Ausgabe 
10.2.1909
 
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Sie sah den Arzt mit einem Blicke an, der ihn schwankend machte.

Es ist nicht allein die Verletzung, sondern der Zustand seines Nervensystems, die sein Leben bedrohen, die kleinste Beunruhigung kann seinen Tod herbeiführen."

Ich will ihm nicht Unruhe, sondern Frieden bringen."

So gehen Sie," er öffnete leise die Tür,aber lassen Sie die Unterredung keine lange sein."

Ein Leuchten ging über das fahle Antlitz des Kranken, als seine Augen, die bisher ruhelos umhergewandert, auf die Eintretende fielen: aber er las in ihrem Blick etwas, das dies Aufleuchten sogleich wieder verschwinden ließ.

&nmn, du weißt? Und du kommst zu mir?"

Sprich nicht!" sic kniete an seinem Lager nieder und, ihr Antlitz zu dem seinen neigend, sprach sie:Ich komme, dir zu sagen, daß mich und dich nichts scheiden kann, nicht Leben noch Tod, nicht Schuld noch Sünde, du hast mich zu deinem Weibe erwählt, als dein Weib fordere ich meinen Teil von deinem Leben und deiner Schuld."

Aber !vas du neulich sagtest?"

Das sagte ich, ohne mein eigenes Herz zu kennen. Heute weiß ich, daß es nichts gibt, das wahre Liebe nicht überwinden könnte." -

Aber dein Bruder?"

Wo mein Bruder weilt, wird nicht mit irdischem Maße gemessen. Dort gilt nicht nur die Tat, sondern auch die Reue. Du hast gesündigt rind du hast gebüßt. Und wenn du noch nicht genug gebüßt haft, so will ich dir dabei helfen. Bereinigt wollen wir Gutes schaffen und Barmherzigkeit üben, bis wir twrser in eins verschmolzenes Leben entsühnt vor Gottes Angesicht bringen können."

Du fürchtest nicht"

Ich fürchte nichts, Geliebter! Nur Glück und Frieden sehe ich vor uns. Aber leben mußt du, leben!" Sie drückte rhn sanft in die Kissen zurück.Liege nun still, ich wache bei dir."

. Mit einem Seufzer unaussprechlicher Erleichterung streckte er sich aus, ihre Hand fest mit der seinen umschließend.

Als der Arzt hereinkam, fand er den Kranken in fried­lichem Schlummer, die Hand der Geliebten noch immer in der seinen. ____________

vekmrschtes.

O. X. Schauspielerhonorare einst und jetzt. Eine interessante Gegenüberstellung der Nicscngagen, die heute berühmten Stars der Bühncnkunst geboten werden, mit den Honoraren, die in vergangenen Jahrhunderten die Schau­spieler bezogen, nimmt das Strand Magazine vor und zer­stört damit die Legende von den kümmerlichen Einkünften der Schauspieler von einst. In der Tat haben auch vor Jahr­hunderten tüchtige Künstler stets über ein sehr gutes Ein­kommen verfügen können. In einer im Jahre 1590 ver­öffentlichten Abhandlung erzählt Robert Greene von einem Schauspieler, den er getroffen habe und der in seiner ganzen Art der Lebensführung auf ihn den Eindruck eines sehr wohl­habenden Mannes gemacht habe. Ter Komödiant, der einst als fahrender Spieler seine Laufbahn begonnen hatte, be­stätigt ihm diese Meinung und erzählte ihm» daß er seine Einnahme nicht für ein Fixum von 400 Mk. im Jahre ein­tauschen möchte, wobei man in Betracht ziehen muß, daß der Geldeswert damals ungleich hoher stand und weitaus mehr als das Doppelte und Dreifache des heutigen Geldesivertes bedeutete. Richard Burhage bezog eine reguläre Gage von 2600 Mk., was nach heutigem Geldeswert einem Einkommen von 20 800 Mk. entsprechen würde und dazu traten nun noch die Anteile an dem Einkommen des Theaters, 1635 cm- pfing ein guter Schauspieler in England durchschniltlich 3600 Mark in bar, nach heutiger Währung rund 28 000 Mk. Sie niedrigste Gage betrug drei Schisting pro Tag, was heute etwa ein Jahreseinkommen von 7200 Mk. repräsen- tieven würde. Shakespeares Einkünfte als Schauspieler vor 1699 haben wohl niemals weniger als rund 16 000 Mk. unseres Eeldeswertes betragen; dazu traten die Extra- einnahmen durch Vorstellungen am Hose und im Hause hoch- gestellter Persönlichkeiten, die ihm im Jahre noch rund 2500

