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Menn es ein Fremder öffnet, so ertönt eilte Alarmglocke, die der Eindringling nicht abstellen kann, und auch wenn es niemand hört, wird seine Hand in einer Fuchsfalle festgehalten." Sonrerset gibt die Konstruktion einer Baggermaschine an, die der heute gebrauchten Form bereits sehr nahe kommt; er scheint auch der Erfinder des hydraulischen Widders gewesen zu sein, denn er beschreibt unter anderen Wasserhebemaschinen, auch einen Stoßheber ganz genau. Sein verbesserter Revolver, den er sich 1661 patentieren ließ, ist bereits eine Art Magazingewehr mit Hinterlader-Einrichtung: Er enthält „zehn Kugeln, die hintereinander abgeschossen werden können, so daß man mit einer einzigen Ladung zehn Diebe töten kann, ohne von neuem zu laden". Die Gedanken einer Universalschrift beschäftigten auch den Marquis, die die Völker untereinander näher verbinden sollte. Seine größte Erfindung aber war die „Feuer- Wasser-Maschine", die durch Dampf in Bewegung gesetzt wurde und in Bäuxhall mehr als acht Jähre in Tätigkeit wär. Es war eine richtige Dampfmaschine, wohl die erste, die wirklich konstruiert wurde. Er nannte sie selbst voll Stolz ein „halb-allmächtiges Werk", und ehe er in melancholischer Resignation, ohne mit seinen Erfindungen durchgedrungen zu sein, aber ungebrochen ins Grab stieg, wünschte er, daß ein Modell mit ihm begraben würde, was aber die Priester als Teufelswerk verweigerten.
Vermischtes.
* Erfolge der Polizeihunde. Die Frage, ob der Polizeihund nötig ist, kann als nut „ja" beantwortet werden; denn die beste Autorität auf diesem Gebiete — der Verbrecher selbst, gibt zu, daß ihm ein einziger Hund unangenehmer ist als drei Beamte. So wurde vor einiger Zeit der berüchtigte Kassen- einbrecher Wilke von Dessau nach Koswig transportiert, und da man bei dieser Gelegenheit auf eine Geivglttat des zu acht Jahren und drei Monaten Zuchthaus Verurteilten rechnen konnte, nahmen die Transporteure einen Polizeihund mit in den Wagen hinein. Das kluge Tier setzte sich sofort dem Verbrecher gegenüber auf die Bank und wandte während der Fahrt kein Auge von ihm üb. Wilke, der sich 'stets bei derartigen Gelegenheiten äußerst renitent benimmt, wagte es "jn diesem Fälle nicht, irgend einen Widerstand zu leisten, er versprach sogar ohne weiteres, sich ruhig zu verhalten, und blieb es auch. Da für die meisten dieser Taugenichtse der Transport zur Strafanstalt der letzte Augenblick ist, bei dem ein Fluchtversuch einige Aussicht auf Erfolg hat, so liegt es im Interesse der Sache, bei allen diesen Gelegenheiten einen; Hund 'zur Bewachung hinzuzuziehen. Oft ist ein braver Gehilfe aber auch schon der Retter seines Herrn in der Not geworben', so kürzlich erst wieder in Hamburg, als ein Arretierter den Polizisten plötzlich än der Kehle faßte und derart zu würgen begann, daß nur das sofortige Einspringen und Zubeißen des Hundes den Ueberraschten vor dem Tode errettete. In der Verhandlung gab der äußerst kräftige und wegen Gewalttätigkeiten und Raubes schon vielfach vorbestrafte Mensch zu, daß nur der im Arm fest- verbissene Hund den Beamten vor weiteren Tätlichkeiten geschützt hätte. Häufig dient aber auch der Hund zur Ueberführung des Verbrechers, und es gibt einige Beispiele, bei denen der Hund noch Tage nach der Tat die richtige Spur sand. Der kürzlich wegen Mordes Hingerichtete Knecht Hütscher hatte sein