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der Jubel der Sieger kannte keine Schranken. Während die einen in wilder Erregung phantastische Tänze auf- führten und mit grellen Schreien die Lüft erschütterten, schleppten andere die Leichen der Gefallenen in den Schatten großer Bäume. Ich dachte einen Augenblick an eine Art Achtung vor den gefallenen Gegner unb au die Absicht, die Gefallenen zu bestatten. Aber bald ivard ich grausam enttäuscht. Alle Krieger schlossen sich zusammen und gleich einer Horde von Schakalen stürzten sie sich über die Leichen. Wenige Augenblicke später leuchteten Feuer auf, inan sah, wie die Toten zerschnitten und zerteilt wurden und dann begann das grausige Mahl. Der Anblick dieser Wilden, die ihre starken weißen Zähne gierig hier in eine Hand gruben, dort in ein Bein, dort in einen Fuß, läßt noch heute mein Herz in Ekel und Widerwillen sich zusammenkrampfen. Das gräßliche Mahl wurde mit allen Zeichen höchsten Wohlbehagens von den Balubas verzehrt. „Sie essen nur ihre Feinde", meinte begütigend einer meiner Träger . . ." Längs des Ufers des Tanganykasees entrollt sich vor den Augen der Reisenden ein furchtbares Bild von den Verheerungen der Schlafkrankheit. Die schlecht bekleideten Neger sind hier die wehrlosen Opfer der Tsetsefliege. In allen Dörfern hatte die grausame Krankheit rhre Geißel geschwungen; in manchen waren alle Eingeborenen gestorben und eine tote Stille lag über den verwaisten Plätzen. In der Nähe von Kabinda bleichen unzählige Gebeine im Sande. Die Neger senken ihre Toten ins Meer und die Flut wirft dann die Skelette wieder an den Strand. „Wahrhaftig, man glaubt einen Höllenring zu betreten. Aber es ist fast unmöglich, dieser dahiu- sterbenden Bevölkerung Rettung zu bringen!" Hier am Ufer des Sees wird der Reisende, fast das Opfer beutegieriger Löwen. Am Abend hallt ihr Gebrüll vom Strande wieder; alle Träger flüchten sich zitternd in das Boot und lassen ihren Führer im Dunkel wehrlos zurück. „Bald hörte ich um mich herum das matte Dahingleiten der Bestien und ihren mächtigen Atem: ich war von Löwen umzingelt, allein und unfähig mich.zu wehren. Eine ganze Horde; schon sehe ich zwei riesige Tiere, die kühner als die anderen sich ihrem Opfer nähern. Ich folge einem plötzlichen Einfall, zünde eine Kerze an und feuere mit meinem Taschenrevolvcr auf die Löwen. Ich fehlte, aber die glimmende Flamme machte sie stutzig und ihr Zögern gab mir Gelegenheit zur Flucht." Bei einer Bootfahrt wird die kleine Schar pon Flußpferden angefallen, „tote ein wütender Stier" stürmt plötzlich ein riesiges Flußpferd auf das Känoe zu, taucht unter und schleudert es mit einem gewaltigen Rucke hoch in die Luft. „Wir fühle,: uns emporgeschleudert, fünf Meter, acht Meter, höher noch und fallen dann ins Wasser zurück. Zum Glück ist es nicht tief, und wir können uns retten, aber das Kanoe ist verloren." Fast Überall setzen feindliche Eingeborene der Truppe Widerstand entgegen, Nahrungsmittel werden beiseite geschafft, heimtückische Angriffe mit vergifteten Pfeilen müssen abgeschlagen werden, aber schließlich gelingt es dem Reisenden doch, nach achtzehnmonatiger Fußwanderung den Nil, Aegypten und schließlich das Endziel, Kairo, zu erreichen.
vermischtes.
* F l i e g e n d e F r a u e n. Auch die Frau tritt ein in den Kampf üm dis Eroberung der Lüfte: Mde. Peltier, die Schülerin des französ. Aviatikers Dellagrange, schickt sich an, den Preis zu erringen, den Rene Quinton ausgesetzt hat für die erste Frau, die mit der Wugmaschilie einen Kilometer fliegt. Aber die unternehmende Flugtechnikerin bescheidet ihren Ehrgeiz nicht mit einem so kleinen Ziele: in Juvisy rüstet sie jetzt zu einem 5 Kilometer-Fluge im Aeroplan. Seitdem die ersten kühnen Männer der Geschichte der Luftschiffahrt ihre ersten Ausstiege wagten, hat auch die Frau an dem Eroberungskampfe tcilgenommen. 125 Jahre sind verstrichen, seit die erste Frau als Luftschifferin ihren Mut und ihre Geschicklichkeit erprobte. Eine Französin >var es, Fräulein Tible, die am 4. Juni 1784 in Lyon in einer Montgolfiöre aufsticg und Nach stündiger Fahrt glücklich in der Nahe von Balmont landete. Schon int folgenden Jahre folgten vier Frauen diesem kühnen Beispiele, in Paris Frau Hinos und Fräulein Luzarche und in London die beiden Schwestern Simonet. Seitdem hat es nie an Frauen gefehlt, die wagemutig ihr Leben dem Ballon anver- trauten, und viele von ihnen! leben als Märtyrerinnen in der Geschichte der Luftschiffahrt fort. Sv fand Frau Blanchard, die
