Ausgabe 
10.4.1909
 
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schnell wieder znrückziehen.

I«, das ist «Teilt

Er schüttelte den Kopf.

ist."

ja immer int Ar->

, Richard Arnholt ging mit unbewegkem Gesicht durch das lungc Frühlingserwachen. Heute sollte die Büste seiner Fran fertig sein, das Kunstwerk, um dessentwillen er sich nun ganz allein seit Wochen in der Stadt aufhielt, in der andere um der Arbeit oder des Vergnügens willen weilten. Um dieses Abbild gingen seine Gedanken, während die Veilchen ihm entgegenduftetcn und die Bogel von Lenz und Liebe und Osterherrlichkeit sangen.

Ob es Dagmar wohl gelungen war, das letzte Etwas in das wunderschöne Gesicht zu bringen, jenes Etwas, das ihr Vater, der berühmte Bildhauer, nicht hatte aus dem Marmor zaubern

vielleicht auch eine Viertelstunde, aufgehalten

Aber ich bitte Sie, drüben habe ich Sie beitskostüm gesehen!"

r 'A"^.?vissen Sie, wie es einem Menschen zu Mute ist, der - I eben Zllustoucn verloren hat, die ihm jahrelang das höcbste waren? 1 Frei. . . aber leer, leer, leer!"

Auferstehung.

Osterskizze von Franziska Bram (Koblenz).

Nach langem Winter war nun doch endlich der Frühling ein- Mögen, mit weicher Luft und sonnensrohen Tagen. In den Bor- gärten schmückten sich die Sträucher mit lichtgrünen Schleiern, und auf den Straßen boten kleine Mädchen Blumen an: dicke, plumpe Strauße von goldgelben Primeln und kleine Sträußchen dunkler Veilchen.

Und morgen war Ostern!

Sie lachte.

Ja . . . ins Atelier gehört es auch."

Was arbeiten Sie denn?"

Nur eine kleine Statuette, Sie wissen eigentliches Feld."

sie wischte ein Stäubchen an dem Marmor ab.

, »Ja, das Leben ist grausam", sagte sie leise.Aber. . ., eine Illusion war doch nur Schein, die so von einem Winde!

~n lag das Haus des Bildhauers in Sonnenglanz gebadet. Ein altmodisch beguemes Haus, wie sie jetzt wieder modern werden, unt breiten, vielgeteilten Fenstern, schmiegte es sich unter hohe Kastanienbäume, an denen die braunen, dicken Knospen glänzten. Ein großer Garten schloß sich nach rückwärts an.

Ein hellgekleidetes Dienstmädchen öffnete ihm, wie so ost in der letzten Zeit, und begrüßte ihn mit höflicher Freundlichkeit.

Wollen sie, bitte, in das Gartenzimmer treten . . . der Herr Professor ist im Atelier."

Und das gnädige Fräulein?"

Auch; aber Sie werden erwartet."

Sie sind eine große Künstlerin, Fräulein Dagmar."

sie senkte den Kopf. Ihr lichtblondes Haar, die Mitgift ihrer dänischen Mutter, legte sich einfach frisiert, aber mit einem ichvnen Schwung um den kleinen Kopf und war im Nacken in schwerem Flechtenknoteu vereinigt.

, »Eine Kleine, die im Kleinen ihr Feld suchen muß! Neben meines Vaters mächtiger Kraft! Aber so ist's ganz gut."

Sie deutete auf das Marmorbild.

Und da . . . sind Sie zufrieden?"

Zufrieden? ... Nein."

hattest mur Schönheit. So viel irdischen Reiz, daß du keine Seele brauchtest..."

Er sank auf einen Stuhl und verbarg das Gesicht in den Händen. Ihm War,, als ob der Blitz neben ihm eingeschlagen habe. Aber zugleich tn aller Zerschlagenheit regte sich ein sonder­bares Gefühl der Freiheit... ja, der Flucht aus einem Grabe, in dem ihn die Fran mit der kalten Marmorschönheit noch jahre­lang nach ihrem Tode festgehalten hatte. . .

Ein leises Knarren an der Tür riß ihn empor. Da, am dr!"0ang zum Atelier stand Dagmar Wechtritz in ihrem weißen !me ste von der Arbeit kam, und sah ungewiß herein mit ihren großen, etwas kurzsichtigen, blauen Augen, die in die pcerne immer nur etwas schüchtern und ungewiß blicken konnten, aber alles in der Nähe um so liebevoller zu betrachten schienen.

Wechtritz zuckte zusammen. Ihr ausdrucksvolles liebes Gesicht sah, erschrocken zu ihm auf.

So ist es also doch mißlungen?"

