Ausgabe 
11.1.1909
 
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»nd .äße -fielen iiibelnb ein:Nur in WntWand,- ia nur in Dentschiemd, da will ich' ewig lebens"

Und'es war. mMsHenWl in dem!, grotzm Raume, als bet' Am-eriKmer dann wieder anbob:

's ist ein Land, das Heißt -Jstssts, '

. . Dxül. blüh'« -Orangen, und Zitrmien,. , , - Singe' sprach die Römerin,

Und ich sang gen NordeK Mit

Nur in Deutschland, ja w« in Wütschlaich, Da fall -Wein Liebchen wohnen." -

Und wieder gab's ein jubelndes.EchochRur in Deu'rschland, Mir in Deutschland, da soll mein Liebchen wohnen."

Der smrge Mensch neigte sich und stieß mit Hendrina van Endert an und sah ihr lies in die Augen. Und es war ein Jubeln in dem ganzen Raume und plötzlich rief einer:Prosit Neujahr!" und lachend und scherzend rief sich alles ein vor- NitiqesProsit Neujahr" zu.

Hildegard Weingartner aber fuhr erschrocken auf.

Hcrrjehi S'is die heeschte Zeit ßsr heimzegehe! Surrst versäume mer bis Silvcsierandackk."

Nun brach alles eilig auf. Der alte van Endert hatte schnell ein paar Schoppen hmnntergefchtittet, jetzt lachte er ganz, be­haglich.

Eil doll Bolk, die Oberrheiner! So Watt keime it mir Meder- rhciner doch nur an Fasselabeud."

Er nickte sogar n»Pwollend demTschortschie" zu, als der Heudriuasorglich in ihren dicken Mantel half.

Als sie ins Freie kamen, schien es ihnen allen, als ob die KAte noch schärfer geworden wäre. Aber so wundervoll war der Anblick, dstz man beit Frost gar nicht mehr, spürte.. Der Boll- Rvnd füllte mit gehehrmiKvvllem weißem Glanz, das ganze Rhein- tal. Drohend schwarz umgaben Rochusberg und Niederwald wie gewaltige Wände den gefrorenen Rhein. Oben nach dem Rheingau M, wo die Berge zurücktreten, der Rhein breit wird und die Auen sich zur Sommerszeit als smaragd-ne Inseln aus deut Rheine heben, füllte silberner Dunst h-rs Weite, daß es ein uferloser See schien.

Aus Hendriuas Brust fcm eilt langer Seufzer des Entzückens. Sie fühlte nur halb, wie eine andere Hand ihre Hand faßt- und leise in einen Arm legte. Ans dem Griff dieser Hand strömte Wärme in die ihrige, sie wurde festgehaiten und geleitet. Der Weg über das Eis erschien jetzt schwarz, die kleinen Tannen- bäume zu beiden Seiten des Weges waren wie gespenstische kauernde Wesen. Rötlich trübe flackerten in all' dem Glanz die Lichter Bingens.

Durch diese schier zauberhafte Herrlichkeit ging Hendrina van Kichert zagenden Schrittes. Reben ihr flüsterte jemand törichtes, tolles Zeug, ihr Arm wurde fest und fester gehalten, ihr wurde m seltsam zu Sinne, so traumhast. Ein Beben ging durch ihren Körper, die Ahnung eines Nieerlebten.

Da kam durch die Lust ein voller Klang. Langsam be- Mn, drüben in Bingen mit schweren Schlägen eine Glocke zu Knien.

O weh, nun lckut's schun zum erschte Mol!" Hildegard Weingärtuer, die mit Beert van Endert eilt Stück voraus war, Am rasch zurück.

^Mach fix, Hendrina, tummel' dich. Sonst komme mer zu spät." , Der BmeriAner hatte Hendrinas Hand losgelasseu. Nun

Kdigen sie alle nebeneinander. Hildegard Mingärmer luAg Vkappexnd, die andern stiller. Und Beert van Endert sah manchmal vechrina mit einem langen, unruhigen Blicke an.

Als sie drüben ans Land kamen, läuteten die Glocken feier- sich zusammen. Durch die stille Kälte schien man förmlich stde vrtzvMsmrg zu spüren. In den Straßen war»s lebendig, lauter Kirchgänger, die mit stetigen Schritten durch die engen Straßen strebten. Die ganze Gesellschaft ging zur Kirche, auch der Amerikaner.

Sie, Herr Tschortschie, was kiimut Sie denn uff emol an?" Hildegard sagte es sehr verwundert. Mer der junge Mann Achte leichtherzig:

Warum nicht, wenn so schöne -Kirchgüngerinuen dabei sind." DaS nützt Ihne Mr Nix! Sie müsse ja doch hinne stehe olerwe. i.n iwwerhaupt, Wege so was geht mer «et in die Kerrch!"

Die kleine Hildegard wurde ganz ärgerlich.

Schäme Se sich Es! Am letzde Dag vnm Jahr, do macht Mer so M Dummheit--! Do schaad'S Ihne auch nix, wann Se mol weM sich selwer bei unse Herrgott gehe! Sie werre wvl gMAg ufs m Kerbholz hormoe, so 4 Wilder, wie Sie sm!"

Er hörte schon nicht mchr auf sie. Er war wieder neben Hendrina,

Msfen Sie auch, daß -wir. M?« ichvü.. einen Naw-cu -ge­geben haben?"

