Ausgabe 
8.12.1909
 
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Namms, zum Erbe ttnb Ansporn meiner Söhne. MadM Aller­hand."

Nun überließ ich mich wehrlos meinem Schicksal. Wahl des Stoffes, Unterhandlung mit den Instanzen, Rechtszng wegen der Kvstenbestimmung, Abschwören meines HMvsen. braamm Ge­schmackes, Begründung des Ehrengeschästes, höchstes, allerhöchstes Zeugnis für die Firma und Anprobe hatten mir eine Stimdr meines Lebens verkürzt. War ein Winterrock solchen Aufwand wert? Mutlos wankte ich ans den: Laden, vorn Jüngling, bmt Pfiffigen und Herrn Aladan Allerhand höchsteigen geleitet. Ich fühle mich solcher Ausmecksamfeit nicht gewachsen, ich zittere vor den drei Instanzen rind die einsame Kwkodilsträue ans Herrn Allerhands Hemdbrust fasziniert mich, beraubt mich aller Wider- starrdskrast. Ich fühle mich dieses Meisters unwürdig. Der Mnt?r- rock hat auch nicht ordentlich gepaßt. Weiß mir jemand einen rinderen Schneider?

Ver'ZznßebtsA.

* D « r H u mv r i m en g l i s che.n P a r käm e n t. Anläßlich des Konfliktes zwischen dein britischen Ober- und Unterhanse erzäblt eine englische Wochenschrift allerlei Einzelheiten ans der Ge­schichte und vom Wesen des Unterhauses, die für das englische Parlamentsleben charakteristisch sind. Sehr oft kann man in den englischen Zeitungen lesen, daß dieser oder jener Redner den Ton des Hanfes" nicht getroffen habe, aber schwer wird es, wenn man diesen Ton bestimmen sollte. Aber es gibt ein der­artiges unfaßbares Etwas, das alle alten britischen Parlamentarier MMwittert und das die angehenden Politiker fühlen und in sich aufsangen müssen, wenn sie imlParkament eine Rolle spielen wollen. Wohl in keinem- Lande der Welt spielt die Jungfernrede eines neuen Abgeordneten eine so große Rolle, wie im englischen Parla­mente, ob es ihm gelingt, denDon" zu finden, ob es ihm gelingt, bei seiner ersten Rede überhaupt Aufmerksamkeit und Zuhörer zu finden, das entscheidet darüber, ob er künftig vom ' Haus« beachtet werden wird oder nicht. Die Konti? der Umstände, die oft bei derartigen Gelegenheiten entsteht, mag bisweilen von lernet» tragischen Schimmer umgeben sein, wenngleich der Humor der lachenden Dritten lachend solche Erwägungen vor sich her­treibt. Noch haute lebt in Loudon ein angesehener alter Herr, dessen staatsmännische Begabung nur wenige persönliche Freunde beurteilen und würdigen können und der nie int öffentlichen Leben auftrat, weil seine Jungfernrede int Parlament mißglückte. Er ist das Opfer des Humors der Tinge. Als er damals zum erstenmal seinen Sitz im Uttterhanse einuahm, war er ein leiden­schaftlicher Feuerkopf, den neue Ideen berauschten; als er seine lersto Rede hielt, riß ihn die