Ausgabe 
13.1.1909
 
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Kvor so Weiß tut rot uir die TjwtMarmorschukieti»" g'rad wie Sie. Tie Binger Medcher, das is io aach g'rad' iiet die schlechteste Rass', awwer vor Ihne, do «risse se all ins Mailsloch Lieche. Und der Tschorischie, der iS iwwsrhmtpt ganz ewig von Ihne. Da is ganz doll tut «artig. Gelder ciwend Hot ä in der Gerumnia" uff Tisch geschlage.tut' h)t geftmge MN Herz-- tiebcke im vun der blonde Maid,'daß die Fenster gezittert hawwe. - Gucke Se einvl oan- Sie kenne so nach rod werde!"

Hendrinä van Endert stand ganz hilflos. Sie sah ängstlich «itf ihren nackten Hals, ans ihre Arme. So sollte sie unter Menschen gehen, unter fremde Menschen- Mit srenchen jungen Leuten tanzen? Bor hundert Augen, die sie alle neugierig an­starrten. Mit dem Amerikaner tanzen, der nun seit acht Tagen, seit jenem Silvesterabend aus Schritt und Tritt hinter ihr her war. Ten sah sie, wenn sie morgens ihre Fensterlns anfschob, Wie er schon im Hafen Schlittschuh lies, der an ihrer Seite war, wenn sie nach Bingen ging, der überall und immer in ihrer Whe ivar, bis am Abend, wenn sie in ihrenr Schrankbett lag Und schon halb im Traunr noch einmal den Schnee knirschen hörte Anter-seinem Tritt, iveim er wie ein wachsamer Hund ein letztes And allerletztes Mal auf und ab lief. Alle hatten sie es langst bemerkt, auch ihr Vater, der erst argwöhnisch und misstrauisch mit viel Grämeln und Mummen den jungen Menschen beobachtet hatte. Dann eines schönen Tages hatte er seine Kappe ausgesetzt, als er gerade wieder Schlittschuh lief und war aus das Eis ge­stupst. Dort ivar der Amerikaner eifrig ans ihn zugckommen und er hatte eine ganze Zeit mit ihm geredet. Seit der Zeit schien ss Hendrüi-a, als ob er vergnügter sei, nicht mehr so mürrisch Gr schielte zuweilen Beert von der Seite listig a», warf ihm rin paar spitze Morte zu.

Zn, Beert, der war auch anders geworden. Er sah gar nicht gut aus, das merkte Heudriua wohl. Unter seiner braunen Haut schien er bleich zn sein, und seine Augen lagen tief in den HM en. Gr sprach nicht viel, aber sein Blick war immer nm sie. Und schon ein paarmal, iveim sie abends mit Hildegard und dem Amerikaner gegangen war, dann tauchte Beert plötzlich an irgend einer Ecke,auf und ging mit ihnen. Die Hildegard verstand eSi bann freilich sehr gut, sich an ihn heraiMmachen und es so ein- Merichten, daß Hendrinä mit dem Amerikaner gehen muhte. Aber Beert blieb stets mit ihr zurück, so daß er das andere Paar int rstilge hatte, und Hendrinä, die. halb unruhig znrückhorchte, hörte immer nur das zwitschernd« Reden Hildegards, selten die ruhige Stimme ihres Vetters. Wenn .bau» der Amerikaner mit heißen Morten in sie hineinredete, daun wurde Hendrinä halb bange Minute, und sie hätte wohl manchmal umkehren' und sich an Beert ordentlich ftsthalten mögen. Und doch ward süß, dem anderen Mzuhören und wie auf einer Molke zu gehen, wann er ihr zu- flüsterte, luie schön sie sei, und seine schwarzen Augen den ihrigen ganz nahe waren und feine weißen Zähne unter dem kleinen Schnurrbärtchen hervvrblickten. Und nun sollte sie heute abend Mit ihm tanzen.

