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Mer, um sich zu überzeugen, soll man nur emmal in die um Lauterbach Herumliegenden Orte gehen. Da ist es das bekannteste, längst parodierte und variierte. Ein anderes echt oherheppchev ist das kurze Liedchen aus dem Busecker Tal:
O wär Tch eimual
Im Bnsecker Tal! etc.
Die Herrschaft „Busecker Tal" liegt hier bei Gienen. S Dörfer gehörten einst dazu, Altenbuseck, Grostenbuseck, Oppenrod, Rodgcu, Beuern, Bersrod-, Reiskirchen, Burkhardsfelden und Albach. Aber wenn nicht, wie hier, lokale Andeutung im Liede ,elbst den Weg weisen oder Anlehnung an bestimmte Sitten und Bräuche, bte nur in dieser Gegend- sich finden, geschichtliche Neberlreserung,^besondere Eigenart des Stammes oder dialektische charaktertstpchtz Form einen Schluß gestatten, ist die Bezeichnung, ob eigen, ob fremd, schwer zu machen, eben des vorhin geschilderten wandernden Charakters so mancher Volkslieder halber.
Es sgibt aber dieser Lieder noch n n g e z a h l t c. Lae von om veranstaltete und von Böhme herausgegebenc Sanimlnng „Lreder- hort" hat ja nur einen Teil. Die deutschen Volkslieder sind noch nicht gesammelt, auch, noch nicht die Volkslieder m Oberhesfen! oder Starkenburg, oder Rheinhessen. Auch die „Odenwälder Sptim- stnbe" enthält ja nur einen Teil der Odenwälder Lieder. Witz Viele es gibt, davon kann uns vielleicht eine Mittcililng Pros. Tr Hauffer's auf dem Verbandstage der deutschen Vereine für Volkskunde, der nmi 2. Oktober vorigen Jahres zu Berlin ab- gekalten wurde, eine kleine Vorstellung geben. In nnserm Nach- barlande Oesterreich, werden sie ziir Zeit mit Unterstützung der Regierung, die jährlich- 20 000 Kronen dafür ausgibt, gesammelt, und der genannte Professor, der zunr Leiter der deutschen Sammlung bestellt ist, erwähnte, das; ein einziger Pfarradjunkt brS jetzt deren 1200 zusammengebracht habe. Im Ganzen seien 20 000 deutsche Volkslieder gesammelt. Allerdings hat er dabei nicht gesagt, ob und wie viele mehrfach dabei vorkämen.
Scheffel in Särkingen.
Tie Veröffentlichung der Briefe Scheffels an Friedrich Eggers durch I. Proells, die im Märzheft der Deutschen Rundschau, zum Abschluß gelangt, führt bis an die Schwelle jenes entscheidenden Moments in seinem Leben, da er, vom römischen Recht befreit, nach Rom zog, nm Maler zu werden, und dort seinen eigentlichen Dichterberuf entdeckte. Aber wir erleben in dieser vorbereitenden Zeit bereits die deutlichen Ansätze seines poetischen Gestaltungstriebes, sehen in diesen Briefen langsam die Knospe seiner dichterischen Begabung sich entsalten. Es ist der Schauplatz feines berühmten „Trompeters", auf dem er die späteren Motive seines Dichtens in Freud und Leid durchlebt, aus dem ihm Bilder, Situationen und Formen entgegentreten, die später in seinem Saug vom- Rheine und dem Ekkehard zu künstlerischem Golde ausgeprägt toerben sollten. Am 27. April 1850 schreibt er an den getreuen Jugend- und Kunstfreund: „Wenn Du eine Carte von Deutschland anschaust, so wirst Tri am Altvater Rhein, zwischen Schaffhausen und Basel die „getrewe und feste, Waldstadt" Saeckiu- gen vorfinden.... In diesem Saeckingen hat einst der heilige Fridolinus den schnöden allcmannischen Heiden die Lehre vom Kreuz gepredigt: und allhiero hauset, seit dem Neujahr 1850, Dein treuer Joseph, seines Zeichens Rechtspraktikant beim Bezirksamt, mit einem schäbigen Gehalt von 500 sl. jährlich und einem Herzen, das in der Schwarzwaldlust wjedcr merklich gesund geworden ist... Hier sitze ich bei zwei nie versiegenden Gesundheits- imtnneit, — bei einem prächtigen, kernhaften, eigentümlichen Landvolk, und bei einer sich ewig gleichen Natur, wo die Schwarz- tvaldtannen rauschen und in der Ferne die schweizerischen Alpenriesen gen Himmel ragen. O wenn Dsu sie nur einmal sehen und mit ihnen leben könntest, meine lieben Freunde, die Hauen- steiner; wie sie au einem Markttag oder zum Fest des Schutz- h eiligen nach Saeckingen konnnen, oder wie sie am Sonntag mit Saug und Klang in ihren Wirtshäusern Herumsitzen. Wenn so ein schmucker Bursch in altertümlicher Volkstracht, schwarzem Saniniet- schoben, rothem Leibchen bis fast an die Knie, kurzen Wadenhosen unb gesälteter Halskrause des- Wegs kommt^ oder ein rothwangiges Maidli mit enchetzlich hoher Taille und farbig zusammengewürfeltem Rock dis ans Knie, sammt rotheu Strümpfen, so ist mir's immer, als bätt' ich ein Stück realer Poesie, ein lebendig getvordenes Volkslied vor mir. Ich lerne zwar auch reichlich das kennen, was ein guter Staatshämorrhoidarius als Verdorbenheit des Volks bezeichnet; o es -wird entsetzlich viel geprügelt auf dem Wald oben, — und gesoffen, und Scheiben eingeschlagen, und bei den Maidliu zum Fenster hiueiugestiegen; aber Alles so primitiv, so gemüth- lich, als wenn nicht anders fein könnte." In diese „Schwarz- ivaldeinsa-mkeit" hinein spielt Scheffels Liebe zu dem anmutigen Vreueli, der Wirtstochtcr von W-illaringen im Hauensteiner Wald. Die kleine tapfere HaduMokh des „Ekkehard" trägt Züge dieses lieblichen Waldkiudes mitt den kastanienbraunen Zöpfen. „Und iueint einer erst," so gesteht Scheffel seinem Fritz, „das Glück oder Unglück hat, fragmentarische Studien darüber zu machen, lute sich die große Passion, die Liebe, im Herzen eines Schwarzwälder blauäugigen Kindes abspiegelt — in dem Schacht eines solchen Herzleins liegen mehr ächte Goldstufen, als in ganz Californien.
