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3. TrmitatiS Jvh. Crombachj $iii Gießür em tochterlein in dem, Vxrllv getaufft, 4. Trinitatis Job. Weigel ein sonlein auch M Meßen tu meinem nahmen (im Namen des Krofdorfer Pfarrers), getaufst, gcvatter hanß, Cramer Burger zu Gießen." 6. Tri- ttttattg wurde W. Stemmet von Lmmsbach ein Kind von dem Gwßener Pfarrer getauft, „weil Ihr (LaunS'bacher) Pfarrer schwach ■yetj, al> to. Ltemmels Fran „zu Gießen in dem exilio einer) Hingen tochter genesen".
"ach Gleiberg flüchtete sich mancher, sogar aus sMter Ferne, weil,er nch dort sicher glaubte. So wird berichtet: i bö.8 Df 2. Trinitatis Andreae Ottmanen von Lich, tvelcher sich Mild zu Gleiberg in dem exilio aufhielt, ein tochterlein getaufst. 1639 „Vs Andreae A. Sommer von Planheim (?) Unter dem banngraben von Wittenberg, welcher in dem- exilio herum ziehet vndt bey A. Bnrbrauer beherbergt: Unt allhier stw Adams Weib einer jungen tochter genesen solches getaufft." „Io. Trimt. esacob N. . . von Solms' Braunfels' ein dochterlein getaut)t ... da sich gedachter Jacob in Exilio wegen verderbter Kriegszeiten aufgehalten." 1 642: '„Peter Herr von r-.awstchoach (als; die Launschbacher lvegen der Bayerischen Armee hier (Glmberg) gelegen) ein sonlein getaufft." Weiber und Kinder begleiteten ^damals die Soldaten auf ihren Kriegszügen. Auch nach dem Lode ihrer Manner hielten sich die Frauen im Lager aus. Las Kwfdorser Kirchenbuch erwähnt die Taufe eines Sol- ENtindes, dessen Vater im „Rinkau" (wohl RheiNgaU) tot blieben. Tr« Mutter brachte das Kind im Lager zu Krofdorf zur Welt, als dort „Landgraf Wilhelms KriMsvolk 2 Com- l'anyan statt gelegen". Taufpaten waren Caspar Mesjin Oberst- wachtmeister von Kassel und Leutnant M. Rhen von Kassel.
Tas Kwfdorser Kirchenbuch erwähnt häufig kirchliche Tran- u n g e n von Soldaten. Die Trauungen konnten erst „ex eon!- Msn magistratns militaris" oder mach militärobrig'keitlicher Erlaubnis vollzogen werden, oft auch erst „post poeiiitentiam publi- eam", nach öffentlicher Buße, wenn die betreffenden Personen schon vorher in wilder Ehe gelebt hatten. 16 45 wird „Hanß P'keler von Umstadt mit C. Manger von Münster, alß iie hier in garnisvn gelegen ex consensu Magistratns militaris ehelich m der Kirche eopuliert." Ferner: „C. Sinin ein soldat aus Stererinark vndt Carin ist bei Fulda bürdig auf Befürwortung des Herrn Leutnants Teischler, so allhier auf dem schloß in garniso'n gelegen ehelich eopuliert." 164 6, 22. Januar Henrich Gerlach ans Witzliigerode, Herrschaft Wollberg, ein Soldat mit C. Rehn aus Rauschenberg (Bezirk Kassel) „ex confenfu vagistratus milit." eopuliert. Ler Vater der Rehn hatte sich eine Zeit lang in Krofdorf „in exilio" aufgehalten.
Auffallenderweise wird nur eine kirchliche Bestattung eines Soldaten erwähnt, obwohl im Totenregister von Gleiberg bei dem Jahre 1655 bemerkt wird: „Tieß jar Pestis- mächtig grassiert an allen orten", mithin auch int Soldatenlager häufige' Sterbesäll« Vvrgekommen sein müssen. Nur 1631 heißt es: „Balzer Hegerle vürdtg von Esringen (2i/g Mehlen von Heilbronnen) ein Soldat, seinem Handwerk ein schreiner, ist zu Ewssdorf gestorben stich daselbst ehrlich begraben, hat fleißig gebettet und ist in dem Herrn verschieden." Sollte das! Soldatenhandwerk im allgemeinen als unehrlich.gegolten haben, so daß die Begleitung der Leiche seitens eines Geistlichen unstatthaft war?
