Ausgabe 
11.1.1909
 
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Z4

Schlüsselloch,waS ist das fite ein Ditlevsen, von dem Sie da immer erzählen?"

Nun begann Laura Lachkrämpfe zu kriege», de»» dte Frauen- zimmer können ja nie Maß halten.

Hör mal, Laura," tagte ich, ,,bii darfst wirklich Nichts Der ' Mann wird ja draußen ganz wild!"

Wo ist der Ditlevsen?" fragte ich.

In denDreihirschen"

So. Aber ich kenne ihn ,licht. .

Sind Sie denn nicht Herr James Peterien?

''Dann müssen Sie cs sein. Ich sollte grüße» und frage!?, ob Sie nicht mit Ihrer Schwester hinkommen und der tnm zu Abend esse» wollteir?" . ,

Vielen Dank," sagte ich,es ,st sehr liebenswürdig von Herrn Ditevsen, tvirkllich, aber."

Er sagte, er hätte, durchaus mit Ihnen etwas Wichtiges zu besprechen." , , ,, , ,

Ja. aber, lieber Freund, tagte ich,ich kenne den Herrn eben nicht."

Sind Sic denn nicht Herr Janres Petersen?"

Ja, bei Gott dem Allmächtige»! Aber'

In. dann sind Sie.es doch," ertönte, es »»verdroßen hinter

"Es ist doch wohl besser, daß du aiifmachst," flüsterte Laura.

Ich kann mich ja verstecken."

Wo? Wetui ich fragen darf."

Im Klciderfchrauk" ,

Unsinn!" sagte ich.Und ich fitze doch auch Nicht, allem hier und fresse Knackmandeln beim Schein von fünf Lichtern.'

Wann ist er denn angekommen?" fragte ich, wieder zur Tür gewandt. . , '

Er ist gestern abend mit dem Gedferzng gekonimen. Es ist da etwas mit Ihrem Bruder." . ,

Mit meinem Bruder? Sitz doch itiait immer da und grinse, Laura! Ich kann liicht verstehen, was der Meilsch sagt! Mein Bruder?" ,

Ja, Ihr Bruder aus Deutschland. Er ist wohl auch da!

Was sagen Sie, Mann? Er ist auch da!"

Ja, aber das sagte Ditlevsen, dürfte ich nicht verraten."

Hör mal, Laura, ich muß hin. . . Wollen Sie Herrn Ditlevsen grüßen und sagen, ich wurde gleich kommen." .Jawohl Gute Nacht!"

Gute Nächt!"

Haft du enteil Bruder in.Deutschland?" fragte Laura, als

der Mann fort war.

Ja, gewiß. Aber ich kann's nicht begreifen. Mittwoch hatte ich von ihm einen Brief aus Libau. Na, aber, ich muß ja in die Treihirschen! Du kannst solange hier bleiben."

Neiii, ich trau' mich nicht! Ich trau' mich nicht, allein hier zu bleiben. Wenn nun deinem Bruder etwas passiert ist?"

Passiert?! Was ist das für'« Unsinn! WaS sollte ihm passiert fein!" sagte ich, denn manchmal kann ich auch wütend werden auf die Frauenzimmer, wenn sie mit ihrem Gewäsch kommen.Na, ja, daun mußt du dich anziehen. Dann gehen wir zusammen hinunter."

Das ist ärgerlich! Nun hatten wir es so gemütlich!" seufzte Laura.

Jaa," sagte ich.Aber beeil' dich jetzt bloß ein bischen."

Wir machten uns beide straßenfertig, und Laura steckte eine .Handvoll Knackmandeln in die Tasche und blies die Lichte aus.

Und dann gingen wir.

Unten an der Ecke trennten wir uns, und ich machte mich eiligst ans den Weg zum Hotel. Als ich es erreicht hatte, bat ich den Portier, nur Ditlcvseus Zimmer anzugeben.Nummer dreizehn, zweiter Stock," fagte er.

Ich lief die Treppe hinauf und klopfte. Niemand aui-- wortete. Ich klopfte wieder. Kein . Laut. Ich öffnete die Tür. Alles dunkel.

Der Herr ist ausgegangen," sagte eine Stimme neben mir. Sic gehörte einem Zimmermädchen.

Er ist ausgegangen?"

Ja, vor einem Augenblick. Ist Ihnen der Herr nicht auf her Treppe begegnet?"

Nein. Heißt er Ditlevsen?"

Das weiß ich nicht. Das steht unten auf der Tafel."

Ich wieder hinunter.

Ganz richtig. Da stand: Nr. 13, Ditlevsen, Warnemünde.

Ist Ditlevsen ausgegangen?" fragte ich den Portier.

Das weiß ich nicht. Aber ich werde Carlsen fragen."

Und damit verfchwand er in einem Loch unter der Treppe.

Ja," sagte er, als er eine» Augenblick später wieder auf- tauchte,Herr Ditlevsen ist in diesem Augenblick fortgegangeu unt einem anderen Herrn. Er hat Bescheid hinterlasten, er ginge zu James Petersen. Haben Sie ihn nicht hier draußen getroffen?"

Nee," sagte ich,bei Gott nicht!"

Und dann eilte ich wieder nach Hause. Aber da war niemand.

Zch ztzicheie W Lampe au und begann zu warten. Aber , es kam keiner.- Ich alle Knackmandeln und trank den Wein. Abep es kam immer noch keiner. . Es wurde elf und es wurde zwölf. Aber es kam immer und.immer noch keiner.

