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Rheinlandstöchter.
Roman von Clara Vie big.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Die Tiergartenstraße liegt in Sonne und Duft gehülst. Bor den Billen blühen Flieder, Rotdorn, und der Gold- reoen fchüstet seine gelben Blüten nieder. Bersch."a,en Pa scher« ie S rin brun. en und di '.wunderv l n g An n Baume jen;ei.s im Park sie -en regungslos. Aus einem offnen Fenster Kommen abgcri sene K avierpa sagen; da übt jemand, aber er scheint mübe, immer langsamer tverden die Töne. Es ist Mittagszeit, sehr warm und still. Die Bonnen mit ihren Pflegebefohlenen sind längst daheim, die vornehmen Leute ruhen jetzt zu Hause.
Auf der Schattenseite ging langsam eine Dame; sie setzte sich nun auf eine Bank und zeichnete mit dem Sonnenschirm allerhand Figuren in den staubigen Grund. 'Tas war Nelda Dallmer.
Mit einem Seufzer sah sie nach der Uhr — sie mußte gleich an die Rauchstraße kommen. Jetzt wanderte sie vom Brandenburger Tor schon fast zwanzig Minuten. O wie war sie müde und heiß! Sie fühlte doch noch, daß sie eine Krankheit hinter sich hatte; die Füße wollten nicht wie sonst, die waren matt. Nur der Wille war stark.
Drei Tage waren vergangen nach dem Besuch Frau von Ostens in der Oranienburgevstraße; Nrlda ha te s itdcm keine Ruhe mehr gehabt. „Geh, geh," sprach fortwährend eine Stimme in ihr, „geh, ehe es zu spät ist!" Mas wollte sie eigentlich sagen? Ja, das wußte sie selbst nicht; erst wollte sie die schöne Fran Arnheim vor sich haben, ihr ins Ange sehen, dann würden schon die Worte kommen. Sie mußten kommen!
Mit einem energischen Ruck richtete sich die Mühe wieder auf, rascher setzte sie ihren Weg fort; nun bog sie in die Rauchstraße ein. Da war das große weiße Haus im Re- naifsancesttl mit den vergoldeten Gittern und der breiten Auffahrt! Sonst pflegte der vornehme Portier zu Leuten in so einfachem Anzug, wie Nelda ihn trug, barsch zn fageit: „Zur Hintertreppe!" und mit dem fetten Daumen rechts um die Ecke zu zeigen. Nelda wies er mit einer devoten Grimasse hinauf. Auch der Diener, der Damen zu Fuß und in Wolle mir für Schneiderinnen oder dergleichen hielt, lispelte: „Die gnädige Frau ruhn, aber wen habe ich die Ehre zu melden?"
„Hier, meine Karte! Bitte sagen Sie „eine frühere Bekannte aus Koblenz"!"
Nelda stand und sah sich um Und sah auf ihre staubigen Schuhe nieder und sah dann wieder nach den kühlen Marmorleibern hinter den exotischen Gewächsen.
Es dauerte lange; endlich erschien der Diener wieder, «och geschmeidiger, noch lispelnder: „Gnädige Frau lassen sehr bitten!" Er warf die Flügeltür vor Nelda auf.
Sie trat ein; sie ging durch ein erstes halbdunkles Zimmer ganz in orientalischem Geschmack, durch ein zweites ine Empirestil hätte sie nur Zeit und Lust gehabt, alle die Kuriosa an den Wänden anzustaunen — dann kam ein geschnitztes Madönnchen über der Tür, ihrer fünf, sechs noch an den Wanden — altdeutsch! In der Rische dort brannte sogar die Ampel vor dem Heiligenbild und ivarf kleidsame rosige Lichter auf den Betschemel drunter; ob hier einer betete?
,-Gnädige Frau sind im Boudoir, gestatten," flüsterte der Diener und schlug die seidene Portiere zur Seite. „Bitte!"
Einen Augenblick sah Nelda nichts, nur ein Gewirr von Weiß und Ro;a; gegenüber das breite Balkonfenster blendete sie, es ging hinaus in den Garten. Schwüle Flieder- lnft kant herein. Sie machte die Augen groß auf — da
war Anselma!.
Die schöne Frau. hatte sich eben von der Chaiselongue erhoben, noch lagen die seidenen Kissen in Unordnung; ein anfgefchiageues Buch am Boden, ein elegantes Taschentuch
daneben.
„Fräulein Dallmer — ah — Nelda Dallmer!" Frau Arnheim neigte prüfend den Kopf zur Seite, dann lächelte sie, aber nur der Mund lächelte, die Augen blieben ohne Teilnahme. „Was führt Sie zu mir? Sie sehen mich ganz erstaunt — aber ich freue mich, freue mich sehr!"
Nelda fand, soweit sie sich erinnern konnte, die Stimme sehr verändert; der stolze kühle Mädchenton wr w g. statt dessen das Organ belegt, wie von innerer Unruche durch- zittert. ' .
„Ich freue mich," sagte Fran Arnheim mit dem verbindlichsten Lächeln, und es war doch, als fragte sie: „Warum kommst du, was ivillst du, was weißt du?"
„Bitte, nehmen Sie Platz!" Frau Arnh.im zog ihren Besuch an beiden Händen neben sich auf die schwellende Chaiselongue mit weißer, rLs.ndurchblüm:er S.ide bezogen. „Ich freue mich, Ihr Gesicht zu sehen, es ist mir W ein Gruß aus alter Zeit. Sie haben sich gar mchi verändert; so frisch so rosig! Welch guter Einfall, mich aufzusuchenl Ich danke Ihnen, wirklich sehr, sehr liebenswürdig. Sie sind schon lange in Berlin, wo wohnen Sie, gefällt es
Ihnen?"
Wie das wirbelte und sich hetzte! Reldas Augen wurden immer größer — wie kam sie zu dieser Herzlichkeit? Sie konnte sich keiner freundschaftlichen Beziehungen zu An'elma von Koch erinnern. Frau Arnheim hatte gut den Ton der Weltdame studiert; sie leierte das alles so herunter — Phrasen, die man täglich, in andern Varianten wiederholt, von denen die Seele mchts tveiß. Diese lang- bewimperten Augen hatten jetzt nichts Sieghaftes, netiy etwas unendlich Müdes. Nelda rückte sich plö lrch zurecht, sie mußte mm sprechen, sowie die andere fte zu Wort """.Md^nste geht es Ihnen? Also es gefällt Ihnen gut


