Ausgabe 
8.12.1909
 
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fe' «Hte enMM Stvffe.E einem ordentliche *3'et(ll'66t^ fa'W/ f? daß ein Gewand behaglich unb fecTjt faß, ohne vergecktes Ansehen, hübsch, ohne aufzufallen, ge- ohne bald die Form zu verlieren. Tas alles

,,oan selbst ohne iveitläufige Anweisungen treffen und ^cht alle Mängel als Vorzüge einreden schtreßlich sollte er bürgerliche Preise berechnen, denn zum Teufel', Wozu rst mau denn lerder Gottes ein Bürger

Eltorlbn.1 liß um meine Gunst. Keine Woche ver- äW' rJ b(t^ ?ntr etwelche eirglische oder französische Herrest- Leldershsteme unter den verlockendsten Wucher-Ratenzahlungsbc- promptester Bedienung angeboten wurden. Endlich «entschloß uh mich für einen Manu, der durch wortkarge Einfachheit Mmtch mMe, indem sein hatbsteises Firmakärtchen bloß seinen P^tenden Namen und Titel bekannt gabAladar Allerhand, ^^altschivere Zeile von zwei ins Papier ge- prcßreit Medaillen flariliert war, die, wie eine nähere Betrachtung ergabt eigentluh nur Vorder- und Rückseite eines Ehrenzeichens stir L-chneiderkunst irgend einer Ausstellung bedeuteten. Tiefen Hanoen wollte ich mich anvertrauen. Aladar Allerhand führte SS?31 1,1 kiner reichen Straße der inneren Stadt

neben Geschäften von tadelloser Vornehmheit. Seine Auslage Mtö eine leisen, leichten Ton von Lochung, eine Art von menfch- krchem Pfifs nach der Aufmerksamkeit der Vorüberspazierenden mit ^._m solcher Umgebung gebotenen Haltung geschickt zu vereinigen. Wahrend anderwärts nur einzelne kostbare Stücke diskret aus- gÄegt waren, wirkte hier eine köstlich nachlässige Fülle und Viel- ^itigkeit, Stof,e zu Häuf versprachen Kleidungsstücke für alle Jahreszeiten und Gelegenheiten eines eleganten Weltlaufes, Tutzendk importierter weiter und berühmter englischer Mäntel hingen an einem Halter, über schimmernder russischer Rohseide wkettrerten anmutig üppige Damenpelze aus Astrachan und Bisam men einem Umhang, für den mindestens vier blaue Füchse aus Sibirien Schlauheit und Leben eingebüßt. Daneben leichte, dicht geflochtene, eng eingerollte oder kühn schattende Panamahüte für das drohende mühiahr und auf besonders verlockenden Stücken ein Tafelchen mit reizvoll niebrigen Preisziffern.

