Ausgabe 
11.10.1909
 
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Gesuchte gefunden! zu haben. Der Bodenwucher trat aber in so Unverschämter Gestalt aus, dass man den Beschluß wieder rück­gängig machte Und die Spekulanten ihren ernüchterten Gefühlen überließ. ®ie Kommission begann atrfs neue zu suchen. Sie Wachte es wie der Szekler Landtag, ließ sich! auf zahllosen Ban­ketten bewirten und als sieso wie die Väter, stolz auf ihre? Taten, nach bräuchlichen Gelagen heimtzekehrt," standen nur noch sechs Orte auf der Liste, unter denen vor kurzem Baß-Canberra als allein der Ehre würdig erklärt wurde, Bundeshauptstadt zu Werden.

Der am Aaßfluß gelegene Ort darf selbstverständlich seinen bisherigen Namen nicht behalten, sondern tont) demnächst nach den Ergebnissen -eines reich dotierten Preisausschreibens um­getauft. Von einer Uebersiedlung der Bundesregierung kann je­doch vor vielen Jährest nicht ernstlich die Rede sein, weil von den notwendigen Regieruugsgcbäuden noch nichts steht und vorläufig bei der mißlichen Finanzlage Australiens auch noch nicht das Geld da ist. Eines Tages aber wird auch diese in? ihrer Art gewiß originell« Städtegründung fertig' sein als die Bundes­hauptstadt eines Landes, dessen politische Grenzen sich mit den­jenigen eines ganzen Erdteils decken.

VeVMZschtes.

* D i e deutsche Frau und die F r e in d iv ö r t e r. Die bis jetzt stärkste, die allein noch gar nicht erschütterte Stütze unserer Attsländerei und Fremdwortsucht ist die deutsche Frau. Der Beamte, der Arzt, der Gelehrte, der Kaufmann, der Tagesschrift- steller, so hieß es kürzlich in der Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins sie haben Wert und Pflicht der Sprach­reinheit allnlählich erkannt und tun eS immer mehr, nur nicht die deutsche Frau. Alan sehe nur einmal eines der meist mit Ge­schmack und lleberlegung ausgesiatteten Hefte an, in denen die großen Geschäfte für Frauenkleidung ihre Waren empfehlen. Ein Unkundiger müßte daraus schließen, daß unser deutsches Land hinter den Leistungen des Auslandes ganz zurückgeblieben oder mindestens an der Herstellung z. B. von Seide, Wolle und alleir Kleiderstoffen so gut wie unbeteiligt wäre. Sehen wir einmal, ivas unseren Frauen und Töchtern in solchem Verzeichnis an- geboten wird : Taffetas Chiffon, Vegetal, Hottsseline ; Satin Liberty, de Chine, Messaline, ondoyant, Merveilleux; Crepe de Chine, Cache- mire, M6teore, friss; Beugaline, Epingle, Cötele; Taille Öttoman, fran^aise; Moire antique, Velours; Crdpon (!), Cristaline, Louisine, Diagonal, Faille-precieuse, Duchesse-Directoire, Armure-brillaut, Surah- Chevron, Moire-Renaissance, Paillette; Tsingtau-Tussah, Kaiki; Reps Ottoman; Peau de gant, Twill-Japon, Shantung-Tussah; Velours panne, miroire, du Nord; Seal, Velvet; Eolieune, Popeline, Marqui­sette, Chiehinette; Peau de laine; Tailor-made-Kostüm, Coverteoat, Homespun, Travers; Voile-Grege, Jupon; Satin-Soleil, Coating; Irishe (!) Garnituren; Nansoc, Jupon; Matelass6, Ratinee; Organdy und Organdi, Plmnetis, Gingham, Siamoseu, Jaconet, Englische Failledirekt importiert", Cretonne-Reversible, Düstre (1), und dann gibt's Sortimente vonmillerainierten" undmercerisierten" Sachen, in bester Qualität: Primissimä. So sieht es in solchem Werzeichuisse aus; und hört man alle diese schonen Namen noch dazu ausgesprochen, geziert richtig oder auch verdreht und ver- stnglückt, so kann einem von dem Sprachengewirr schlimm und übel werden. 'Dazu, wie viel falscher Schein und schließlich ge­radezu Vorspiegelung läuft da mit unter? Weshalb wehren sich Unsere deutschen Frauen nicht gegen dieses Kauderwelsch? Zeit lvärS es wirklich! Oder wird es nicht eher anders, als bis sich ein großes Geschäft aus eigenem Antrieb entschließt, dem Unsinn, der uns, wo nicht vor dem eigenen Urteil, so ganz bestimmt in den Augen des Auslands herabsetzt, ein Ende zu machen und Deutsch zu reden? F. B. Grünfeld in Berlin hat das längst getan; aber der einzelne erreicht natürlich nicht viel; neuerdings sollen auch Rudolf Hertzog und andere führende Geschäftshäuser eine deutsche Bezeichnung der Modewaren anstreben wollen. Hoffen wir also ans einen Erfolg!

