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getrunken werden. Das ist Kaspar von Herzen zufrieden. Die Chaisen werden wieder bestiegen, und zurück geht es in die Kneipe zum Bersöhnungstrunk. Der ist denn auch kein lappiger. Dem Kaspar wird fest zugetrunken, und er Nimmt ab,und nimmt zu, bis er auf seinem Stuhle, alles um sich her vergessend, fest einschläft. Ein Schnarchen, daß die Fensterscheiben zitterten, zeigt die Tiefe von Kaspars Schlaf an.
Die Studenten haben inzwischen beschlossen, dem Sau- kaspar noch ein Stücklein mitzugeben, das seinen Tageserlebnissen die Krone aufsetzen soll.
Nachdem Kaspar so felsenfest und so vernehmbar schlummert, fassen ihn zwei Studenten unter den Armen, heben ihn hoch und führen ihn behutsam hinaus. Es geht zum Bahnhof. Drei Billette werden nach Mainz gelöst, und mit dem nächsten Zug geht die Fahrt — nach Mainz mit dem ahnungslosen, schlafenden Saukaspar.
In Mainz angekommen, fassen die zivei Studenten den immer noch fest schlafenden Saukaspar in die Mitte, und fort geht es. — dem Rhein zu. Etwa 200 Schritte vom Rhein entfernt, wird Saukaspar sanft zu Boden gelegt, und er — schläft weiter. Nicht weit von ihm stellen sich beide Studenten verborgen auf und warten gespannt der Dinge, die da kommen sollen.
Als die ersten Strahlen der Morgensonne auf die Kuppel des Mainzer Domes fallen, erwacht auch unser Saukaspar. Sein erster Blick fällt auf die nqch seiner Meinung vor ihm befindliche Lahn — beit Rhein.
„Donnerwearrer!" so hebt er verwundert au, „woas eas oawer die Lahn haut Noacht grüß evoarn!"
„Ean 's hott dvach goar nitt gerahnt (geregnet)!" Mit letzteren Worten betastet er die Erde um sich her.
Nun packt er auf und guckt nach Mainz.
„Kruz Krenk," ruft er aus, „wäi sieht Miße (Gießen) aus!"
Den ersten Mainzer, der ihm begegnet, fragt er, nach Mainz deutend: „Eas doas seallt (dort) nitt Miße?"
„Nein Mann, das ist nicht Gießen, das ist Mainz!" erwidert ihm dieser.
„Sei aich verrucht, oawer Ihr?" ruft Kaspar, der immer noch nicht weiß, wie ihm geschehen, der sich in einer ganz fremden Gegend sieht und nicht ahnt, wie er hierher gekommen.
Da treten die beiden Studenten auf ihn zu, die allerdings Kaspar nicht erkennt, da sie keine Farben tragen.
„Wo wollt ihr hin, Mann?" fragen sie Kaspar.
„Aich will hahm!" sagt Kaspar, ),aich sei von N. bei Miße!"
„Ja, wie seid Ihr dann hierher gekommen?" fragen sie ihn.
„Doas woaß (weiß) d'r Himmel — aich nitt!"
„Wollt Ihr mit uns nach Gießen fahren?" fragen ihn die Studenten. Mein ich dann, daß er wollte. Die Tränen rannten ihm vor Freude an den Backen hinab; denn er glaubte schon, in einem fremden Lande zu sein und nicht wieder heim zu kommen.
So stieg denn Kaspar frohbewegt mit den Studenten sn den Zug, der über Frankfurt nach Gießen fuhr.
Als der Zug im Gießener Bahnhof anhielt und Kaspar sich ivieder zurecht fand und wußte, wo er war, da rief er freudig aus: „Matt sei Dank, deaß m'r wirrer ean Deutschland sei!" Mit diesen Worten nahm er Reißaus der Heiniat zu. Nach Gießen hat ihn niemand wieder gebracht. Wenn ihn jemand später fragte, ob er mit nach Gießen wolle, da rief er abwehrend:
„Mei Leawe nitt!"
Die Schlacht von Nalylaquet.