Nicht ohne Erwartung und Spannung betrat ich das wohlfeil- vornehme Lokal und fand mich gleich nach der Eingangstür in einem Engpaß, aus welcheur cs kein Entrinnen gab, da ein hoch­aufgeschossener Jüngling mit zutraulicher Ehrerbietung sogleich die schmähe Pforte verstellte, während rechts und links die breiten, mit Herrlichkeiten bedeckten Stufen der beiden Auslagefenster bis in das Innere des Ladens reichten. So war man eingekeilt und geradewegs hineingenötigt. Bescheiden fragte ich nach Stoffen «ir einen Winterrock. Ter Jüngling wälzte Lasten herbei, schlug sie Ballen unter eirtzückteir Lobpreisungen auf, zeigte die anf- gvklebten englischen Ursprungsmarken, rollte die Stoffe stürmisch Cscheu den Fingern, sie waren vorläufig unverwüstlich. Ter lf für die Ewigkeit! Schüchtern begehrte ich einen weichen, Reichten und doch warmen braunen Stoff. Wie sollte seine Firma damit nicht dienen können? Er suchte lange, schien aber immer nur andere Farben zu finden, die ec immer leidenschaftlicher an- prces, tor meinen Augen spazierten, Dutzende von grauen, schwarzen, blauen, salz- und psefserartigcn, grätenmustrigen, breit- und eng» karrierten Ballen, nur kein schlichter brauner war dabei. Tas braun« Tuch werde eben nicht getragen, es gefalle Heuer nicht Und seine Firma führ« beim Allmächtigen keine Ware aus dem! Vorjahr. Ja, wenn ich vor zwölf Monaten einen braunen Mantel gewollt, hätte ich 20 Arten bekommen können, während wieder blau um seinen Preis aufzutreiben gewesen wäre. Aber jetzt! Still beharrte ich auf meinen Wunsch. Das sei nun ein­mal meine Farbe. Endlich zog er ein Stück hervor und lächelte triumphierend: in ganz Wien würde ich kein solches Braun finden, so 'leuchtend, so flaumig. Er entfaltete es, zog es gleichs- fam innig ml seine Brust und murmelte:Leider mir ein Rest, G reicht nicht." Aber wenn ich statt eines Mantels etwa eine Weste daraus haben ivvllte? Seufzend und verzichtend wühlte ich in Gottes Namen ein schwarzes Tuch. Und der Preis? Er nannte eine großartige Summe. Ich verbeugte mich dankend Und versprach wiederzukommen, wenn ich den Haupttreffer ge­macht haben würde. Ter Jüngling ivich nicht von der Türe und Wchelte um einen Grad vertraulicher: der Herr Bank-oirektor so und ,so zahle das doppelte«, der Herr Regierungsrat N. hab« für drei Söhne drei gleiche Mäntel bestellt, was er aus seinen Büchern zu erhärten bereit sei, während der Graf R. noch höhere Preise anstandslos bewillige, die eben nach der sozialen Stufen­leiter und allgemeinen oder besonderen Bernrögenslage abgc- niessen seien. Der Jüngling lies; offenbar von seinen Idealen! dies und jenes nach. Mit einer Kühnheit, deren ich mich selber schämte, bot ich ein« Snmine, welche feine Forderung um ein Drittelt kürzte. Ter Jüngling lächelte mit schmerzlicher Ber- nviniing. Wieder wollte ich die Bestellung bis zum Haupttreffer Yinausschieben, mich bestens empfehlen, als aus dem Mittelgründe des langgestreckten, vollbesetzten Raumes von dem tzolzverschlage der Kasse her ein zweiter kleiner, pfiffig lächelnder gewandter Mann vvrsprang und den abgerisseneni Faden der Unterhandlungen wieder aiiknüpste. Einem Kavalier von meinem Range als ich diese Ehrung bescheiden abwies, lächelte er tröstend könne doch wohl eine solche Bagatelle keine Schwierigkeiten verursachen. Dabei schraubte er mit gutherzigem Augenblinzeln mein An­

gebot wieder uni ein Uinftel hinauf, so daß wir uns eist wculn angenähert hatten. Dastir bekäme ichs aber. Es würde zu weck welche Märchen von Tugenden^ dieser Mantel verwirklichen würde. Aber ich bestand strenge auf meiner Sumuie. Vergeblich suchten der Jüngling und dsr Psi/fige d^s M nir-^u?1dcm" Cossen cte hinüberzuscherzen, der eine, schein! ?Jnn.l!liS, dem Kafsabuch die Namen der vornehmen Gesellschaft dt-ickte'^ hp°r'l£,ben'1 bie dieses Kleidungsstückes teilen

, der andere, utdem er die mannigfachen Gelegenheiten der welchen der Mantel seine Treuste zu leisten fähig t^lks' .S'SS Bergwanderungen, Automobilfahrten, Luft- bedurften eines solchen Stückes, wo- « zarte Warnungen vor leglicher Nebertreibuim eiw-

geflochten wurden, die dem Besteller ein allzu frühes Ende bs- reiten konnten. Ich blieb fest, da wurden sie mutlos

trat bangsani aus dem Hintergrund, allmählich sozu- Horizont füllend, der Herr der Herrlichkeiten wlber,. Aladar Allerhand, hervor. Er war schon betagt, gleich!- am ein großartiger Sonnenuntergang, aber wohl erhalten Aus einer imponierend weitreichenden Stirne saß ein Kranz pfefser- brauiien, gelegentlich zausigen und mausigen Haares, während der Bart in mächtiger nußbraun gefärbter Herrlichkeit tief auf enw gevlümte Samtweste hinabwallte. Dieses bedeutende Haupt saß etwas lose auf einem dünnen, vielfältigen Halse, so daß es gleich einer schweren Blüte wippte und schwankte. Hob er es, jjo wurde mail unter dem Bart über der Weste einer üppigen! Seidenwawatte gewahr, die ton einer Perle wie von einer Ärokodilsträne geschmückt war. Herrn Merhands Gestalt war von eigentümlicher gelenkiger Ungeschicklichkeit, als wären die eiu- emzelnen Bestandteile seiner Figur lose zusammengesetzt, so daß ebenso wio der Kopf auch die Arnie an den Schultern, besonders! aber der lauschend vorgebeugte Rumpf auf den Hüften gleichsam ohne Scharniers fragwürdig zu balancieren schien. So bebte er mir entgegen, reichte mir mit weltmännischer Verbeugung die Hand:Haben der Herr Doktor schon gewählt?"