Opfer mit einem großen Stein niedergeschlagen; an einem Montag morgen wurde der Erschlagene aufgefunden, nnd erst Dienstag nahm die Polizeihündin Gerhilde die Verfolgung nach der geringen für sie noch am Steine wahrnehmbaren Witterung auf. Sie hielt anderthalb Stunde lang die Fährte des Mörders des Försters Kleinen nnd wiederholte diese Leistung 41 Stunden später nochmals. Derartige Beweise verblüffen die Verbrecher derart, daß sie sich für überführt erachten und ein Geständnis ablegen. Es ist nicht gesagt, daß nur gerade die obengenannten Hunderassen zu Polizeihund- dieusten geeignet sind, denn fast alle mittleren Hundearten lassen sich ausbilden und in der Praxis verwenden. Gelegentlich schlummert in einem Hunde ohne Wissen des Besitzers rin derartiges schätzenswertes Talent, das bei gegebener Gelegenheit plötzlich in die Erscheinung tritt, und uns auf die Verwendbarkeit des Hundes aufmerksam macht. So wurde vor Jahren in einem Flecken Oberbaherns ein Bullterrier der Entdecker eines Brandstifters. Sein Herr kam in der Nacht in dem Augenblick an einem abseits liegenden Gehöft vorbei, als gerade die erste Feucrgarbe zum Giebel eines Stalles hervorschoß. Da Eile geboten war, um das Bich noch zu retten, so kümmerte sich der betreffende Herr zunächst nicht um den stets zur Seite bleibenden Hund, dessen Fehlen er erst bemerkte, als die Gefahr für die anderen Baulichkeiten! beseitigt war. In der Meinung, daß der Hund vielleicht nut» verbrannt sei, wurde die Umgegend, um ganz sicher zu gehen, auch 'nach Spuren abgesucht, und hierbei fand man im Schnee die Fährte des braven Tieres, das einem querfeldein gelaufenen Manne gefolgt war. Dieser hatte kurz nach Ausbruch des Feuers,
Redaktion: K. Neurath. — NotationZdruck und Verlag
Ium sich ein Alibi zu verschaffen, teilte entfernt liegende Wirtschaft aufgesucht, und als die Gendarmerie von dem Besitzer des Hundes auf das absolut eigenartige .Verhalten des sonst so treuen Tieres' aufmerksam gemacht, die Verfolgung der Spur aufnahm nnd in die Gaststube cintrat, daß der Bullterier vor dem auf der Stelle geständigen Brandstifter, der nicht begreifen wollte, daß ein Hund so klug sein könne.
* Einem seltenen Beispiel von weiblichem Heroismus begegnen wir in den kürzlich erschienenen Memoiren der Fürstin Marie Nikolajewna Wolkonski, die in deutscher Ueber- setzung erschienen sind. Die Fürstin war im Alter von 21 Jahren mit dem 20 Jahre älteren Fürsten Wolkonski — dem Führer der Dekabristen von 1825 — getränt worden. Gerade nach ihrer ersten Entbindung inszenierten die Verschworenen den mißglückten Putsch gegen Nikolaus I., der die Teilnehmer teils mit Galgen, teils mit Sibirien bestrafte. Unter den mit Verbannung nach Sibirien Bestraften befand sich auch Fürst Wolkonski. Sobald seine Verhaftung seiner Gattin mitgeteilt wurde, „reist sie nach Petersburg, sucht und erhält, „noch recht krank nnd sehr schwach", die Erlaubnis, den Fürsten zu besuchen, erfährt seine Verurteilung zu zwanzigjähriger Zwangsarbeit und lebenslänglicher Verbannung und beschließt sofort, ihrem Gatten nach Sibirien zu folgen. In diesem Entschluß liegt ein doppelter Heroismus. Sie verläßt nicht nur Eltern und Vaterland, sie muß auch zwischen Mann und Kind wählen. Sie verläßt das Kind, das bald darauf stirbt, nnd folgt ihrem Gatten in die Bergwerke von Blagodatsk, nachdem sic die Genehmigung des Zaren erhalten. Es mutet seltsam