Ausgabe 
13.2.1909
 
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1909

Samstag -en M. ßebruar

Auf Liebespfaden.

Roinan bon H. Ehr Hardt.

'Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Die blonde Lisbeth triinnphierte. Nebenbei !vae auch sie doch schon etivas unruhig geworden, da sie durch Hans Hassingen eilten Brief ihres Walters erwartete, den Helene ihr hoffentlich diese Rächt mitbringen svürde.

EndloS dehntcsr sich die Stunden, ehe cs Abend wurde.

. Im Hause ivar alles zur Hube gegangen, denn es. galt für alle die Regel:Früh s, äsen gehen, früh aufstehen." Da schlich die kleine Helene, der das. Herz klopfte, daß sie es in der Stille zu hören meinte, auf Strümpfen die Treppe hinunter und tvagte znni erstenmal allein den Weg, den sie bis dahin mit Lisbeth gegangen.

Heut beleuchtete der.Mond nicht ihre Schritte, aber war eine von jenen Höchst inmernächten, in denen es nie ganz dunkel wird, und tu denen kein kühlender Hauch die Glut des Tages ans- der Luft nimmt. 'Allmählich gewöhnten Helenens Augen sich an das graue Zwielicht, sie vermochte genau die Umrisse, ja die Farben der Blumen zu unterscheiden, sah die Latten des Garteu- zanns hi der Blattlücke erscheinen. Dicht daran in dem Stamns einer jungen Buche lehnte eine hohe dunkle Gestalt.

Cs war Hans Hafsingen.

Seine. Arme umfinge» das zitternde Mädchen, hoben es zu sich hinüber, drückten es an seine Brust.

Heiße Lippen fanden, in schier endlosem, atemberaubendem Kusse Men jungen Mund.

So hatte er sie noch nie geküßt. Sie war wie. betäubt. Die Kniee wankten ihr, als er sie. endlich freigab, sie aber noch immer mit dem rechten Arm an sich gedrückt dielt und nun tief ausatmend flüsterte:

Helene, liebe kleine Helene, endlich hab ich dich svieder, vh, daß es so dunkel ist, daß ich dein süßes Gesichtchen nicht deutlicher sehen kann, wie hab ich dich lieb ach, wie sehr!"

Und Svieder küßte er sie.

Er war in einem Rausch, als habe er statt der Tasse Tee zum Abendbrot eine Flasche schweren, südlichen Weines getrunken. . and in diesem Rausch, der alles klare Denken übertönte, sagte er dem Mädchen, was er bis jetzt herrisch niedergezwnngen, daß seine Liebe so groß und stark sei, daß er den Kampf mit allem, was gegen ihre Vereinigung aufstand, wagen tvolle. Sie Nwllte» warten.

_ '^ic gering erschien das dem jungen, liebenden Geswovt, das über dse Zeit des Glücks hinweg sonst immer schon schauernd in öde, graue, trübe Tage ohne Zier' und ohne Hoffnung M.even. Was Sveiß und ahnt junge Liebe von der Zeit, die ewigen Wechsel bringt, vom Kreislauf der Welt, die abstirbt und Renes schasst, die keinen Stillstand, fei» Dauern keirntl Die Hoffmmg sey Jugend hat starke Flügel, die über alle Hinder­nisse hinweg tragen.

,.Ha, ich will warte», mein lieber, lieber Hans, so lauge im es willst. Ick bin so jung noch und du ja auch. Wie alt bist bu eigentlich ? Das weiß ich noch nicht einmal genau. 24 Jahre? Uitb schon fünf Jahre Leutnant, da dasserts gar nicht mehr so sehr lange bis zum Hauptmann"

So plauderte die kleine Helene, an der Brust des geliebten Mannes, so weit seine Küsse sie dazu kommen ließen, und span» nm sich und ihn ein schimmerndes Netz vo>t Hofsnuugsfäden und Glückssternen, das ihnen den klaren Blick in die rauhe Wirk­lichkeit verwehrte.

Vergebens raunte der Nachtwind im Buchenlaub, als wolle er svarnen, nngehört verklang der Mahnruf des Mnzchens.

Und Helene Falk Svar doch sonst so schreckhaft.

Was du für schönes, weiches Haar hast, mein Liebling !" flüsterte der junge Offizier heiß und zärtlichIch habe immer gedacht, nieine Frass müsse blond sein, und nun kann ich miv nicht mehr vorstellen, daß sie anders aussehen solle als du."

Dcisre Frau!" stammelte das Mädchen erzitternd. Und ihrs Hände faltete» sich wie zis einens Dankgebet.

Hafsingen streichelte ihre Wange.

Und wensr du es nur werden konntest, issoeus ich desk Ab­schied nähme, Kind?" fragte er ernst,Wenn ich mit in fremden? Stmbe eine Existenz suchte und dich weit, weit von hier fort-« führen wollte?"

Sie schmeichelte ihr Gesicht in seine Handfläche.

Wo du hingehest, da will auch ich hingehen," sagte sie einfach, leise rrnd issnig.

Meins süße, kleine Helene!"

Eine Weile hielten sie sich schweigend umfangen.

In dem Moment war Hans von Hafsingen von dein ehr- liehen, festen Wollen ganz und ohne Einschränkung erfüllt, das Mädchen in seinen Armen nie zu verlassen.

Nur sollte niemand, auch Lisbeth nicht, vorläufig erfahren, das- sie ihrer Liebe ein« Hoffnung gesetzt hatten. Sie wollten seicht, mit Fragen und Zweifeln gegnält werden, die Heimlich­keit ihres Glückes gab ihm noch eine besondere Süße.

Ich warte jeden Abend auf dich, mein Liebling," sagte Hassingen beim Abschiede,, da sie sich hielten, als könnten sie sich gar rsicht mehr lassen.Wenn dss nicht kosmnst, dann sollst bit wenigstens um 11 Uhr, ehe du dein Köpfchen zum Schläfen bettest,Gute Nacht, mein lieber Hans" sageis."

'Ja, willst du?"

Sie umschlang ihn mit Leidenschast.

Ja, ich will. Und nun, gute Nacht, mein lieber, eiuziger Hans."

*

Unvergeßlich schöne Tage folgten diesem Auseinandergehen, Tage, in denen Helene Falks schwarz bewimperte, graue Augen immer träumerischer sind zärtlicher wurden, und an die Hans von Hafsingen in späteren Tagen zurückdachte als an "eine Zeit, an deren Gtücksfüllc kein Maßstab zu legen war, die für ihn außerhalb jedem Vergleichs stand mit allem, was sein Leben ihm an irdischem Glück noch -geboten. Ei» seltsames Gemisch von mgerchheißer Leidenschaft und. keuscher Poesie, von weltensW»