinst du. Aber ich. bestehe drauf. Immer den Tanz nach dem- anderen. Und wenn du das nicht wagst —"
Er sah so böse mls. Seine Augen funkelten und er drückte Hendrinas Arm fest, „Ja, ich will schon."
„No, was werd denn do verhandelt?" fragte Hildegard neugierig^ Sie hatte schon- einen ganzen Trupp junger Leute um sich.
„Ihr seid emol ganz Aparte, ihr. Wann annere Leut' nff'n Ball Hetze, do sind se pl-äsierlich und freie sich. Awwer ihr macht ü Bonem (Gesicht) wie die Katz', Sv-ann's donnert. Die Nidder- rheiner, die sin doch g'ra-d' als wann se mit Blei gefüttert wär'«! Als to.fi int fe immer K Klotz, an Bään hätte, mt könnte ke äirz-ig Mol K bische 'losgelMe wäru, un & bische Hippe. Immer Bantinett ihn-e bg Klotz an. Was iS tat» nn alleweil Widder los? Awwer -einerlei was, da sin wir am „Pariser Hof", un mt mach ä armer Gesicht, Hendrina, un du Beert auch, sunscht denke die Seit, liiier hätte euch eso a saure Schoppe zu dinle gewwe, daß ihr'n M IM eit noch im Mund spürt. Do — do geht die Musik schon. Mx ,fir, snnst komme m-er M Mt."
V.
Hendrina van Endert schlug langsam die Augen auf und saH verwundert unr sich. Ach, sie hatte so schön geschlafen. Und brJmee geträumt und Lichter glanz Metze« und Musik gehört--bis
Angen fielen ihr halb wieder zu —, weiter träumen. Musik —< jetzt -einen Walzer — la la la — la la —- la la, ach, wie sie sich wiegte -auf dem glatten, Boden und fast-zu schweben schien im Arml des Amerikaners, — wie die Lichter flimmerten und funkeltest, — erst rwch jedes einzeln MS ein feuriger Kreis, dann alle M-. samm-en in einem großen, großen- Feuerkranz, — la la la —; la la la la. spielte die Musik, immer rum, immer rum, la la la lst, — 'sie schwebte, sie flog, cs- schwindelte ihr, ihr Her» klopfte so laut, loder war esi das andere Herz dicht an ihrem, das so klopfte? Das schwarze grause Haar Tschvrtschies roch so stark nach irgend etwas — und so fest drückte er sie an sich — und immer rum —i immer rum — Ä» la la —» la la la la. Und 'dann hörte kW Musik plötzlich -auf, während sie noch immdr forttanzten, und fie wurde festgehalten, weil ihr ganz schwindlig war, und saß daM auf einem Stuhl und der andere neben ihr, und ringsum sahmi neugierige und mißgünstige Augen sie an, — während sie baÄ nur halb merkte unb fühlte und intimer noch feurige Kreifs sah und Musik Hörte. Und dann sing die Musik wieder an, eite Rheinländer w-ars diesmal la la — -la la — la la la. „Rheinisch, Polka tanz' ich gern mit 'nem schönen jungen Herrn."
Und jetzt stand Beert so groß und breit vor ihr da und nahist sie in seine Arme, — und so groß sie auch selber war, so wav sie doch klein neben ihm, und er führte sie so geschickt und sd stark durch bett Trubel — la la — la la — la la la — rhei — nisch Polka — tanz' ich gern--sie suhlte sich so sicher, so
geborg-en bei ihm, er hielt sie so ruhig — und nun stellte ev so vorsichtig hin wie- eine Wachspuppe ■— sie mußte lachen. Damj kamen andere, — 'fremde Gesichter, — fremde Menschen, H braune, schwarze, — dann wieder der Amerikaner, und nach ihm immer wieder Beert.
Wie lange das so gedauert hatte, -sie wußte es nicht. —< Spät, spät mußte cs wohl gewesen sein, oder früh am MorgAL Denn -als sie heimgingen aufs Schiss, das jetzt ihr Heim wvp, da war schon ein weißer Schein, der nicht nur Schneelicht war, über dem Rhein und den Bergen, und seltsam grau und kalt standen die Micher und Türme Bingens' in dem Zwielicht. Und Hendrina fröstelte unter ihrem warmen Mantel, während a» ihrer einen Seite Beert ganz stumm ‘ging, und an der anderen bet!: Amerikaner, -der beständig schwatzte und lachte und tolles Zeug vorbrachte. Und ihr war so sonderbar gumute, gerade, als ob sie -es nicht sei, die das alles erlebe, sondern eine andere, eine Fremde, und sie sehe nur zu wie durch einen Schleier, wie g-astK von ferne, und wundere sich über die tollen Menschen und übrtz die Geschehnisse. — 'Ruck war sie doch'ganz wach. Wer sie ivolltH noch nicht «mfstehen, noch ein bißchen liegen und nachsinnen, —< noch einmal die Musik hören und tanzen — tanzen — mstz Tschortschie 'Werner und mit Beert.
Es war noch alles still. Sie schaute durch das Gitter, -■■=* niemand war in der kleinen Kajütenstube. Nur draußen schlichest vorsichtige Schritts, sie schob den Laden cm stenig hoch, fett- sah stz


