Ausgabe 
8.9.1909
 
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das Husarenregiment, das in der Gemeinde stationiert ist, läßt unerwartet um Mitternacht das Getrappel seiner Rosse im freien Felde vernehmen. 'Da entflieht der Schatzgräber, von Grauen geschüttelt, und sein Leben lang klingt ihm der metallische Ton tnt Ohre nach, den seine Schaufel bereits beim Anstoßen an den! Verborgenen Schatz in der geöffneten Erde erzeugt hatte. . .

Em Schwalbennest.

An dem neugebaüten Hause in Warnemünde, wohin ich' aus Berlin übergesiedelt bin, hatten sich, ehe ich kam, schon Schwalben ttNgesiedelt. Ich fnnb ihr Nest über dem Balkon vor dem Zimmer, das mein Arbeitszimmer gewdrden ist. Schade, daß ich es nicht habe ansehen können, wie sie das Nest bauten.

Ich bemerk, daß ich nicht Besitzer des Hauses bin, in dem' ich jetzt wohne, sondern nur Mieter, aber einziger Mieter. Als solcher komme ich doch endlich zum vollen Bewußtsein dessen, Mas ein eigenes Heim ist. Ich sage zu mir, was ich so oft iN Berlin gedacht habe, Wenn ich über mir ein Klavier erklingen Hörte oder nebenan Nägel in die Wand geschlagen wurden, pder Menn ich auf der Treppe '6eint Ausgehen fremden Leuten be­gegnet: Es ist doch hitr ein Notbehelf, mit andern' Familien Vder Parteien, wie man ja auch sagt, in demselben Hause zu wohnen.

Aber Nein, ganz allein wähne ich jetzt doch nicht in dem Hause, es wohnt ja ein Schwalbenpaar bei mir, und bald werden da die Schwälbchen zweiter Brut über den Nestrand gucken, d. h. so sage ich, während meine Schwalben, wenn sie auf dem Telegraphendraht sitzend mit andern sich unterhalten, vielleicht sagen werden:Jetzt haben wir auch Mitbewohner: es sind auch bei Uns Menschen eingezogen. Tas ist noch nicht lange her, und wir können deshalb noch nicht fegen, wie sie sind. Hoffentlich sind eS gute Menschen."

Das Schwalbennest^ über das ich mich jetzt freue', erinnert mich an mein Elternhaus. An diesem, einem der alten Giebel- Nuser Mitten in der Stadt Danzig, hatten auch Schwalben .ein Nest, nicht vorn nach der Straße, sondern hinten auf dem Hof, wo ein fließender Brunnen sich befand. Diese Mithausbewohner 'Über haben wir dort, groß und klein, als solche sehr hoch geschätzt. Nachher hat sich in einem Frühjahr einmal an einem der neuen! Mietshäuser, in denen ich während meines Aufenthalts in Berlin gewohnt habe, ein Schwalbenpaar angebaut. Aber nicht lauge bestand das Nest, denn bald schon hat es der Hauswirt, der die Schwalbe für einen unsauberen Bogel und ihr Nisten für eine Belästigung der Mieter hielt, herunterreißen und zerstören lassen.

Jetzt aber habe ich ein eigenes Heim erworben mit einem Schwalbennest, und meine Freude darüber ist groß. Denn ab­gesehen von dem Vergnügen, das es macht, diese zierlichen und klugen Vöglein $it beobachten, ist es ja doch allbekannt, daß Schwalben Glück bringen. Nun wird ja als Glück von ver­schiedenen sehr Verschiedenes angesehen, Wenn ich aber zurück- denke an das alte Giebelhaus mit dem Schwalbennest auf hem Hof und an die dort verlebten Kinderjahre, so glaube ich doch ziemlich genau zu wissen, was wirklich Glück ist.

Nun sei der Schwalbensegen, den ich einmal schon aug» gesprochen habe, wiederholt. Er lautet:

O Himmel, schirm das Schwalbennest

Vor Katzenlist, vor frecher Hand

Des Buben, vor des Sperlings Tück;

Schütz' es vor Sturm und Flut und Brand !"

