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Peter Nockler.

Die Geschichte eines Schneiders von Wilhelm Holz am er.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Und schließlich hatte das gewirkt. So ein Schneider versteht sich doch auf die Wirkung. Die Schwarze war richtig anders geworden. Sie lachte öfters laut und hell m ihrer Küche, daß man sie hören sollte, offenbar, sie treck!e oft sogar den Kopf zwischen den Levkojen heraus, ie ließ sogar einmal eine alte Scherbe aus dem Fenster stuausfallen und schrie sehr durchdringlich und mehr lustig als ängstlichui !", und sie machte sich auch öfter int Hof zu schaffen als früher.

Sie hatte den da oben ja noch gar nicht näher kennen gelernt, tvußte gar nichts von ihm, so rnal tzin Blick aber

Es trieb doch etwas in ihr es war ihr ja rein zum Lachen.

Schneiderböcklein, Schneiderböcklein!" und sie schnalzte mit der Zunge und schnipste mit den Fingern und derweil waren ihr bie, Zwiebeln mit der Butter ver­brannt.

Da änderte sie rasch die Tonart:Schneiderbock, Schneiderbock!" Aber was .half's!

Er lief ihr ja sichtlich nach. Diese Augen, wie er ihr ins Fenster guckte! Wie er ging eins, zwei, eins, zwei. Schneiderböcklein, Schneiderböcklein!

Gott, man war doch auch nicht von heute! Wenn man auch vondrüben" war, wie diese eingebildeten Rheinhessen von oben herab sagten. Na und schon gar mancher war ihr nachgelaufen. Aber sie ivollt grab nicht.

Und jetzt dieser einfältige Schneidergeißbock!

Doch ja sehen wollt sie ihn doch einmal, was er denn für ein Kerl sei. Und wie er sich anstelle. Was er denn zu sagen wisse.

Als der Peter am Abend heimging, jetzt sogar ein wenig geknickt über die völlige Erfolglosigkeit seines Be­mühens, rief» plötzlichpst!" hinter ihm.

Er drehte sich° um und hörte einen Augenblick nach dem Hofe hin. Dann ging er ganz langsam und hoch­klopfenden Herzens ein paar Schritte zurück. Aber er sah niemand. Er suchte den Hof ab. Da war niemand.

Schon ärgerte sich der Peter. Lächerlich kam er sich vor. Und dann einpst!" zu hören, wo's doch gar nicht gerufen hatte. Ein Narr war er. Zum Auslachen!

Und er ging wieder fort. Da kam wie zufällig die kleine Schwarze ans der Haustür des Vorderhauses. Und stand gerade vor ihm.

Er ward gaich rot und stand da wie ein begossener! Pudel. Nur sein Hütchen tonnt er grab noch Ziehen.

Und sie lachte.

Was war da weiter zu reden! Keines hätt' im Augen­

blick ein schickliches Wort zu sagen gewußt. Sie fanden beide keines.

Ein paar Schritte gingen sie nebeneinander her: und ans einmal waren sie im Gespräch drin. Das war ge- wissermaßen ohne Anfang gewesen, denn beide wußten sie den Anfang, das erste Wort nun gar nicht mehr. Aber sie sprachen nun miteinander. Ein bißchen zage zuerst. Und sie gingen wieder ein paar Schritte zurück. Dann wurds flotter? Und sie gingen hinaus auf die Gasse, gingen die Gasse iueiter die Augustinerstraße hin, die Holzgasse bis zum Holztor.. Sie ging in denschwarzen Bären" und ließ ihre Bierkanne füllen und kam wieder zum wartenden Peter. Und sie gingen wieder die Holzgasse hin, die Augu- stinerstraße vor b,is zur Heiliggrabgasse, und da standen sie noch eine kleine Weile zusammen und plauderten mit­einander. Plauderten viel und über viele Dinge, über die sie gar nicht sprechen wollten, und viele, die ihnen gattz gleichgültig waren. Aber sie merkten das gar nicht. Sie fühlten nur das Bedürfnis, zu reden, recht viel, recht eifrig und jedes das Beste, was es zu sagen wußte, und beide mit dem heimlichen Bestreben, es auf die beste, eindring­lichste, ivirksamste Art zu sagen. Und dann drückte der Peter ihr dre Hand, zog sehr tief sein Hütchen und sagte: Gute Nacht, Fräulein Elise!" und ging dem Dom zu, während sie ihr Bier heimtrug und sich unterwegs eine gute Ausrede wegen ihres Ausbleibens zurechtlegte.

Der Peter aber ging am Dom vorbei über den Markt, durch bie' Schustergasse tttib sieben weitere Gassen kreuz uitb quer unb fand feine Wohnung nicht, obgleich er schon siebenmal an ihr vorbeigegangen war, ging aber immer wieder weiter und immer wieder verkehrt, tote int Traume Gasse auf und Gasse ab, ---zog in Gedanken manchmal sein Hütchen, tote ers vor Fräulein Elise getan hatte, drückte mit der rechten seine linke Hand, Ivie er vorhin ihre Hand gedrückt hatte, wiederholte alles, was sie gesagt hatte, und gab gewissenhaft seine Antwort, und lächelte, wenn er sie gut fand, und kratzte sich hinter den Ohren, wenn sie ihm dumm vorkam, und tappte weiter und weiter und stand auf einmal wieder am Holztor und vor demschwarzen Bären" und ging hinein und genehmigte sich einen und noch einen ihr zu Ehren.

Und als er am Abend zu Bett ging beny seine Wohnung fand er endlich doch tat er einen echten Schneidersprung hinein, und sprang noch einmal mitsamt seinem Deckbett fast bis an die Stubenbecke und schlief bann ein. Er schlief mit einem Lächeln im Gesicht und träumte sieben schöne Träume ober siebenmal sieben, und als er am Morgen wach wurde, hatte er sie alle vergessen. Aber das, meinte er, sei ihm als Erinnerung geblieben, daß der Himmel voller Geigen gehangen habe.

Und er meinte, daß er noch davon vollhüngen müsse.

Er streckte den Kopf zum Fenster hinaus und sah überm Korbgäßchen nur einen winzigen Himmelsfetzen, der, wie