'Großmutter ruht schon einige Jahre draußen auf dem Friedhof.
„Alleweil komme se!" rnft's Kärtchen, und das Brautpaar tritt bald hernach in das Zimmer. Die Got Minna, die Braut, ist eine stattliche Erscheinung anfangs der zwanziger Jahre. Das dunkelblonde, volle Haar liegt, in dickem Zopf geflochten, kranzartig um den Kopf. Das runde, rotwangige Gesicht ziert ein nicht zu kleines Näschen; ein Grübchen im runden Kinn und ein schalkhafter Zug um den roten, kleinen Mund, aus dem zwei Reihen gesunder Zähne perlenartig hervorblitzen, geben dem Mädchen etwas Ge- winnendes, Einnehmendes, Anziehendes.
Der Bräutigam Heinrich überragt in der Größe etwas die Braut. Das flotte, schwarze Schnurrbärtchen, das zu beiden Seiten der etwas hageren Wangen nach oben gedreht ist, die stramme Haltung t>erraten, daß der Bräutigam des Kaisers Rock getragen, daß er — tote man zu sagen pflegt — „gedient" hat. Seinen Gesichtszügen sieht man an, daß ihm die Einladungsgänge zur Hochzeit etwas sauer ankommen, insbesondere da auch Pfarrer und Lehrer besucht und geladen werden müssen.
In der Kleidung des hübschen Brautpaars ist nichts Auffallendes zu bemerken. Die besondere, charakteristische Bauerntracht ist längst verschwunden. Modische Kleidung, modischer Putz ist an ihre Stelle getreten, so daß in der Sonntagskleidung, im Staat, der Unterschied der Stünde, wie er früher ersichtlich, vollständig verwischt ist.
Nachdem das Brautpaar seine Einladung vorgebracht Und noch besonders betont hat, daß ja alle, auch der Großvater, zur Hochzeit kommen sollen, erhebt es sich von seinen Sitzen mit beit Worten:
„M'r müsse eile, tn’r müsse toeirer gih; tn'r Huh 110ad) väil vör is." Die Got und der Petter versprechen mit ihren zwei Kindern, dem Mariechen und Karlchen, zu kommen. Nur der Großvater wehrt ab mit den Worten:
„Ahns muß doach d'yam bleiwe; — m’r kann doach's Haus nitt on 'n Krabbe gehänke!"
Nachdem das Brautpaar das Haus verlassen, sagt Katharine, so heißt die Bäuerin, zu ihrem Manne:
„Konroad, ean dösser Woch' müsse m'r noach d'm Städtche; m'r müsse 0' „Braütgeschank" (das Hochzeitsgeschenk, das vor der Hochzeit überreicht wird) ho an; ich huh aach soft noach Allerlei z'käife, woas aich ean die Keanu nürig huh."
„Ach," sagt Konrad, ,,D' kannst jo allahn hingih! Bon dem Käife, Maßt D', sei ich kah Freund."
„Nahn, dou mußt mett," erklärt bestimmt Kathrine. „D' mußt doach ean naue Hont huh; mett beim ah le Döppe gih ich nitt mett d'r!"
„No joa!" sagt Konrad etwas mißmutig, „domett d' Rouh host, ich will mett d'r gih."
In der nun folgenden Woche begeben fich Kathrine und Konrad zu dem nächsten Städtchen, um das Hochzeitsgeschenk, den „Bräutgeschank", neben dem neuen Hut für den Konrad, Sträußchen und Kränzchen für die Kinder und verschiedenes andere zu kaufen.
Eigentlich wollte die Kathrine ihrer Got Minna den Myrtenkranz als. Hochzeitsgeschenk kaufen. Da aber eine Freundin und Altersgenossin von Minna den Myrtenkranz, ihr versprochen, muß die Got davon abstehen.
li. Die Vorbereitungen zur Hochzeit.