Hinzugefügt noch sei der Schluß meines alten Schwalb-e!N- gedichtchens, des Wortlauts:

Wem an dem Hause Schwalben bau'N, Der freu' fich und sei wohlgemut!

Vom Segen, der das Nestchen schützt, Kommt auch dem Haus ein Teil zugut." Warnemünde. Johannes Trojan.

Vevmrschter.

* Wer Rückgang der Tuberkulose. Während in den deutschen Großstädten mit mehr als 209 000 Einwohnern die Sterblichkeit an Tuberkulose, auf 1000 Einwohner berechnet, im Jahre 1897 2,7 betrug, ist sie vis zum Jahre 1907 auf 2,0, also um 0,7 pro Mille, gesunken. In den Städten mit 100 000 bis 200 000 Einwohnern sank sie von 2,2 pro Mille irrt Jahre 1897 stuf 1,5 im Jahre 1907, also auch um 0,7. In den Städten mit 50 000 bis 100000 'Einwohnern betrug sie im Jahre 1897 2,3 Pro Mille, im Jahre 1907 1,6 pro Milw, also ebenfalls Um 0,7 weniger. In der Gesamtzeit dieser Städte ist sie von 2,5 auf 1,8 gesunken.

* Derdicke Herr" im Dschungel. 'Die wunderlichen Nachrichten und Schilderungen der kühnen Heldentat, die Roose- veit im Urwald des schwarzen Erdteils.ohne Wimperzucken wnlbringt, füllen in allen amerikanischen Blättern lange Spalten. Kerne Jagdexpedition ist je mit solcher Liebe und Ausführlichkeit behandelt worden. In allen Blättern wird Roosevelt nur noch »Bwana Tumbo" genannt, mit dem Namen, die die eingeborenen Träger ihrem neuen Herrn gegeben haben und der bedeutetder

dicke Herr". Violen pattiotischen Amerikanern War es ein herbÄ Schlag, z'u sehen, daß Mr. Roosevelts Leibesfülle den Afrikanern' das bedeutsamste! Kennzeichen des Exchräsidenten war; wenn immer jetzt amerikanische Witzblätter um einen Scherz verlegen sind, nehmen sie unfehlbar in irgend einer Weise zu BwancmTnmbV ihr« Zuflucht. Die Berichte von Roosevelts Kampf er8ä6fat, daß Bwana Tumbo einen' afrikanischen Löwenrekord aufgestelst hat: in einer Woche hat er sechs Löwen getötet. Seine Schützen- fertigkeit erfüllt die Neger mit schrankenlosem Staunen. Ank ersten Tage der Löwenjagd erlegte Bwana Tumbo mit drei KUgdln drei Löwen. Einen änderen Löwen streckte er zu Boden, als das riesige Raubtier bereits auf ihn lossprang. Bei einer anderen Gelegenheit erlegte er ein wütendes Rhinozeros mit einem Schüsse. Enn anderes Nashorn wurde verwundet und dann von Roosevelt zu Pferd in das Dickicht verfolgt, wo er es erlegte. Fast die Hälfte aller gefährlichen Bestien, die Roosevelts Kugeln zu Boden streckte, wurde just in dem Augenblick -erlegt, da sie irgend ein Mitglied der Expedition in unmittelbare Todesgefahr gebracht hatte, so daß Bwana Tumbo nicht nur ein große« Nimrod ist, sondern auch ein Lebensretter, dein bald Dutzend« von Menschen ihr Dasein danken werden. Ein nicht minder wackerer Held als sein Vater ist der junge Kermit Roosevelt. Ares einer! -Entfernung von sechs Schritt tötete er einen Panther, als die blutgierige Katze bereits einen Träger niedergeschlagen hatte, und ihm gebührt auch der Ruhm, den größten Löwen erlegt zu haben/ der bisher der Expedition begegnete. Ein geheimnisvolles Pro­blem jedoch harrt noch der Aufklärung. Es handelt sich um di« Gattung jenesmerkwürdigen, bisher unbekannten Tieres", das Roosevelt gefangen hat und dasein Mittelding zwischen Giraffe Und Zebra" fein soll. Niemand in Amerika weiß zu sagen, waI für ein Tier das sein soll, Und unter den Zoologen sind heftig« Auseinandersetzungen -entbrannt in dem Bestreben, diese zoolo­gische Merkwürdigkeit zu klassifizieren. Die einen! behaupten, cs müsse sich Um ein Okapi handeln, die anderen dagegen vermuten in der fett) amen Bestie ein interessantes Reklametier, das in der Naturgeschichte Amerikas einen Platz für sich erhalten sollte....

