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schätzen. Sobald daher die Indianer die ersten Anzeichen eines Erdbebens verspürten, liefen sie ans ihren Hütten hervor und schrien, auf den Erdboden stampfend: „Hier, hier sind wir!" Auf solche Weise wollten sie denk himmlischen Vater das Geschäft der Zahlung erleichtern nnd ihn davon abhalten, sich erst durch sein furchtbares Dahinfchreiten selbst von ihrer Existenz zu überzeugen. Nach einem furchtbaren Erdbeben an der Küste von Guinea, so berichtet der holländische Kaufmann Eufchart, erklärte der König utm Dahomey, es sei der Geist seines Vaters, der die Erde erschüttert habe, lveil die alten Gebräuche nicht mehr befolgt würden. Es wurden daher drei kriegsgefangene Häuptlinge geopfert, die denk Geiste des Verstorbenen melden sollten/ man werde fortan sich strenger an die altheiligen. Gesetze halten. Selbst auf der tiefsten Kulturstufe stehende Stämme, wie das Volk der Andamanen-Jnfeln, kennen einen Dämonen der Wälder Eromahangala, zu dem sie zitternd und schreckerfüllt flehen, wenn der Boden unter ihren Füßen erzittert. Auch die griechische Mythologie kennt solche Erdbebensagen. Obwohl die Natnrphilofophen schon früh den. Ursachen der Erdbeben wissenschaftlich uachforschten, und Aristoteles, wie Rudolf Hoernes in seinem großen Werke über Erdbebenkunde ausführt, die.. Grundlage für alle späteren vulkanischen Theorien schuf, so haben sich doch daneben populäre Vorstellungen erhalten, die dem Sinne des ae- meineu Mannes mehr zusagteu als alle gelehrten natür- ivispenschaftlichen Erklärungen. Als der „Erderschütterer" erschien den Griechen der Meeresgott Poseidon, wohl weil mau allgemein, wie Thales von Milet es ansqefiihrt, an- nahnr, daß die Erde vom Wasser bewegt und ■ erschüttert werde. Dre Lakehämonier z. B. stimmten beim Beginn eines Erdbebens einen Lobgefang auf Poseidon an; bei AristophaneS findet sich die volkstümliche Verwünschung: Poseidon, der die Erde erschüttert, möge dem Feinde alle ferne Wohnungen umwerfen! Daneben, werden aber auch den unter der Erde eiugekerkerten Giganten und Dämonen Kräfte zugeschrieben, durch die sie vulkanische Ausbrüche und Erdbeben Hervorrufen. Unter dem Vulkan der Insel Ischia lag schon nach Homer der Riese Typhoeus begraben; in Ovids Metamorphosen speit er aus dem Aetna Flammen und Useae aus. Hesrod schildert ein vulkanisches Erdbeben folgendermaßen : „Jedes Titanenbanpt sprühte Feuer und Flamme; zedes einen anderen. Laut ausstoßenb, erschreckliches Geräusch, bald wie Stöhnen eines Rieseuochsen oder wie das Gebrüll des gereizten Löwen, bald dein Gebell emer Koppel Hunde gleich. Solche Schreckenstone stiegen aus dem Innern des Gebirges auf." Nach dem Glauben der Romer war es die Erdgöttin Tellus, deren Zorn sich im Erdbeben äußerte; doch waren sich die römischen Priester nicht immer darüber klar, ob sie die Erde nicht auf Geheiß einer anderen Gottheit erschüttere, und hüteten sich daher, bei ihren. Opferfeierlichkeiteu überhaupt den Rauten einer bestimmten Gottheit zu nennen, weil sie fürchteten, die .Unrichtige auzurufen. In der nordischen Mythologie ivird <'vu, der Feuergott, mit den Erschütterungen de, Erde in Zusammenhang gebracht. Er ist in einer Höhle gefesselt- über ihm liegt ein scheußlicher Wurm, der ihm Gift ins Angesicht träufelt,, zwar hält Lokis Weib durch eine unter gehaltene Mchaie das Gift von ihm fern, aber wenn sie ganz angefiillt rst Utid geleert werde» muß, fällt ein Tropfen ■ft'i krüsn iit sich vor Schmerz'Uiid dann
bebt und wmdet sich die Erde. Nach einer anderen germa-
^6^ nmwmdet Lokis Tochrer, die riesige Midgard- schfangi, den Erdball-mit ihrem Leibe und preßt sie bisweilen
• I? >fttg, dap sie erschüttert wird. Aehnliche Ansichten stmen sich bei wilden Völkern. S) glaubten die Einwohner sudameritas, beim Erdboden schwimme eiir Walfisch durch
^.e'Japaner nennen da eine riesige ^'hbtr5Le M'ch.ckw' der Erschütterung. Wahrscheinlich hat das - wellenförmige Fortschreiten der Erdbeben au die P.^bung von Schlangen oder anderen Tieren erinnert. hAJÄ der Ehrwürdige führt die Meinung an. daß ifm, beE, die Eiche umfaßt hält, zuweilen, wenn
rhm r.e Sonne auf dem Schwänz brennt, im Zorn danach schnappt und so die Erde erbeben läßt. Jedenfalls herrsch- mnicmc? ^chso bis ui die moderne Zeit hinein die phau--
doni Entstehen der Erdbeben, und
V i,J .- l faßz in seinem'1582 I
erschimp jum Tro!tat die Unklarheit der Ansichten vortreff- kL.öu^"nmen, wenn er sagt: „Ob aber in dem erdreich Sarmnen, als am Himel oder in küssten, die Hitz oder kelt
Miteinander streiten, dadurch ein solch greulich erschröcklich Ken, schupffen, Hupffen, zittern, werffen, sollen, saußen pfuausen anrichten wie der donner und plitz, so kommt von kelt und Hitz. Oder, ob der Wind wider'das wasser oder das Wasser wider den wind, oder ein wind wider den andern, oder ein Wasser wider das andere, unter und gegen einander sich setzen, anstoßen und jrren. Oder, ob vielleicht ein Wassergang verfallen, verschoppet oder ob etwa iit der erd eilt gewölb eilige gangen seh, oder daß die Erdgeister und Bergmännlein streiten oder daß der meerfisch Celebrant — sich recke und strecke, die erd also unmäßig rüre und bewege, die auf ihm liege und ruhe, oder ivas doch ursacher sonst seh, dadurch und iveß wegen der Erdboden also geblökt, getruckt, getrengt, und gehebt wird — — das ist bei allen gelehrtesten, berühmtesten Naturforschern noch unerörtert.