. >Einen NameN?"^ fragte HendriM - verwMt.

Ja, wiltzten doch nicht, wie Sie heißen. Mer, da Mir Sie ans das Schiff gehen sahen, haben, pir Ihnen.-den Namen des Schiffes gxgchen:Maria Hendrina Am Goch'!". Und nun heißen Sie auch wirklich Hendrina?"

Maria HeiidriM von . Goch,"- wiederholte Hendrina träu» merisch. ,Hch heiße ja auch Maria Hendrina, wenn sie mich auch! XTUE HMdriwt nemiM. Rüd m Goch diu ich ja geboren."

Sie, wohirm sonst immer in Goch? '

lieber Heubrina van Enderts Gesicht ging ei« Scharten.

Ja," sagte sie zögernd,immer. Ich bin noch nie heraus!- gekommen, nur als ich in Aachen im Kloster war."

Im Kloster?"

Sinn ja, in der Pensum. Bei derk RSnnchen. Zwei Jähre . war ich da."

Sie sprach jetzt unwillkürlich wieder ihr PensionSdeutsch. Biel niederrheinisches war nberhrupt nicht in ihrer Sprache.

AH so! Ich dachte schon. Sie hätten selber Kloster stark werden wollen!"

Nonne!" Hendrina-lachte.Ach nein! Vielleicht, wenn ich immer in Goch geblieben märe, nie heransgekommen. Aber so ! Nein, Norme werd' ich nimmer!"

Das wäre ja auch schrecklich! Em Mädchen wie Sie, eist Mädchen, das die Männer verrückt mache« 6mn!"

Hendrina van Endert sah dem jungen Mann groß ins Gesichts /-Verrückt machen-" sagte sie. langsam.Wie Sie nur sondere bar reden"

E hatte wieder ihre Hemd ergrifsti?, Während sie durch eine enge djmkle Gasse gingen.

Ja, verrückt machen," wiederholte er leise.Sie, Marie Hendrina- von Goch, Sie firch solch ein Mädchen j Einer würde es Ihnen ja lwch sagen-. bald genug. Darum will ich's Jhnest sagen jwemt Sie's noch nicht wissen. Verrückt,, verrückt !"

Er drückte ihre Hand, daß sie schmerzte.- Sie riß sich los. Doch da waren sie ja schon au der Kirchentür. Sie stand weit offen, Lichterglanz quoll heraus, Menschen strömten hinein, eine laue dunstige Lust mit WeihrMchduft geschwängert schlug ihnen! schwer entgegen.

Hastigen Schrittes drängte Henrina Hildegard nach! Hoch« aufattnend kniet« sie in dem alten Kirchenstuhl nieder. Die Orgel brauste, .Helle Kiicherstdmnen sangen. .Hendrina van Endert sucht sich zu fassen. Wenn das Schwester Milomela wüßte, die ihr immer gepredigt hatte, daß vor dem Haufe des Herrn jeder weltliches Gedanke zurückbleiben müsse. Sie betete angstvoll, sie zwang sich, mrf die Predigt zu hören, die der Geistliche mit ihr fremdem, oberrheinische« Dialekt hielt. Sie sah starr aus das Altarbild vor sich.Saneta Hildegardis". Ja, das mar dis Schutzpatronin der Hildegard.

Die Hildegard hatte einen so leichten Sinn, ein so leichtes Herz. Sie schielte seitwärts nach ihr hin. Tie kniete iw mit rotem Backen und lachenden Augen. Ob der auch schon einmal einer ge­sagt hatte, daß sie die Männer verrückt mache? O pfui doch, mir nicht daran denken.

Sie hörte nichts von der Predigt. Erst «M. wieder Gesang erscholl, wachte sie ans ihren Träumereien auf. Tau» drängte alles ans. der Kirche. Sie wurde mitgerissen von dem Menschenstgom,.

(Fortsetzung folgt.)

vie Strafte von Meßina.

Von Ernst Zeh.

Rasch entfleucht der Gegenwart Freude und zu mancher Stunde möchte man sagen:Verweile doch, du bist so schön". Aber eins .sinnende Trösterin, die Erinnerung laßt uns in ein­samen Stunden oft all. das in ungetrübter, Verklärter Reinheit wieder durchkosten, was in frühe­rer Zeit Herz und Geist and die Sinne beugte. So greife ich zuweilen zu meinen gesaumielten Reisebriefen und die darin enthaltenen Notizen zaudern Bild um Bild vor das geistige Auge, all die Bilder, die einst das Leibliche schaute. Aber wie wird danij diese Erinnerung plastischer und wie steigt urplötzlich das Bild in stnrer ganzen früher erschauten Deutlichkeit aus dem Lande der Vergessenheit «nipvr, iverm eS eine SchreckeuSkun.de ist, die und an das erinnert, was wir selbst einst geschaut, an ein Bild wieder zurückdenken läßt, bei dessen Anblick sich unser Auge erfreute, sich nicht satt trinken kannte voll Schönheit, Glanz und Licht, datz man an das schöne Sprüchlein sich hatten mußte:

Trink, e Auge, was die Wimper hält Von dem. sourenen lieberfluß ser Welt.

AuS denr von Naturkatastrophen so schwer heimgesnchtrir itaiieh Nischen Larch« bringt «ine Nachricht, welche wohl m jedem .Leser