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„Sieben Pferde — jtcüitiiitbitcnitsitf Zcchinen. Wer bietet mehr?"
„Machs rund," sagte der junge Mann, „ich gebe hundert."
Der Ausrufer schrie durch den Basar:
„Sieben Pferde — der Sohn des Kaufherrn bietet hundert Zcchinen. Wer gibt mehr?"
Als sich niemand meldete, war der Handel in Allahs Namen richtig, und der junge .Mann führte seine Pferde nach 'Haust — Möge es ihm zum Glück gereichen.
Ter Vater wunderte sich nicht wenig und fragte, wer nun die Pferde warten sollte. Denn er selbst sei alt, und der Junge wolle nicht arbeiten. Man sollte sie lieber zurückgeben.
Doch davon wollte der junge Mann nichts wissen.
„Ich habe sie gekauft und aber gekauft — mein sind sie, und keine Widerrede."
Wieder saß er zu Hans, tat nichts und sprach auch kein Wort.
„Mein Sohn, mein Liebling, was ist dir wieder?" fragte die Mutter am nächsten Dag.
„Ich habe kein Geld, mir auch nur Kaffee zu kaufen."
Der Vater tat noch einmal hundert Zcchinen in einen Beutel
■— der Junge ging wieder in den Basar.
Als er vor dem Cafe saß, kam ein großer Zug von Menschen vorüber — ein Begräbnis. Der junge Mann sprang auf, folgte dem Zug in die Moschee, wusch sich gleich'den andern und betete mit ihnen.
Als der Zug auf den Friedhof hinaus wollte, gabs plötzlich Geschrei und einen Auflauf. Ein Spaniole mit blankem Säbel stand inmitten der Straße und rief:
„Dieser Leichnam ist mir hundert Zcchinen schuldig geblieben. Ich laß ihn nicht begraben, ehe er sie bezahlt 'hat — und wenn er nicht zahlt, will ich ihn in hundert Stücke hacken."
Sprachs, schwang den Säbel — — da siel ihm der junge Mann in den Arm.
„Hier hast 'du hundert Zcchinen."
Der Spaniole hielt ein, zählte das Geld, dankte — und nun konnte man die Leiche begraben.
Der alte Kaufherr hörte davon und sagte:
„Recht hast du getan, mein Sohn! Ich liebe dich nun doppelt. Hier hast du hundert Zcchinen und geh deinem Vergnügen nach !"
Also saß der Junge am Morgen wieder vor dem Cafe.
Auch heute kam der Ausrufer vorüber, diesmal mit einem alten, abgerackerten Sklaven, und — was kümmerts dich, wenn cs ihm Freude machte? — des Kaufherrn Sohn kaufte den Sklaven und brachte ihn nach Haus.
„Was soll der müde Sklave?" fragte der Vater.
„Er soll meine Pferde pflegen."
Und dabei blieb es. Der Sklave wartete die sieben Pferde, ging mit ihnen täglich in den Wald, ließ sie weiden und brachte am Abend sieben Bündel Holz auf ihnen heim. Der junge Kaufherr aber liebte es, mit ihm zu gehen, redete mit ihm und teilte mit ihm sein Zimmer — als wäre der Sklave ein vor- nehmer Kamerad.
Dem Vater geficls nicht sonderlich'.
„Mein Sohn," sprach er, „geh lieber einer Beschäftigung' nach, halt dir einen Laden im Basar — da wirst du Geld verdienen und dich nützlich machen."
„Einen Laden will ich halten, Vater — es^ müssen über Waren darin sein, wie sie kein Mensch, in dieser Stadt verkauft. Laß mich in die Ferne ziehen, ijnt diese Waren einzukaufen." „Wie viel Geld brauchst du?"
„Eine. Last Zcchinen."
„Gut. Und wohin willst du wandern?"
„Nach Kairo."
„Geh — ich bins zufrieden."
Am Abend erzählte der Junge seinem Sklaven von dem Entschluß und fragte ihn:
„Willst du mit mir gehen?"
„Ja, Herr — aber du mußt mir schwören, alles, was wir auf 'der' Fahrt erwerben, totes oder lebendiges Gut, mit mir zu teilen. Die Hälfte mir, die Hälfte dir — was immer auf mich falle."
Der junge Kaufherr schwor den Eid, und sie brachen stuf.
Wochenlang und meilenweit zogen sie so in die Welt: voraus des Kaufherrn Sohn in kostbaren Gewändern, auf einem edlen Hengst — hinter ihm der Sklave mit den sieben Pferdchen, immer zu Fuß.
„Warum reitest du nicht, mein Sklave?"
„Herr, mein Leib hat alle Müdigkeit Überständen — laß mich zu Fuß gehen."
' Mach siebenmal sieben Tagen kamen sie in einen weiten, düsteren Wald. Man sah den Himmel kaum, zwischen den Bäumen, die Raben krächzten, die Wölfe heulten, unb, nirgends eine freundliche Seele.
So schritten sie dahin, als der Kaufmann zwischen den Stiftn- meu eine Lichtung erblickte rind auf der Lichtung einen Reiter.
Die beiden Wanderer hielten sich verborgen und spähten aus. — Es dauerte nicht lange, da sahen sie die Lichtung von wilden Reitern wimmeln.
Der junge Kaufherr erschrak, der Sklave aber sagte: „Herr, fürchte dich nicht! Sitz ab von beinern Hengst, gib
mir beiite Kleider und Waffen — du aber bleib mit den sieben! Pferden: im Buschwerk."
