Ausgabe 
12.5.1909
 
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seufzte Liese.Na, wenn

" "ick habe es noch vom letzten Mal her."

"Haben Sie denn noch eines?" In Lieses Angen standen lauter Fragezeichen.

Es ist tot," sagte Trne lei,c..

Tine war schon sehr kühn geworden in den paar Lochen. Sie raiite sich ans.Er war nicht schlecht, er war zu gut, sagte sie, und äls Liese sie groß ansah, fuhr sw fort: ,,^ch bin davongelaufen, ich selbst." .

Aber Deern, Deern, warum denn um alles rn der Welt^" Liese Petersens Herz wurde werch, Lrese suhlte e^, sie legte ihr Gesicht in böse Fallen. Das alte dumme -herz.

^ines Augen standen voll Tranen.

^Weil er zu gut war, weil ich zu schlecht und duu

Dacht' ich mir schon, aber wenn Sw vom Lande sind, was wollen Sie denn hier in der Stadt? Blühen Ihnen da draußen die Blumen nicht schön genug, oder smgen die ^"O^dfein"^sagte Tine mit Tränen in den Augen.

,,Deern, Deern, was bist die dumm, daß du von Hause fortgegangen bist!"

Erstaunt blickte Tine auf. Wie kam die Alte dazu, sw so zu schelten, als wäre sie ein unartiges Krnd. Da sah sie, wie die hellen Tränen dem alten Franlem über dw runzeligen Wangen rannen, und da begriff sie, daß hinr der groben Schale ein warmes, liebevolles Herz wohnte, das sich iii der großen Stadt unglücklich und Uiibefrrecigt fühlte, das sich ui Sehnsucht nach der Heiurat verzehrte

Der Teekessel im Ofen sang nicht mehr. Dav Wasser sing aii zu prusten und zischen, es hob den Deckel hoch,

fÜT 'Ächi^ach -je, du inalles Gör!" Liese duzte Tine unwill­kürlich.Was weißt du voii dir selbst ? Hör mal, Kind, ß sich denn das nicht wieder zusammenflicken?

Tine schüttelte traurig den Kops.

Lieses Herz gewann die Oberhand, sie war g. & Mütterlichkeit und Güte, sie vergaß sogar den gewöhn en volternden Ton.Ich nähe eine grobe -iaht, j, 0 fv-, ^aber was ich zusaminenflicke, hält dann auch tn die Ew g leit. Soll ich's mal versuchen, Kindchen?

Zart und lind strichen ihre knochigen Finger über wrnes. 28 %etn, nein!" rief Tine verzweifelt. -Es steht etwas dazwischen, worüber wir beide nicht hinweg t-mnei.

Solche Worte, von solch lautem, wehen Klange, H M Liese noch nicht aus Tiues Munde gehört. Sw schwieg setzte rasch ihre Maschine in. B^egung.dwiiinßte^ rasseln, nnnnterbrochen, bis sie ihren alten bn)ttt

ihre alte Grobheit wiedergesunden Hatto AU, sw n

nach einer langen Weile aufblickte, waren auch wfat.) trocken. '

fortging", fuhr Sieg fort Aetz^alt I daß Tisch! Dies bestand ans

junges Gör'von s«hsnndzwanzig JalMnA Frauen zum erstenuial zusammen

Tine knickte in sich zusammen, sie kam sich entsetzlich dünnen Tee mit Milch und Zucker

jung und dumm vor. f stimme I Als Tine, nachdem sie ein Rundstück gegessen hatte,

Liese Petersen sprach weiter mit ihrer starken Stunme. I zurückschob, erhob Liese Einspruch.Wenn Sie

Denken Sie, ich bin äu meinem P ascer nn gestaug ach Aren Teuer zurua ) , - ^ie sich man gleich begraben

Hamburg? Na, ich sage Ihnen ich habe arbeiten mu sen W enui w ftu Wflg besseres gewohnt?"

arbeiten von früh bis spa-.^ Die heutige -ult weis; l I griff Sine herzhaft nach einer Schnitte Schwarz-

SS Ä-®. VS: ÖTS S«1 die «NH. *0. und M

Ach was, recht! Ware ich Hause geblieben. Nach- I ncauf i()re blanke, dunkelbraune Teekanne und uber- her lernte Miede das Nahen, und da-Mieteten mr un^ sah 1 s ) brauner und blanker Ware, ihre Kanne öö ÄS & Äfö U *

kennen lernen. Ich frage «w. tft x. ) , I Sie hatten trotz ihres so verschiedenen Aeußeren

Mädchen von vierzig Zähren noch heirate . I vieles gemeinsam. Sie besaßen beide ein weiches, warnns.

