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zu Mecklenburg, Regenten von Braunschweigs die Mittel zu einer deutschen Expedition in das Hinterland von Lindi gesammelt. Die Leitung wurde Dr. Janensch vom geologischpaläontologischen Institut zu Berlin übertragen, der in Begleitung von Dr. Henning die Erforschung des Geländes und Sammlung der überaus wichtigen fossilen Überreste begonnen hat. Bereits sind die ersten Berichte über bie Erfolge der Expedition in Berlin eingetroffen. Die Vossische Zeitung macht darüber Mitteilungen, denen Nachfolgendes entnommen ist. „Am 6. April," schreibt Dr. Janensch, „trafen wir mit dem Dampfer Feldmarschall in Lindi ein. In Folge vorbereiteter Schritte Sattlers erwarteten uns bereits 100 Träger, 50 weitere überließ uns das Bezirksamt. Im ganzen setzten wir 162 Mann in Bewegung, von denen 40 zwei Tage voraus geschickt wurden, um ein Lager herzurichten. Am 12. April erfolgte der Abmarsch. Ursprünglich wollten wir den gleichen Weg machen wie Fraas, doch war der Weg durch Regen so aufgeweicht, daß am zweiten Tag die Route auf den Rat Sattlers geändert wurde. Nach fünf Marschtagen erreichten wir am 16. April den Tendaguru, wo ein Lagerplatz bereits hergerichtct war. Wir konnten nns gleich davon überzeugen, daß sich die Saurierknochen in weiter Ausbreitung in der Umgebung des Tendaguru finden. Wir erhielten den Eindruck, daß die Knochen ein bestimmtes Niveau einhalten, denn an den Hängen stießen wir fast stets in dem vermuteten Niveau auf solche. Die Vermutung von Fraas, daß mehr oder weniger zusammenhängende Skelette, vielleicht auch ganze Skelette vorkommen, können wir nur bestätigen. Die zahlreich zusammen umherliegenden großen Knochen deuten darauf hm. Am 20. Tage begannen wir mit der Anlage eines Schürfgrabens, fünf Minuten südlich von nnserm Lager. Unter einer ganz flachen Kuppe zieht sich die Knochens'chicht anscheinend ganz dicht, vielleicht höchstens 3 Meter unter dem höchsten Punkt hin. Wir setzten den Graben an der nördlichen Abdachung an einer Stelle an, wo Fraas einen Wirbel erbeutet hatte und noch mehrere andere zutage lagen. Außerdem wurden an dieser Stelle zur Auffindung weiterer Reste des herausgewitterten Skelettes größere Flächen freigelegt. Wegen der Lage nnmittelbar unter der Oberfläche sind die Knochen dieses Skeletts zum Teil stark angewittert. Die Knochen liegen etwa 20 Meter vom Anfangspunkt des Grabens entfernt, etwa 1V- Meter unter der Oberfläche in frischem Gestein. Dieses ist ein bröckeliger sandiger Mergel von grauer und roter Farbe, er ist mit der Hane sehr leicht zu bearbeiten und löst sich ganz leicht von den Knochen ab. Diese sind in dem verwitterten Gestein ausgezeichnet erhalten, anscheinend unver- drückt, allerdings von Querbrüchen durchzogen. Wir hoffen, an dieser Stelle mehr zu finden. Da größere Vorsicht beim Graben anzuwenden ist, so geht die Arbeit langsamer von statten. Int übrigen arbeiten die Leute über meine Erwartung schnell, dabei aber recht sorgsam, auch haben sie einen guten Blick dafür, was Knochen und was Gestein ist. In fünf Tagen Arbeit haben durchschnittlich 15 Leute einen Graben von etwa 50 Meter Länge und 1—2 Meter Tiefe gezogen und weitere 40 Meter etwa l/2 Meter ausgehoben. Von Eingeborenen sind uns weitere Fundpunkte eine halbe Stunde südlich und eine Stunde nördlich gezeigt worden. An einem dritten, dicht bei unserm Lager fand sich ein riesiger oberer Extremitätenknochen, der trotz seiner abgewitterten Enden eine Länge von 1,80 Meter besitzt."—Dr. Henning schreibt u. a.: „Wir dürfen uns bereits jetzt mancherlei wichtige Er- gebnisfe stratigraphischer Art versprechen. Wir entdeckten reiche Fossilpunkte auf dem Gipfel des Tendaguru, also über Saurierschichten, so daß sich deren Alter genauer wird fest- siellen lassen. Interessant ist daran arich, daß allem Anscheine nach das Land nachmals unter Wasser gesetzt wurde. Die Knochenfnnde selbst sind bereits beim ersten oberflächlichen Rundgaug so unglaublich reichlich, daß mit Bestimmtheit beim Graben noch viel Gutes erwartet werden darf. Wir müssen anscheinend den ganzen Berg abtragen, denn es ist
kaum eine Stelle ohne Knochenreste. Im übrigen geht es im Lager ungemein gemütlich und behaglich zu. Die Arbeiter und Träger ' 'bett ihre Frauen und Kinder mitgebracht und sitid im Be^, ff, ein kleines Dorf aus Bambus und Gras entstehen zu lassen. Für die Arbeit ist es insofern von Wert, als wir von 2 bis 6 Uhr werden graben lassen können und die Leute dann ihr fertiges Essen vorfinden, dann bleibt der Nachmittag für geologische Betrachtungen frei. Der Verkehr mit den Schwarzen gestaltet sich sehr nett, von Arbeitsschen ist keine Rede, sie sind stets heiter und zufrieden sowie bescheiden und nur zum Teil ein wenig scheu." Die reiche und wichtige Ansbente wird im zoologisch-pälüontologi- schcn Museum der Universität zu Berlin Aufstellung finden.
