Samstag den 9 Januar
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Maria Hendrina von Goch,
dtovelle von Luise Schulze-Brück.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Wer der Beert fing jetzt an zu sprechen. Der stille Mensch glühte ja ordentlich an. Nein, er wallte das nicht. Nie und nimmer. Er nähme die Hendrina. nur, trenn sie ihn wirklich gern hätte. Und das hätte sie jetzt nicht, oder es wäre nur ein Gernhaben wie zu einem Bruder. Die Hendrina, die sei ja überhaupt bis gestern noch ein pures Kind geivesen, das nichts gemuht hätte von der Welt und Menschen. Das immer lute geschlafen hätte da unten in dem stillen Haus in Goch bei der alten Bas, abgeschlossen von dem, was wirklich ist. Jetzt, jetzt sei sie wach geworden, er hätt's gemerkt, ordentlich gesehen gestern. Und jetzt wollte sie hinaus, wollte das Leben sehen, mit driimen fein, wollte auch wie andere Mädchen eine Jugend haben. Und wenn der Oehm klug wäre, dann liest er sie. Denn in der Hendrina, da sei tvas brüt, was sein Recht wolle, rind was man nicht tot Machen könne.
Der Alte hörte ihm zn tvie halb betäubt. Nein, das konnte doch der Beert nicht sein, der stille Mensch, der da vor ihm stand, mit den Händen fuchtelte, mit glühenden Augen sprach, Tinge sagte, die seinen Plan umwarfen, den schönen ivvhlgefügten Bau zerstörten. Er tobte, nannte ihn einen Narren und Schwätzer, der sich sein eigen Glück um müstige Grillen verscherze. Aber Beert blieb fest. Das sei sein letztes Wort. Bon ihm habe der Oehm nichts @u hoffen.
Und wenn die Hendrina sich nun in einen ander verliebe! In so einen oberrheinischen Windhund und Nichtsnutz? Wenn einer sie ihm vor der Nase wegschnappen will, tvas denn! Ein Narr ist er, der Beert, ein Träumer und ein Dummerjan.
Beert ivar still geworden. Er zuckte wieder die Achseln. Dann konnte er's auch nidjt ändern. Dann mußte er damit fertig werden. Aber das stand fest, die Hendrina durfte nicht gezwungen, werden, und es war schon besser, tvenn der Oehm auf ihn hörte, jhm folgte, der Hendrina hier eine fröhliche Zeit gönnte.
Aber der Alte fuhr wild auf. Nein und nochmals nein. Und zum dritten Mal nein. Und er stapfte die Treppe hinan, schwer und zornig und rüttelte ait Hendrmas Schraiiko'ett.
„Steh auf! Gleich!"
Und noch einmal: „Mach vorwärts, fix! Schlaffst in den hellen Morgen hinein."
Durch das Gitterwerk fragte die Hendrina ganz verwundert: -„Was ist denn? Ist was passiert?"
Er nahm sich zusammen. So ging das nicht. Bor seiner Tochter hatte er.nie seiner Heftigkeit freien Lauf gelassen, sie kannte ilm gar nicht so.
„Nä, aber steh' auf. Die Hilvcgard wollt' ja heut' morgen kommen. Mach', et iS schon bald zehn Uhr."
„Marjosepp! Ja, ich mach schon."
Der Alte zog seine Mütze tiefer ins Gesicht und rannte über das Estmgbord an Land. Unruhig lief er mit kurzen Schritten
auf und ab, immer die Augen auf das Schiff gerichtet. Und jeder- mal im Vorbeirennen las er halblaut von den dicken Goldbilchstaben ab:
„Maria Hendrina von Goch" „Maria Hendrina von Goch--"
Tann blieb er einen Augenblick stehen und schonte mit Hoisten Augen ans die schmucke Kajüte, das blanke Deck, wo der Schiffs- spitz auch mtruhig mrd blaffend auf und ab lief.
„Maria Hendrina von Goch."
Die 'Kälte beizte ihm das Gesicht. In seinem Bart fwrest winzige Eisnadeln. Er achtete nicht darauf. Er sah nur noch das Schiff an.
Ein prächtiges Schiff. Schöner fuhr keins auf dem ganzen Rhein. Gröbere vielleicht, aber fein so gut gehaltenes, so schmuckes. Sem halbes Lebe:: lang hatte er sich samt seinem Bruder geplagt, geschunden, gearbeitet Tag und Nacht wie der geringste Schiffs knecht. Seiner Fran hatte er nichts gegönnt, wie sich selber nicht, und wenn die schöne lustige Mainzerin nicht ihren reichen Vater gehabt hätte, der ihr immer uns immer wieder zngestopft hätte, da wäre es wohl schlimm gewesen. Sie hatte es noch erlebt, das; die beiben Brüder van Endert das Schiff bauen liehen, und als sie starb, und schnell darauf ihr Vater, da, ja, ixt war das Erbe gerade zur rechten Zeit gehmmoa, um ihres Manius Anteil an der „Maria Hendrina" bezahl..: zu helfen.
Der alte van Endert stand einen Augenblick still. Er sah vor sich das Grab seines Schwiegervaters neben dem noch frischen Grabe seiner Frau. Und er erinnerte sich ganz genau, wie ihn damals der Gedanke gepeinigt hatte, — da, vor dem offenen Grab, — der Mie hätte das Erbe verklausulieren können, so daß er's nicht in die Finger gekriegt hätte........Aber nein, so schlau
war er nicht gewesen, der leichtherzige Mainzer, — van Endert bekam das Geld, in lauter guten Kassenscheinen, und der Vormund der Hendrina gab gern seine Zustimmung, daß es in das Schiff gesteckt wurde, — das war eine sichere Anlage.
Zehn Jahre hauste er nun darauf als der Herr, — den st der Beert, der war nicht zu rechuen. und fein Bruder hatte dafür geforgt, daß er nicht viel zn sagen hatte, — und wenn er die Hendrina heiratete, bann blieb alles, tvie es war. Und nun sollte das alles vielleicht anders werden, — der Alte stampfte grimmig mit dem schweren Hvlzfchuh auf, nein, er war doch noch da, er hatte noch die Macht unb das Heft in der Hand. Er würde beit zweien schon zeigen, was sein muhte und sein sollte.
An einem der Kajütenfensterchen verschob sich der meiste Bor- hattg ein wenig. Die Hendrina lugte hinaus. Die würde sich wohl schön wundern, da st ihr Baler hier im Schnee wie unsinnig bin und her stampfte.
Er zwang sich zur Ruhe, zur Ueberlegung. Eigentlich tonnte er ja gar nichts machen. Wenn der Beert die Hendrina nicht heiraten wollte, — so ein Narr —- anfzwiugen konnte er sie ihm nicht. Und sie nach Goch zurückbringen, das konnte er auch nicht, zumal, wenn die Hendrina nicht wollte. Der Mingärtner würde einen .Heidenspektakel erheben und womöglich in Mainz eine große Geschichte daraus machen. Die Sette in Mainz, die einzige Schwester seiner verstorbenen Fran, lauerte ohnehin schon