Mark eingebracht haben mögen. In England treten erst von 1662 ab Schauspielerinnen auf der Bühne auf. Zwei dec ersten sind Mistreß Rett Gwyn lind MistreL Knip, beide vor­dem Apfelsinenverkäuferinnen; am Theater empfingen sie 20 Schilling für hie Vorstellung, nach heutigem Geldwert etwa 80 Mk. pro Abend. Garrick verfügte über eine Wochen« einnahme von 1000 Mk., ungerechnet eine Venefizvorstellung, die ihm 800013 000 Mk. einbrachte. Als er spater die Theaterleitung übernahm, errang er glänzenbe Einkünfte und hinterließ bei seinem Tode ein Vermögen, das mit 2 Mil­lionen sehr niedrig eingeschätzt ist. Die berühmte Schau­spielerin Miß Farren, die von Lawrences Pinsel verewigt ivurde, bezog 1000 Mk. die Woche und MrS. Siddons am Covent Garden die gleiche Summe, während sie bei ihren Gastspielreisen oft 1000 Mk. für den Abend erhielt, wobei zil bemerken ist, daß bei den damaligen Eeldverhältnisseir diese Summen den doppelten Wert hatten. Heute schlagen bekanntlich die Amerikaner den Rekord, die Sarah Bernhardt 4000 Mk. für den Abend, Sir Henry Irving 2400 Mk. für den Abend, der Patti gar 22 000, Caruso 10 000 und der Melba 7000 Mk. bezahlen.

C. K. Haben die Babys ein Recht zn schreien? Die Beantwortung dieser eigeuartigeu Frage war kürzlich bie Aufgabe beS Londoner Richters Channell. Bor seinem Richter- sluhle erschienen eine Anzahl Kläger und verlangten von demj Beaniten der Gerechtigkeit, er möge den Insassen der Kleinkinder- betvahranstalt an der Harewoodroad den allzulauten Ausdriick ihrer Babygesühle auf irgend eine Weise verbieten. Ain härtesten be­schwerte sich ein Mieter, dessen Wohnung unmittelbar neben der Kleiukinderöewahrcmstalt liegt und der darauf hinwies, daß fein? Fran durch den fortdauernden Lärm schwer erkrankt sei. Insbeson­dere beklagten sich die Nebenklöger darüber, daß am Morgen, wenn die Mütter nach Ablieserimg ihrer Kinder an die Arbeit gehen, die Babys allmorgeirdlich ein Frühkonzert veranstalten, das nicht allein durch sein unerschöpfliches Programm und durch die Länge der Darbietungen, sondern auch durch die Kraft nn5i Leidenschaftlichkeit des Geschreies des Guten ein wenig zu viel böte. Auch die geladenen Zeugen konnten nnr drastische Schilderungen von der Lungenkraft der kleinen Kinder entwerfen, die den ganzen Tag über meist tut Garten ihren Babyschmerzen lauten Ausdruck geben, während die Wärterinnen, die offenbar über ausgezeichnete Nerven verfügen, ruhig daneben sitzen, ihren Band Dickens lesen und nicht einmal aufschauett. Die Mietsparteien wiesen darauf hin, daß der Lärm der Kinderbcwahranstalt alle Astermieter vertreibe» und in der Tat konnten sie bewciseit, daß sie säst alle ihre Miets- gäste verloren hatten und genötigt waren, ihre möblierte Zimmer zu niedrigeren Preisen als gewöhnlich zn vermieten. Auch der Hauswirt wurde von bem Schaden betroffen, mußte die Mieten ermäßigen, sodaß sein Haus ihm heute rund 2000 Mark weniger einbringt. Aber alle diese schwerwiegenden Gründe gewannen aus das kinderliebe Gemüt des Richters Channell keinen Ein­fluß; die Vorsteherin der Anstalt konnte Nachweisen, daß das nötige Personal zur Ueberwachuug der Kleinert im Dienste ist und seine Pflicht auch erfüllt. Das Geschrei der Kinder aber gehöre zu bett kleinen Unannehmlichkeiten, mit denen die Nachbarn sich eben abfinben müßten, und so werben denn auch künftighin die Babys in der Harewood-road ihren Gefühleit ungehindert Attsdruck geben können.

* Passendes Geschenk. Fräulein: ,ch>ch möchte für meinen Bräutigam gern eine Handarbeit machett. Was nimmt man da wohl am betten ?" Verkäuferin:Darf ich fragen, was Ihr Herr Bräutigam ist?" Fräulein:Luftschiffer!"< Verkäuferin:Na, daun stricken Sie ihm doch ein Luftballon-! Netz!" _________

SilSc»riitsel.

a, ba, ern, ch, gau, gie, mor, nach, ixt, ritt, rat, phi, ft, ss, 1h, um, tut, ur.

Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sechs Wörter gebildet rind derart nntereinander gesetzt werden, daß die Aniaugs- buchstabcn von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen ein Sprichwort bezeichnen, ES bedeuten flbet dt? einzelnen Wörter iolgendcS:

1. Wasserball in der Schweiz.

8. Nebenfluß der Saale.

3. Schweizerischen Kanton.

4. Ein Arzneimittel.

5. Berg in Armenien.

6. Einen Maler. ,, u

Auflösung in nächster Nummer.' 1

Allslöstuig des Rätsels in voriger Nummert , - Kein e, denn alle gingen von Auen u a ch K i r ch h a r»,

Redaktion: K. Neurath, Rotationsdruck und Verlag der Brtthl'schen UiüverMts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.