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Die Pflastermeisterin.
Roman von Alfred Bock.
I (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Der Meisterin tat es wohl, daß er so besonnen sprach !und sich ans freien Stücken den Kirmeßburschen nicht mehr zurechnete.
„Weißt du, Friedmar," sagte sie zutraulich, „du bist ein dippeliger Mensch, 's ist Gutheit von mir, wann ich dir's sag'. Du rackerst dich ab die ganze Woch' und kriegst ja auch dein' Lohn. Aber wann du draus aus wärst, könnt'st du doch lang in dein' eigenen Sack pflastern."
Der Obergesell sah die Meisterin mit großen Augen an. Eine leichte Röte lief über ihr Gesicht. Es fiel ihr schwer, die Unterhaltung in den Strom zu lenken, auf dem ihr Schifflein fortan mit neugeschwellten Segeln treiben sollte.
„Mehr Ehrsucht müßt'ft du haben," fuhr sie fort, „daß du was vor dich bringst."
„Ich weiß gar nicht, wo Ihr hinaus wollt, Meisterin."
„Sacht, Friedmar. Ich hab' mir das schon ausgeklugt. Horch zu."
„Ja, ja."
„Guck, ich häng' nicht so am Geld. Dann was ich brauch', ^ab' ich. Ich will mein Ruh' haben. Ich möcht' ab vom Geschäft. No, wann ich's ansbiet', langen viele zu. 's plätschert nicht ins Faß, aber 's tröpfelt doch. Das wissen die Lent'. Eh' ich einen Fremden herein lass', mein' ich, du stehst mtr am nächsten. Dir gönn' ich's, Friedmar."
Der Obergesell fuhr verlegen mit der Hand über den Kopf. „Ei, wie soll ich dann mit meinen paar Batzen so'u Geschäft in die Hand nehmen?"
„Du brauchst kein Kapital. Meinethalben mag das Geld stehen bleiben. Ich drück' dich nicht. Du bist doch kein ver- bambelter Mensch, daß du nicht was verdienen könnt'st. Und wann du was übrig hast, zahlst du mir's ab."
,La, Meisterin, wann's aus die Arbeit draußen.ankäm', das sollt' mich nicht schenieren. Aber das Schriftliche mit den.Büchern. Da komm' ich nicht zurecht. Und das muß doch auch sein. Da tüt' ich mich verhoppassen. Und wann's drauf und dran ging', hätt' ich das Geld verlaweriert."
„Für die paar Bücher find'st du jemand. Wann's weiter nichts ist."
Die Meisterin sah den Gesellen warm an. Dieser fing den Blick auf, und plötzlich dämmerte ihm, daß die Meisterin hinter ihren geschäftsklugen Worten einen ganz anderen Klan versteckt hielt. Sollte er sich getrauen, über den Zaun zu gucken? Und wenn er abblitzte? No, dann blieb's in vier Wänden. Er zupfte heftig an feinem Schnurrbärtchen, strich mit der flachen Hand einige Male rasch über den linken Backen und sagte dann vorsichtig:
„Ja, Meisterin, das möcht' schon angehen, wann Ihr selbst die Bücher versorgen wollt."
„Ich? Ei du Hansel! Da braucht' ich ja nichts abzugeben itttb könnt' meine Sach' behalten."
„So mein' ich's nicht, Meisterin. Wir könnten uns ioj zusammentun."
„Was sollten dann die Leut' von der Kompaguieschäft denken?"
Der Obergesell stand auf und trat mit hochrotem Gesicht an die Mei. criit heran.
„Ich hab' mir das so vorgestellt. Wir lassen uns kopulier'«. Das heißt, wann ich Euch recht bin als Freiersmann."-
Die Meisterin schlug die Augen nieder und sagte ruhig, aber ohne ihre Erregung völlig verbergen zu könuen: „Vielleicht schon. Freilich bedenk' ich mich, ob ich wieder in die Eheschaft treten soll."
Nun geriet Friedmar ins Feuer.
„Ich schaff' so lang für Euch. Ihr habt Euch über nichts zu beschwer'n. Das müßt Ihr doch selbst sagen. Ich halt' Euer Sach' hoch. Und Euch auch. Da fragt nur herum. Ich hab' so keine Schwad'. Und das Süßliche bleibt mir im Hals stecken. Aber ich schätz', 's müßt' geraten, wann ivir miteinander geh'n. 's wird Euch nicht gereuen. Ihr dürft ja sagen."
Die Meisterin hatte keine Ursache, die Spröde zu spielen und den Friedmar hin und her zu zerren. Er ivar iHv auf halbem Weg eutgegengekommen. Und doch noch zaghaft fragte sie sich: „Ja, warum ist der jetzt so forsch drauf los gegangen?" „Du Einfalt," gab sie sich selbst die Antwort, „weil er dich leidlich find't. Bist du dann von der Straß aufgelcfen, daß du dich so gering acht'st? Der Friedmar weiß ganz gut, ivas er will. "
Sie stand auf und gab dem Obergesellen herzhaft die Hand, „'s soll feilt, Friedmar. Der Berspruch gilt. Zu richten hab' ich nichts int Haus, 's ist alles an seinem Ort. Und mit der .Hochzeit kannst du's halten, wie du willst.^
Der Obergesell, der die Meisterin um Haupteslänge überragte, beugte sich nieder, seine Braut „abzuschmatzen". Das war so jäh gekommen. Noch sträubte sich etwas in ihr, dem Gesellen, der in .ihrem Dienst gestanden, zu Willen zu sein.
Friedmar lachte kurz ans. „Wann's dir paßt, wollen wir über vier Wochen Hochzeit machen. Ich bin schnell fertig. Ich hol' meine Kist' und zieh' zu dir herein."
Darauf setzten sie sich zusammen und besprachen die nächstliegenden Dinge, insbesondere die Hochzeit, die nun bevorstand. Biel Lärm sollte nicht gemacht iverdeu. Die nächsten Verwandten wollte man laden, die Nachbarschaft und etwa noch ein paar gute Kunden. Nachmittags sollte es einen Kaffee geben, abends ein Essen. Das war so der Brauch.
„Dazumal," sagte die Meisterin, „ivie mein Manu selig nach Herrnberg als Hochzeiter kam, bracht' er die ganze Vetterschaft mit. Großschnauzige Menschen, die sich Gott weiß was einbildeten. Schon beim ersten Schälchen Kaffee ftngen sie mit den Herrnbergern Spektakel an. Die waren