Dis Phstsgraphie eines VMankiisbrLchs.
Die schwierige Aufgabe, einen Vulkan während des Ausbruchs zu photographieren, hat Frank Davey gelöst, indem er unter höchst gefährlichen Umständen von dem Ausbruch des Vulkans Makuawcoweo auf der Insel Havai mehrere Ausnahmen machte. Er gibt im Wide World Magazine von dieser kühnen Tat eine lebendig anschauliche Schilderung. Der Vulkan Maknaweoweo liegt auf dem Gipfel des Mauua-Loa-Kraters, einer vulkanischen Bergmasse, die sich 13 675 Fuß hoch erhebt. Als die Kunde von einem furchtbaren Ausbruch des Vulkans kam, unternahm Davey mit dem Geologen Professor Jugalls und vier anderen Begleitern, geleitet von drei Führern den Aufstieg. Als man sich dem „Gebiet des ewigen Feuers" näherte, tat sich vor dem Blick ein unendliches Lavameer auf, eilt Chaos auf- und ab- wogcnder Linien mit .zerklüfteten Schluchten und messerscharf emporragenden Klippen, in dem die Pferde nnd Maultiere nicht mehr vorwärts kamen. Inmitten dieses tran- rigen Labyrinths lag der große Krater des Mäkuaweoweo, m dessen Tiefe die Bergsteiger mit Schaudern blickten. Ein See von flüssigem Feuer brandete da unten in einigem Ansrühr und ewigem Wechsel. Bald schoß feurige Gischt daraus hervor in einem blendenden Farbenspiel, bald glühte die Tiefe in. rauchumdunkeltem, unheimlich brennendem Schimmer. Von hier aus konnte man einen Neberblick über die einzelnen. Kegel gewinnen, die zum größeren Teil sckion wieder „tot" waren und in majestätischer Ruhe dalegen, während rings um sie das furchtbare Werk ihrer Zerstörung ausgebreitet war. Einige rauchten noch, aber nur ein einziger war noch in voller Tätigkeit, und seine düster gen. Himmel lohei.de Fenerfäule leuchtete nun den Forschern E ersehntes Ziel entgegen. Wie eine Fontäne der Hölle lieg der, Vulkan gewaltige Strahlen rotglühender Lava . empor pyietzeu; ein dumpfes Grollen wie von vielen fernen Kanonenschüssen begleitete das wundersame, in alle Farben des Regenbogens getauchte Schauspiel. „Es ist unmöglich, die Großartigkeit dieses Ausbruchs zu schildern. Einige der emporgeschleuderten Massen hatten die Größe eines Pcerdes lind waren weißglühend, als sie emporgeschlendert
Sie flogen so hoch, daß sie sich während der Zeit ab.uh.,en und als schwarze erstarrte Klumpen herabstürzten. Der Rauch wurde glücklicherweise von dem Wind nach der entgegengesetzten Seite hiugetriebeu, so daß wir nach einem Marsch von neun Stünden endlich so nahe an dem Vulkan standen, wie es die furchtbare Hitze erlaubte. Ich machte mehrere photographische Aufnahmen. Die Groß- artrgtn t der Szene wuchs noch, als die Sonne sank und am Himmel einen brennenden Hintergrund schuf. Als wir uns zum Rückweg rüsteten, änderte sich plötzlich die Windrichtung, und zu unserem Entsetzen sahen wir eine Schwefelwolke ficy über unseren Weg hinwälzen. Diese Dampftnassen sind mit Schwefel und giftigen Gasen so ganz erfüllt, daß es für Lebewesen unmöglich ist, darin, zu existieren. Ein Hin- durchdrsngen bedeutete also den Tod und wir versuchten daher nach der anderen Seite hin vorwärts zu kommen, fanden aber die Lava, zu heiß. Sie gab unter den Füßen nach und ließ eine unerträgliche Hitze- hervordringen, so daß ivir den Erstickungstod einem langsamen Verbrennen vor- zogen. und uns zu der furchtbaren Maner voll Giftdampf zuruckwandten. Wir versü ßten mehrere Male hiudvrmzu- druigen, aber schauderten, fast erstickt, immer wieder zurück. Vor uns der Schwefel, hinter uns das Feuer! Da im gefähr- ttchsten Moment sah ich plötzlich in dem Schwefelrauch durch den Wind eine Oefftmug gebildet, hinter der reine Luft