Da ging ich zu Bett, wütend auf die ganze Welt.

Nachts träumte ich, daß ein Schiff ans Warnemünde die Treppe hittaufgefegelt käme. Und die Gällionsfigur bildete Laura mit einem FisMchwcmz, Mandeln efsend.

Und als ich am nächsten Morgen um acht Uhr ins Hotel kam, sagte man mir, Ditlevsen wäre, um sechs Uhr mit dein Dampfer nach Petersburg gefahren.

Und seitdem nenne ich so eine Geschichte, aus der lein Teufel klug werden kann, einestDitlevsen", schloß der Keine, fette, lebendige Herr seinen Bericht und lachte gluckernd, daß feilte Augen völlig im Fleisch verschwanden.

VsvM??chLes.

* L u L u s i n d e r Kl n d e r k l e i d u » g. Die Mode umgibt mit Luxus und Eleganz nicht nur die großen Damen und die jungen Mädchen, sondern sie sorgt auch schon für das Baby im SteckWen, überschüttet fein kleines Bettchen mit Spitzen und einer Fülle delimer Schleifchcn, tut in Häubchen und Hemdchen das Menschenmögliche. Die kleinen Fräuleins, die daS. Gehen noch nicht gelernt haben, müssen trotzdem schon so schöne Roben haben:. Eine Pariser Firma bringt diese Saison Tüllkleidchen für sechs.Monate alte Babys auf den Markt, die das Entzücken der jungen Mütter erregen. Die Miniatnrroben haben die moderne Empireform und eine überreiche Garnierung von Valenciennes-- spitzxn; von her Schiilter geht an dor linken Seite eine Girlande kleiner Rosen herunter, die an dein winzige» Tailleitabsckliiß sich in einer breiten Äaudschleift verliert. Ein großer Luxus wird auch in Kapotteu, Mützchen, Logues und Turbanen für die Kleinen entfaltet: die ganze nmnuigfaltige Welt der neuesten Dameuhut-> formen spiegelt sich hier im Kleinen in einer niedlich kolettcu Puppengröße wieder, und der breite Pelzbesatz fehlt ebenso wenig wie das zarte Cwldnetz. Die kleinen Mädchen habe» mich schau, mit sechs und zehn Jahren ihr richtiges Toilettenbudget. So erzählt eine französische Modezeitschrift von der kleinen zelm- jährigen Tochter eines reichen Fabrikanten, der das Jahr 24000 Franks zu ihrer Verfügung steht, die sie für ihre Kleidung und sonst nach ihrem Belieben ansgeben darf. Man mochte nun glauben, daß die kleine Dame sich davon schöne Puppen und Spiel- sacheit kauft, aber das ist nicht der Fall, Das Kind treibt vielmehr einen ganz raffinierten Modeluxus, tragt nur seidene Strüinpie, von denen ein Paar trotz ihrer Kleinheit 38 Franks kostet. Jijre Schuhe kosten 60 Franks. Jeden Monat muß sic ein paar neue. Hüte haben, da sie sich die alten sehr rascküber"trägt. und solch ein Hut ist nicht unter 120 Franks hcrzustellen. Ihre Rooen haben all den Luxus von Pelz, Spitzen und Edelsteinen, den nur eine verwöhnte Modedame sich leisten kann. So kosten denn die billigeren Kleider schon 3400 Franks. Kein Wunder, daß die kleine Verschwenderin mit ihren 24 000 Franks nur schwer aus- . kommt und sich noch manche Toilettenwünsche versagen muß.

* Weiberrevolte g ege u d t e A u s h e b u u g z u m. Heeresdienst. In dem Municipium Sacramento im brasi­lianischen Staate Minas wollen die Frauen und Jungfrauen nicht dulden, daß ihre Söhne, und Brüder, Ehcmämier und Bräutigams zur Dienstleistung in der Ä-rmec Hera» gezogen werden. Als jüngst die Aushebnugskommission im Rathaus tagte, drangen zweihundert wütende Frauen in den Sitzungssaal, zerrissen die Papiere und Akten der Kommission, zertrümmerten das gesamte Mobiler und drangen auch in einen Nebensaal, wo sie die dort verwahrte Url sw für die Geschworenen, veniichteteu. Die städtische Polizei wagte nicht einzufchrcitcn und hielt sich in respektvoller Entfernung- Es find daher auswärtige Polizeikräfte nach Sacramento lx-ordert wordm, «m das AuShebmig.sge.sMft gut ermöglichen.

Riitfel.

Die ersten siebst in manchem Laden Zn bteier Zeit du ausgestellt.

Sie bergen dich, ivenns deine Täten Verlangen, vor dem Äug' der Welt. Mit mehiem dritten kannst du nmchen Dem kleinen Kinde eine Freud. Wie wird es -dankbar dich anlacken, Wenn deine Hand die Gab' ihm beut.

Und kommt nun gar ei» Freund gegangen, Der dich zumGanzen' abends holt, So färbt wohl höher deine Wangen Die Ahnung, wie heut nacht man tollt.

Friedberg. A. S t e i n in üiler,

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Charade in voriger Nummer: Fa ust rech t.

Ncdaknonr E, Anderson, --- Romlionsdruck und Berlag der Brühk'fchen UutverstkülSEuch» und Stemdruckeret, R, Langs, Gießen-