Ausgabe 
10.7.1909
 
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Vermischtes

Bilderrätsel

V

Redaktion: K> Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen

gegessen?" - in die Sprechstunde

Schnepfenbraten. . war eingeladen!"

aus freien Stücken aubot,ab und drohte, nicht mehr zu predigW, als man ihm das Geld mit Gewalt anfdrüngcn wollte.

Fleckenlos lebt Calvins Namen in der Weltgeschichte fort. Und doch liegt auf seinem großen Leben eilt tiefer Schattens Daß auch in seinem Lande auf seinen Befehl ein Scheiterhaufen qualmte, kann ihm die Nachwelt nicht verzeihen. Der Prozeß gegen den Spanier Michael Servet bleibt trotz allem Deuteln und Entschuldigen, trotzdem Melanchthon und andere Größen nach­träglich das Urteil unterschrieben, ein dunkler Punkt in des Re­formators Leben. Servet war kein Ketzer, auch kein Jrrlehrer, die reinsten Absichten leiteten ihn bei seinen Versuchen, das Ur­christentum wiederherzustellen, daß aber seine Ansichten von denen Calvins weit abwichen, wurde sein Verhängnis. Durch die Oppo­sitionspartei von Gens, das er aus seiner Flucht berührte, in die inneren Händel verwickelt, wurde er auf Csalvins Befehl ins Ge­fängnis gesetzt und weil er standhaft den Widerruf verweigerte, am 23. Oktober 1553 öffentlich verbrannt.

Zwei große Taten aus der letzten Zeit seines Lebens krönten feilt reformatorisches Werk. 1549 erzielte er eine Uebereinkunft mit den Züricher Theologen, der zufolge seine und Zwinglis An­hänger hinfort nicht mehr getrennt sein, sondern eine Gemeinde, eben die große reformierte KiTche bilden sollten, und int Jahre 1558 gründete er zu Genf ein Gymnasium, ans dem bald eine Universität hervorging, die ruhmreiche Pflanzschule der reformierten Theologie. Das Rektorat überließ Calvin seinem bedeutendsten Schüler Theodor Beza, er selbst war einfacher Professor der Theologie.

Am 27. Mai 1564 schied Johann Calvin aus dem Lebern Tie gewaltigen Erfolge, sein unermeßlicher Einfluß hatten sein bescheidenes Wesen nicht zu ändern vermocht. Bis zuletzt war er Prediger von Sankt Peter und Lehrer des Wortes Gottes. Und einfach wie sein Leben war auch fein Sterben. Seine letzten Worte waren ein Verbot, ihm ein Denkmal zu errichten; ohne Auszeichnung wollte der Verkünder der staatlichen und religiösen Gleichheit mitten in seiner Gemeinde ruhen.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Logogriphs in voriger Nummerr Sagau, Satan.

* Direkt. Eine höchst unverständliche Anwendung findet neuerdings das Fremdwortdirekt" in der Umgangssprache des gewöhnlichen Lebens. Solche Gedankenlosigkeiten verbreiten sich bekanntlich stets schneller als Gutes, und so schwatzt unüberlegt einer es dem anderen nach, und noch mehr eine es der anderen, dieses lächerlichedirekt". So hört maudas ist direkt unwahr", das ist direkt gefährlich",das ist direkt unmodern",das ist direkt albern oder eine direkte Albernheit"; da wird ferner z. B. von einer Steuer behauptet, sie seidirekt unästhettsch , oder von einem Angeklagten, er seidirekt ein groger Wetberfrenud ; ferner liest man: die verfügte Aenderung ist direkt latsch; zur Zeit sollen Steine direkt knapp sein (in einemÄiarktbermu ), diese Angaben sind durchaus erfunden, ja wir mochten sagen, direkt erlogen. Und sodirekt" es sich überall, als hatten Wir int Deutschen all die hübschen Steigerungswörtchen nichtnuchtt die so feine und vielseitige Abwechselung in dasdirekte ^nietiet bringen könnten, wie: wirklich, wahrhaft, gewiß, gewysermahm, entschieden, ausgemacht, fürwahr, zweifellos, zweifelsohne,,»» zweifelhaft, unstreitig, unleugbar, augenscheinlich, chandgreMi^ geradezu, förmlich, vollständig, ganz, gänzlich, gründlich, ditrm und durch, vollkommeit, ganz und gar, durchaus das fin» »ron volle Dutzend, und noch mehr findet mau in Lchlessmgs vegrm sich geordnetemDeutschen Wortschatz". Aber wer wird sich dc>m die Mühe machen, in einem Buche nachzuschlagen oder auch nur in seinem eigenen Hirnkasten? Es ist ja eine ,,deckte Unver­frorenheit, an denmodernen" Menschen ein solches AnstMM zu stellen, nicht wahr?

* Der Knicker. Arzt:Was haben Sie denn gestern «beim Patient (der einen schlechten Rock angezogen hat mw wechstnnde für Unbemittelte gegangen ist, zöger iw.

. das heißt, nicht bei mir zu Hanse,

lnng weiß dieser selbst wandel- und entwicklungslose Reformator nichts. Tie Philosophie und die Lehre der Kirchenväter scheiden für ihn aus, auch die letzten Anklänge an die katholische Kirche, mit der ihn niemals so feste Bande verknüpften wie den sein halbes Leben in Klostermanern weilenden Luther, verschwinden aus seinem System.

