Ausgabe 
11.2.1909
 
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Auf Liebespfaden.

Roman von $£>. Ehrhardt.

'Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

So stand sie, groß, uitb schlairk, int grellen Licht, das der Mond durch eins der unverhüllten Fenster tvarf, und das deutlich ihr voll Glück rind Bcfriedigllng überstrahltes, blühendes Gesicht zeigte, mit dem sie sich der Freundin zuwandte, die zusammen- gekauert, das Kinn auf die emporgezogenen Kniee gelegt, in' ihrem Bett saß, und deren Züge, dem Licht abgewandt, nur undeutlich zu erkennen ivaren.

Was hat Hans gesagt?" war ihre erste, zitternd geflüsterte Frage.

Lisbeth kam näher rind setzte sich zu der Freundin auf den Bcttraud.

Er läßt dich grüßen und dir gute Besserung wünschen," berichtete sie, den schwarzen Spitzenschal aus ihren Haaren lösend, Um ihn auf ihren Knicen sorgfältig zusammenzulegen.

Sonst nichts?" Es War halb ein Seufzer, halb ein Schllichzen.

Nein," sagte Lisbeth ehrlich. Aber dann stieg ein großes, kvarm.es Mitleid in ihr auf aus dem Born ihres Glückes heraus, ein Mitleid für die kleine, zärtliche, schwache Helene, die mit ihrer überschwänglichen Liebe ewig vor dem verschlossenen Paradies stehen würde, das sich ihr, weil das Schicksal sie auf einen günstigeren Platz gestellt, ganz ohne Verdienst heut geöffnet hatte. Und tröstend nrit der Lütken über das weiche Mädchenhaar und die kühle Wange fahrend, setzte sie hinzu:Er schien sehr ent­täuscht, wie vor den Kopf geschlagen, er lief gleich fort."

Wann werde ich ihn Wiedersehen?"

Tie bange Frage verhallte unbeantwortet.

Lisbeth starrte gedankenabwesend vor sich hin, ein glückliches Lächeln in den Mundwinkeln.

Helene sah dieses Lächeln, sah den seltsam veränderten, Weichen .Ausdruck in dem Antlitz der Freundin, und mit Augen, die im Dämmern groß und dunkel leuchteten, fragte sie:

Wie war Espach zu dir? Du siehst so glücklich aus, Lisbeth!"

Da vergaß die blonde Lisbeth ihr Mitleid und dachte nur an ihre Seligkeit.

"Ich bin auch glücklich, Helene."

Sie näherte ihr Gesicht dem der Freundin, und durch den ^uft des Parfüms, das sie bevorzugte, spürte Helene den Geruch von Zigaretten, den ein männlicher Mund auf Lisbeths Lippen zurückgelassen hatte, und ehe diese ihr Geheimnis verrieten, fiel sie ein:

Heut hast du dich von ihm küssen lassen."

Ja!" sagte Lisbeth, und nach einem tiefen Atemzug setzte sie ruhig und selig und voll Stolz hinzu:Denn ich bin seine Brant."

Gin banges Schweigen. Sekundenlang. Dann bewegten sich Helenens Lippen, sie Wollte einen Glückwunsch sprechen, zweimal

fetzte sie an, schluckte, aber der Würgende Knoten saß fest in der trockenen Kehle.

Lisbeth, ihr Empfinden verstehend, umfaßte sie, selbst Volk einer Rührung gepackt, die ihr für gewöhnlich fremd war, zärtlich tröstend:

Du wirst auch noch einmal glücklich, Helene."

Aber die arme, kleine Helene glaubte nicht an diese gut-, mutige Verheißung. Sie schüttelte den Kopf, bann umschlang sie mit ihren mageren Kinderarmen den Hals der glücklichen, jungest Braut und weinte bitterlich.

*

Zu derselben Stunde nahmen die beiden Freunde an HassingeW Haustür voneinander Abschied, denn der blonde Offizier hatte unterwegs geduldig auf Espachs Rückkehr gewartet, da er wußte, daß heut die Entscheidung über dessen Zukunft fallen sollte.

Er war auf die Nachricht, die dieser ihm zwischen -Scherz und Ernst mitkerlte, schon lange vorbereitet, und deshalb und auch, weil er Rührszenen haßte, gratulierte er dem Freunde, ohne Bitterkeit und Neid zu verraten, mit ehNicher Herzlichkeit, ja, er machte ihn sogar darauf aufmerksam, daß er ihm ganz allein sein Glück verdankte, da er ohne ihn die blonde Lisbeth nie kennest gelernt hätte.

Espach versprach ihm zum Lohn eine Patenstelle bei seinem Erstgeborenen.

So schieden sie heiter lachend.

Erst als Hans Huss in gen sein Zimmer betrat, fiel es ihist ein, daß Espach ihn heut zum letztenmal auf diesem LiebespfadL begleitet hatte, den sie immer gemeinsam gegangen waren, und da überkam es ihn wie eine Unrnhe, die mit dem Ausdruck Angst zu stark bezeichnet gewesen wäre, daß er nun ganz allein stünde, daß zwischen Espach und ihm der heutige Tag auch in anderer Beziehung eine Schranke aufgerichtet hatte, jener gleich, die denk Verkehr zwischen Helene und Lisbeth fortan die frühere 'Un­befangenheit und das gegenseitige Vertrauen rauben würde.

VI.

Dieses gewisse innere Einsamkeitsgefühl ging mit Hans vost Hassingen schlafen und wachte früh wieder mit ihm auf.

Es War ihm direkt unbehaglich, als das Bataillon unter fiitw genbent Spiel nach dem Bahnhof ausrückte und er allein zurück­blieb.

Den ersten Tag hatte er noch dienstlich verhältnismäßig viel zu tun, da und dort nach dem Rechten zu sehen.

Tann kamen Tage der Untätigkeit und der inneren Unruhe. Diese Unrnhe hatte ihren besonderen Grund.

Er wartete auf eine Nachricht von Helene, die ihm meldest sollte, daß er sie abends am Zaun erwarten dürfe.

Aber die Nachricht kam nicht.

Tie Tage, ans die sich beide so gefreut hatten, verrannest Ungenützt einer nach dem andern.

Hätte er seinen Regelmäßigen anstrengenden Dienst gehabt, den Verkehr mit seinen Kameraden, die Sehnsucht in ihm wäre sicher nicht so riesengroß geumchsen, daß sie schließlich alle änderest Empfindlingen erstickte. Sein Gefühl war trotz gelegentlicher Sefteste