Ein Auswuchs der damaligen Zeit waren die zahlreichen unehelichen Geburten. Tie gefallenen Personen mußten öffentlich pvr versammelter Gemeinde Kirchenbuße tun und während der Predigt vor dem Altar stehen. Auch wurde ihnen in der Regel mch eine Geldbuße auferlegt. War- Mann oder Frau der „poeni- LnteS" katholisch oder kalvinistisch, so wurde gleichzeitig mit der Kirchenbuße die Conversion zum lutherischen Glauben vollzogen' Unter den „poenitentes" in Krofdorf wird folgender Fall besonders erwähnt. 1643. 19. Februar, „Conrad Schmitt, Zimmermann zu Crosstorf mit der Oberförster Magt Wfieaun poenitentiam!. geleistet und so bald eopuliert worden. Tie Weibs Person ist Bei Fuld daheim in dem Babsttum erzogen, hat aber vnserÄ Catechismus gelernt, sich zu Nuß freiwillig ergeben, vnd hat nach guasimodigeniti, da ein großes Pest Buß vnd Bettag', erst mahlen commnnieiret." Hat 2 Fl. Kirchenbuß erlegt „damit die beyden Canzeln oben mit schwarzem Tuch bekleidet werden."
Intoleranz unter den einzelnen christlichen Bekenntnissen war mich ein trauriges Zeichen der Zeit. Sie ging sogar so weit, daß kalvinistisch (reformiert.) für antiprotestantisch galt. Der lieber» tritt vom KaloinisMus zum Luthertum wird in dem Krofdorfer Kirchenbuch als eine besondere göttliche Gnadentat bezeichnet. So findet sich daselbst "unter „Nota":
16 40. „Joh. Reymann uxor ist zu Herborn in dem.CaM- nGme -erzogen auch ezlich jar in dem CaloiniPfcheN glauben! steiff verblieben, biß sie vhugefehr sor 2 jar mitt jbreM man von Mez hier gehn Cleyberg kommen welcher Zeit sie die Predigt fleißig besucht .vndt darinnen durch, erieuchtung des z. Geistes Ihren irrthum, darin sie bißher gestecket, fernen erfettten vndt hat sich auch nach einigem zwang anß truck ihres gewissens zu vnßerer Religion begeben, vndt off Pfingsten ao 1640 nochmahls communieiret."
16 4 3. „Appolonia, H. I. Osterlings von Salzböden uxor ist zU Kirchhoffen int Casselschen Land erzogen, aber zu Aunrvt ge- Horen. Durch Gottes gnad hat sie vom Calvinis'mUZ sich abgetan
vndt nach.geschehener eousirmation an dem Fasten Soutag znm erstenmahl bei Uns; znm Nachtmahl gegangen "
-iie Sicherheit im Lande wurde damals gefährdet, nicht nur diirch die durchziehenden Soldaten, sondern auch durch das herum- ztehende Raubgesindel. Landgraf Georg II. erließ 1641 eine Verordnung, „daß die Unterthanen sich gegen die Plünderer, Ltraßenranber, Mordbrenner und herrenloses Gesindck emUich zu Wehre Hetzen und mit dem Geläute der Glocken ihre Nachbären jeuvsmül zu ruf eit yf-tcn, uuch bnft bie Bearn^n, unb Soldaten die Unterthanen mit genügsamer Hilf fecunbiren, und die rauben leben Partbehen äußerst verfolgen helfen. Hiebe* werfen, und damit sie mit dem Schwert, Strang iind Rad, ihrem Verbreeyen nach abgestraft werden mögen, zu peinlichem Helss- gericht etnliefern sollen."
Tie Strafen für Verbrechen waren damals hart und grausam-. M wird folgendes berichtet: „Ein Junge von 16 Jahren aus hatte 1 einer Mutter, weit sie ihm kein Geld "gegeben, 9 tödliche Wunden mit dem Beil beigebracht. Gr wurde zweimal mrt glühenden Zangen gezwickt, geköpft, gev'ierteilt, die Fleisch- stucke wurden an 4 Straßen aufgehängt, und der Kopf bei Wieseck auf einen Spieß gesteckt."
Hinrichtungen, namentlich von Kindesmörderinnen, wurden häufig vollzogen. Das Krofdorfer Kirchenbuch berichtet noch aus dem Jahre 1682: „Die 10. 8br. ist Eva, Joh. Weigels Dochten wegen Erstickung ihres Kindes allhier mit beut Schwerd voM leben znm tobt hin gerichtet worden. Wobei) sie sich ganz christlich, geduldig, standhaft biß an ihr End erzeiget hat, auch den Gel- sang: Jesu, meine Freude, mitgesungen." —6—.
