Ausgabe 
13.11.1909
 
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FrmMseük, aber ein Feind ihrer Musik, machte Gluck, der seit dem Növember 1713 in Paris weifte, das Anerbieten, in seinem' Pwlais Wohnung zu nehmen, was dieser Mit lebhaftem Dan? cm- uahm. Wer Muck in seinem Ueberzieher und mit seiner runden Perücke begegnet wäre, ohne ihn zu kennen, hätte in ihm ganz gewiß nicht eine hervorragende Persönlichkeit und einen schöpfe rischen Genius vermutet. Er !var über mittekgroß, ge- vrung«r, stark nnb sehr muskulös, ohne dabei beleibt zu sein. Sein Kopf'war rund, sein Gesicht breit, rosig und pockennarbig, die Augen Kein, etwas tiefliegend, aber funkelnd, voll Feuer und Ausdruck. Von offener, 'lebhafter und leicht erregbarer Wesensart, Sonnte er sich den Anstandsregeln und konventionellen Gebräuchen der guten Gesellschaft nicht fügen. Wahrheitsgetreu nannte er die Dinge bei ihrem Rainen und beleidigte auf diese Weise wohl zwanzig mal am Tage die empfindlichen Ohren der Pariser, die au Schmeichelei irnb lügenhafte Unterhaltung, die sogenannte Höf­lichkeit, gewöhnt waren. Für Lobesworte unzugänglich, wenn sie nicht von Personen ausgiugen, die er schätzte, wollte er auch nur echten Kennern gefallen. Er liebte seine Frau, seine Tochter und seine Freunde, wenn er auch mit ihnen weder zärtlich war, noch ihnen zu schmeicheln pflegte. Ohne sich jemals zN berauschen oder sich den Magen zu verderben, war er ein starker Esser und Trinker. Daß « gewinnsüchtig war und das Geld liebte, verhehlte er selbst »richt. Gären guten Teil Egoismus legte er besonders bei Tische cm den Tag, wo er ein Recht auf die besten Bissen zu habeil glaubte." ___________

Vermischtes.

