Ausgabe 
11.8.1909
 
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Wissenschaft haben ja in den letzten Jahren die Durch­führung der Manöver sehr beeinflußt. Dem Gebiete der Aufklärung und der Erkundung der feindlichen Streitkräfte mußte in früheren Zeiten viel Arbeit und Kraftaufwen­dung gewidmet werden. Das Gelände zu erkunden, mög­lichst in die verborgenen Falten und Wellen des Terrains einzudringen, ist eine der schwierigsten Aufgaben der Trnppcnführung in großen und in kleinen Verbänden. Wenn früher eine große Anzahl von Kavalleriepatrouillen dor­geschickt werden mußte, um den Anmarsch des Gegners festzustellen, so kann man heute diese Fühler der Armee auf ein geringes Maß beschränken, denn hinter Gebüsch und Terrainfalten verborgen kann man mit einem Goerz- Triöder auf viele Kilometer nach vorivärts jede Bewegung des Gegners beobachten. Befand sich vorher die Avant­garde einer marschierenden Abteilung weit vorn im Ter­rain, so mußte die Meldung durch Meldereiter nach rückwärts gebracht werden. Heute schwingt sich ein Infanterist auf das Fahrrad und jagt zur Haupttruppe zurück, erstattet seine Meldung, und der Führer des Ganzen ist über das genau informiert, was er wissen muß. Ganz besonderes Gewicht wird heutzutage in den Manövern auf die kriegs­gemäße Durchführung der jeweiligen Aufgaben gelegt. Es "handelt sich darum, die Führer der höheren Verbände, nur beeinflußt durch die momentane Lage, daran zu gewöhnen, Entschlüsse zu fassen, den Anforderungen des Augenblicks Rechnung zu tragen und dabei vorauszudenken in Bezug auf das, was sich durch die getroffenen Verfügungen später ergebe» kann. Die gründliche Ausbildung der Offiziere innerhalb der Truppe und in Fachschulen hat es zustande gebracht, daß sich in den Heeren unserer Zeit ein gewaltiger Fonds an positivem militärischem Wissen aufgestapelt hat. Die Kunst des Kartenlesens war vor 100 Jahren noch eine Spezialwissenschaft jener Offiziere, die in den höheren Stäben als Adjutanten und Ordonnanzoffiziere Verwendung fanden. .Heute fordert mau von jedem Unteroffizier, daß er im­stande sei, eine zutreffende und korrekte Zeichnung von dem Gelände zu liefern. Und wenn selbst zur Zeit Napoleons noch die Kunst, Truppen gn führen, auf ganz wenig Offi­ziere beschrankt ioar, so wird heute mit Recht das Schwer­gewicht der Ausbildung nicht zum geringsten Teile darauf gelegt, daß schon junge Offiziere dazu befähigt seien, auch über dell Rahmen ihrer regelmäßigen Tätigkeit hinaus dis­ponieren und führen zu können.

Allerdings ist es nicht zu leugnen, daß bei den Ma­növern größeren Stils doch nur jene Führer ihr Wissen zu bereichern in die Lage kommen, die dazu bernfeu sind, an der Spitze größerer Truppenteile zu stehen. Vom Regi- Meirtskommandierenden abwärts tritt nur selten an die Whrer die Pflicht heran, völlig selbständig zu handeln. Aber die Manöver bringen doch den Vorteil mit, daß auch Führer kleinerer Verbände lernen, sich in kriegerischen Situw tionen zurechtzufindeu. Aus diesem Grunde auch zieht man es vor, Truppen in Gelände zu führen, die sie während der regelmäßigen Zeit der Ausbildung nicht kennen, weil ja das Zurechtfinden in einem fremden Gelände immerhin schwieriger ist als in den Gegenden, in denen man die täg­liche Arbeit der Ausbildung zu verrichten gewohnt ist. Die Führer großer Abteilungen nun müssen heute in den mo­dernen Verhältnissen gar vieles berücksichtigen, was das Gelände und seine Beschaffenheit wesentlich beeinflußt; sie werden auf dem modernen Kampfplatze ganz andere Ob­jekte vorfinden als in früheren Zeiten. Die großen Fabrik­anlagen in den Kulturländern bilden Verteidigungs- und Augriffsobjekte, die einen gewaltigen Faktor in der Rech­nung des militärischen Kalkulierens ergeben. Die ver­änderte Art der Bodenkultur 'ist ein wesentliches Moment, das bei der Kriegführung bedeutsam ins Gewicht fällt. Das dichtmaschige Eisenbahnnetz mit seinen zahlreichen Hoch­bauten spricht wesentlich mit sür die Gestaltung der Kviegs- schauplätze und naturgemäß auch der Manövergelände. All das muß ein moderner Führer kennen, berücksichtigen und auch richtig auszunützen verstehen, lind endlich darf nicht übersehen werden, wie groß die Bewegungshindernisse sind, die alle diese 'Faktoren der modernen Entwicklung des Lebens für die modernen Heere bilden. Dazu tritt noch der Umstand, daß die stetig anwachsende Zahl der Streiter in dem modernen Heere, die ja auch bei den Manövern zur Anwendung kommen, eine gegen früher völlig veränderte Art der Kriegführung in Bezug auf die Verpflegung int Gefolge haben. Man kann heute so leicht nicht fechtende

Truppen auch schon in Friedenszeiten ordnungsgemäß er> nähren, und ungeheuer schwierig ist es auch, sie so zu bewegen, daß sie zur rechten Zeit am richtigen Ort in der erwünschten Verfassung bereitgestellt feien.