Vermischtes.
* „A u S b e in Tierlebe. n des Theaters" führt Max Grube int Julihest Von Velhagen und Klasings Monatsheften außer den bekannten Ballettratten noch einige andere Kulissenspezialitäten vor: den Neidhammel, den Rollenmarder und das Leichenhuhn. Ter Rollenmarder, sagt er, ist ein sehr gewandter, äußerst schmiegsamer Bursche, mit sehr feinem Geruchsorgan begabt. Sobald irgendwo und irgendwie auch nur die leiseste Andeutung gefallen ist, daß ein neues Stück herauskommen soll — sogleich hat der Rollemnarder Witterung daoon. Ta nun aber ein Direktionsbureack kein Hühnerstall ist, in den der Rollenmarder sich einschleichen könnte, nut nach Herzenslust Rollen zu fressen, so verändert er in echt Tarwinischcr Anpassung au bie; gegebenen Verhältnisse seine Natur unb nimmt ein katzenähnliches Gebaren an. Angenehm schnurrenb unb mit gekrümmtem Rücken schmeichelt er sich an ben Hühnerhofbesitzer, will sagen den Direktor oder Regisseur heran, unb da ihm zu dieser Katzenfreundlichkeit auch die Schmeichelkunst der Rede gegeben ist, so weiß er sich zn drehen und zu wenden und so geschickt zu manövrieren, daß ihm in vielen Fällen das fette Huhn, die ersehnte.gute Rolle, richtig in die Fänge gerät. Viel bescheidener, auch viel ungefährlicher, als der mit Recht so gefürchtete, leider sehr schwer zur Strecke zu bringende Rollenmarder, ist das Leichenhuhu. Zwar verschmäht es ebensowenig wie unser gewöhnliches Haushnhn, einen fetten Fleischbissen keineswegs, aber gemeinhin nährt es sich, wie leneS, von Körnerfutter. Tas kleinste Körnchen einer kleinsten Rolle ist ihm schon himmlisches Manna. Es verlegt sich ans keine Schmeichelkünste, um seinen Zweck zu erreichen, sondern wartet in aller Stille, ob ein Brosamen vom Tische fällt, nlit ihn eilig aufzupicken. Sein Standort pflegt der Parkettraum während der Proben zu sein. Da harrt es geduldig stimden- unb stundenlange Sein Name enthält eine llebertreibung. Es wartet durchaus mchr darauf, daß ein Rollenbesitzer während der Probe stirbt. Tas. kommt ja auch nur äußerst selten vor. Aber wenn lemand plötzlich krank wird, dann freut sich das Leichenhuhn, es erhebt losort ein großes Gegacker, kommt eilig scharrend ans tue Buhne gelaufen unb erklärt, es könne sofort einspringen. Schwupp»! hat es sein Körnchen aufgepickt. Hat es Glück, so kann es auÄ em Speckbrocken sein. Gar mancher stolze Pfau, der wohlgefällig sein Rad strahlender Rollen schlügt, hat seine glänzende Bahn als bescheidenes, aber fleißiges Leichenhuhn begonnen. Eier lcgt das Leichenhuhn aber nicht.
Literatur.
— Das literarische E ch o. Halbnronatsschr>st für Literaturfrennde (Herausgeber: Dr. Josef Ettlinger, Verlag: Egon Fleischet xt Co., Berlin W. 9). Das 1. Juli heft ist soeben mit folgendem Inhalt erschienen: — Rudolf Krantz: Rede unb Schreibe. — A. von Ende: Ein amerikanischer Dramatiker. — Julius Petersen: Bergers Schillerbuch. —i Hermann Kienzl: Priesterdramen. — Otto Stoessl: ^er-i dinand von Saar. — Wilhelm Poeck: Brinckmanns Nachlaß. — Echo der Zeitungen und Zeitschriften. —■ Echo des Auslands (Französischer, italienischer, neugriechischer Bries). — Echo der Bühnen. — Kurze Anzeigen. — Notizen. Nachrichten. — Zuschriften. — Der Büchermarkt.
Charade.
Die ersten beiden sind ein hoher Herr, Ein Staatsbeamter in dem Türkentaube; Die andern beiden steh'n von Alters her 2((§ Riesenbüdwerk fern am Nilesstrande; Und hast die Namen du geschickt vereint, Ein Held dir vom trojan'schen Krieg erscheint. .Auslösung in nächster Nummern
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Das Weib allein kennt wahre Li ebestrene.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- unb Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