. * Amerikanische Ge s e lisch af ts s ch er ze. Die Sommernwnate haben scheinbar eine Ermattung in dem Sen­sationsbedürfnis der amerikanischen Gesellschaft gebracht; nun aber, da mit dem Herbste auch dieSeason" wiedergekehrt ist, regt sich bereits aufs neue der Erfindungsgeist der blasierten Millionäre, die zu den seltsamsten Mitteln greifen, um ihren Gästen irgend eine besondere Gesellschaftsunterhaltnng zu bieten, die noch nie dagewesen ist. Die erste Ueberraschung der Saisorr in dieser Hinsicht kommt mis Massachusetts, aus der Stadt Rox- bury, wo am 21. September bei einem großen Balle in der Jntercolonral - Hall ein je nach den Umständen höchst unterhalt­samer oder höchst peinlicher neuer Tanz eingeführt umrde: der Pfirsichkorbtanz. Bielleicht ist damit eine harmlose Parodie auf die stetig wachsenden Dimensionen der Frauenhüte beabsichtigt, vielleicht trieben den Erfinder iroch tiefere Absichten, das Cha- rakteristikum des neuen Tanzes ist jedenfalls, daß das tanzende Paar mit den Köpfen gemeinsam in einen nmgestülpten großen Korbe steckt. Der Korb muß genau die Größe haben, um sowohl der Frisur der Dame als auch dem Kopfe des Tänzers Raum zrc geben und zwar so, daß die Gesichter einander nicht allzu na6c kommen müssen. Als dasAmüsante" dieses Tanzes rühmen eifrige Anhänger den Umstand, daß die Tänzer während des Drehens nicht rechts und nicht links sehen können und nur ein Eckchen blitzendes Parkett mit den Äugen erhaschen können. Es fehlt aber nicht an skeptischen Zynikern, die behaupten, daß der große Erfolg des neuen Tanzes weniger in dem Richtseherr- können als in dem Nichtgesehenwerdenkönnen liegt. Die zweite Novität der Gesellschaftssaison kam aus St. Louis, wo eine führende Dame der Gesellschaft sich eine reizende Keine Ueber­raschung für ihre gänzlich unvorbereiteten Gäste ausgesonnen hat. Im Empfangszimmer, wo sonst die Dame des Hauses meist nur mit einem stereotyp liebenswürdigen Lächeln ausgerüstet ihre Gäste bewillkommnet, erwartete die erfindungsreiche Wirtin die Geladenen mit einer ausgezeichnet funktionierenden Garten­spritze. Jeder neu Ankommende bekam unbarmherzig und un­versehens einen ansehnlichen Strahl schönen kalten klaren Wassers als lieben Willkommensgruß. Die Erfinderin dieser neuen Be­grüßungsform hat übrigens anfangs selbst einige Bedenken ; viel­leicht nicht ganz mit Unrecht befürchtete sie, mancher möge diese ungewohnte Wasserreichung mißverstehen. Aber am Ende ging alles trefflich und die Neuerung wurde ein unbestrittenerEr­folg". Die Begossenen machten zwar zunächst höchst sauersüße Mienen; dann aber blieben alle stehen, um Zeugen zu sein, tote der nächste ahnungslose Gast das gleiche Schicksal würde er­dulden müssen, und wenn dies dann prompt und gründlich ein­traf, kannte die mitfühlende Begeisterung und das Lachen aller keine Grenzen. Aber St. Louis liefert der wunderlichen Ge- sellschastschvonik der Union in diesem Jahre noch weitere Sen­sationen. Da hat man bereits einen Ball abgehalten, der als besonders pikanten Reiz nur Teilnehmer umfaßte, die sich ver­pflichtet hatten, ihre Kleidung verkehrt anzuziehen: mit dem Futter nach außen. Humorlose Aestheten der Kleidung mochten Manches einzuwenden haben, denn selbst die bestgeschnei­derte Robe verliert an Ansehen, wenn Nähte rmd Futter nach außen gekehrt werden; aber der amerikanische Humor ist nicht ktemltch, Herren und Damen amüsierten sich köstlich, alle fühlten, tote originell es ist, plötzlich am Fracke weißscideue oder bunte gestretfte Aermel zu haben oder Fischbeingernste an der Außen- fette der Toilette zu tragen. Etwas grimmiger angehaucht ist der Humor von Fräulein Stella Simmons aus Fond du Lae in

Wisconsin, die jetzt durch einen neuen hübschen kleinen Gesellt schaftsscherz fast eilte Berühmtheit geworben ist. Sie lud ihrs Bekannten zum Diner und spannte die Neugier ihrer Freundinnen! aufs höchste durch die Ankündigung, sie wolle ihnen bei dieser Gelegenheit ihren Bränttgam vorstellen. Erwartungsvoll kamen die Gäste, eine Schwester der Wirtin begrüßte sie, man harrte, die Neugier stieg aufs höchste: bis endlich die Flügeltüren zunt Speisesaal sich öffneten. Da sah man Miß Stella an reich- besetzter Tafel sitzen, ihr gegenüber der Bräutigam: ein echtes Menschenskelett, das die scherzhafte kleine Brant sorgb sam mit einem elegant sitzenden Fracke und blendend weißer Wäsche versehen hatte. Der Totenkopf grinste, in den leeren schwarzen Augenhöhlen ahnte mau ein höhnisches Blinzeln, kurz amerikattifcher Sinn genoß hier höchste Groteskkomik. Zwar wurden einige Damett ohnmächtig und mußten hinaus getragen werben, anbere waren so humorlos zu gehen; aber immerhin blieben noch genug amüsierte Gäste, die den originellen Einfall der jungen Wirtin bewunderten und sich mit allem Zeremoniell dem bleichen starrgrinsenden Bräutigam vorstellen ließen.