Es steigern sich aber zugleich alle Elemente, alle Wir- kuugsfaktoren der modernen Kriegsführung umsomehr, je toeiter die Entwicklung der Technik auch auf das Leben der modernen §eere Einfluß gewinnt. So kommt es denn, daß der Troß auch bei den Manövern alljährlich anwächst, wofür z. B. nur die eine Tatsache als Beweis bienen mag, daß die Einführung fahrender Küchen fast in allen modernen Heeren beschlossen und teilweise schon bewirkt ist. Wird dies Truppe dadnrch naturgemäß auch unabhängiger von Ziv- fällen und störenden.Zwischenfällen, so ist doch zu bedenken, daß die Dispositionen der Führer sich heute schon selbst darauf erstrecken müssen, die Küchenwagen zur richtigen Zeit den Truppen zur Verfügung stellen zu können. Das wunde Kapitel der modernen Manöver ist die Schonung der Kulturen. Im Kriege wird das Marschziel angegeben, wird bestimmt, wo diese oder jene Abteilung sich zu entfalten habe. Sie geht ans ihr Ziel los, unbekümmert, ob dadurch die Arbeit fleißiger Hände zerstört wird, sie achtet nicht auf die Produkte des Bodens. Im Manöver selbstverständlich muß die äußerste Schonung von all dem eintreten, was Geldeswert darstellt, und darum gehört eine richtige und sachgemäße Führung von Trnppenverbänden schon im Hin­blick auf die Schonung des Geländes und der Knliurest zn den größten Schwierigkeiten in den Aufgaben der Ma- növerleitung. So sehen wir denn, wie unendlich kompliziert der Apparat ist, der in Anwendung kommt, wenn bei Ma­növer» das letzte Ziel aller militärischen Ausbildung, die richtige fachgemäße Verwendung von Truppen, eintreten soll. Die moderne Zeit hat neue Verhältnisse geschaffen- und ihr müssen sich auch die Bedürfnisse der kriegsmäßigen Ausbildung der Heere anpafsen. Unbestreitbar aber ist der große Vorteil, den die großen Manöver ausüben, denn sie lehren den modernen Soldaten die Benützung und Ver­wendung der modernen Art der Kriegsführung.

ZU vsm K(ip nach Kairo.

Durch eine Kette aufregender Gefahren und exoiischer Abenteuer hat sich der Forfchungsreifende Theo Kaßuer seinen Weg in das Herz des dunklen Erdteils gebahnt und seinen verwegenen Plan zur Ausführung gebracht, der darin gipfelte, von Kapstadt aus bis nach Kairo zu Fuß Afrika zu durchqueren. InJe sais taut" gibt der kühne Wanderer eine Schilderung von den Schwierigkeiten und Hindernissen, die sich ihm entgegentürmten, und die er jetzt, nach acht- zehnmonatiger Wanderung durch Urwälder und Sümpfe besiegt hat.Jur August 1907 kam ich iu Kapstadt au; von hier drang ich sofort nach Transvaal ein und nordwärts weiter; am 1. Januar erreichte ich die Küpferminen von! Biwaua und bald darauf den Kongo, wo die Gefahren und Hemmnisse sich häuften." Die ersten Schwierigkeiten brachten die Eingeborenen, die sich weigerten, Trägerdienste zu verrichten, und immer wieder von neuem ihren weißen Führer im Stich ließen. Man kommt in den Bereich der berüchtigten Tsetsefliege; zahlreiche Träger fallen der gräß-i liehen Schlafkrankheit zum Opfer, aber der kühne Vorsatz wird nicht aufgegeben und weiter nach Norden dringt die kleine Schar vor. Am 10. April ist bereits die Station! Lukonzowlva in der Nähe des Nanganysees erreicht.Hier luetbe ich der Zeuge eines tragischen Schauspiels, dessen Bild noch heute vor meinen Augen steht. Wir erreichten einen kleinen Hügelrücken, als die Träger plötzlich an» hielten. Was gibts? Die Erregung raubte den Leuten die Sprache, stumm wiesen sie auf die vor ihnen liegende Ebene hinab. Ich sah sich bewegende Formen, die breite Talebene war angefüllt mit schwarzen Kämpfern. Ein furchtbarer Kampf war im Gange. Wir wichen zur Seite aus, drangen auf Schleichpfaden weiter und konnten alle Bewegungen überblicken. Eine neue Gruppe von hundert Balubas eilte jetzt zum Schlachtfelde und zwang uns, eiligst hinter einer Böschung Schutz zu suchen. Wohl eine Stunde lang währte das Morden und Streiten zwischen den Ba­lubas und den Batumbw'es; ich sah nur einen Haufen ineinander geschlungener kämpfender Körper, ein schreck­licher und doch großartiger Anblick. Die erbarmungslose schlacht endete mit dem Siege der Balubas. Alle Ba- tumbw'es, die sich nicht durch zeitige Flucht gerettet hatten, lagen tot auf der Walstatt. Der Triumph und