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Redaktion: K, Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindrnckerei, N. Lange, Gießen.
Wer findet dar Osterei?
Rätsel.
Leicht fliegt er nut ebener Landstraße hin, Zu eiliger Wanderung steht ihnr der Sinn.
.Nun reiß ihm den Kops ab: dann wird er zmn König Er gilt unter den Tieren der Lust nicht wenig.
Nun reiß' tu die Mitte eilt Loch hinein, So trägst du's am Arme, so trägst du's am Bein. Wir? daun aus der Mitte zwei Buchstaben fort, Das Nämliche ist'S, ivie das zweite Wort.
Doch fordert die strengere Orthographie: Du doppelst den Kons! Sonst bedeutet es nie Den König der Vögel, es ist nur ein Maß Der Flächen von Wald oder Frucht oder Gras.
Nun stelle die beiden Buchstaben noch um Und ruf' dazu Ivarnend ein kräftiges: He!, Dann wirst du leicht raten, wenn du nicht zu dumm, Die Stange de? Segels aus stürmischer See.
Nun ändere weiter den Kops an dem Wort, So wird es ein Flüßchen mt reizendem Ort. Dann säge noch vorne die Buchstaben bei, So hast du beinahe, ja sicher das Ei.
Auflösung in nächster Ninumer.s
Auflösung der Charade in voriger Nummer: I a p a n.
lagerten, wurden -eingezogen. Der Drucker entschuldigte sich wegen des Versehens damit, das; er den Namen des Forstschreibers nicht gekannt und „nicht aus Bosheit noch auch auf Übeln Rat anderer gehandelt Habe;, er bereue indessen sehr, daß er hierdurch seinen besten Landesfürsten beleidigt habe". Trotz seiner Bersichernttgen aber wurde angenommen, daß der Druckfehler mehr „aus Ge- stissenheit und Bosheit als aus Jrrtuin entstanden sei": „da der Buchdrucker aber durch die Einziehung der Kalender," heißt es weiter, „finanziell schon sehr geschädigt sei, wird ihm sein Privi- (cgiitnt nicht entzogen, jedoch wird er mit Nachdruck verwarnt und soll nicht das mindeste mehr drucken dürfen, was nicht vorher von der kurfürstlichen Regierung gutgeheißen worden ist." Mit der Religion hat dies Einschreiten des letzten Kölner Kurfürsten gegen, den „Revolutionär" Calvin nichts zu tun. Denn Maximilian Franz (1.784 1.801) war gegen Andersgläubige alles andere als unduldsam. Er erlaubte z. B. den Protestanten der Stadt Köln, die in der freien Reichsstadt Köln keinen Gottesdienst abhnltm dursten, auf einem Schiff auf dem Rhein (also in kurkölnischem Gebiet) ihren Gottesdienst zu feiern.
* Geschma ck, Daß jemand diese oder jene speise „nicht ißt", gehört zu den allerhäufigsteu Erscheinungen. „Dem steht bei manchen Personen eine wunderliche Gier nach! gewissen Speisen gegenüber, die bei gewöhnlichen Menschen nichts weniger als beliebt sind. Für den Widerwillen, zu dessen Erklärung die vech schiedenärtigsten Versuche unternommen wurden, gibt die „Allg. Wiener mediz. Ztg." eine Reihe merkwürdiger historischer Bei-" spiele. Eine sehr entschiedene Idiosynkrasie gegen Fleisch hatte der Abba v. Villedien, der sich bis zu seinem dreißigsten Jahrq von Gemüsen und Eieru nährte. Als er eines Tages, dem TrängcN seiner Umgebung uächgebeud, Fleisch genoß, bekam er Fieber und starb bald darauf. Ter politische König Jagello dagegen, lief vor dem Anblick eines Apfels buchstäblich davon, während der Sekretär Franz I. einen so weitgehenden Abscheu vor derselben Frucht hatte, daß er von ihrem Geruch Nasenbluten bekämt Der General de Noqaret, Herzog von Epcrnon, und der berühmte Astronom Tycho Brahe begegneten sich tu einer unübech windtichcn Abneigung gegen Hasenbraten. Ferner findet sich der Fall einer Dante beschrieben, die bei der Berührung der Haut eines Pfirsichs Zittern bekam, und .der Prinz v. Conde konnte überhaupt kein Obst essen, Madame Lainballe verabscheute den Hummer, die berühmte Malibran konnte keinen Karpfen sehen, und die Herzogin v. Brissac verlor einmal beim Anblick eines Lachses das Bewußtsein. Auch Erasmus v. Rotterdam haßte Fische dermaßen, daß ihn bei dein bloßen Gedanken daran Fieberschauer überliefen. Chateaubriand machte einen Umweg, sobald er eines Fleischerladens ansichtig wurde. George Sand vermochte, kein Huhn im Topf zu sehen, und die Rachel gab tiefstes Entsetzen kund, wenn Froschschenkel auf die Tafel kamen. Alfred de Müsset suchte beim Anblick eines Aales das- Weite, und Fredcrtc Lemattre schloß die Augen, wenn er eilten Kalbs köpf erblickte.
* Eine Chardin-Anekdote. Bon dem französischen Rokokomalcr Jean Baptiste Chardin wird folgende Anekdote erzählt: Er kam einmal mit einem gewandten Könner zusammen und fragte diesen int Laufe des Gesprächs plötzlich: „Malt man denn wirklich mit Farben?" — „Natürlich," sagte der andere, „womit sollte mau denn malen?" — „Mit Empfindung , entgegnete Chardin und ließ den Ueberkleckser stehen. vJ
7,Nun, so müssen Sie unbedingt morgen «och einmal unser Bast sein. Wollen Sie?" ...