Nein", stotterte Tine _ f «ij hRr I das sie nicht zu zeigen wagten, sie suhlten beide das

Tas schlimmste aber ist, daß sie sich dann noch Kinder W 1 dem Lande, nach der stillen, freien Natur, anschaffen. Ist das nicht ein Blödsinn. I * gerade das Wunderliche lind Sonderbare inii fe

Ja", stammelte Ture schuldbewusst. I meterien§ Wesen zog Tine unbewußt an. Eine feine, gc»

Die armen kleinen Dinger" seufzte Liese.Na, wenn KlÄ Frmi, und Mre sie noch so liebenswürdig gewesen, ich nicht wäre!" . , t . I viürde Tine niemals näher getreten sein. Liese Petersen,

Eine lange Panse des Schweigens folgte I JJ rücksichcklose nud doch gutmütige alte ^ungfey, wurde

funnute der Kessel; er schien, eine eigen b andere Mr- °w^ nirrsick^, Sie befahl und Tine gehorchte, ge schalt tobte zu haben. Es klang heiuilich und traud I b <£ine lächelte dazu. Sie erzählte, und wiiie horte zu.

Wo sind Sie denn eigentlich her? polteite Liese nac) I cillt. aufmerksame Zuhörerin, die auch nicht

einer Weile heraus. I durch das leiseste Zucken ihrer Mundwinkel verriet, das;

Aus der Marsch", sagte Tnie. . . h , | iie Petersen nicht ernst nahm, hatte ihr schon lange

Kenn ich. Tas heißt, ich habe, einen biubee dort I fteui £ gegenüber konnte Liese ihrem Herzen Lust wohnen, Dithmarschen heißt es aber I ynUen formte schelten über die schlechte Welt, aber die

Ta-? ist nicht die richtige Mar ch , agte Tine. großen Städte und die hohen Häuser; -rrne nickte zu allem gibt")?genug Verkehrtes in der' Welt. /Mein Bruder ch I verstmckmsvoll^^ beu hguslicheu Arbeiten so guh Uhrmacher, aber seine eigene Uhr ging immer falsch. E I nachmittags saß sie mit ihrem Strickstrumpf Liesen

»! L gntcä e«ä, «fa « uaom sich «* 3«. dl- °s »m^nachmmag, ml f)[( (irtKv auf ih--m nichts taugte. Ist das richtig oder oertihrl. I iL' , t)flt£c sogar ein Hissen hinter dem Müden.

Verkehrt", murmelte 2ine. I das Kinderzeug all rn Ordnung? fragte ue,

Er war ein Stadtmensch von innen und außen. Sein I

Kap war gerade tnie eine tlhr, tmd mS « tote 4ate | Tagr_ Sinn und Verstand. Er sprach Hochdeutsch und Französisch dazwischen und konnte mit den vornehmsten Leuten u'iui, ohne zn verbiestern. Anstatt sich nun sein L, » np xor, [uyee , <nvwit

Stadt zu suchen, ist er miss Lmid gezogen nnll'r dw Bauer n jc! Unb dann betrinkt sich so'n.Kerl von Mann

Da hatte er sich in einem lthmar schen-Bauerndorse ein I ^uft davon und läßt sein armes Weib in OtM

kleines Haus gekauft. Von vorn hatte es die Aussicht aus I ) Schlechtigkeit sondergleichen. Aber ich habe e^>

Straße, aus die.Kinder, die im Rinnstein spielten, und au ^^Ackgt: Die Schlechtigkeit der Männer hat dw r den Schusterladen gegenüber, vor dem ein paar riesengroße I Miner. ge,agr. Stiefel herabhingen. Von hinten aber sah ev hmauv ans den Garten, und hinter dem Garten war ernt n n W ' Wo die Ziege graste, und dahinter ivar ein «ce, der hreß der Mülstteich. Ja, das war wohl fjon, nbcr beiden S , daß ich mehr als einmal bei ihm gewesen bin.

Nein", beteuerte Tine ernsthaft.

Liefe seufzte.Ja, wegen der Frau nicht, die konnte ich nun einmal nicht verknusen. Die putzte sich am hell­lickten Tage mit Schleifen rind Krimskrams und war mehr auf der Straße als sonstwo. Schreiben tun wir uns auch nicht, und so hören wir nichts mehr voneinander. Sw haben wohl auch nie was gehört von Uhrmacher Petersen in Hellingstedt?" .,

Nein, niemals", entgegnete Tine nut heimlichem Be-