1909
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Maria Hendrina von Goch.
Novelle von Luise Schulze-Brücf.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Ten Abend brachten sie mit den Berwandten zu. Hildegard ttschte festlich auf. Zu bat selten schweren Speisen tranken sie funkelnden goldenen Binger Win. Der alte Weingartner Ivar überlaut vergnügt, der alte van Endert krakelig und nörgelig. Die Hildegard hatte es aus Beert von Endert abgesehen. Are Mugen glühten ihn an rind sie neckte ihn auf alle Meise. Zuletzt wurde der alte Endert ärgerlich:
„Lab doch den Beert in Ruh', Mädchen. Das is feinen: Mann für Dich. Der hat schon eine."
Hildegard Weingärtner schob einen schnellen forschenden Mick Mf Beert.
„Des is net wahr, ries sie keck.
Beert wurde not wie ein Mädchen.
„Nei, des ts net wahr. E Borsch, der schon eine hat, der sieht ganz annersch aus."
„So? Das hab' ich alten Mann ja Such noch nich gewußt. Wie sieht der denn aus?"
„Sb, annersch. Net so gelosse und so ruhig. Der Beert und die Hendrina, die zwei, die wisse fo noch gar Net, was das ts, so ganz doll verliebt kein."
„Awwer Du weistt's, Du Kmdskopp," schalt der alte Wem- tzürtner. „Immer owe enaus, immer Feuer unner'm Dach. Das Meenste, das wär' de Lieb'? Heut' den, morge ä ärmere. Mart's -nur emo! ab, bis die richtige Lieb' kommt. Das is ja aanz was ünneres wie di- narrige Verliebtheit. Wann's die Hendrina nn den Beertemvl packt, das is dann & ganz amtete ©ort’ von Lieb' Wie bei Feuer, was alleweil so hoch ufssteibt, das) mer ment, 's daht s ganze Hans an steche, nn in de nesckde Minud do is es schun wrdder niddergebrennt. — Awwer alleweil schlägt's glei zwels. Ko, Hildegar, schenk' ein."
Hil^gard füllte die Gläser, — sie lauschten hinaus nach der Gasse. Da holte die Uhr aus, — draußen brach ein toller Lärm los: „Pposcht Neujahr! — Proscht Neuja—a—ahhr!"
Schüsse knallten dicht vor dem Fenster, Rotfeuer blinkte auf, Glockenglelänt hob an und alles übertönend ein lautes vielstim- Nltgges schrilles Bimmeln.
„Das Schiff' bimmele. Fix, Hendrina, komm' enaus."
. mummten sich dicht ein und stürzten eilig hinaus. Auf lebendig — viel junges Volk, die allerhand
Unsinn trieben. Am Rhein tollten die „Techni" umher. Deutlich
/S” ?tc blocken von Rüdesheim schwächer in das macbt-- r^-cc ^lant VON ben Binger Kirchen. Am Landeplatz. der Tampf- Uttffe schw-nrg emer mächtig die Schiffsglocke. Fern von den ^chaffm, die im Wmterhafen lagen, bimmelten hell und schrill die A.'inen Glocken. Em ganzer Trupp junger Leute stürzte auf die Itmgen Ma«hen zu:
Die Hildegard lachte und schrie ausgelassen:
»,-Prvscht Neujahr, Prvscht Neuja—ahr!"
Auch Hendrina war in, dem ausgelassenen Kreis.
Ein Arm schlang sich um ihre Hüften, und sie wurde ciseusest an einen jungen Leib gedrückt. Zwei heiße Lippen brannten auf ihren titic Sekunde lang, — dann Ivar sie losgelassen und stand schwindelnd da, ganz verwirrt.
Ws war Hildegard, wo war bet Beert? Sie war mit barö Knäuel abgedrängt worden. — Da kam Beert schon gestürzt.
„Hendrina, Mädchen, was is? Hat Dir einer was getan?" Er keuchte, seine Fäuste ballten sich. Hendrina erschrak zn Tode.
„Nein, nein. Sie haben mich nur nritgerissen in den Trubel," Er zog heftig ihren Arm in den seinen.
„Komm, wir wollen anf't Schiff. Oder — oder willst Du noch bleiben?"
Sie sah sich scheu um. Der ganze Trupp ausgelassener Ge- sellen war schon weit oben am Rhein kai.
„Wo ist denn Vater?"
Da kam er, zankend und geärgert. „So'n jung Volk, fo'tt doll Volk. Als wann Fastelabend wär'."
Nun gingen sie dem Hafen zu, den Schiffen, wo es auch r-och lebendig war. Festliche Helle kam aus den Keinen Kajütew fenstern, einzelne Glocken bimmelten noch. Beert hatte Hendrinas' Arm in den seinigen gezogen. Nun hielt sie wieder eine Hand fest, wie heute nachmittag auf dem Rh-eineis. Und Hendrina fühlte wie Beerts Herz heftig klopfte. Sie selber atmete tief und schwer, als sic in ihrem Schranköett lag und schlaflos nachsann über diesen Silvcstertag. — Durch das Gitterwerk strömte Wärme herein, sie hörte ihren Vater sich bewegen. Sie öffnete einen Augenblick die Luke und zog das kleine Fenster ein wenig hoch. Tas Licht aus der unteren Kajüte warf einen langen Schein über das Eis. Beert schlief auch noch nicht, lind auf dem Uferroeg kamen Schritte, eine Gestalt, die sie zu kennen meinte. Ta liest ftc leise das Fensterchen hinab und klappte die Luke zu. lind leise sagte sie noch vor sich hin: ,Maria .Hendrina von Goch ™< Maria Hendrina von Goch."
Darüber schlief sie ein.
IV.
"M, so was Scheencs, — so was Scheenes! — FränleiG öeä werd heft awend ä llnglück gewwe unner dä Binger Buwe!"
Hendrina van Endert stand mitten in der Staatssttibe int kleinen Wtingärtnerhans. Aus dem roten Plüschsofa und denk Tisch, auf dem Kvnsol und Stühlen lag allerhand Puh verstrsnt, Hendrina stand stumm und steif und wagte sich kaum zu rühren, Sie sah an sich herunter an dem hellblauen Tüllklcid, das wie em Sttick Himmel um sie herum war, und auf das die geschickte Hand, der „Mhstitche" noch Bergißmeiimichtsträußchen ausiiähte. Ed re schneller ihre. Hände flogen, desto schneller plapjKrte auch ihr Mund.
„Sie müßte immer hellbloo gehe. Immer hellbloo, tut immer ausgeschnitte, daß mer Ihre Hals und Ihre ?lerm' sehe dhüt. So was vun Hals tut Aerm' is jo noch gar net dogewese. Fik E letzte Geschicht', die ich getefe hawwe, do is so eine be-- V'rlwwe, wie Sie, Freilein. Ach, des is ft scheene Geschichstl ®e hescht „Sisichigtz Liebe" tut do iS eins drin, mit so binrM


