Ausgabe 
12.6.1909
 
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Sprachs, stampfte in die Erd« Md verschwand in seinem Grab.

Weinend um seinen treuen Sklaven zog der junge Kaustnann ttt seinem Vaterhaus ein.

Da wurde die Ehe vollzogen, da blühte ihm eine Schar Kinder und Enkel und immer wieder fand er, wenn sichs schickte, den Weg zum Schah von Kairo.

Heber schlimme Geschenke

schickt uns der Dürerbünd eine Plauderei. Fritzchen be­kommt vom Vater eine Trompete. Drei Tage herrscht große Freude. Am vierten kann Mama das Geblase nicht mehr vertragen. Am fünften wird Papa im Mittagsschlaf gestört. Das ewige Getute wird untersagt. Fritz kann sich trotzdem nicht zurückhalten. Die Trompete wird einge- schlossen. Geheul. Der halsstarrige Junge erhält eine Tracht Prügel. Es ist nicht auszuhalten mit ihm, der eine Trompete geschenkt bekam und nicht blasen sollte. . . Fanny erhalt Schippe, Hacke und Sandeimer. Die Familie lebt in einer großstädtischen Mietskaserne. Auf dem Hofe werden die Kinder nicht geduldet. Die Mutter oder das Dienstmädchen haben keine Zeit, mit 'der Kleinen auf den Spielplatz zu gehen. Bittere Tränen. Das Kind will keine Vernunft annehmen. Es ist unausstehlich, denn es hat Schippe, Hacke und Sandeimer und soll nicht im Sand spielen ... Ein Junge bekommt eine Laterna magiea, und aus Angst vor der Feuersgefahr wird sie eingeschlossen. Ein kleiner Bengel erhält ein mechanisches Spielwerk und nach drei Stunden ist der zarte Mechanismus geliefert. Der Vater wütet; der Junge heult. Die Geschenke, die den Kindern Freude bereiten sollten, fütb zu einer Quelle des Aergers und der Erbitterung geworden! Sie mutzten's werden. Wer zarte Nerven hat und sein Mittagsschläfchen braucht, schenke seinem Kind keine Blasinstrumente. Ein Baukasten hätte wahrscheinlich die vermeintliche Störrig­keit und Unfolgsamkeit nie verursacht. Die Eltern ver­langen von ihren Kindern unbedingten Gehorsam. Wer ist es nicht unklug, die Widersetzlichkeiten in nebensächlichen Dingen zu provozieren? Das Kind muß es doch als eilte willkürliche Unbill empfinden, wenn man ihm ein Spiel in die Hand gibt mit dem Verbot der Benutzung. Beim Einkauf sollte daher gut überlegt werden, was in dem be­sonderen Falle wirklich geeignet ist, welches Spielwerk durch die Verhältnisse ausgeschlossen oder geboten erscheint. Wer ein Kind beschenkt, sollte sich vergewissern, daß feine Gabe praktisch, daß ihre Benutzung durch das Kleine möglich und daß sie schließlich der häuslichen Ruhe nicht nachteilig ist. Das ist die Humanität des Schenkers, der gewiß vor dem Gedanken zurückschrecken wird, durch seine Freundlich­keit Kindern wie Eltern peinliche Stunden zu bereiten. Die kleinen Verbote festigen nie das Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern. Der kluge Vater baut einem geschickten Diplomaten gleich vor. Er suggeriert dem Meinen als eigenen Wunsch, was er von ihm verlangen würde. Das Kind tut gern, tut von selbst, was es auf ein Machtgebot nur widerwillig leisten würde. Ein Beispiel: Ein drei­jähriger Junge spielt im Schreibzimmer des Vaters. Er erhält ein paar Bilder, Drucksachen usw., die bald im Zimmer umherliegen. Der Junge soll schließlich die Papierschnitzel wieder aufräumen. Der Vater kann daraus eine kleine Pflicht machen, deren Langweiligkeit der Kleine sich wahrscheinlich zu entziehen sucht. Anders wenn er das Aufräumen selbst zum Spiel erhebt. Er nimmt den Papierkorb, zeigt dem Jungen, wie lustig die Papier­stückchen in den großen Strohkorb fliegen." Er weckt die Freude an der neuen Tätigkeit. Und bald liegt kein End­chen mehr umher. Ja, in meinem Falle ist es vorge­kommen, daß der !Bater den Korb noch einmal ausleeren mußte, weil der Junge so große Ltrst zum Aufräumen bekommen hatte. Solche Papierfetzen könnten. auch ein Danaergeschenk sein, könnten unter Umständen alle schlim­men Eigenschaften eines kleinen Menschen offenbaren, Aber es geht auch ohne schroffen Befehl, ohne wider­willigen Gehorsam, ohne Tränen. Ein bißchen Diplomatie und Verständnis für die Natur des Kindes sind allerdings erforderlich. Die meisten Eltern müssen sich ärgern, weil sie planlos fordern und planlos schenken. Wer Folgsam-, reit verlangt, schaffe auch die.Voraussetzungen dafür. Man I bedenke, am besten wird der Befehl ausgeführt, der schott I ein Wunsch des Kindes war, am geeignetsten ist das Ge- I

schenk, das uneingeschränkt dem Kleinen überlassen werden kann. Ale unpraktischen Gaben, die Verbote und Strafen verursachen, sind Folterwerkzeuge. Und wozu den Herois­mus zwecklos herausfordern? Bemühen wir uns, doch ein brßchen human zu sein, wo es eigentlich selbstverständlich wäre. Paul Westheim.