Begeisterimg hin, immer wilder und lebhafter wurden feilte Bewegungen und seine Augen glühten. Aber er hatte eben Pech; das Pech, daß just auf der Bank vor ihm der Minister saß. Mit einer Geste des Armes schlug der Redner ' plötzlich wider besseres Wollen, dem Minister seinen hohen schwarzen Hut vom Schädel. Exzellenz machte ein erstauntes Gesicht, der Redner war über die Wirkung seiner Sprachkunst aufs höchste be­stürzt; das Haus aber lachte von -oben bis unten und es dauerte lange, bis das neue Mitglied versuchen konnte, seine Jungfernrede fvrtzusetzen. Aber endlich war es so iveit und der junge Parla- Mentarier sprach weiter. Er spricht vier, fünf, sechs, sieben Sätze Mit gemessenem Nachdruck; dann aber packt ihn wieder die Leiden­schaft für den Gegenstand, die erst schüchtern unterstreichenden Gesten werden wieder kühn und fortreißend. Mit wachsendem Behagen wartet das Haus nur auf einen Augenblick, und er sollte bald kommen: Zum zweitenmal trifft der Arm des Redners, in mäch- tigetrt Schwungs daherschweifend, den Hut des Minister-, der im weiten Bogen zur Erde rollt. Nun ist kein Halten mehr, das Haus jubelt vor Lachen, der Redner versucht vergebens weiter- zusprecheit; schließlich Muß er aufs Wort verzichten. Er hat nie wieder anders als komisch auf das Parlament wirken können, und wienn immer er wieder einmal einen Gegenversuch wagen wollte, empfing ihn ein so unbezwingliches Gelächter, daß er schließlich lallen Ehrgeiz begrub. Wie wunderlich ost winzige Nebensächlich­keiten die Dinge bestimmen, zeigt ein anderer Fall, der sich vor -einigen Jahren ereignete und den später sogar Chamberlain als lehrreiches Beispiel hervorhob. Es war ein großer Tag im Unter» Haus, alle Bänke gefüllt, überall spannungsvolle Erwartung; Endlich nimmt der Minister das Wort. Plötzlich werden alle im Hanse auf etwas aufmerksam, das sie im Augenblick heißer interessiert als alles andere. Wie das kam, ist nicht zu sagen, aber alle Blicke hefteten sich auf einen einzigen winzigen Punkt ütnb kein Mansch lauschte mehr den gewichtigen Erklärungen des Ministers. Was war geschehen? lieber den Steinslur des Hauses kroch irgend ein Käfer, eine Küchenschwabe oder dergleichen; er Machte plötzlich Halt, wie gebannt starrten nun alle auf diesen fremden Eindringling mitten auf dem Flur. Dann ereignete sich Mas, Neues: Mit ruhigen siegesbewußten Schritten steigt ein -ilttchted von seinem Platz zum Flur hinunter, er geht gerade auf den Käfer zu, und durch die atemlose Stille .hört man plötzlich, wie Mter der breiten -ohfe dieses ehrenwerten Mitglieds des armen Kasers Letbltchkeit kmtschend vernichtet war. Der Laut löst plötz- ilich alle aufgestapelte Spannung und Erwartung; eine Woge

