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2. Ach, was wird die Mutter sprechen. Wenn ich sie verlassen will?
Sie mag sprechen, was sie will, ja will;
Denn ich heirat' in der Still.
3. Vater laß Dich doch erbarmen Und verschasf mir einen Mann, Der mich drückt an seine Brust, ja Brust; Denn zunr Heiraten hab ich Lust."
Nachdem dieses uralte Lied gefangen ist, eilt der Kellerbursche zu den Burschen hinaus und reicht ihnen einen Krug mit Branntwein, die Mädchen bekommen Kuchen; der Bräutigam aber drückt dem Burschen, der ihm namens der Jugend gratuliert, seinen Dank in Gestalt eines ZehnmarMückes in die Hand.
Nun ertönt abermals der Gesang der Dorsjugend; sie singt das Volkslied: „Heinrich schlief bei seiner Neuvermählten." Dann eilen die Burschen in ihre Gastwirtschaft, um die Hochzeitsgabe in Bier und Wurst zu verwandeln, die Mädchen kehren heim.
In das Hochzeitshaus hat man inzwischen den „Orgel- schorsch" geholt. Das ist ein Bursche, der die Ziehharmonika meisterlich zu spielen versteht. Mit ihm ist noch ein anderer Musiker getreten, die Geige unterm Arm, es ist der „Schmidtjakob", der den Harmonikaspieler begleitet.
Rasch räumt man nun das große Zimmer aus; Tische, Bänke' und Stühle sind im Nu verschwunden. Der Tanz hebt an. Das Brautpaar eröffnet den Reigen. (Wo die Räumlichkeiten in einem Hanfe zu beschränkt sind, da erfolgt das Tanzen in einem Nachbarhause oder im Saale einer Gastwirtschaft.)
Bald nehmen am Tanze der Jugend auch die jung Verheirateten teil. Ist ein Tanz beendigt, dann erschallt froher, heiterer Gesang. So währt das fröhliche Treiben bis zur Mitternacht. Da zieht ein aromatischer Kaffeeduft durch das Hochzeitshaus, er verkündet: Der Kaffee ist bereitet.
Man eilt zu den Kaffeetischen. Da plötzlich ein heiteres Intermezzo. J-rauen umkreisen die Braut, sie suchen ihr den Brautkranz vom Haupte zu nehmen. Dagegen wehrt fisch Minna energisch, aber sie unterliegt. Die Frauen nehmen ihr die Myrte aus dem Haar und fetzen ihr dafür eine — Schlafhaube auf. Während dieser Handlung hat eine der Frauen der Brant geschickt — eine Wickelpuppe auf den Schoß praktiziert. Unter großer Heiterkeit wird das eindeutige Geschenk gezeigt.
Dem Bräutigam haben während dieser Szene andere Frauen das Sträußchen von der Brust entfernt, ihm die Stiefel ausgezogen und ein Paar Pantoffeln angesteckt.
Durch diefe Handlung — sie ruht gleichfalls auf ur- deutschem, altgermanischem Gebrauche — find Braut und Bräutigam als junge Frau und junger Mann in den Kreis der Verheirateten anfgenommen.
Nach dem Kaffee kommt der Tanz ivieder an die Reihe. Eine weitere Mahlzeit, bestehend aus Kartoffelsalat und Würstchen, Braten und Sauce, folgt gegen zwei Uhr morgens. Schon ertönt der Hahnenruf durch die Morgendämmerung. Jetzt verstummen Harmonika und Fiedel. Die Hochzeitsgäste eilen nach Hause; im Hochzeitshause schweigt das fröhliche Tun und Treiben, Schalten und Walten bis zunr anderen Tage.
IV. Der Kehraus.
Der Frühstückstisch ist im Brauthanse aur anderen Morgen gegen zehn Uhr zugerichtet worden. Bereits find mehrere Hochzeitsgäste wiedergekehrt, andere fehlen noch. Auswärtige Gäste find auch schon heimgekehrt. In der großen Stube des Hauses herrscht ein lautes Treiben; die Männer sind besonders aufgeräumt und lustig. Man verschmäht Bier und Wein und spricht am Morgen lieber dem „guten" Branntwein zu.
Run wird ein Getränk gereicht, bei dessen Genüsse sich das Gesicht manches Gastes gar sauer verzieht, gar bittere Miene macht. Es ist die „Loiiz", so nennt man den Trunk. Er wird aus Branntwein bereitet, in dem man „Elsen" hat ziehen lassen. Die „Lonz" gilt als Gegenmittel gegen Verdauungsbefchwerden, wie sie eine Hochzeitstafel leicht im Gefolge haben kann. Die Frauen verschmähen den gallenbitteren Trank.
Mittlerweile haben sich alle Hochzeitsgäste bis auf einige auswärtige, die bereits abgereist, wieder eingefimben; weiß doch ein jeder, wer zu lauge ausbleibt, der wird mit einem Seile oder einer Kette geholt und hergeführt.
