Ausgabe 
9.1.1909
 
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blaute. Ich machte die anderen aufmerksam, und wir rann­ten über die siedend heißen Lava, so schnell uns unsere Füße trugen, um unser Leben. Glücklich kamen wir durch biege» schmalen Hoffnungsbogen in der Dampfmauer hin­durch; dann wälzte der Wind wieder eine giftig dunkle Masse darüber hin. Wir atmeten beglückt neuen Lebensmut mit der reinen Luft ein unb waren der furchtbaren Hölle von Feuer und Rauch entflohen. Ich hatte meine Camera auf unserer wilden Flucht verloren, aber glücklicherweise die Platten mit ben Aufnahmen gerettet."

Verinsßchtes.

* Der strenge Frost der lebten Tage hat Sem und Flüsse mit einer dicken Eisschicht bedeckt. Warn»! aber findet sich das Eis nur an der Oberfläche und bildet hier eine elastische Decke? Der Grund ist die merkwürdige"Veränderung der Dichte des Wassers bei TempLraturschivankungen; die größte Dichte und damit die größte spezifische Schwere des Maklers liegt nicht beim Erstarrungspunkt. Hiervon kann man sich leicht überzeugen, wann man ein Röhrchen mit Master füllt und diesen einfachen Apparat allmählich abkühlt, ivobci die Temperatur sorgfältig mit dem Thermometer zu kontrollieren ist. Zunächst zieht sich das Wasser bei Abkühlung zusammen; bei einer Temperatur ,von Plus vier Grad erreicht es jedoch seine größte Dicke und bei neuerer Abkühlung dehnt es sich wieder aus. Allerdings wird die Eis­schicht an der Oberfläche immer dicker, und »Venn starker Frost fahr lange auhält, kann das Gefrieren doch, wenigstens bei flachen Gewässern, bis zum Grunde gehen. Mitunter freilich kann sich Eis doch am Grunde des Wassers selbst bilden, während die Oberfläche flüssig bleibt. Jedoch tritt diese Erscheinung nie bei Teichen oder stehenden Gewässern ein, sondern nur bei fließenden. Bei starker Strömung verhindert die Bewegung die Eisbildung an der Oberfläche, und die ganze Flüsfigkeit nimmt allmählich eine Temperatur an, die dem Gefrierpunkt nahekommt. Nun tritt die Eisbildung zuerst an deu ruhigsten Stellen ein, also am Boden und es bilden sich Eisklümpchen, die au Pflanzen und Steinen festhaften, bis sie, wenn sic größer geworden sind, durch den Auf­trieb losgerissen und- an die Oberfläche geführt werden.

* Wenn Könige reise n. Als König Friedrich Wil­helm III. um 1830 eine Reise durch Brandenburg machte, wurden in einem Städtchen, wo er übernachten wollte, zu seinem festlichen Empfang große Vorbereitungen getroffen. Zumal der Bürger­meister, von dem die Rede ging, daß er kein großer Sprecher sei, war in großer Aufregung, und der Ratsdiener verriet unter dem Siegel der Verschwiegenheit, daß er schon zweimal den Papierborv, gefüllt mit angefangenen Begrüßungsreden, geleert habe. So kam der feierliche Tag heran. Die Honoratioren standen an der Ehrenpforte, als der Reisewagen des Königs verfuhr. Der König stieg aus, der Bürgermeister trocknete noch einmal den Schweiß von seinem glühenden Antlitz, verbeugte sich und begann dann: Zu Dionys, dem Tyrannen, Schlich Moros, den Dolch int Gewände, Ihn schlugen die Häscher in Bande. . So dek­lamierte er, das L cheln des Königs und das Staunen der Um­stehenden als Ermunterung betrachtend, die ganzeBürgschaft", um am Schlüsse mit einem aufatmenden Seufzer zu schließen:

Ich sei, gewährt mir die Bitte,

Hoch lebe Friedrich Wilhelm der Dritte.

Also um dieses Schlußreims willen die ganze lange Ballade Schillers! Zu dem heiteren Beifall, den diese sonderbare Be­grüßungsrede weckte, gab der König das erste Zeichen. Friedrich Wilhelm, durch die Erfahrung gewitzigt, unterbrach bald darauf, als in einer anderen Stadt der Bürgermeister zu einer langen Siebe mit den Worten ansetzte:Als Hannioal über die Alpen zog . . den Redner:Da hatte er keinen so großen Hunger rote ich!", das Oberhaupt unter den Arm faßte und gemütlich sagte: Kommen Sie, Herr Bürgermeister, »vir wollen zum Frühstück gehen!"