Kaum war die Verkleidung vollendet, da stürmten die Reiter daher — der Sklave ihnen entgegen. Doch es war, als könnt« keiner ihrer Pfeile, keiner ihrer Säbel dem Sklaven Wnndenl schlagen. Wo er hinschlug, stand das Leben still. Sieben Räuber mußten daran glauben bi« übrigen flohen, in hellen Hausen.
Auf dem Felsen über der Lichtung war ein Turm erbaut — für die Wächter des Schahs von Kairo, die Wege und Stege von Banditen säubern sollte». Erstaunt sahen sie den Kampf mit an, der sich unterhalb des 'Turmes abspielte, eilten herab und hießen den Helden willkommen. Den sie willkommen hießen, das !var der Sklave nicht, das war des Kaufherrn Sohn, der wieder in seinem Schmuck auf seinem Streithengst saß.
Von den Wächtern begleitet, setzten sie den Weg fort und kamen gegen Abend nach 'Kairo. Sie kehrten in einem Gasthof ein.
Der Anführer der Wächter aber trat vor den Schah und erzählte:
„Zwanzig Jahre, Herr, bin ich der Auftihrer deiner Wächtcr- schar — aber ich habe nie gehört und noch weniger gesehen, was ich gestern miterleben durfte: daß ein einziger Mann sich so vieler Räuber erwehrte."
Da wurde der Schah begierig, den Helden zu sehen — lud sie zu sich und wies ihnen Wohnung und Stallung im Palast an.
Beim Morgengrauen erhoben sich die beiden und gingen in den Basar, Ware kaufen. Dort blieben sie bis züm vierten Gebet. Dann brächten sie, was sie erstanden hatten, in den Palast des Schahs und legten sich schlafen. So verging ein Tag! um den andern.
Eines Morgens, als sie eben wieder weggehen wollten, blickte des Kaufherrn Sohn durchs Fenster in den königlichen Garten — da sah er ein schönes Mädchen wandeln. Im Augenblick verliebte er sich in sie.
„Wie heißt das Mädchen und darf ich um sie freien?" fragte er die Diener.
Die Diener antworteten: „Es ist'die Tochter unseres Herrn."
Und berichteten dem Schah, was der junge Kaufmann gesprochen hatte.
Statt zu erzürnen, berief der Schah den Kaufmann zu sich und hieß, ihn als Schwiegersohn willkommen. Es gab ein großes Fest und Gelage — acht Tage und sieben Rächte.
Als die Braut dem Bräutigam zugeführt werden sollte, nahm der Sklave den Herrn beiseite und sprach zu ihm: „So wahr du an Allah glaubst — berühre das Mädchen nicht, ehe wir nicht zu Hanse sind."
Der Kaufmann versprach e» und beschritt das Brautgemach. Der Sklave aber ging in seine Kammer.
Am Morgen wollte der Kaufmann luicber nach dem Basar, aber der Schah verbot cs ihm.
„Rüste dich zur Reise," sprach er, „ich werde dir so viel Geld und Geschmeide schenken, wie deine Rosse nur tragen können. Meine Wächter Hierbei! dich bis an die Grenze geleiten und darüber noch 'hinaus."
Die Wächter begleiteten des Kaufherrn Sohu unb seine Braut nach ber Heimat. Hinter ihnen der Sklave, und auf sieben! schwerbcladeneu Pferden die Mitgift.
Wie lange auch die Reise währte - - endlich kamen sie doch ihrer Heimat nahe. Vom letzten Nachtlager schickten sie einen Boten ab, der sollte daheim die Ankunft des Sohnes verkünden.
Mit großem Gepränge ritt der Vater seinem glücklichen Sohn entgegen. — So zogen sie ein.
Da, vor dem Tor der Stadt, giugs am Friedhof vorüber.
„Halt!" rief der Sklave und fiel dem Hengst seinem Sb ernt in die Zügel. „Halt, und folge mir auf den Friedhof! Wir wollen teilen, was du erworben hast."
„Lieber Sklave, warte doch, bis wir nach Haus kommen! Daun sollst du dein Teil! haben, als wärst du mein leiblicher Bruder."
„Ich will nicht, Herr! Hier, grade am Grab, sollst dü mit mir teilen."
Als ber junge Kaufmann sah, daß sein Sklave unerbittlich blieb, saß er ab und teilte die Mitgift: vier Pferde dem Sklaven, drei behielt er selbst.
„Ist es gerecht geteilt, Sklave?"
„Ja. Aber nun teilen wir auch noch die Braut."
Der junge Kaufmann erschrak.
„Bruder in Allah — wie willst du das Mädchen teilen?"
Die Leute standen ringsum und staunten.
Der Sklave aber sagte: „Wir habens geschworen, so müssen wirs halten. tot oder lebendig, di« Hälfte ist mein."!
Unb des Kaufherrn Sohu sagte: „Ich Habs geschworen, so will ichs halten - tot ober lebendig, die Hälfte ist dein."
Da drängte der Sklave den Herrn beiseite, nahm ihm den Säbel und schwang ihn ob. des Mädchens Haupt.
' Zweimal fttzte er die Schneide grade über dem Scheitel an, holte aus rind fragte: „Jsts so gerecht geteilt, Herr?"
Daun aber stieß er das Mädchen zurück, warf den Säbel zur Erde und rief:
1 «Ich bin jener Leichnam, den deine Güte vom Spanioleir erkauft hat. Ich 'schenke dir alles — führ Gut und Blut nach Hans!"