Leider, leider schlägt hier die Lyrik in ein furchtbares Tragisches um; 'wenn der Bürger Tantalus, dereiustmals zu Grunde gieng, weil ihm die goldenen Früchte zwar vor der Nase hingen, aber nicht erreichbar waren, so ist das sehr -einfach; — wenn abest an einem spätem Reichsbürger so ein Waldröslein gar innig und sinnig heranfrankt, und sich au ihm und er an sie anschmiegen möchte, und er das Röslein doch nicht bricht, nicht weil er nicht will, sondern weil er nicht wollen darf, weil er ein Stück sittlicher Substanz- in sich hat und weiß, daß wenn ers thäte, inj Eonflict von Herz und Welt entweder der Egmont oder das Klärchen oder beide zusammen zu Grunde gehen müssen: so ist das gewiß eine tragische Dorfgeschichte." Aus Leben und Geschichte des einsamen Städtchens wachsen ihm poetische Gestaltungen auf. In lustigen Stunden sind es die weinfrohen Trinksprüche der Altvorderen, die ihn erfreuen, so daß „Stamm- und Gesellenbnch" des wohledlen Balthasar Kredercr, eines Ahnen mütterlicherseits aus dem 16. Jahrhundert; in einem archaisierenden Briefe an „syncn lieben Herzbruder, den Doctorenr Eggers zue. Berlin" ahmt er den altdeutschen Chronikstil mit all seinen lustigen und gravitätischen Schnörkeln nach und bereitet den Ton „Ekkehard" vor. In melancholischer Stunden wieder klingeii^die Töne und Stimmungen des „stillen Mannes" aus dem „Trompeter" an. Dabei gefällt ihm sein Beruf immer weniger. „Ich bin ein halber Hinterwäldler geworden und seit Jahresfrist aus dep mo-, benteit Cultur schier hinausgewachsen, dabei aber gesund und scharfkantig geblieben." Noch einmal möchte er als fahrender Schüler in die weite Welt ziehen, „ein halb Jahr in Italien gibt einens Wintervorrat sürs Leben, bann kann man euch wieder Lastthier sein und nach der deutschen Staatshämorrhoidariatsearriare bc8 „täglich dümmer und täglich brauchbarer Werdens" streben." Sein! „bester Kern ist immer noch der Zug zur Kunst"; den will er in Rom pflegen, nachdem er die amtliche Stellung im Schwarzwald aufgegeben hat. Und so meldet beim der letzte Brief aus Karlsruhe vom 17. Mai 1852, daß das Bündel geschnürt sei. „Dm deutsche Juristenwrtst abgeschüttelt, in sechs Tagen zieh ich nach Rom — als derselbig fahrende Schüler, wie er vor acht Jahren aus München ausgezogen. 'S Herz wird mit jedem Stundeuschlag wieder frischer, seit es die Gewißheit hat, der bat neuen missre wenigstens auf Jahr und Tag entrückt zu sein.'
HumsriMcher.
* Sein Ideal. Gerichtsvollzieher: „Mein Sohu svllemest anderen Beruf ergreifen, als ich. Wozu raten Sie nur c Student: „Lassen Sie ihn — Geldbriesträger werben
* Zukunftsbild. Strolch: „Ich will nicht Ihre Börse, auch nicht Ihr Leben, fonbeut etwas Gas; mein Ballon ist tut, Sinken und wir befinden uns gerade über dem Zuchthaus von ClllCT
' * Sm Kaffeekränzchen. Vater (zu seiner Tochter, die
dort mit ihrer Mutter war): „Nun, Aschen, lurc war s ? — Else: „Das kamt ich Dir nicht gut sagen, denn fortwährend wurde ick gebeten, ,mal auf einen Augenblick hmausziigeben!
* Lakonisch. Baron: „Haben Sie mit dem Besuch schon gesprochen, Johann?" •— Diener: „Jawohl, gnä' Herr, er liegt broujicn ** ,
* Berschuappt. Frau Schulze: „Tiefe Nacht haben se sich wieder jräßlich gehauen hier an die Ecke. Nee, die Manner! — Sie müssen doch ooch imitier in Angst sind, Frau Muller t — Frau Müller (deren Mann Schutzmann ist): „Durchaus nich, Fran Schulzen; meiner seht jeder Prügelei aus dem Wege!
Bilderrätsel.
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Geographischen Verschiebrätsels in vor. Nr.5 Madrid
Arabien
Borneo
Italien
Breslau
Wien
Euba
Prag
Budapest M a r i e u b a b.
Nedaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiiidruckerei, R. Lange, Gieße«.


