Ausgabe 
13.9.1909
 
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Msntag den 13. ZepremSLk

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Nerven.

Novelle von Georg Freiherr von O in P t e d a.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.!

'Arn nächsten Morgen erschien int Hotel ein Herr, sehr anständig aussehend, der irgendwo da unten ein Schloß besaß. 'Das kam später heraus. Er sollte eine Forderung überbringen. Es ging dabei nicht gerade so streng zu, wie es nach, unfern Begriffen nötig ist. Der Serbe, auf bessert KarteS. D. Petrowitsch" stand, war ganz vernünftig, nur in einem Punkt nicht ernst zu nehmen, nämlich daß er immerfort behauptete, seine Landsleute wären von mir beleidigt worden und zwar auf die schwerste Art, denn das WortHalbasiaten", auf serbische Untertanen angewendet, wäre eine Beschimpfung, wie sie schlimmer nicht gedacht werden könnte.

Ziefow stellte ihm vor,, seine Landsleute hätten schon angefangen zu behaupten, sie wären beleidigt, als wir ihre Anwesenheit noch gar nicht bemerkt hätten, dann aber an­zügliche Redensarten losgelassen. Wenn ich also scharf ge­antwortet, so hätten sie es doch wirklich nur sich selbst Auzuschreiben; die Herren wäret! außerdem zweifellos ange­säuselt gewesen. In diesem Zustande mache man aus einer Mücke einen Elefanten. Es würde durchaus genügen, wenn ich erklärte, daß ich nicht die Absicht gehabt hätte, das serbische Volk zu beleidigen, und wenn die Herren ihrerseits erklärten, daß sie die provozierenden, in fchnar- rendem Ton gesprochenen deutschen Worte bedauerten, da sie sich in etwas lustiger Dinerftimumng befunden hätten.

Herr Petrowitsch meinte, gewiß würden seine Lands- leitte bereit sein, ihre, wie er selbst fand, wenig geschmack­vollen Zurufe zurückzunehmen. Aber die Beletdtgung i'oit meiner Seite bliebe. .

Ziefow wollte ihm weiter zureden. Doch das sah betnahe aus, ald beabsichtigte ich einer Begegnung mit den Waffen aus dem Wege zu gehen. Ich hatte das Gefühl, gerade tch und leider ich, wäre vielleicht der einzige Mann, der so etwas nicht beiseite schieben durfte. Glaubst du, daß ein Duell mit diesen Leuten mir nicht nahe ginge? Ich kann dir sagen, den Gedanken daran werde ich überhaupt nicht wieder los. Nicht, daß ich mich davor fürchtete,daß mir einer dieser Kerls eine Kugel durch den Kopf schösse! Ach Gott, das dauert bloß einen Augenblick, und dann ist es ans. Nein, die fürchterliche Angst beherrscht mich jetzt, wie ich mich benehmen würde bei allem, was vorhergeht. Ich könnte schwach werden, könnte meine Selbstbeherrschung verlieren, könnte in der furchtbaren Aufregung, in der ich mich sicher befinden werde denn ich bin schon jetzt erregt vielleicht irgend eine Dummheit begehen, vor dem Kom­mando schießen, ober etwas dergleichen.

Und diese Ungewißheit, die mein Herz schlagen laßt, mein Gehirn quält, mich in ben Träumen verfolgt, dte

mir auf den Magen gefallen ist, daß ich nicht mehr iiecht verdaue, diese fortwährend drohende Gefahr, die über mich hereinbrechen wird, ich weiß nicht wann denn sie bricht herein, sie kommt bestimmt das kamt einen ja wahn­sinnig machen! . ...... , 4

Fritz war immer erregter geworden, und ich sah letzt, wie seine Hand zitterte, während sie nervös mit einem Falzbein auf dem Tische spielte. Er zog das Taschentuchs um sich beit Schweiß von der Stirn zu tupfen.

Ich redete ihm zu, es läge doch gar keine Veranlassung vor, sich mit ein paar Rowdies zu schlagen. Mer Fritz sagte, davon fei gar teilte Siebe. Die Leute wären Stu- deuten au der Universität Wien, entstammten guten, ser­bischen Familien, und es läge nicht der geringste Grund vor, eine Forderung abzulehnen. Dann zog er ein paap Briefe atrs der Tasche: die Korrespondenz, die in der An.-, gelegenheit geführt worden war.

Schließlich bat er mich, sein Sekundant fein zu wolletk.

Nun sahen wir einen der Briefe nach dem ändert- durch, die Ziefow mit den Leuten gewechselt, vor allem mit Herrn von Petrowitsch, aber auch noch mit andern, die. die Vertreter der übrigen drei Herren zu sein schienen.

Offenbar bestand kein Zweifel ich sagte das Fritz nicht, um ihn nicht aufzuregen, aber ans der Lektüre das Briefwechsels ging es hervor daß diese Gerbet« sich tote ein Manu gegen ihn wenden wollten. Erlag er nicht der ersten Kugel des HerrnStojan Protitsch", so mußte er sich der Pistole des zweiten stellen, und ging er aus diesem Kampfe glatt hervor, jo trat der dritte ein und endlich der vierte. , _

Ja, bei diesen rabiaten Menschen schien es durchaus nicht ausgeschlossen, daß es damit noch gar nicht erledigt sein würde. Gelang es keinem dieser vier, den Grafen! Morsum zur Strecke zu bringen, so verwandelte sich aM Ende der liebenswürdige Herr Petrowitsch in einen neuen Grauer, und ging Fritz dem aus dem Wege, wer stand dafür, daß sie ihn nicht irgendwo insultierten auf der Straße im Theater, Gott weiß tvo! Er hatte das Na- tionalgefühl dieser Leute verletzt, mm trat einer nach dem andern in die Bresche.

Darüber war ja gar kein Zweifel, daß diese Aeußerung überHalbasiaten" für diese bildungsdurstigen Leute, die als Volleuropäer gelten wollen, eine Beleidigung bedeutete. Sie hatten und darin konnte man doch nur den guten Elementen des jungen Balkanstaaies beistimmen die Absicht sich von asiatischen Zuständen freizuinachen. Sie wollten Europäer sein, ' an allem teilnehmen, was die Kultur bot. Man wußte es ja durch die Zeitungen: am Sviel in Monte Carlo, wie an den Freuden von Parts, aber ebensogut am Ehrpunkte der Europäer wie an ihrer. Bildung, ihrem Wissen und ihren Einrichtungen.

Bei diesen jungen Studertten war gerade diese Emst-! findlichkeit besonders ausgeprägt. .

So schien mir, als wäre der Sache allerdings nicht