* Das Museum der Schreckensz eit. Der lang ge­hegte Plan des Pariser Gefüngnisdirektors Pourret steht jetzt vor der Verwirklichung: in den düsteren freudlosen Räumen der Gonciergerie, in denen in den blutigen Tagen der großen Revo­lution so ost der Jammer Verzweifelter ait den kalten Mauern widerhallte, ist man bereits am Werke, die Reliquien und die historischen Gegenstände aufzustellen, die bestimmt sind, ein Museum der Schreckenszeit zu, werden. Unter der Führung des Gefängnis­direktors hat der Mitarbeiter des Gcmlois ein Gang durch die kahlen Korridore, die düsteren Gewölbe,, die dunklen Zellen unter­nommen, in denen so viele Unglückliche Monate und Jähre ihres Lebens verbringen mußten. Schon ein alter verschossener Plüsch- sessel, eine Arbeit des 18. Jahrhunderts, dessen elegante Formen- gebuug schmerzlich kontrastiert mit dem trostlosen Zustand des vom Alter zerstörten Stoffes, weckt die Erinnerung an ein tragisches Schicksal: Ans diezem Stuhle trauerte Marie Antoinette ihrem grauenvollen Ende unter der Guillotine entgegen. Daneben sieht mäst ein altes Elsenbeinkruzifix, der elfenbeinerne Körper des Heilands ist von den Jahren vergilbt. An der Seite sieht man noch eine kleine Oeffnuug. Die Legende erzählt, daß hier ein

Flnchtplan verborgen war, als man der unglücklichen Königin! durch die Eisenbarren ihres Kerkers das Bildnis des Erlösers reichte. Durch eine kleine Wendeltreppe kommt man hinunter zu dem einzigen großen Vorraum, dem heutigen Wartezimmer; dahinter aber dehnt sich der düstere feuchte Gang, den mau die rue de Palis" getauft hat Und dieHölle" nennt. Hier liegest die Zellen, die in den Schreckenstagen stets mit Opfern der Gewalthaber überfüllt' waren, dunkle kahle Mauergeläsfe, in denen dis Armen eingepfercht würden, die nicht die Mittel hatten, sich bessere Behandlung zu erkaufen. Tie ist den Archiven ruhenden Akten erzählen im stoischen Gleichmut drkchütternde Geschichten Von dest Leiden der Insassen. In der ersten Zelle waten 26 Männer untergebracht, denen nur sechs Strohsäcke zum Nacht­lager gegeben wärest; ist der zweiten gar 45 mit 19 Pritschest, in der dritten.38 Totkranke, die zusammen auf neun kümmer­lichen Bettstätten dem Ende ihrer Leidest entgegentränmten. Ein jedes Gelaß hat so seine grauenvolle Chronik. Auch, die Franest Mußten die gleichest Entbehrungen erdulden, für 45 gefangene grasten lieferte mast 19 Strohsäcke, zur Nachtzeit mußten die ejammeimswertest einander int Liegen ab lösen, nist nicht über­einander zu lagern und zu ersticken. Doch neben diesen Bildern dch Schreckens tauchen auch andere auf, der Eitelkeit, der Koketterie, der Gefallsucht wurden selbst die mächtigen Mauern der Concier- gerie nicht zum Hindernis: Am Ende derRue de Paris" liegt der Frauenhof, auf dem sich selbst in den Tagen des Blutes wunderliche Szenen abspielten. Der Modegöttin entsank selbst im Gefängnis nicht das Szepter; am Morgen promenierten hier die vornehmest Gefangenen .in einem koketten Neglige, am Mittag sah mau sie mit eleganter Coiffure und sorgsam ge­kleidet zurPromenade" ist den Hof tänzelst und am Abend erschienest sie gar in großer Toilette; hinter eisernem Gitter leuchteten dann die Färben der Blumen -auf, Seide knisterte' Und Federn ivogten vorüber. Am Hofe, im ersten Stockwerke, liegest bie Zellest, in denen die berühmten Frästen ihrer Zeit die Tage ihrer Gefangenschaft verbrachten: Hier erwartete Char­lotte Eorday ihren Tod, hier trauerte die Fürstin von Monaco, hier schmachteten Josephine Beauharnais und Mme. Rscamicr nach Freiheit, hier erwartete die Dubarry die schreckliche Stunde, da sie ihren weißest, einst Von den kostbaren Diamanten ge­schmückten Nacken unter der kalten nackten Klinge der Guillotine beugest Mußte. Am Ende derRue de Paris" liegt ein schwarzes Gelaß, von schweren Eisenbarren abgeschlossen, es ist die Stätte, wo die zum Tode Verurteilten stöhnten und tveinteii, ehe man sie zum Richtplatz schleppte. Daun muß man sich bücken, um die enge niedrige Pforte zu durchschreiten, die zu der Kerkerzelle der Königin Marie Antoinette führt. Ein enges, düsteres Gelaß, nackte, kahle Mauerwände, kamst daß ein leiser .Abglanz des Tageslichts durch ein enges vergittertes Fenster durch blaue und grüne Scheibest sich mühsam einen Weg bahnt. Die eine ©eitern wand war einst durchbrochen und führte zu der Zelle, in der der gestürzte Robespierre sich zu dem gleichen Schreckensweg« rüstest mußte, den er vordem so' viele andere geschickt hatte.. Jist Girondistensaal, der heute als Gefängniskapelle dient, werden jetzt die Reliquien ausgestellt; mast sieht bereits zwei ©teintischL mit Medaillons der Mme. Elisabeth und Ludwig XVI., ein Por­trät Marie Antoinettes und andere Bilder, die die letzten Lebens- stundeu der unglücklichen Königin veranschaulichen.

* Der Gehorsame. Sie:Um Gottes willen, .Karl, hörst du nichts? Ich glaube, es sind Einbrecher im Hause!" Er:Geh und verhandle mit ihnen. Mir hast du erst gestepst abend wieder gesagt, ich hätte hier im Hause nichts zu sagen!"

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Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nninmer: Eberhard Jdria - Nisib Feldmans Rabe Jrtiseh - Salmiac;

Ein frisches B a d.

Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Briihl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,