Ausgabe 
10.2.1909
 
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Auf Liebespfaden.

Roman von £>. Ehr H ard t,

'Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

ES war sonst nicht Espachs Art, sentimental zu sein, es war immer mehr eine Mahinmg, die er an den Freund richtete, nicht nur um des Mädchens, sondern um seiner selbst willen. Er hegte die Befürchtung, Hassingen könne doch noch, um Helenens Besitz zu erringen, eine Dummheit machen, und davor wollte er ihn behüte». Hinter eine aussichtslose Liebe, so meinte er, machte man je eher desto besser einen dicken Strich und verrannte sich nicht erst in Gefühlsduselei.

Tast Hassingen nahe vor dieser Gefahr stand, las er aus seinem düsteren Gesicht, das im Mondlicht fahl, beinah bleich aussah.

Bon drüben klangen deutlich ein paar Worte des Liedes herüber: So last uns schweigend feiern die letzte Stund!

Komm!" sagte Hassingen! etwas heiser.Die Mädchen wcr- deu schon warten!"

Er hatte richtig vermutet. Ms sie sich durch niedriges Busch­werk ungefährdet den Weg bis zu ihremGlückszaun" gebahnt, sahen sie vor dem im Mondlicht grau erscheinenden Boskett, das diese Gartenecke noch besonders vor den Blicken vom Hause her schützte, eine schlanke weibliche Gestalt stehen, die sich beim knistcrn- den Geräusch der vorsichtig nahenden Schritte langsam bis zum Zaun herüberschlich.

Espach erkannte mit dem Auge der Liebe sofort seine blonde Lisbeth, obgleich sie Ivie stets den Kopf und. einen Teil des Ge­sichts mit einem schwarzen Spitzentuch verhüllt hatte. In seiner Freude achtete er nicht gleich darauf, dast sie allein war, erst als Hassingen neben ihnen mit einer Stimme, durch die seine Er­regung zitterte, fragte:Wo haben Sie Helene?" blickte auch xr erstaunt und neugierig in Lisbeths rosiges Gesicht.

Die hatte etwas Lauerndes in ihren grünlichen Katzenaugen, aber keiner der Aiänncr bemerkte cs.

Sie fühlte sich nicht ganz wohl," sagte sie gleichmütig, als habe sie keine Ahnung von dem Enttäuschungsweh, das ihre Nachricht bereiten mußte,und da Sie ja doch hier bleiben, Herr von Hassingen, meinte sie, Sie würden sie heut mal ent­behren können. Beinah wäre ich ja auch nicht gekommen" Atzte sie hinzu, und nun wurde ihr Blick etwas kokett und suchte Espachs Gesicht im Schatten der Baume.

Ich will nicht stören," meinte Hassingen hastig und griff ßint einer nervösen Bewegung nach seinem Hut.Grüßen Sie Helene, und ich lasse ihr gute Besserung wünschen!"

,Bleiben Sie doch hier, Herr von Hassingen, ich muß auch gleich wteder fort!" rief die blonde Lisbeth hinter ihm, aber er Körte ihre gedämpfte Stimme wohl nicht mehr.

Seine Schritte verklangen int raschelnden Laub.

Um die beiden Zurückblcibenden war cs nun so still, daß Mut die tiefen, erregten Atemzüge des Mannes hörte, der die Wanken, kräftigen Mädchenhnude, die sich ihm geboten, Ivie in.

einem Schraubstock hielt und in dem Bewußtsein des Abschieds zmn erstenmal seine ruhige Fassung verlor.

Er wollte die hohe Mäidchengestalt an sich ziehen, aber Lisbeth bog sich kraftvoll zurück, und im Mondlicht sah er deutlich ihrs kühl blickendenAugen und beit abwehrenden, herben und stolzeij Zug um die schmalen Lippen.

Sie tun mir ja weh, Herr Espach!" stieß sie Nach kurzer,- stummer Abwehr zornig hervor.Lassen Sie mich los. Sie wissen, ich will das nun einmal nicht."

Ihr Zorn klang so echt, dast Espach sich wieder einmal fragte, ob es denn überhaupt Liebe war, die dieses Mädchen veranlaßt hatte, nachts mit ihm im Walde herumzuwandern, ob es nicht bloß das kühlen Naturen oft eigene Gefallen an einem gefahr­vollen, grausamen Spiel mit dem Manne Ivar, das sie zu diesem Wagnis getrieben, und in diesem Zweifel sagte er zornig und leise, wobei er ihre Hände fallen liest, ihr aber ganz nahe trat:

Sie spielen mit mir, schlimmer als die Katze mit der Maus,- Fräulein Lisbeth, das ist auf die Dauer meiner unwürdig."

Ah!"

ES war wie ein Aufatmen und doch ein Laut der Empörung.

Die grünlichen Mädchenangen konnten auch aufsprühen, das! blühende Gesicht erblassen.

Unwürdig!" wiederholte sie, und er hatte ihre Stimme nie so erregt gehört.Nun, unwürdig ist vor allem, dast ich mich hier in der Nacht mit Ihnen treffe. Nein, sagen Die nichtZ dagegen. Sie fühlen cS ebenso wie ich und ich muß es mal aussprcchen. Bon mir ist diese Idee nicht ansgegangen ich' will mich nicht Iveifpvascheu, um meine Freundin anzuschwärzeü ich sag es nur vor Ihnen, damit Sie wissen, wie ich dazu kam, ich Hätte es ja gut vermeiden können und vielleicht auch Helene davon abgebracht, denn ich bin fast ein halbes Jahr älter als'sie, und ich bin überhaupt keine dumme Gans, die noch nichts vom Leben weist, aber"

Sie stockte, wich Espachs Blick, dem sic bis dahin freimütig begegnet war, aus, indem sie die Lider senkte, wodurch ein ganz fremder Zug von mädchenhafter Verlegenheit in ihre Zuge trat, der sic Espach doppelt reizvoll erscheinen: liest.

Er schob sachte, neben sie tretend, seinen Arm in den ihren/ und als sie es geschehen ließ und er fühlte, daß sie leicht er­zitterte, sagte er sehr innig:

Warum kamen Sie aber trotz all dieser Bedenken, Lisbeth? Nur, weil Sie wußten, wie lieb ich Sie habe, und wie ich mich auf diese Plauderstunden mit Ihnen freute oder auch deshalb, iveil Sie gern mit mir zusammen waren weil Sie mir gut sind/ Lisbeth?".

Sie gab nicht gleich Äntwork. Sie hatte sich ein wenig zur Seite gedreht, dast er aus der dunklen Umrahmung ihre» blauen Mnsselinkleides ihren Nacken und ihr helles Haar schimmern sah, sie wandte sich auch nicht nm, als sie rasch mit dem ihr eigenen' stolzen Freimut sagte:

Ich habe Sie lieb, sonst wäre ich nicht gekommen, aber ich tue es jetzt nicht mehr, ich will nicht länger meinen guten Ruf leichtsinnig aufs Spiel fetzen, wir müssen heut Abschied nehmcm"