Vermischte».

* Was das Meer verschlingt. In jedem Jahre geht in den blauen Fluten ein Kapitalwert von Hunderten von Millionen zugrunde. Den zur Minderung der See­gefahr eingeführten technischen Fortschritten stehen als immer größer werdende Gefahrfaktoren die zunehmende Dichte des Schiffsverkehrs, das Wachsen der Fahrgeschwin­digkeiten und die Unsicherheit des Kompasses aus Eisen- fchiffen gegenüber. Im Interesse der Seeversicherung wer­den über alle bekannt werdenden Schiffsverluste und Be­schädigungen genaue Listen geführt. Es ergibt sich daraus, daß im Jahr 1907 nicht weniger als 378 Dampfer und 736 Segelschiffe, an jedem Tage also durchschnittlich ein Dampfschiff und zwei Segler verloren gingen. Fast die Hälfte der Dampfer, nämlich 162, verunglückten durch Stran­dung, 43 durch Zusammenstoß, 38 durch Kentern, 18 durch Feuer, 7 mußten in sinkendem Zustande verlassen iverden. Von 21 in See gegangenen Dampfern blieb jede Kunde aus, so daß sie als verschollen erklärt wurden. Bei 91 aber entschied die Seebehörde, daß sie als seeuntüchtig (sogen, schwimmende Särge) von weiterer Fahrt auszuschließen seieit. Die Totalverluste der Dampfschiff-Flotten verteilen sich auf die größten, seefahrenden Länder wie folgt: Groß­britannien 161 (mit 255Oll Tonnen), Deutschland 30 (60096 Tonnen), Japan 31 (36 461 Tonnen), Frankreich 24 (36 319 Tonnen), Norwegen 22 (34 731 Tonnen), Bereinigte Staaten 19 (46 098 Tonnen), Spanien 15 (25 331 Tonnen), Italien 11 (26 582 Tonnen), Rußland 12 (23 810 Tonnen), Oester­reich 6 (14 303 Tonnen) und Griechenland 4 (8648 Tonnen). Der Tonnengehalt der in demselben Jahre verlöret: ge­gangenen 736 Segelschiffe belief sich attf 325146 Tonnen, wobei auf nur 9 verunglückte deutsche Segler 6181 Tonnen etttfallen. Die über die Unfälle an den deutschen Küsten geführte Statistik zerlegt das Strandgebiet der Nordsee und Ostsee in einzelne Strecken. Danach kommen an Total­verlusten und schweren Beschädigungen innerhalb eines mit dem Jahre 1900 beginnenden siebenjährigen Zeitraumes auf die Strecke von Mmmersatt bis Brüsterort 37 Unfälle (mit 33 verlorenen Menschenleben), von Brüsterort bis Neukrug 126 (2), von Neukrug bis Rixhöft 213 (13), Rix ho ft bis Groß-Horst 54 (23), Groß-Horst bis Arkona (Odermündung) 561 (47), Arkona bis Buk 132 (9), Buk bis Dahmerchöft 101 (2), Dahmerhöft bis Birkenakke (Kieler Bucht) 452 (10), Birkenakke bis dänische Grenze 66 (1), dänische Grenze bis Nachhörn 39 (21), Nachhörn bis Neuwert (Elbmünduug) 1561 (176), Neuwert bis Waugeroog (Wesermündung) 458 (29), Waugeroog bis Emsmündung, holländische Grenze 247 (23). Insgesamt haben während dieser sieben Jahre im deutschen Ostseegebiet 140, im Nordseegebiet aber 249 Men­schen im Schiffahrtsbetrieb ihr Leben verloren. Der Tod lauert an den Einfahrten zu den großen Häfen, aber navigare necesse eft, vivere non est neeesse".

* D er Kuß. In einem1 Frenndinnenkreise kommt es zum erstenmal vor, daß eins der jungen Mädchen sich verlobt. Atm« gönnt ihr das Glück, soweit es möglich ist, ohne Neid, hält sich indessen schadlos, indem man sich den Zustand des Verlobtseins mit glühenden Farben ausmalt. Mit ängstlich-wonnevollem Schauder wirst ein kleiner Mund die Frage auf, rote der Kuß eines bärtigen Herrn schmecke. Niemand wein eine befriedigende Antwort, bis es sich einer der Schönen mit elementarer Gewalt entringt:Ha, ich glaube, wie Schlagsahne mit Elektrizität."

* Beruhigend. Führer:Jetzt haben wir gleich den Berggipfel erreicht!" Tourist:Das sagten Sie schon vor einer halben Stunde! Wie oft sagen SieS denn noch ?" Führer: Jetzt nur noch zweimal!"

Logogriph.

Leuchtend durchbrech :ch das nächtliche Dunkel mitF" au der Spitze; Trag ich im Haupte einD", iolg'. ich dir treulich als Hund.

Auflösung in nächster Nummer!

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gtchew

Auflösung des Zitaten-Rätsels in voriger Nummer: Wer vieles bringt, iv i r d in a n ch e m e t tu a s bring e