Mißlungen? Nein, es ist viel zu sehr gelungen. Es hak eine grausame Aehnlichkeit. Ich sehe dieses Gesicht genau wie es war. . . Ich sehe es jetzt mit allem, was darin sprach, Nnd^auch mit allem, was darin fehlte."

Sie sah ihn mit verstehendem Blick scheu von der Seite an, re' « m blc ^"der versetzen konnte, als ob sie Lebenden ihre Geschichte aus dem Gesicht ablese.

sie wollte sich schnell wieder zurückziehen.

Kommen Sie nur, bitte, herein, Fräulein Wechtritz." sie trat ein und gab ihm die Hand.

Wenn ich so erscheinen darf. . . ich wollte nicht, aber Sie - 'j wisten, Vater macht wenig llmstände, und er kommandierte mich

können, trotz aller Bilder, trotz der sprechenden Aehnlichkeit, die I hierhin, um Ihnen zu sagen, daß er noch ein paar Minuten, teine große Kunst in die klassischen Züge gelegt hatte. '><<A -n cl..s.. -- *

s Darin sollte sie ja die Meisterin sein.

Sie versenkt sich in die Seelen so ganz und liebevoll, wie ich es nicht vermag. . . . Und ihr leiser Finger fühlt das, was sie gesehen hat, nach. Nur eine Frau kann das Weib im Weib­lichen so erraten, kann nach Bildern so das Leben wiedergeben", hatte ihr Vater gesagt.

Nm so mehr klammert man sich daran."

e ^Ui«$eu beide. Durch die offenen Fenster klang der Hall der Glocken, die das Fest einläuteten.

. . "®*c ^?brglockew. ... Sie verkündigen Auferstehen aus jedem Grave! Auch Ihnen."

Richard Arnholt ging langsam seiner Führerin nach, über die weiß und schwarz gemusterten Marmorfließen des hallenden Ganges. Wie schön dieser Flur war! Zum ersten Male fiel es ihm auf. Die dunkle breite Treppe, die sich in geringer Höhe teilte, die alten Bilder an den weißen Wänden! Oder ließ' ber Sonnenstrahl ihm alles so schön erscheinen, der über eine große "bremst Palmkätzchen hinweg sein Licht so österlich hereiuschickte?

Die neuster des kleinen Gartensaales waren weit geöffnet. Aus liniert sah man über die Beete draußen mit Krokus und Oiterblumen. weiter in die Tiefcii zwischen den alten Bäumen.

Aber Richard Arnholt sah nur das Eine. . .

An der Schmalseite des Zimmers, unter einer hohen Palmen­gruppe, stand die Büste der Frau, die er so leidenschatflich geliebt, raß er geglaubt hatte, nach ihrem Tode nicht mehr leben zu können.

Wie schön sie war !Wie ein Bild!" hörte man so oft sagens

Lte , ; bst sch'«» alles nun ganz genau in dem i ivur von- nur so

İ\ seren,k ' Aufwerfcn der vollen Lippen, das leise j fortgeblasen wird! War morsch. Zucken, das an den Nasenflügeln so feine Eindrücke schuf, und der ,.....

eigenartige Zug an den edelgeschwungenen Augenbraiien . . . jener Zug, den andere Leute wohl auch Hochmut nannten. Die Photo­graphien, d-.e ans dein Tischchen lagen, zeigten bald int Profil, batb von vorne diese Züge, manchmal einen, dann wieder den rf'ÄTr crA daraus Jatte Dagmar Wechtritz mit ihrer

nachsuhleiiden Kunst nun die Summe der Eindrücke gezogen, die ! .So lieben? Kann man noch einmal so lieben Fräulein

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süblt^E?R'ckd^lem weißen Bi§2t dest gewöMn Lippett ?rofeffor trat jetzt ein, laut und geräuschvoll. .

fühlte aucist Richard Arnholt keinen Schmerz mehr. Es war ihm ®te Osterstimmuug verflog.

erftnn'f11 As« iuJ?ie.'eru lichten Stein gebannt, bntin . Richarch Arnholt sprach ihm seine Anerkennung aus, in einer

e ue Gewikbeick un/dk ber Schönheit da vor ihm ^udigen Bewegung, die der Andere auf die Ergriffenheit schob.

Etwa- b .eF lange mi Innersten gesträubt. Man beredete Geschäftliches, den Transport der Büste, sprach

de- Ro-m / 5 "N'ner wieder betäubt, erst mit der Leidenschaft vom Feiertag. ' '

das mich ?Är beneidet NaN M'Ubrzbs:Du schönes Weib, um .Wie, Sie bleiben noch hier über Ostern?" rief erstaunt anders lieben^ EoVÄ V belieb ! Du konntest niemand der Professor.Ich glaubte verstanden zu haben, das Sie vor

t ü«fnfen Ktif, da du nichts mehr de.ii Feste nach Hause reisen wollten." ' '