von Spott, Lachen tiittb Abscheu geht durch das Haus. Mer der Käfertöter läßt sich nicht anfechten: mit einem stolzen Lächeln sicheren Triumphes schreitet er langsamM Schrittes zur Ausgangs­tür. Was der Minister itrzwischen gesagt hatte, wußte keiner zu verraten; denn die g,anz,e Zeit über hatte, das gesamte HauS sein« AusMerksatnkeit und Anteilnahme einzig und allein der Küchenschwabe gewidmet.

DiüGänsele6 er- Pastete. Ein eingehendes Shtbiunj der Pasteten ist nur dem BesitzereintS guten Mageirs und einen vollen Börsts Möglich. Die Zahl der Pasteten ist ja Legion, zudem sind vidlo schwer verdaulich und vbeNdrein nicht billig. Es gibh Kostbarkeiten unter ihnen, von denen der gewöhnliche Sterblich« gar feit® Ahnung hat. Wer die französischen Fettlerchen-Pasteten oder die Lerchen-Pasteten Von Pithiviers -oder die Kraluliteisoogek- Pasteten voN Montölimar einmal gekostet hat, vergißt sie nimmer. Und eben dieselbe unvergeßliche Wirkung üben jene getrüsseltech Bekassinen-, Fasanen-, Rebhuhn-, Wachtet-, Schnepfen- und Hasen- pasteten auch die, möge» sie nun in Terrinen- «oder in Teigformen geboten werden, nach dein Gutachten selbst der feinsten Gourmets jedem Diner zur höchsten Zierde gereichen. Die Gänseleberpastete^ der ehrwürdigen Münsterstadt Straßburg aber bedeuten noch immer den Won aller Pasteten. Wenn die sechseckigen Terrinen, die mit dem Alt-Straßburger Porzellanmuster geschmückt sind, auf der' Täfel erscheinen, so hüpft in dec Regel jedes Herz, denn es ist be­kannt, daß der aus Gäustlebern, Psrigordtrüffelu und anderen Ingredienzien bestehende Inhalt des reizvollen Gefäßes zu einet Harmonie geeint ist, die für viele an Feinheit der Harmonie einer Schöpfung Mozarts--oder Beethovens nicht nachsteht. Wie nun die Straßburger diese Vereinigung zustande bringen, was sie alles in die Harmonie hinembringen, woher sie diese höchsten Kemib- nisse gastronomischer Wissenschaft haben, ob ihnen die Universität dabei behilflich gewesen ist, oder -ob sie auf empirischem Wege bttwt gelangt sind, läßt sich schwer ermitteln. Tatsache ist, daß jede Firma bezüglich der Zubereitung der Gänseleber-Pasteten ihr. Ge­heimnis besitzt und es mit einem Schleier umgibt, den, wie jenett des Bildes zu Saks sürwitzig -zu heben, jedem unberufenen St-.'bb- lichen streng verwehrt ist. Zwar behauptet die selige Fran Davi­dis in ihrem berühmten Kochhuche, das echte Rezept der Zu­bereitung von einer Straßburger Dame erhalten z-n haben. Die Galanterie gebietet, dieses Rezept mit einein Anschein von Glauben hinzunehm-. Wir ersehen aus ihm, daß die halbierten und. Von den gelblichen Gallenspnren befreiten Gänselebern gewaschen werden, aber nicht mit Wasser, sondern nur mit Milch. Die Hälfte wird nun mit Trüffeln gespickt, die anderc Hälfte zusammen mit Schalotten, di« in Butter gedämpft sind, Trüffeln, Salz, Thymian', weißem Pfeffer, Muskatnuß und einigen Pfund abgekochtem Bauch,- speck zu einer feinen Farce verarbeitet, die sich bequem durch ein Sieb treiben läßt. Hernach wird eine Terrine mit dünnen Speck- scheibm ausgefegt. Auf die Speckscheiben folgt eine dünne Lage Farce, hierauf einige mit feinem Salz und weißem Pfeffer bs- streuto trüffierte Gänsefeberhälsten, dann wieder Farce, tviotpr Gäitseleber und so fort, bis die Terrine fo weit gefüllt ist, daß eine Lage Farce und eine Lage Speck Schluß machen können, di unmehr wird die Terrine mit dem Deckel geschlossen, am Raiche mit Papier verMbt und kn dein Ofen geschoben, wo die Pastete zwei StuirdeU langsam backen muß. Wahrhaftig, es ist eine so fette und Um­ständliche Prozedur, daß die Berechtigung der Straßburger, sich die Pastete« fett bezahlen zu lassen, unbestreitbar ist.

* Prag < a in m äßig.Sagt einmal, Huber, was ist denn da drinnen für ein Heidenlärm?">O, die feiern alleweil dem Jockel fei' silberne Hochzeit, und da soll halt alles so hergeh'n wie vor.fünfundzwanzig Jahren jetzt sind s' beim Ranfen."

* Das Meistersöhitchen. Der kleine Fritz Hal bei Bekannten fein Ausgabenbuch liegen lassen. Man findet darin einen Zettel mit einer Anzahl Mädchennamen. Gefragt, was diese Namen zn bedeuten haben, antwortet er:Die alle' muß ich noch verhauen,"

Zitaten-Rätsel.

Aus jedem der iolgendeu Zitate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich ein neues Zitat ergibt:

1, Im Herzen kündet eS laut sich an: Ztt 'was Bestreut sind rott geboren.

2, Wer hastig über Steine rennt, Wird bald zu Falle kommen.

3. Tas Hetz und nicht die Meinung ehrt den Mann.

4, Wenn ihr das Leben gar zn ernsthaft nehmt, was ist beim brau ?

5. Das große Heer zog träge seine Bahn.

6. Wer nicht vorwärts geht, der kommt zurkieke.

7. Gleich schenken? Das ist brav!

Da wird er renissiren'l

8. Wer am Zoll sitzt, ohne reich zn werden, ist ein Pinsel.

8. Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: N u h r, U h v.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Briihl'fchen Universitäts-Birch- und Sieindrnckerei, R. Lange, Gießt».