_* Ter Hund von Pilsen. In den Weihnachtstagen ereignete sich in Pilsen eine Geschichte, die eine wundervolle Be­reicherung Bramscher Tiergeschichten bilden würde. Das zwei- cinhalbjährigc Kind einer Dame, die gewöhnlich Nachmittags mit ihrem Hunde in derselben Konditorei -erschien, war gegen drei Uhi aus dem Fenster gestürzt und glücklicherweise unverletzt auf dem Hofe liegen geblieben, obgleich der Sturz, ans einer Höhe von dh'^i Stockwerken -geschah. Zufälligerweise war an diesem Tage die Dame ohne ihren Hund ausgegangen. Sie befand sich gerne wie üblich in der Konditorei, als plötzlich, ihr Hund triefend vor Nässe und mit Zeichen höchster Aufregung erschien und seiner Herrin zu verstehen zu geben versuchte, ihm zu folgen. Verwundert willfahrte die Dame dem Begehren ihres Hundes und dieser führte sie nach ihrem Wohnhause und auf den Hof, wo das .Kind noch minier auf einem Sandhaufen lag und sich, wohl die Folge des Schreckens, ganz ruhig verhielt. Tas merkwürdigste aber war, daß der Huno, der sonst mit seiner Herrin den alltäglichen Weg nach der Konditorei über eine Brücke znrücklegen mußte, ins Wasser gesprungen war und den Fluß durchschwommen, hatte, wodurch er

seinen Weg um mindestens zehit Minuten abgekürzt hatte. Das kalte Bad im Winter hat dem Hund, der sich ganz wohl befindet, nicht int geringsten geschadet.

* Der sicherste Raum auf Erden. Einen intet» essanten Transport konnte man kürzlich in Newyork beob­achten; die National City Bank bezog ihre netten Geschäfts­räume, und bei dem Umzug wurden nicht weniger als 60 Millionen Dollar gemünztes Geld unb annähernd 500 Millionen Dollar Wertpapiere in ben neuen gewaltigen Kassenschrank überführt, den die Bank in ihrem neuen Hanse errichtet hat. Hunderte von Privatdetektivs waren enga­giert, um den Transport zu begleiten und gegen den Hand­streich von Einbrechern zu sichern; nun, darbet Schatz in dem neuenKassenschrank" ruht, mögen die Direktoren er­leichtert aufatmen, beim wohl keine Schatzkammer der Welt ist gegen die Gefahren einer Feuersbrunst ober gegen bie Finbigkeit kühner Einbrecher besser unb umsichtiger geschützt als dieser neueSafe". Da es in ben Vereinigten Staaten schon mehrfach vorgekommeil ist, baß selbst breifach ge­panzerte Kassengewölbe von Einbrechern gesprengt wurden, die die Mühe nicht scheuten, das ganze Grundstück zu unter- minieren unb so durch einen Tunnel sich einen Zugang zu den Schätzen zu schaffen, hat man fürsorglich bicsen neuen Kassenschrank nicht etwa in bie Fundamente des Hanfes verlegt; er ruht auf großen Siiitfen frei in einer gewaltigen Halle unb ist so von ben Wänben völlig isoliert. Die Panzerplatten haben eine Dicke von einem halben Meter. Sie sind mit einem System dünner Drähte umgeben, die mit Elektrizität geladen sind und bei ber geringsten Berüh­rung sofort tausende von elektrischen Läutewerken im ganzen Hause in Bewegung setzen. Eine weitere Vorrichtung er­möglicht es, durch ben Druck auf einen Hebel ben Kassen­schrank sofort mit einer bichten Wolke heißen Wasserbampfs zu umhüllen. So haben denn bie Einbrecher alle Aussichten, sich an biajetn neuen Safe buchstäblich oie Finger zu ver­brennen.

* Von Wilhelm Busch. In der Zeitschrift des Allge­meinen Teutscheri Sprachvereins wird auf prächtige Aussprüche des Max- und Dioritz-Dichters über die deutfa-e Sprache aufmerksam gemacht, die sich in dem BüchleinWilhelm Busch an Maria Anderson" (Rostock bei Volckmann) finden. So schreibt er:Unk eine Sprache von Herzen sein eigen zu neunen, muß man, glaub' ich, etwas brüt erlebt haben, etwas sehr Wichtiges nämlich bie Kindheit. In diesem Sinne hab' ich zwei Sprachen: Hochdeutsch und Plattdeutsch. Nur was in diesen Sprachen, in den Sprachen meines Paradieses, geschrieben ist, kann mich rühren; d. h. in innerster Seele rühren; denn ich weiß wohl, daß es einParadise lost" gibt, welches hinter der ganzen Menschheit liegt. Mathe­matiker, Physiker, Zoologen die mögen in fremden Sprachen schreiben, wer znm Nerzen dringen will, der schreibe seine Muttersprache". Ebenso wahr und schön ist der folgende Ge­danke:Mas herzig, lieb und drollig ist in einer Sprache, das kann man nur empfinden und begreifen, wenn man's mit Nach­bars Hänschen tm Korn und mit Nachbars Gretchen über den Zaun gesprochen hat", und ein Vierteljahr später nochmals ähnlich: Um das, was drollig, schelmisch, heimtückisch in einer Sprach« ist, um das Mienenspiel einer Sprache zu verstehen, muß man in dieser Sprache geboren und erzogen sein."

Gharads.

Wenn die erste dich bedroht, Alag dich wohl die zweite schüheu; Bringt daS Ganze dich in Not, Wird dir mehr die erste nützen; Wei!» die erste die zweite hak, Findet geivis; das Ganze statt; Ais die zweite die erste bezwang, Fand das Ganze den Untergang. hb.

Auflösung m nächster Nummer.

Auflösung des Zahlenrätsels tu voriger Nummer; Bruno, Reseda, Andern, Nriula, Newa, Siegiried, ßeöer, Hcrodes, Wolke, Elster, Isis, ' Gans.

Braunschwei g>

Redaktion: E, Anderson. Rotationsdruck und Verlag ber Brühl'scheu Universitäts-Buch- und SlStudrucker«, R» Lange, Gießen.