*Insbesondere." Aergern Sie sich leicht?Ja. Insbesondere wenn man mich ..." Schnarchen Sie?Ja. Insbesondere beim Schlafen." Bilde!« Sie einen Satz übe« barmherzige Schwestern".Barmherzige Schwestern liebest ihre Mitmenschen, insbesondere wenn sie krank sind." Schön. Nun muß ich Ihnen zweierlei sagen. Einmal, man muß nickst immerinsbesondere" sagen, wenn man mitbesonders" aus'- kommt. Zweitens: der Gott, der den dritten und vierten Fall regiert, ist ein eifriger Gott. Es kann ihm nicht Wohlgefallen', wenn Sie sich insbesondere ärgern, insbesondere schnarchest oder wenn barmherzige Schwestern ihre Mitmenschen ins besam» dere dann lieben, wenn sie krank sind. Der Kasusgott wird danst in seinem unter die Füße getretenen Sprachgefühl geradezu un­angenehm, redet dich voll Grimm in der zweiten Person pst und spricht: Du sollst, wie gesagt, mit dem Umstandswortins­besondere" keinen Mißbrauch treiben.Besonders" tut's auch. Willst du aber deiner Redeweise -einest besonderen Atemzug durch! die Beifügung des Vorwortsin" verleihen, so denke daran, daß im besonderen dies Wörtchest Nur dann die Neigung hat, den vierten Fall zu fordern, wenn die Richtung deiner Bewegung oder deiner, Tätigkeit ihn verlangt. Sonst will es den dritten. DU gehst ins Feld. Und du faßt eine Sache ins Auge. Aber dst ärgerst dich, schnarchst vder liebstim besonderen" vder, wie Man w'ohl kürzer und um döm schrecklicheninsbesondere" gleich­gewappnet gegenüberzustehen, schreiben darf: imbesonderen. Denn du sollstimbejvuderen" dem liebest Vorwörtchenin" feine Vorherrschaft über einen immer noch als hauptwörtlich! cinp- fundenen irachgeordneten Satzbestandteil nicht rauben, sondern sie stärken.Aber, Verehrter! Sie sind ein schrecklicher Schul­meister." Keineswegs. Klingeln Sie nur beim heiligen Wust­mann in Leipzig an. Der wird's Ihnen noch kräftiger sagen.

, * Ein großer Unterschied.Run, Männchen, wie findest du meine Küche im Verhältnis zur RestaUrativnskocherei?" Weißt du, Schatz, früher trieb's der Hunger hinunter und jetzt die Liebe!"

* Streng. Fremde Dame:Mein lieber Mann, köstnÄt Sie mir nicht sagen..." Frau Zangerl:Gar nichts sagst du, Louis! Du hast einzig unb allein mein lieber Manul zu sein!" »

* Auf dem Zollamt. Beamter: ,^Fhre Gnädige! läßt sich m eine Unmenge Schönheitsmittel aus Paris' schickest?" r-< Zofe:Ja, die bezieht ihre Jugend in Postpaketen." '

Ergänzrmgsrätsel.

W. n . . e.. m . an . g. sch . h., .a. .ei.' e. a.b.rn .hu., E. g.. ge . ie.. n w. h., U.. g..ge .en'..'n ..11

Auflösung in nächster Nummer-

Auflösung des ScheNzvätsels in voriger Nummer: Die S ch e e r e.

Redaktion: I. V - E. Heß. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch, und Steindrnckerei, R. Lange, Gießen.

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