Donnerstag den (2. August
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Peter Nockler.
Die Geschichte eines Schneiders von Wilhelm Holzamer.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Ein wenig vornehmer wurde die Elise in dem feineren Viertel. Sie schaffte sich einen Reifrock an und große, werße Spitzenmanschetten. Und gar nicht selten gab sich jetzt dre Gelegenheit, mit dem Peter so zu promenieren, und die beiden konnten's wahrhaftig mit bett Oesterreichern aufnehmen, wenn sie mit ihren Schätzen, die immer „Käthchen hießen, daherkamen. Und wenn der Peter auch keine weißen Hosen trug uttb kein Korporal war, der stolz am Münstertor die Wache hielt und ein schönes Wort für jedes Mädchen hatte.
Er war ein gar stolzer Kerl, der Peter, den man sehen lasse,: konnte. Da er noch dabei fleißig war, verdiente er auch einen ganz schölten Lohn und fühlte sich ganz wohl. Es ging ihm gut. Als wieder ein Jahr herumgegangen war, so schnell, daß man's kaum begreifen konnte hintennach, fühlte sich der Peter ordentlich seßhaft und fand ftch so gut versorgt bei seinem Meister, daß er ganz von selbst nicht mehr ans Wandern dachte.
Und wenn er auch manchmal daran dachte, und wenn s wie Vorwürfe in ihm klang, >vas er alles halte sehen wollet: von der Welt, was alles er geplant hatte, und wenn er auch traurig dabei wurde, daß er's nun doch nicht sehen sollte, daß so vieles nicht ausgeführt werden könnte, — wenn er sich überlegte, tote gut's ihm ging, und daß er die Elise gefunden hatte, die ihm so gut war, die so klug und tüchtig war, entschlug er sich aller Traurigkeit und ward froh in dem, was er hatte. Und er mußte denken, daß das ja das Glück sei, tmb barauf käm's ja einzig an in ber Welt, das Glück zu haben. — c , ,,
Da ihr „Verhältnis" nun schon so lange gedauert hatte, sprachen sie auch eines schönen Tags vom Heiraten.
Freilich, der Elise toar's manchmal geradezu lang- toeilig, dieses ewige Einerlei und Getechtelmechtel. All die lange Zeit und immer das Gleiche! Sie genoß ja ihr Leben gar nicht. Daß sie die Dummheit gemacht hatte, mit ihm auzubändeln! So hatten sie sich beide festgebünden, schon allein durch die lange Dauer ihrer Liebschaft. Und schließlich hätt sie eine andere Partie noch inachen können — und er hätt in die Fremde gehen können.
Ja, oft war's ihr gar nicht recht, und wenn's nun nicht schon so gar lange gedauert hätte, ließe sie's ganz sein.
Oder wenn'sie einen anderen nähme — dennoch!
Wie's mit dem Peter einmal würde, das wußte sie. Immer so in gleichem Schritt, alles wie am Schnürchen, hübsch geregelt und geordnet und ziemlich langweilig. Der Peter war ja ein guter Kerl, jawohl, aber er war zu still und in sich gekehrt. Er konnte ja recht froh sein, und er war gern froh; aber es hielt nicht lange. Es kam auch nie
zu einer rechten Ausgelassenheit. Nein, ausgelassen war er nicht, wie's seinen Jahren zngekommen wäre. Em recht tolles Bergnügtsein und Ueberdiesträngeschlagen, das tonnte er eigentlich nicht. Es fiel ihm immer was aufs §er^, etwas Ernstes und Schweres lag sehr oft auf ihm. Er nahm schon das Leben zu ernst, die Stunden Und Tage zu wichtig. Er dachte zu viel vor, er sorgte schon zu v:el. Es war ja anfangs nicht so arg gewesen, es war in letzter Zeit viel mehr geworden. Und besonders, seitdem fte vom He:- raten geredet hatten. •>
Zur rechten Zeit brach er immer auf, wenn die anderen noch lange blieben. Ein paar Tänze tanzte er immer nur, kaum ein halbes Dutzend, u.nd dazu mußte er überredet werden. Er hatte immer gleich genug, und fte war doch so gern recht lustig und recht ausgelassen, und sie tanzte so gern. Sie tanzte sich am liebsten todmüde und glutheiß. Die paar Tänzer, die's wagten, herauzukommen, Gott, was
t)Q.§!
Sie Hätte so gern gehabt, wenn sich der Peter mal einen kleinen Schwibbs angetrunken hätte. Sie suchte rhu oft zu verleiten, sie gab ihm sogar gute Worte drum, fte trank oft selbst mehr und öfter, nur um ihn zu animteren, aber! es half nichts. Er war viel zu zahm und zu alt für ferne Jahre, viel zu abgezirkelt und grundsätzltch. Immer dachte er an das Morgen, immer an die Folgen. Sie mochte das gar nicht leiden. , r .. ___
Ja, er war langweilig. Und er brachte auch fte um ihre ganze Jugend. Nein, — wenn's nicht schon gar zu lange wäre! daß sie „miteinander gingen", ste gäbe :hm den Laufpaß! „
So giug's ihr öfter im Kopf herum. Ste behandelte dann immer den armen Peter auch danach. Es war so etwas Unruhiges, Unbefriedigtes in sie gekommen. Sie wußte ftch manche Tage gar nicht dagegen zu wehren. Und manchmal war's tote eine Angst. Und manchmal war's eine Draurtgkett und Verzweiflung, zum Sterben.
Es kamen auch wieder ruhtge Tage und bessere Stunden. Es war ihr dann selbst, sie sei vernünftiger, es sei ihr alles klarer und nicht so verschleiert und falsch. Sie überlegte ftch, daß sie doch ganz gut versorgt sei mit ihm. Würde er un Geschäft von Flügger bleiben, würde er vteltetcht nut der Zeit zum Obergesellen aufsteigen ttttb einen ganz guten Lohn haben. Oder auch, sie könnten aufs Land ztehen, tn sein Dorf, er könnte sich für ein paar Kunden tn der Stadt sorgen, und was „draußen" noch zu verdienen wäre, es ginge schon. O ja, es ginge schon. Und der Peter war ja fleißig. Wenn kein Unglück käme i—»
So sprachen sie vom Heiraten.
Da kam wieder dies Unzufriedene. Ste wollte ftch s aus dem Siun zwingen. Es ginge schon, ach ja — Gott, es ginge schon. Und sie war's ja auch nun einmal so gewöhnt. Und der Peter war so ein guter Kerl, so brav und fleißig und ordentlich. Und hing doch auch so sehr an rhr. Das Heiraten war ihm nun freilich eine Sorge. Aber er