Doch halt! Der „Haiinjörg" fehlt noch. Geschwind eilen mehrere Frauen und Männer nach seiner Behausung. Eine der Frauen trägt, unter der Schürze verborgen, ein langes Seil.
Hannjörg ist noch nicht lange aus den Federn; ihm brummt der Kopf vom Plotzkrug. So sehr er sich bemüht, die Hochzeitsgüste abzuschicken, es hilft ihm nichts; er wird mit dem Seil angebunden, von der Hochzeitsschar geleitet und so durch das Dorf zum größten Gaudium der Dorfjugend nach dem „Bräuthause" gebracht.
Dem Frühstück folgt das Mittagessen, das sich aus den Resten vom ersten Tage zusammensetzt. Noch fitzen die Gäste in fröhlicher Stimmung am Tische, da wird die Köchin von einem Burschen hereingeführt, begleitet von dem spielenden „Oraelschorsch". Die Köchin hat ein Bein verbunden, das soll bedeuten, sie habe sich verbrannt. Der sie führende Bursche präsentiert den Gästen einen Teller, worauf die Trinkgelder reichlich fließen, sind doch alle Gäste einig in dem Lob über die gute Zubereitung der Speisen. Mit zufriedener Miene heimst die Köchin das erkleckliche Trinkgeld ein, das man ihr vorgezählt.
Der Tanz wird nun auch in den Nachmittagsstunden noch gepflegt. Der Nachmittagskaffee macht den Schluß der Hochzeit. Auch hierbei herrscht noch Fröhlichkeit, Heiterkeit, witzige Laune und launiger Witz in der Gesellschaft. Daun eilen die Hochzeitsgäste nach Hause; denn schon geht cs zum Abend hin.
Die Hochzeit ist vorüber.
Nun beginnt im Hause noch eine besondere Arbeit: Das Wegtragen des Hochzeitskuchens in die Familien des Dorfes, das mehrere Mädchen besorgen. Die Kranken und Armen haben ihren Teil an Kuchen neben etwas Essen schon am Abend des ersten Hochzeitstages erhalten; denn Minnas Mutter ist als wohltätig im Dorfe wohlbekannt.
Von der so schön verlaufenen Hochzeit aber spricht man viel und noch lange im Ort:
Nachtrag.
Ist die junge Frau nicht aus dem Heimatsort, darinnen sie heiratet, also von auswärts, dann folgt ber Hochzeit in einigen Wochen der „R ompelwage n", d. i. Brant- Wagen. Mit allen Möbeln der jungen Frau kunstgerecht bepackt, jedes Stück soll zur Geltung kommen, rundum am Wagen das blinkende Küchen- und Hausgerät hängend, wird der Wagen von mit Sträußen geschmückten Pferden gezogen. Früher thronte die junge Fran oben auf dem Brautwagen. Heute ist dieser Brauch verschwunden.
Sobald der Brautwagen das heimatliche Dorf verläßt, wird derselbe mit Seilen, die von der Jugend quer über die ©tragen gespannt und an einer Seite gehalten werden, gehemmt. (An manchen Orten findet ein solches Hemmen schon beim Hochzeitszuge nach der Kirche statt.) Ein Trinkgeld, vom jungen Ehemann unter die Hemmenden aus die Straße geworfen, worauf sich bald ein dichter Haufe Knaben wälzt und „rabbscht", läßt das Hindernis fallen. Ein großer Krug, mit Branntwein gefüllt, von einem Begleiter des Wagens getragen, wird dem zusehenden erwachsenen männlichen Geschlecht kredenzt.
Der „Rumpelwagen" wird stets an einem Donnerstag gefahren und in das neue Heim gebracht. Wohl hat auch die neue Zeit ihr Gepräge den Hochzeitssitten und -Gebräuchen verliehen, aber dessenungeachtet ruht der Kern dieses bedeutungsvollsten Familienfestes auf dem uralten Grunde uitivanbelboren Deutschtums.
Die aurgestorbenen MsenL'me DmtschMasMas.
Vvr mehreren Jahren machte B. Sattler, Ingenieur der Schürfgesellschaft im Hinterlande von Lindi am Berge Tendgnru, die Entdeckung, daß sich dort versteinerte Tierknochen von ungewöhnlicher Größe vorfinden. Er berichtete darüber nach Europa, wodurch die Sache der Landeskundigen Kommission des Kolonialanttes zur Kenntnis kam. Zufällig war damals der württembergische Geologe Prof. Dr. E. Fraas auf einer Forschungsreise in Ostafrika und konnte die Fundstelle besuchen. Er fand die Angaben Sattlers bestätigt und konnte feststellen, daß es sich um versteinerte Reste von riesenhaften Dinosauriern handelt, die in der ersten Stufe der Kreide- Periode dort gehaust haben. Nachdem die Tatsache feststand, wurden unter dem Protektorat des Herzogs Johann Albrecht