* Br ies ka sten der Tau te Eufemin. Aus der neuesten Rümmer desGuckkastens", der von Paul Keller im Rose-Verlag heransgegebenen buntillustrierten Zeitschrift für Humor, Kunst und Leben, entnehmen wir folgenden witzigen Beitrag, der dis unsinnigen Ratschläge mancher Frauenzeitimgeu vergnüglich ver­ulkt:

Vergißmeinnicht, Finsterwalde. Ganz meine Meinung: das Totschlägen der Motten mit der Hand ist eine Roheit. Viel besser zur Vertilgung dieser gefräßigen Insekten (nicht Fliegen» meine Liebe!) ist folgende Methode: Man lege ein Stück gitteui Manchestersamt in die Nähe der Lanrpe^ T« ihn die Mottest lieben, so setzen sie sich manchmal darauf. Nun bedeckt man sie mit einem Weinglase (Vorsicht, daß die Tierchen nicht gequetscht werden!) und schwefelt bann das Glas ans. Freilich muß inaui dabei geschickt sein und achtgebeu, daß die Motten nicht entweichen!, ehe sie in dem Schwefel erstickt sind.

Kätchen Ratlos. Selbstverständlich gibt cs eine prak­tische Verwertung der Kartoffelschalen auch in einem städtischen Haushalt. Tie Schalen werden sorgfältig getrocknet imd anstatt des teuren Mooses zur Ausfüllung der Doppelfenster benutzt. Das edle einfache Kraut wirft sehr vornehm. Will man einige Abwechselung in der Farbe haben, so gebe man farbige Frucht- schalen nach Belieben zu, oder setze einige Blümchen ober Bögelchen vom letzten So-mmsrhute dazwischen.

Unglückliches H aus m üt ter chön. Wenn du ganz sicher gehen willst, daß die eingelegten Früchte nicht Umschlägen, so tust du aut besten, sie alle Tage aufzulochen und aufS ueujd einzulegen. Du hast zwar etwas mehr Arbeit, aber die Früchte halten sich auch bei solcher Behandlung jahrelang. .,

Sportfexin, Breslau. Wie man sich billig Rolffchuhtz Herstellt? Sehr einfach: Aus den ausgedienten Untergesteltest von Kinderspielzeug, Schäfchen und Pferdchen nsw. Gewöhnlich brechen die Holzrädchen beizeiten ab; das schadet aber weiter nichts, man läßt sich dann eben eiserne daran befestigen. Auch die Holz­platte ist nicht von Dauer imb wird am besten bald durch eilt eisernes Gestell ersetzt. Mehr tote drei Mark kostet das nicht; da man zur Befestigung Schlittschuhriemen benutzen kann, p stellt sich die Sache ziemlich billig.

* Die sprechenden Hände. Herr Meier (als ihn seilt Freund mehrmals bei den Händen fassen! will, mit denen er während des Redens lebhaft gestikuliert):Donnerwetter, unterbrechen SiS mich doch nicht immer!" m

* Durchschaut. Bureauvvrstand (zu semen Beamten): Es ist doch merkwürdig, meine Herren, bloß in Ihrem Zimmer ist niemals eine einzige Fliege zu finden ich. verbitte mir das, meins Herren!" (Aus den Fliegen den.)

* Ein Unzufriedener.Nicht wahr, HiaÄbaner, Ihr habt immer Pech?"'s is wahr, ja, a jeder is scho «mal abbrennt, bl'soßi net!^

Magisches Dreieck»

j In die Felber nebenstehenber Figur sind __I die Buchstaben aaaabbiiklooorr derart einzutragen, daß die einander ent- _ sprechenden wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes bedeuten;

1, Aegyptische Stadt.

2. Spanischen Feldherrn.

3. Stabt am Niger.

4. Teil von Brasilien.

5. Einen Buchstaben.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Anthmogriphs in voriger Nummert Elbe Liss« - Ille Saba - Abel - Beil - Elisa -£ Tahiti Halle;

Elisabettz.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steinbructerei, R. Lange, Gießern