Ausgabe 
13.3.1909
 
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Auf Liebespfaden.

Roman von H. E hrhard t.

'Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Cs war der Vorzug der Villa Maria, daß sie ihren Pen­sionären Räume zur Verfügung stellte, die nicht mit hotelmäßiger Eleganz, sondern im Geschmack eines eigenen Heims eingerichtet waren.

Rosiges Licht fiel Wer weiche, bequeme Sessel, über Ma- Hagonimöbel in modernen, schlichten Formen und über einige gute Bilder an der Hellfarbenen Tapete. Ein großer, dunkel- roter Smyrnateppich sog jeden Schritt auf, vor den Fenstern umrahmten gleichfarbige Plüschportieren goldfarbige Spachtel- stores.

In den Ecken neigten Palmen ihre tiefgrünen Wedel, Schling­gewächse wucherten üppig in einer leise schwankenden Ampel, weiße Hyazinthen leuchteten vom Blumenständer am Fenster­platz.

Hinter ihm öffnete sich nun die Tür, das leise Rauschen und Knistern, das ihm so bestrickend in den Ohren klang, näherte sich ihm, der Veilchenduft wehte süß, verwirrend. .

Er wandte sich um.

Lena von Rieding stand vor ihm, jung und! reizend und doch Mehr denn je die elegante Dame der großen Welt. Ein schwarzes Tüllkleid Mit Flittern übersät umschloß funkelnd und blitzend ihre schlanke, entzückende Gestalt. Der tiefe Ausschnitt der Taille war nur durch den dünnen Flitter ergänzt und darunter! schimmerte ihre Haut mattweiß wie ihr schmales, fesselndes Gesicht. Zu den Smaragden am hohen, von Samtbändern ge­bildeten Stehkragen und der rosigen Hand, deren Finger unter den Spitzenhandschuhen hervorlugten, hatte sie heut noch eine Arm­spange Mit Smaragden und Brillanten angelegt.

Er kam sich fast ärmlich vor in seinem nicht mehr ganz tadellosen Gehrock, an dessen Stelle er sich so gern schon einmal den immer vornehm wirkenden Smoking angeschafft hätte. Aber Lena von Riedings Blick glitt in sekundenlangem Aufleuchten Wer seine hohe, straffe Gestalt und seinen selten hübsch geformten, blonden Kopf. Sie begrüßte ihn gänzlich unbefangen, als hätten ihre lächelnden Lippen nie in verräterischer Sehnsucht an den seinen gehangen.

llnd leicht errötend, aber ohne ein Zeichen besonderer Erregung, befestigte sie die zartgelben Rosen, die er ih!r reichte, an ihrer Brust.

Im Flur legte das ältliche Mädchen den Hellen Abendmantel UM die Schultern der Herrin.

Tie kurze Wagenfahrt legten sie schweigend zurück, jedes in seine Gedanken versunken.

Bei Hassingen waren sie ernster, bedrückender Art, auf ihm lastete zu viel. Sein Knie schmerzte wieder stark, die Geldnot drohte. Helene Falk, der Onkel, die sorgenden Seinen in der kleinen, thüringischen Stadt das glitt kaleidoskopartig an ihm vorüber, während die rollenden Räder ihn an der Seite einer schönen Frau dem Vergnügen zutrugen.

Lena von Rieding hatte heut von ihrem Reichtum Gebrauch gemacht und die ganze Fremdenloge mit Beschlag belegt. S?v zeigte es ostentativ, daß sie mit dem blonden Offizier allein sein! wollte. s

Man soll uns den musikalischen Genuß nicht durch fades Geschwätz verderben!" sagte sie zu dem dankbar lächelnden Has» singen und ertrug mit Seelenruhe die auf ihr Erscheinen hin ge­zückten Operngläser.

Sie selber warf nur einen flüchtigen Blick ins Parkett hinunter! -und über den nur spärlich besetzten ersten Rang.

In derGesellschaft" gab es heut noch zwei Maskenbälle/ deren einen auch Erbhagens mitmachten, sie glänzte daher durch Abwesenheit, und das Fremdenpublikum des ersten Ranges fehlte noch.

Lena von Rieding hatte wohl kaum Bekannte im Zuschauer­raum, nur Hassingen entdeckte einigeHeilmüller", die ihn nei­dischen Blickes grüßten. Da überkam ihn doch ein heißes Triumph­gefühl, und wehrte den traurigen Schatten, die ihn bedrückten.

Tann nahm ihn der Zanber der Musik völlig gefangen/

Tie Leffler-Burkhard sang die Partie derIsolde". Sie sang hinreißend, mit der ganzen Leidenschaft, die der Tichter- komponist in dieser Gestalt verkörpert hat. Auch die Leistungen desTristan" standen auf der Höhe der künstlerischen Kraft von Stimme und Spiel.

Sie standen beide so unter dem Bann der Musik und den von ihr geweckten Empfindungen, daß sie es verschmähten, in den Zwischenakten das Foyer auszusuchen.

Als Gastgeberin fragte die junge Frau natürlich, ob iA.' Begleiter den Wunsch nach einer leiblichen Stärkung hege, er aber verneinte. Er wollte sich nicht aus der traumhaften Stim­mung reißen lassen, die ihü weit über alle gemeinen Erdensorgen! hinaushob, und die eher verstärkt als abgeschwächt ward durch die diskret gedämpfte Frauenstimme, welche, von ihren Eindrücken plaudernd, die Spielpausen harmonisch ausfüllte, weil Lena von Rieding, feinfühlig und sensitiv und voll tiefen musikalischen Ver­ständnisses, nur aussprach, was unklar und verworren in dem' Manne auf und nieder wogte.

Hans Hassingen hatte nie die Gabe besessen, seine Erupfin- dnngen in Worte kleiden zu können, vielleicht hatte auch nur dm Kadettcnzeit ihm das kurze, knappe, oft schroffe Wort gelehrt), das jede verzierende Beigabe verschmähte, aber er hörte gern, wenn andere den leichten, flüssigen Don, die ein bißchen blumest- rciche Sprache der Phantasten für ihre Gefühle fanden. Deshalb! hatte er sich immer gern, ohne ein Weibcrsrcund nach landläufigem Sinne zn sein, mit Damen unterhalten.

Er hätte stundenlang in der nratt erleuchteten Loge sitzen und Lenas Geplauder zuhören föitncn.

Der Vorhang fiel über dem sterbenden Liebespaare, die letzteir Melodien verklangen. Die eintönige und doch so schwermütig Melodiöse Weise der Hirtenflöte vibrierte noch in ihnen nach, als sie die Wi'lhelurstraße heruntcrschritten.

Im kleinen Gardewbenraum bei Carlton legten sie ihre Uebcr- kleider ab, warfen einen prüfenden Blick in den hohen Kristals- spieael, es waren schon, andere Gesichter die sie darin erblickten/