Natürlich doch den ersten Walzer und noch viele andere Tänze. Hendrinä wußte gar nicht wie viele. Ach Gott, in ihrem Kopf war es ohnehin ganz bunt und wirr, »nd aus ihrem Herzen lag tin Truck, der umnchmal ganz schwer und üeUemmend war. Gin Wunder war's ja nicht. So still hatte sie gelebt, so ruhig, einen Tag wie alle Tage. Immer mit der alten Base zusammen, selten Ant zungen Mädchen, von denen sie nur wenige lfluitte. Und I öte toarnn so anders, so ganz anders als die Hildegard «ich deren Frenndinnen. Ach, tvrnn die Hubertiua GostenL und die Lies I Meuten, die immer so sittsam die Augen niederschlugen und von j Lpitzenmustern und der Sonn lag»predigt sprachen, wenn dis einmal j sjter fern kömtten, Hildegard Weiugärtner seifen und hören, und T* Werner. Was die wohl sagen würden, bereis

Herz kaunr ein bißchen höher schlug, lveun sie an die Zeit dachten, wo ihnen ihre Eltern den schon längst bestimmten BrÄutigam Drmgen würden. Solch einen blonden, schwerfälligen, ruhigen BurschM,. der, lueiut zwischen den beiderseitigen Eltern alles fest »nd rtchtta ausgemacht ivar, nun kam und sich so ganz selbfider- Mndl'.ch, iveun auch erst etwas verlegen, als Bräutigam fühlte.

So chten wie wie Beert ?

1U1V anders. Beert war ganz anders. Hendrinä fühlte es deutlich. Beert war nur äußerlich so ruhig.

Jie -imßte nicht, woher das kam, daß ihr manchmal so be- rwittmen A» Sinne war, wenn sie sah, wie er ihr mit den Augen Ä' '5k, ?Jte ärmlich zu bewachen schien. Sie hatte auch ücrn. Aber sie wollte gar nickst weiter denken. Mtmim denn mimer jo sonderbare schwere Gedanke-n haben? Und Miw, am Tage ,-reK ersten Balles. Wo es wohl da sein würde? Was alles geschehen würde? Ach, sie stellte sich io fo fttzr. hoch Mr ihr bange.. . . 1 I

I Mhsetütze ivar fertig. Eine blaue Seidenschärpe legte sm zuletzt um Hendrinas Taille. Tann zupfte sie noch hier und dck herum.

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deitsch« Jünglinge koste" Hot immer der alt' Gundlach gesagt, wenn er die scheene Wedcher hör gesehe ufs'm Ball. Wann bet: Sie M' sehe könne, der hält sei Spaß gehott. So ölunde, muckelige, das ivar grad deut sei Gusto. Awwer ich sawwe aach mei Schülligkeit gcdmt. Waun's Se'S Kleedche hätte zn Frank­fort odder Nläänz' mache lasse, scheener hätts auch net werde kenn. Zuckerig schee». Un u.n könne mol die Mannsleut' cnei-c kumme."

Hendrinä zupfte ängstlich an ihrem Ausschnitt.Ach neiit> noch nichts Ach bitte, ziehen Sie das Kleid höher!"

Whsettchx lachte:Noch Hetzer! Nei, Freilein, des lasse! Se uw!. Sie such ja ohnehin schon wie & Kvmmuniouliud. T» sind wer doch hier anncre Ansschnittchee gewehnt. Ich hawwe's Ihne schon zwei Finger breit Hetzer gemacht, wie's sein soll. Un'sl wär' doch zu schad', wann Se so was versteche wollde. Nei, net, so muß es schon bleiwe."

Hildegard stürmte herein, int weißen Kleid, allerliebst,- mit! roten Schleifen und Blüten. Sie blieb verblasst stehen:

Hendrinä!" ...

Ja. Freilein." TaS Mhsettche.stand stolz daneben.Gellch daS is entöl ä Staat. So was sieht mer net alle Dag. No rufe! Se awwer mal den Babba."