Lebemermnerungen eines deutschen Aünftlers.
, Ein im Frühling des verflossenen Jahres' zutage geförderter Briefwechsel Goethes mit dem Münchener Galeriedirektor Johann Christian v. Männlich hat die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf die Persönlichkeit dieses begabten Malers und phantasievollen Künstlers gelenkt. Seine soeben unter dem Titel ,,®in deutscher! Maler und Hofmann, 1741—1822" erscheinenden Lebens-Erinne^ rungen, nach der französischen Originalhandschrift von Eugen Stall- reither bei E. S. Mittler u. Sohu in Berlin herausgegeben, erweisen sich als ein Werk von fesselndem Reiz und von hoher kulturgeschichtlicher Bedeutung. Im Dienste von drei regierenden Fürsten des pfalzbayerischen Hauses Wittelsbach hat Männlich den größten Teil seines Lebenslaufes zurückgelegt. Eine vielseitige Begabung, eilt klarsehender Blick und eine reiche Lebenserfahrung befähigtest ihn, feine Erinnerungen in reizvoller Form niederzuschreibenj So gewährt er nicht UNr einen fesselnden Einblick tn die alltäglichen Verhältnisse der kleinen Leute und in das glänzende, prunkvollo Leben der Großen, sondern auch in das Weben der Weltgeschichte. Wie aus der Vogelperspektive schauen wir hinein in das Paris aus der Zeit vor der Revolution, in die ewige Roma, in die glänzenden, nach dem Muster von Versailles gebildeten Hofhaltungen von Mannheim und Zweibrücken. Wir machen persönliche Bekanntschaft mit den großen Philosophen des sterbenden 18. Jahrhunderts, mit Grimm, Diderot, Rousseau, den Mode? malern Vanloo, Boucher, Grenze, Fragonard, Bernet, Menas, Hackert und vielen' anderen. Wir begegnen dem Kaiser Josef II., dessen durch Goethes „Dichtung und Wahrheit" bekannte Krönung zu Frankfurt geschildert wird, Napoleon', der in München einzieht, dem Kurfürsten Karl Theodor, dem kunstsinnigen Christian IV., dem verschwenderischen Bauherrn Karl II. August, der ohne Hei- mat und Sa,nb feine Tage bescWoß, und dem leutseligen „Vater Max" von Bayern.
Manche Abschnitte sind geradezu Kabinettstücke unterhaltender Lektüre, z. B. die Erzählung von Glucks Proben zur „Iphigenie" und !zum „Orpheus" in Paris'. Die Proben znm „Orpheus" verliefen dricht so stürmisch wie die zur „Iphigenie", weil den Musikern allmählich slar wurde, was der Komponist bezweckte, und die Sänger, die tnt Banne seiner beherrschenden Persönlichkeit standen, ihn fürchteten. Man wiederholte die erste Szene, wo sich der von Schnurz gebeugte Orpheus während des herrlichen-, die Bestattung Eurydikens begleitenden Chorgesangrs erhebt und in den Schrei verzw-eislnngsvoller Klage ausbricht: „Eurydike!", nm schon gleich daraus seinem dumpfen Brüten wieder anheimNufallen. Gluck war mit dem Sänger Le Gros nicht zufrieden. Er ließ ihn des öfteren diesen Aufschrei wiederholen, in dem immer etwas wie Gesang Tag. Schließlich verlor er die Geduld und sagte ärgerlich zu ihm: „Mein Herr, das ist unbegreiflich. Sie schreien immer, wenn Sie fingen sollen, und handelt es sich ein einziges Mal darum, zu! schreien, dann bringen Sie es nicht zustande. Denken Sie in diesem Augenblicke weder an die Musik noch an den Chor, der singt, sondern schreien Sie ganz einfache so schmerzvoll, als ob man Ihnen ein Bein absäge, und wenn Sie das können, dann gestalten Sie! diesen Schmerz innerlich, moralisch und von Herzen kommend." Mau begann von neuem, und Le Gros entsprach vollkommen der Absicht des Komponisten. Ter vereinzelte Schrei, der als etwas der Musik fremdartiges die süße und schöne Harmonie des' Chores durchbrach, erzielt« die größte Wirkung und rührte selbst unempfindliche Seelen. ,
Bon der Persönlichkeit Glucks gibt v. Männlich eine lesielnde! Schilderung. „Herzog Christian IV.,'Pfalzgraf und Herzog von Zweibrücken, besaß in Paris ein Palais und er, em Freund der


