Ausgabe 
10.4.1909
 
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Samstag den A April

P69

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irnttii

Ostern.

Von ,Älbert Geiger.

Es steht ein Kreuz verlassen 1 Einsam im dnstern Tann.

Es starrt mit blassem Antlitz ' . Herab der Schmerzensmann.

Fern einer Amsel Klage: , V

O Lenz, noch bist bit weit!

Doch in den Säften webt es leise Wie Hauch der Frühlingszeit.

Da kommt ein Knab gegangen Im Schlüsselblumenkranz.

Das blonde Haupt umflossen Von lauterm Sonnenglanz. Am Kreuze hält er lächelnd. Hell strahlt sein Ang hinaus. Und auf dem blassen Antlitz siehe, Glüht hell ein Schimmer auf.

O steige so vom Kreuze, Dies Lächeln im Gesicht. Gib endlich du der Erde Des Friedens goldenes Licht! Den Frühling an der Seite, Gepriesener Gottessohn, So künde deinen Willen den Völker^ Im Mniisterglockenton:

Genug des Opferblutes!

Bringt milde Herzen dar! Daß endlich der Erlösung Botschaft sich mache wahr. Zerschlagt das Schwert der Selbstsucht/ Das eure Hand entweiht: Das ist die gottgewollte wahre Glückselige Osterzeit!

Spätinghof.

Roman von K. v. d- Eide?< (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

G.

Zwei Jahre waren verflossen, seitdem Jan Thomsen den Atlkanf genommen hatte, Spätinghof zu verlassen. Es blieb bei dem Anlauf; er kam nicht fort.

Spätinghof blühte auf. Es bekam von innen und außen ein anderes Aussehen, und Jan. hatte seine Freude daran, denn es war größtenteils sein Verdienst. Jak machte wohl die Pläne, traf neue Einrichtungen und hatte gute Ideen; et bestimmte jauch ohne weiteres) wo Jan noch

zaghaft eriuog; Jan aber war es, der alles ausführte, der voll früh bis spät unermüdlich ^arbeitete. Vielleicht wollte er sich auf diese Weise ein Anrecht arif Spätinghof erwerben; vielleicht half ihm die Arbeit über das Fern« weh hinweg, das ihn noch manchmal beschlich, und schließlich gewann er feine Arbeitstätte lieb.

Er blieb auf Spätinghof, nnb von seinem Fortgangs war nicht mehr die Rede.

Auch in der Küche sah es setzt anders aus. Hier waltete ein tüchtiges, kräftiges Dienstmädchen. Wiebke Themann, ein Mädchen von der Geest, hatte sich anfangs oftmals gegrault; sie glaubte, es keine vier Wochen auf Späting­hof ailshälten zu können. Aber sie gewöhnte sich an die rauhe, finstere Art der Alten. Ihre Furcht schwand, als' sie merkte, daß Mamsell ihr aus dem Wege ging und sich scheute, ihretivaS zu sagen. Sie konnte schalten und walten, wie sie wollte; es redete ihr niemand darein. Mamsell lvurde überdies kränklich und stand selten von ihrem Lehnstuhl auf.

Mit den Brüdern stand das Mädchen auf kaineradschaft- lichem Fuße. Jan war ihr gegenüber frenndlich und dienst­willig, u.ud Jak ivar lustig, machte gelegentlich einen Spaß und kniff sie in die dicken Wangen. "

Im übrigen entsprach Wiebke gerade nicht seinem Ge­schmack; sie war ihm zu dämm und schwerfällig; er hatte eine Vorliebe für schlanke Mädchen Mit Glutaugen. . . .

Es ivurde wieder einmal Winter; draußen fror das rinnende Wasser vonr Dache zu Eiszapfen, und an den Fenstern blühten weiße Blumen. Da wurde Mamsell ernstlich krank und mußte sich ins Bett legen. Eine heftige Grippe warf, sie aufs Krankenlager.

-Sie ivar in den letzten Jahren immer mehr abgemagert, ihre Gestalt war zusammengeschrumpft. Jetzt war ihr Ge- sicht nicht größer als das eines Kindes; ihre Gestalt schien nur noch ans Haut und Knochen zu bestehen. Der Geist -aber war noch derselbe menschenfeindliche und finstere. Das sah man an den großen, dunklen, unheimlichen Augen, die unruhevoll umherfpähten. Weicher und sanfter machte die Krankheit die alte Frau keineswegs. Dazu kam, daß sie in der Pflege fast ganz auf Jan und Jak angewiesest ivar; Wiebke ivar nicht zu bewegen, das Krankenzimmer zu betreten.

Franke Steffens brachte eines Mittags eine kräftige Kalbfleischsuppe zur Stärkung der Krankest. Doch sie kant übel damit an.Geht mir los mit Kalbfleischsuppe", schrie die Kranke.Wollt ihr mich von der Welt haben? Hans Peter Michelsche hat Kalbfleischsuppe gegessen und ist drei Stunden danach gestorben. Rein, ich vergifte mich nicht daran."

In peinlichster Verlegenheit ging Frauke nach Hause; Jan fand nut Gelegenheit, ihr stumm die Hand zu drücken.

Als er wieder in die Stube trat, jammerte die Akte kaut:Ihr laßt mich verrecken wie ein Stück Vieh. Ein