„Wenn ich am ersten Festtage in Ihre Famtüe etndrmgen
„Aber machen Sie doch nicht so viele Reden, ich bitte Sie! Meine Frau freut sich doch über jeden Gast, deu ich ihr bringe! Mei uns sagt man herzhaft Ja! Nicht wahr, Dagmar? Aber was inachst du den» für ein komisches Gesicht? Ach so!"
Er sah ein wenig verlegen auf das Marmorbild.
„Entschuldigen Sie, lieber Herr Arnholt, ich vergesse immer wieder, daß es ja eigentlich gewissermaßen ein trauriger Tag für Sie ist. . . . Hm, ja. Aber morgen . . . es ist Ostern, und wenn dir Ostersonne lacht, sollen wir Menschen auch nicht weinen! Alles hat seine Zeit."
Professor Wechtritz wunderte sich, daß Richard Arnholt ihn nicht ansah wie sonst, wenn er wohl so geredet hatte. So, als höre er Blinde von der Farbe sprechen.
„Merkwürdig! Nun, wo das Ding fertig ist, scheint der Mann ja vernünftig zu werden", sagte Professor Wechtritz zu Dagmar, als Arnholts Schritt in dem hallenden Marmorgang verklungen war. „Er kommt zu sich! War aber auch etwas Merkwürdiges, diese Trauer bei jemand, dein so die ganze Welt offen steht! Und um wen? Als Marmvrbttste oder griechische Göttin wäre mir die da ja schon recht gewesen. Aber als Frau? Nicht geschenkt hätte ich sie nehmen mögen." —:
Richard Arnholt ging durch die Straßen und sah mit erstaunten Augen um sich. War cs denn in dieser Stunde erst Frühling geworden?
Vor einem Bluinenladen blieb er stehen, Denn natürlich, er mußte ja morgen Blüten mitbringen. . . .
Seine Frau hatte nur Orchideen geliebt und seltsame Kinder der exotischen Flora. Nein, die wollte er Dagmar nicht bringen. Sie paßten nicht für ihre ernsten, fragenden Augen und nicht für ihre Seele. Auch nicht für Ostern!
Schlichte, deutsche, duftende Veilchen wollte er einem Kinde abkaufen,. einen ganzen Korb voll, und sie ihr geben. Er wußte, die jvürden sie freuen,
Dagmar!
Wie sonderbar das war, daß er wieder an eine andere Frau denken mochte! Denken, was er ihr sagen wollte, sie fragen . . . Sich vorstellen, wie sie aussah, ihr schönes, blondes Haar, ihr liebes Gesicht, den Blick, womit sie ihn angesehen!
Und mit einer neuen Freude fühlte er, daß auch für ihn Ostern sein werde.
verumrsGtes.
C.K. Reitende Krankenpflegerinnen. Lady Er- pestine Hunt hat, wie aus London berichtet wird, eine kleine Organisation ins Leben gerufen, die nicht nur von segensreicher Wirkung zu werden verspricht, sondern auch des Sensationellen ' |ünb Malerischen genug für müßige Augen bietet. Es ist ehti Dorps weiblicher Krankenwärterinnen, das „Krankeupflegerinnen- Kavallerie-Korps für erste Hilfe". Die Mitglieder dieser Truppe, die beritten find, um möglichst rasch an Ort und Stelle sein zu können, tragen glänzende Uniformen, in denen Rot, Blau und Gelb . sich lustig miteinander verbinden, und haben kokette Käppis auf dem Haar. Bor einigen Tagen sollten sie in den Straßen des Londoner West-Ent» ihre erste Parade halten, aber der Frost und Schnee schreckte doch die Amazonen ab, sich mit ihren feurigen Rennern hinauszuivagen und so blieben sie denn in der Manege von Regents-Park, von wo sie hatten ansreiten sollen. Hier konnten denn Neugierige die Damen in ihren bunten Uniformen sind ihren Reiterkünslen bewundern. Das „reitende. Krauken- pflegerinnen-KorPs" zählt schon jetzt hundert Mitglieder und soll noch vermehrt werden.
* Aus der Zopfzeit. Wie ein harmloser Druckfehlep einst die Perückeustöcke ins Wackeln brachte, zeigt eine Notiz in den Kurkölnischen Staats- und Konferenzprotokollen des Jahres 1787 (Nr. 2418). Hier schreibt der Lauddrost von Westfalen, das seit der Zertrümmerung des Herzogtums Heinrichs des Löwen durch Friedrich Barbarossa zu Kurköln gehörte, int Auftrage des Kurfürsten, „daß es besonders auffallend gewesen sei, in dem heurigen westfälischen Kalender zu ersehen, daß der Name des Forstschreibers Calaminns in jenen des Calvinus verdruckt worden sei." ES wurde daher verordnet, daß, „um diesen Mißstand, Unart oder Bosheit und daraus entstehende Aufsehen zu rügen und zu behindern, alle Exemplare des. Kalenders konfisziert werden sollten. Der schuldige Buchdrucker sollte sein Privilegium ciu- schickeu." ANS einer späteren Notiz der Geheimen Staats- und Konferenzprotokolle von demselben Fahre (Nr. 251.4) geht hervor, haß der Befehl streng durchgeführt wSüdeu ist. Die Kalender, die zum großen Teil schon int Lande verbreitet waren, wurden konfisziert, auch die sechshundert Abzüge, die noch beim Drucker