Durch die Errichtung eines Denkmals und durch besondere Feierlichkeiten wird die Erinnerung an die Schlacht bei Malplaquet wieder wachgerufen, seit deren blutiger Entscheidung heute 200 Jahre verflossen sind. Sieger und Besiegte haben in dieser entscheidenden Schlacht des spanischen Erfolgekrieges, die das letzte Glied in der Reihe großartiger, durch das vereinte Genie des Prinzen Eugen und Marlboroughs errungenen Siege bildete, Ruhm und Erfolg für sich in Anspruch genommen. Der englische und der österreichische Feldherr, die hier den vollsten Ruhmeskranz ihrer meisterhaften Strategie gepflückt, durften mit Stolz
die Volkstümlichkeit und die Weltbewunderung aufuehmen, die gerade von dieser Schlacht ausging, aber auch die beiden französischen Marschälle, die sich auf der Seile der Gegner ausgezeichnet hatten, der Führer der Franzosen Villars und der tapfere Bouffleurs hatten ihr Bestes getan und waren mit der Niederlage nicht unzufrieden. Mehr als 20 000 Mann hatten die verbündeten Engländer, jester- reicher und Holländer verloren, die Franzosen nur etwa 8—10000. Die Schlacht war die blutigste, die in all den zahlreichen Eroberungskriegen Ludwigs XIV. geschlagen worden war. „Wenn uns Gott noch eine solche Niederlage gewähren würde, so würden unsere Feinde vernichtet fein'," schrieb Villars an den Sonnenkönig und er rühmte sich später, daß er den Sieg davongetragen haben würde, wenn er nicht verwundet worden wäre. Aber, bemerkte Voltaire dazu, der diese Aeußerung gehört Hatte, „mir wenige schenkten dieser Versicherung Glauben", lieber die Gewißheit dieser Niederlage ließen der Ausgang der Schlacht und ihre Folgen auch keinen Augenblick zweifeln. Nachdem das wundervolle Zweigestirn Prinz Eugen und Marlborough bei Höchstädt, Qudenarde und überhaupt in der glänzenden Durchführung der gemeinsam entworfenen Feldzüge die französischen Waffen geschlagen und den stolzen Widerstand des Sonnenkönigs gebrochen hatten, hatte sich Ludwig XIV. zu den weitgehendsten Zugeständnissen verstanden, aber als die Verbündeten verlangten, daß er selbst zur Vertreibung seines eigenen Enkels aus Spanien Truppen stelle, war er mit seinem Volke der Ansicht, die Franzosen wären keine Franzosen mehr, wenn sie sich solchen Schimpf gefallen ließen. Er hatte also 1709 noch einmal alle Kräfte aufgeboten und unter Villars eine starke Armee ins Feld gestellt, die sich vor dem Andrängen der Feinde nach Malplaquet in eine sehr feste Stellung zurückzog. Den hinter Graben, Befestigungen und Wäldern geschützten Feind anzugreifeii, widerrieten besonders die Holländer, aber der sturmgewohnte siegesdnrstige Marlborough drängte zum Vormarsch. Auf den beiden Flügeln, wo die Franzosen in dichtem Gehölz ihre Positionen hatten, begann zuerst der Angriff, und Marlborough warf nach heißem Ringen Villars zurück, der dabei am Knie verwundet wurde und die Oberleituiig des Kampfes aufgeben mußte. Er hatte aber noch vom Zentrum Verstärkungen nach den Flügeln befohlen und nun ging Prinz Eugen, der die Mitte der Verbündeten hielt, gegen den geschwächten Feind zum Ansturm über, durchbrach seine Stellung und warf ihn zurück. Damit war der Sieg entschieden, an dem auch der Erfolg Boufflers aus dem rechten Flügel gegen die Holländer nichts ändern konnte. Die Franzosen konnten nur noch einen geordneten Rückzug antreten. Es war Marlboroughs letzte Großtat, der nicht lang darauf den politischen Kabalen in der Heimat erlag und von dem ruhmreichen Feld seiner Siegestaten abtreten mußte. .
Humoristisches.
* So (baten liebe. Feldwebel: „Sie hatten doch abends immer nur Wurst, jetzt essen Sie ja Schinken, Huhn und Fische?" — Soldat: „Ja, meine Verhältnisse haben sich gebessert!"
* Anspielung. Junggeselle: „Ich bin in der letzten Zeit immer fo müde." — Fräulein: „Vielleicht des Alleinseins?"
* Offenherzig. „Daß man aber bei Ihnen nie ein Gulasch 'haben kann, Herr Wirt!" — „Weil meine Gäste nie was Übrig lassen!"
*BerschnapPt. Sie (jung verheiratet, schmollend): „Jedesmal, wenn ich selbst das Mittagessen koche, hast du irgend eine Ausrede; heute mußt du gerade zwischen zwölf und eins int „Goldenen Ochsen" sein. Kannst du denn da nicht später hingehen?" — Er: „Nein Schatz... da gibt's nur bis ein Uhr Mittagessen."
Geographisches Verschiebrätsel.
Türket — Deutschland — Rußland — Griechenland — England — Kreta — Europa.
Vorstehende Namen sollen derart untereinander geschoben werden, daß eine Bnchstabenreihe, von oben nach unten gelesen, den Namen eines schweizerischen KantonS ergibt.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Wer hat den Weg durchs wilde Meer gesunden, Der nie mit Todesstürmen stritt?
Mir ist ein Herz mit seinen Wunden
Mehr wert als eins, das niemals litt. Tiedge.
Redaktion: I V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universttäts-Buch. und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