Tie beiden Vorinstanzeil setzten ihn von der Sachlage in Kenntnis und jeigten ihm das Tuch.

Herr Tvltor, ich beglückwünsche Sie zu Ihrem Geschmack, es ist dies tit bet Tat ein treffliches, ein unverwüstliches, «eist wahrhaft edles Material."

Ich hätte freilich ein braunes Tuch! derselben .Art vor- gezogen, aber es ist leider keines mehr vorrätig."

Herr Doktor, Sie haben Glück, mit Verlaub. Es hätte mich geschmerzt, Ihnen mit biefem braunen Tuche dienen zu können. Ganz abgesehen von der Qualität. Ich will ja nicht sagen, daß es schlechter gewesen wäre als das schwarze, denn ich führe über­haupt keine niedere Ware. Bei Mir ist alles Prima. Aber cs wäre um einen Grad minder trefflich gewesen, dieses wird nach zehn Jahren noch sein wie heute, jenes wäre nur noch fünf Jahre so geblieben. Dieser Mantel kann uns alle noch überleben«. Aber nicht dieser Nmstand ist es, der mich erfreut, sondern daß niemand in Wien heuer einen braunen Mantel trügt. Ter Herr Doktor wären der einzige gewesen, man hätte Sie von weitem sch«on daran erkannt. Und dieses auffallende Stück hätte mich verraten, mein Geschäft habe die Verantwortung übernommen^ allein in ganz Wien ein unmodernes Tuch zu liefern. Begreifest Sie, daß ich glücklich bin, Ihnen gerade hierin nicht entgegen^» kommen zu können?" Ich begriff und sagte niedergebeugt, leider gestatteten es mir ja auch meine Verhältnisse nicht, den schwärzest Mantel zu bestellen. Ta richtete sich Herr Allerhand empor, iutirf feilt Haupt in den Nacken, so daß er den Jüngling und den Pfiffigest nachlässig von oben her über den tiefer ans dem Nasenrückest sitzenden .Kneifer ansah:

Und wegen einer solchen Kleinigkeit habest Sie den Herrst Doktor ziehen lassen wollen? Was muß ich hören? Wenn der Herr Doktor an hundert Schneidern vorübergeht, will er baust wohl einen Mantel von dem und jenem, oder von Aladan Aller­hand? Findet er etwa nicht Schneider genug in der Wienerstadt, aber er bringt nur dem Aladan Allerhand sein Vertrauen ent­gegen. Wir müssen diese Ehre zu schätzen verstehen. Herr Doktor, Ihr Auftrag ist mir aus jeden Fall ein Gewinn, Ihre ausgebreitetest Beziehungen werden für mich sprechen, Ihr Mantel erobert mir ein neues Feld, ich darf sagen: es ist ein Ehrengeschäft. Nehmest Sie dem Herrn das Maß." Ter Jüngling und der Pfiffige! führen mich schleunig in die Kleiderkoje. Herr Allerhand über­wacht an ihrer Eingangstür das Maßnehmen, wobei er mit char­mantem! Gespräch meinen Lebensstand ausholt, daß ich ver­heiratet bin und so weiter, worauf er die Gelegenheit ergreift, mich von der Notwendigkeit eines edlen Pelzwerkes für meine verehrte Fran Gemahlin zu überzeugen, wie denn sein ganzes«, wohlafspriiertes Lager, keineswegs ans diesen geringfügigen Mantel beschränkt, mir ehrerbietigst zu Füßen pe(cgt fei. Unterdessen sollt mein Blick neben den Spiegel auf eine mit Emblemen und Arabesken kunstreich kalligraphierte Ehrentafel:Anläßlich der Modenausstellung. . . zu Wien hatte der Firmainhaber Herr Aladan Allerhand die Ehre, Seiner Majestät vorgestellt zu werden. Allerhöchst derselbe geruhte ihn mit der Zlnspraihe zu beehren: Allerhand? Ich kenne biefen Namen. Ihre Objekte sind wirk- lich 'sehr Preiswürdig!" Diese mich hoch beglückenden Worte des erhabenen Monarchen verewige ich hiermit zur Ehre meines