an, zu hören, wie sie von ihrem Sohne Abschied nahm: „Ten ganzen Abend war er bei mir gewesen und hatte mit dem Siegel des Briefes gespielt, der mir die Genehmigung zur Reise — ihn für immer zu verlassen — gebracht hatte. Dieses große Siegel von rotem Wachse machte ihm viel Freude. . ." Drei Jahre spater war er tot. . . Ter Vater will sie zurückhaltcn, die Schlvcster sagt ihr: „Was tust du? Tein Gatte trinkt vielleicht, ist liederlich geworden." „Um so notwendiger ist meine Reise," gibt sie zur Antwort und nun fährt sie, bis sie ihren Gatten erreicht. Tag und Nacht, ohne ihren Schlitten zu verlassen, bei Schneegestöber und einer Kälte, daß ihr die Tränen an den Augen gefrieren. Mik der Fürstin Trubetzkoi, die ebenfalls ihrem Manne gefolgt ist, führt sie gemeinsam Haushalt, fegt, wäscht und versichert, cs gehe alles besser ohne Dienstboten. Wöchentlich zweimal sieht sie ihren Gatten. Später und allmählich bessern sich die Verhältnisse; beinahe mit Bedauern verzeichnet die Fürstin 1829, daß den Gefangenen die Ketten abgenommen wurden. „Wir hatten uns an das Ketrengerajsel so gewöhnt, daß ich es sogar mit einem gewissen Vergnügen hörte, es verriet mir das Nahen Sergeis bei unseren Zusammenkünften." — Tie Sträflinge, meist schwere Verbrecher, behandeln sie mit zärtlicher Achtung und nennen die Staatsgefangenen respektvoll „unsere Fürsten", backen für sie Kartoffeln in heißer Asche, nehmen ihnen die schwere Arbeit ab, kurz, der „Abschaum" treibt Blüten reinen Menschentums . . . Tie letzten Jahre der Verbannung leben die beiden Gatten, nunmehr vereinigt, in Irkutsk und 1855, im Krönungsjahr Alexanders 11., kehren sie endlich nach Rußland zurück.
* Das mißverstandene Stichwort. Herr. Hetzt, Direktor einer reisenden Schauspielergesellschaft, hatte die besondere Eigenschaft, nie eine Rolle zu lesen, wodurch er nebst seinen Schauspielern auch den Souffleur zur Verzweiflung brachte. In einem entsetzlichen, aber zugkräftigen Rittcrschauspiel hatte er die Rolle des Raubritters Dagobert Bluthausen übernommen. In seiner ersten Szene hatte er erregt aufzutreten nnd..nach seinen auf Raub geschickten Gesellen mit dem Angstruf zu spähen: „Sie kommen noch nicht!" Mit einer Miene, die dem Publikum die Gänsehaut auffahren ließ, tritt Ritter Dagobert auf und steuert direkt dem Souffleurkasteu zu mit aufgeblasenen Nüstern der Worte harrend, die er zu sprechen hatte. Der Souffleur flüstert« ihm zu: „Sie kommen noch nicht!" Heigl schweigt, schneidet eilt wütendes Gesicht und schleicht sich mit stummem Spiel hinter die Kulissen. Dort kommt ihm der Inspizient in den Wurf, dem er wutentbrannt 'zudonnert: „Sie Efel, was schicken's mich den» viel zu früh 'naus! Ich steh wie der Ochs am Berg vorm Kasten und wart' auf mei’ Red', da schreit mir der. Souffleur zu: „Sie kommen noch nicht!" — „Aber das war ja gerade Ihr? Rede!" lautete die verblüffte Antwort.
Charade.
Ein kurzer Rui ermahnt euch laut, Vom Lager euch zu trennen;
Im Rätsel, das ihr hier erschaut, Müßt ihr zuerst ihn nennen.
Die Silben 2 und 3 soiort Rus' ich, wenn ihr's getroffen! Ist euer Freund wie's ganze Wort, Dürst ihr das Beste hoffen. . Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Tauschrätsels in voriger Nununcr: Sand — Ceder — Hau§ — Dder — Post — Eichel — Rebel — Hahn — Angel — Uhr — Esche — Regen. S ch openhaue r.
der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße».