Der alte van Endert kam mürrisch herein. Er fühlte sich unbehaglich int schwarzen Rock,- er ärgerte sich, daß die Hildes . mr.ch ihm dies Mitgehen abgelistet hatte. Wozu war das alles? TummeZ Zeug wars, woraus nur llnrnhe und Aerger entstand. Er hätte dem Beert was cnttnn können vor Aerger. Ta stand er nun, der Dummerian, und starrte auf die Hendrinä mit heißest Augen. Man sal/s ihm au, daß er sie ant liebsten in die Arms genommen und gar nicht mehr losgelassen hätte. Und so eins gottverdammte Ziererei, daß ers nicht tat, daß et sich den Teufel darum scherte, ob die Hendrinä wollte oder nicht. Sie würde schost wollen, ivetm sie müßte. Statt dessen gingen sie aus den Ball, und er konnte zusehen, wie jeder Lass die Hendrinä beguckte und mct ihr tanzen durfte. Und wenn der junge Mensch, der Ameri- lauer, wenn der recht ins Feuer kam, da konnte es ums Schönes geben.

Na, et wollte es abwarten. Ein Schlauer war das, der Morg: Werner. Hatte er ihm. nicht neulich, da ans dem Eis, zn verstehen-gegeben, ganz sein, aber für ihn deutlich genug-, daß er nicht nötig habe, auf Geld aber Mitgift zu sehen? Wenn ce heirate, dann Runs nur darauf an, daß das Mädchen ihm gefalle, alles andere sei ihm egal. Der hatte wohl schonne Witterung davon gehabt und gekriegt, wie die Sachen standen. Der alte Fuchs lächelte schlan. zwei Eisen im Feuer, das war auch nicht zu verachten. Er konnte bett einen gegen den änderest ausfpielen, und dann tonnte er seine Bedingungen stellest westest Hendrinä und.derMaria Heudrina"-, ivegen dem Mädchest und dem Schiff. Er wollte es schon deichseln, und wenn sie ihst auch jetzt duntm -machten'und ihn ärgerten mit dem Ball und mEeren Unsinnigkeiten- das Heft behielt er doch in der Händ- - er ivar doch der Schlaueste.

(Fortsetzung folgt.)

Vas alte Gerberhaus.

Eine Skizze von Otto Stoeßl (Men).

. , ^ar ein paar Jahren stand das alte Gerüerhans in mittest freier Felder, wüster Bauplätze, kümmerlich begrünter Rasenfleckö und nitr.weniger Neubauten, die gerade nur eben Richtung und Zug der künftigen Straßen andeuteten. Heute steht das niedere aitei Anwesen unter lauter großen, lärmenden, mit falschem Prunk und Zierrat überladenen Großstadthäufern, bereit höhnische Fassaden! feine stille, gelassene Bescheidenheit wütend überschreien:Dw lebst auch noch, altes Haus, wann wirst du uns endlich Platz machen, dn willst mit deiner Arinnt vornehm tun, du Pfründner! Heute ist alles gleich, wir alle sind Paläste, und nur du sollst mit Beicheidenheit prahlen dürfen?"

Das alte. Gerberhaus ober steht da und scheint zu lächeln,- Vie ein feiner, bejahrter, eisgrauer Mann, der von den langest Zeiten gebückt, doch seine Haltung wahrt, geistig kräftig, heiterest Mutes auch in das fremde neue Leben blickt und selbst des baldrgest Sterbens nicht unfreundlich gedenkt als des gemeinsamen Loses: Sterben müssen wir freilich alle, wartet nur, wie Ihr zu Eurer Stunde anssehen werdet und ob Ihr wie ich dastehen werdet, wenn Mr überhaupt alt werden könnt, wie ich!"

Die neuen Häuser stehen genau gerichtet in Reih und Glied/ iaiistwMg und gewöhnlich, obgleich da und dort ein Erker, Türm­chen, Stiickfratzen und GesiniSornamente wild tun und den be* Mdereik Saus und Schmiß einer Persö nlichkeit Vortäuschen! m öchteL