anmutige Gattin des bekannten Luftschiffers, am 6. Juli 1819 bei einem Fluge ein tragisches Ende: auf der Fahrt über Paris wollte sie ein Feuerwerk anzünden, der Ballon wurde entzündet und die unglückliche Luftschifferin fand auf einem Dache in der Rue Provence einen gräßlichen Tod. 1863 wird Madame Nader in ihrer Gondel „geschleift" und erstickt nach 2/s Stunden in ihrem Fahrzeug. Bei einem Versuche, den Kanal zu überfliegen, scheitert Frau Charly 1886 bei Calais an einem Hause, bleibt mit dei« Händen an der Dachrinne hängen und kamt erst int letzten Augenblick' aus dieser schrecklichen Situation gerettet werden. Später retten Seeleute in der Nordsee Frau Dururof, die in der Gondel der Trikolore mit ihrem Manne einen Flug über das Meer wagte und dabei in den Fluten scheiterte, lind so gibt es viele Frauen, die furchtlos ihr Leben eingesetzt haben. Eine der aufregendsten Aufstiege erlebte Mrs. Stock, die am 8. Mai 1824 in Begleitung des Aeronauten Harris von London anfstieg. Die Fahrt verlief ohne Zwischenfall, aber beim Abstieg versagte das Ventil, es schloß nicht wieder; der Ballon entleerte sich mit furchtbarer Geschwindigkeit. Nur schleuniger Ballastauswurf konnte die Luftschiffer retten; aber in der Gondel befand sich nichts mehr, das hinausgeworfen tverden konnte. Einen kurzen Augetiblick blickten Mrs. Stock und Harris sich in die Augen: dann ein kurzes Abschiedswort und der opfermutige Luftschiffer stürzte sich aus schwindelnder Höhe in die Tiefe, um das Leben der Gefährtin! zu retten. Es hat auch nicht an Frauen gefehlt, die bei ihrer Hochzeitsreise unerschrocken den Gefahren der Lüfte trotzten. So unternahmen der bekannte Pariser Astronom Camille Flam- marion und seine junge Frau am 28. August 1874 ihre Hochzeitsreise im Ballon und landeten pach 15 Stunden glücklich bei Spa. Die Befolgung dieses Beispieles nahm 1893' ein tragisches Ende, als Ginseppe Charbonuet mit seiner jungen Frau voit Turin aus int Luftballon seine Hochzeitsreise antrat. Der erste Tag verlief ohne Zwischenfall; am zweiten Tage aber — man hatte noch zwei Herren in die Gondel genommen — wurde der Ballon auf der Fahrt gegen die Alpeitkette von einem furchtbaren Wirbelsturm erfaßt, geriet in einen Schneesturm und sank in wenigen Sekunden um 3000 Meter. Die Hälfte des Gases ging verloren, der Ballonkörper ivar schlaff und ohne Tragkraft, aber der Sturm kannte kein Erbarmen, schleuderte die Gondel gegen Felsen und Gletscherriffe, bis nach V2 stündiger grauenvoller Fahrt der Korb am nordwestlichen Glasier des Bessansse-Gipfels endgültig scheiterte. Hilflos im Schneestnrm mußten hier die Luft- schiffer übernachten, halb erstarrt traten sie am Morgen den geiahr- vollen ,Abstieg an, Seile, ohne Geräte. Nach weUigest Minuten kant das Grauenvolle: mit einem furchtbaren Aufschrei glitt der junge Gemahl plötzlich in einen Gletscherspalt und zerschmetterte in den Tiefen eines Abgrundes. Erst nach drei Tagen fanden die erschöpften Ueberlebenden in einer Berghütte Unterschlupf; später barg man auch die Reste des jungen Charbonuet; in knieender Stellung lag er in der Tiefe des Spaltes, beide Hände vor die Augen gepreßt... Auch Sarah Bernhardt hat einmal die Reize eines Ballonfluges ausgekostet; gemeinsam mit dem Maler Clairin und dem Luftschiffer Godard, so wird in den Lectures pour Tons erzählt, unteritahm sie 1875 einen Ausstieg, von dem sie selbst eine humorvolle Schilderung gegeben hat. „Louis Godard ließ in der Gondel stehend den Pfropfen einer Champagnerflasche knallen: der Kor? entschwand in den Lüsten. Der Knall aber fand ein tausendfältiges Echo, pflanzte sich von Wolke zu Wolke fort, ans der silberhalsigen Flasche guoll der weiße Schaum und trug Trunkenheit in den Himmel. Da Begannen alle Wolken zu tanzen, stießen aneinander, wirbeltest um uns, hüllten uns in ihre Schleier in himmlischer Truukew Beit..."
* Recht schmeichelhaft. Frau Schulze: „Sie werden mich doch zu Tisch führen, Herr Meier?" — Meier (hochbeglückt): „Aber, gnädige Frau, wie komme ich zu dieser Ehre?" — Frau Schulze: „Ja, wissen Sie, Herr Meier, Sie sind. der einzige Mann in der Gesellschaft, auf den mein Mann nicht eifersüchtig ist!" _______________
Bsrsteck-Niitsel.
Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in solgenden Wörtern versteckt sind, tute die Silbe „an" in „Wanderer": Weinkeller — Gustav — Stcsichoros — Berautwortnug — Finsternis — Modetorheit — Schweizerkäse — Biertonne —
Gurkensalat — Hammelbraten — Statthalter.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösttng des Bilderrätsels in voriger Nummer: Frauenli st.
Redaktion: I. B.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Stemdruckerei, R, Lange, Gießen,