Die Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben, hie Ausgangs- und Mittelpunkt der Dogmatik Luthers bildet, steht Mich bei Calvin im Vordergründe, nur daß sie ihn zu ganz anderen Ergebnissen führt. Da der Mensch nach der Bibel unfähig ist, selbst fein Heil zu erwirken, so folgt für den Verfasser der Jn- flitittion mit logischer Folgerichtigkeit daraus, daß Bekehrung Und Nichtbekehrung, Seelenheil und Verderben allein in dem feluigelt Willen Gottes ihren Grund haben. Calvin kommt, somit Ku der Lehre von der Prädestination, bent Kernpunkt seines ganzen Systems. Der menschliche Wille, die menschliche Tat ist nichts, nur jenes ewige Dekret gilt, wodurch Gottbet sich festgesetzt hat, was aus jedem Menschen werden soll". So wird ihm aus dem Buche der Religion eine Religion des BucheI, bereit fatalistische Auffassung an den Islam erinnert.

Indem Calvin sich als strenger Feind aller Ueberlieferiiug erwies, verlieh er dem Einzelnen eine Bedeutung, die folgerichtig durchgesmhrt, zu einem absolut demokratischen Kirchenwesen führen mußte. Und was ferner mittelbar aus der Prädestination folgt, ist, daß das Leben der Gemeinde sich in den Bahnen vollendeter Sittlichkeit bewegen muß. Die unbeugsame, drakonische Strenge der Sittenzucht istneben der Predigt der reinen Lehre und der schristgemäßeu Verwaltung der von Gott hinterlasseneii Heils­mittel" das dritte und bedeutsamste Merkmal der Lehre Calvins.

Das grundlegende Werk seiner Institution übersandte der Reformator mit einer freimütigen Widmung dem französischen Könige und wartete die Wirkung dieses Schrittes in Italien,pb, wo er sich einige Zeit am Hofe der evangelisch gesinnten Her- zogin von Ferrara aufhielt. Allein vor der Inquisition mußte er bald wieder nach Norden flüchten. Auf feiner Wanderung berührte er 1536 die Stadt Genf, wo die reformierten Prediger Wilhelm Farel und Peter Viret seit einigen Jahren die neue Lehre kündeten, und hier siel die wichtigste. Entscheidung für Calvins ganzes Leben. Es gelang Farels Ueberredung, ihn für das große Reformwerk zu gewinnen und den Widerstrebenden zum Verbleiben in Genf zu bewegen. Nun erstrahlte der glänzende Stern Calvins von Tag. zu Tag heller, in Kürze war er der be­liebteste Prediger Genfs. Aber seine Wirksamkeit sollte noch ein» Mas jäh unterbrochen werden, denn der Boden für seine Tätigkeit war noch nicht reif. Als nämlich unter den Reformierten der Schweiz Zwistigkeiten ausbrachen und der Rat der Stadt Genf auf Berns dringendes Verlangen Calvin anfforderte, sich bei seinen Einrichtungen streng an die gemeinsamen Synodalbeschlusse zu halten, weigerte er sich standhaft und wollte in einer solchen Stadt, deren Ueppigkeit und leichte Sitten ihn ohnehin verletzten, auch nicht mehr das Abendmahl austeilen. Seine und Farels Verbannung war die Antwort von feiten der Stadt. 1538 begab sich Calvin über Basel nach Straßburg, wo er als Prediger jit der französischen Gemeinde tätig war und als Abgesandter der Stadt an den Religionsgesprächen zu Worms und Regensburg teilnahm, die ihn mit Melanchthon zusammenführten.

In Straßburg jedoch, wo er sich auch vermählte, mit einer Witwe Jdelette von Bur es, mit der er 9 Jahre in glücklicher Ehe lebte sollte Calvin nur einige Jahre wirken, denn Bot- schast auf Botschaft vom Rate der Stadt Genf drang mit immer stürmischeren Bitten in ihn, denen er schließlich uachgab und im September 1541 die verlassene Tätigkeit in der Schweiz wieder ausnahm. Sein Einzug in Genf war ein Triumph; mit dem Augenblick, wo er die Stadt wieder betrat, war er unumschränkter Herr und Gebieter und blieb es mit ungeschmälerter Macht bis Wu seinem Tode. Genf mar' fortan der Mittelpunkt der neuem Lehre, die Kathedrale der Stadt wurde zum St. Peter der refor­mierten Christenheit.

Wie Calvin in der Staatsregierung ein Anhänger der ge­müßigten Demokratie war, so richtete er eine ähnliche Verfassung auch für die Kirche ein. Noch im Jähre feiner Rückkehr wurden die unter feiner Leitung entworfenenOrdoniiances eeclssiastiques" angenommen, die ihrer Tendenz nach auf das apostolische Zeit­alter zurückgehen und den Kern der neuen Kircheuverfassuirg bilden. Die Gemeinde ist fortan die Basis der gesetzgebenden und sittenrichterlichen Gewalt, die Ausübung liegt in den Händen eines aus 12 weltlichen und 6 geistlichen Mitgliedern zusammenge- fetjten Konsistoriums, dem Calvin präsidierte. Die Macht dieses reformatorischen Pfarrministeriums war unumschränkt, öffentliches wie privates Leben war ihm untertan, sogar vor der Schwelle der Häuslichkeit machte die drakonische Strenge des Genfer Papstes nicht Halt, der jedes Einreden des Rates aufs mirffamfte zu be­kämpfen wußte. Auch in der Politik war Calvin bald der aus­schlaggebende Faktor. Aber so hart und drückend sein Regiment war, man ertrug es doch schweigend und verzieh dem hartem sittenstrengen Manne, der gegen sich selbst Noch eiserner als gegen andere war. Von feinen 150 Talern Gehalt spendete er noch reichlich den Armen, lehnte eine Aufbesserung, die der Rat ihm