Die letzte Woche vor der Hochzeit ist angebrochen. Im Hause der Braut'— sie bleibt im Hause als Erbin des stattlichen Bauernhofes — beginnen nun die Vorbereitungen zur Hochzeit. Man überzählt die eingeladenen Gäste und kommt auf die Zahl „achtzig". Da heißt es vorhergesorgt, herbeigeschafft und vorbereitet; denn auf einer Hochzeit darf es an nichts fehlen, und die Hochzeit dauert zwei Tage. Daneben muß der Armen 'und Kranken gedacht, und Kuchen muß fast in jedes Haus des Dorfes geschickt werden.
Im Brauthause sind schon' vorher Schreiner, Weißbinder und Tapezierer an der Arbeit gewesen. Das Haus hat im Innern einen neuen Oelanstrich, frisch geweißte Decken, neue Tapeten an den Zimmerwanden bekommen. Nachdem die Handwerker ihre Arbeit vollendet, findet eine gründliche Scheuerung' des ganzen Hauses statt, die am ersten Tritt der Speichertreppe anhebt und an der letzten Stufe der Kellertreppe endigt. Insbesondere werden alle Haushaltungsgegenstände> alle Küchengeräte blitzblank gc-
.rieben. Alles Geschirr spiegelt, ivenn der Sonnenschein daraus fällt.
Ein fettes Schwein, das für die Hochzeit eigens ge- Ntästet, wird geschlachtet, ebenso ein Kalb. Tas erforderliche Rindfleisch liefert der Metzger.
Nun hebt das Kucheubacken an, bei dem Got Kathrin neben der Hausfrau die Führung hat. Die nächsten Au- verwandten. helfen beim Küchenbacken, müssen doch ungefähr achtzig Kuchen gebacken werden. Da heißt es fleißig die Hände regen; denn der „Bräutkuchen" soll auch besonders „mürb" und „gout" sein. Das Kuchenbacken nimmt einen ganzen Tag in Anspruch.
Bor dem Kuchenbacken ist bereits das „Zuckerwerk" her- gestellt worden. (Das Konfekt fehlt heute bei keiner größeren Bauernhochzeit, ebensowenig wie der Wein. Bor drei Jahrzehnten kamen Wein und Konfekt, Pudding und Torte noch nicht auf der bäuerlichen Hochzeit vor, heute stehen sie auf jeder größeren Hochzeitstafel der ländlichen Hochzeiten.)
Das seidene Brautkleid, das das frühere einfache Tuchkleid bei den wohlhabenderen Bauersleuten verdrängt, ist inzwischen von der „Nähterin" im Brauthause angefertigt worden. Es sitzt tadellos, wie die Frauen und Freundinnen der Braut bestätigen, und verleiht der jugendfrischen Braut ein vornehmes Aussehen. Wohlgefällig beschaut die Braut ihr Spiegelbild in dem ihr vorgehaltenen Spiegel, Zufriedenheit und Glückseligkeit in den Zügen.
Der Bräutigam füllt mit dem zukünftigen „Schwähr" (Schwiegervater) in der großen, geräumigen Wohnstube eilt Faß Wein in Flaschen ab. Mehrere Fäßchen Bier stehen im Hausgange. Umfangreiche Krüge, sogenannte „Plotz- krüge" bergen den Branntwein besserer Sorte, der auch bei einer Hochzeit nicht fehlen darf.
In der Schlafkammer, die durch eine Holzwand, von der Wohnstube getrennt ist, werden die zwei Betten abgeschlagen, weil auch dieser Raum zum Äufnehmen von Hochzeitsgästen dienen muß.
In der Küche hantieren die Hausfrau und die Köchin, die für die Hochzeit besonders bestellt ist. Hier werden die Braten für den morgenden Hochzeitstag zubereitet und gebraten ; denn am Hochzeitstage selbst ist dafür lveder Zeit noch Raum auf dem Küchenherd. vorhanden.
Mittlerweile hat der männliche Teil Bänke, Stühle und Tische herbeigeschafft und sie in den Zimmern, in den men, darinnen die Hochzeit stattfindet, aufgestellr.
Alles erwartet nun mit Spannung den kommenden Hochzeitstag, am meisten aber wohl Braut und Bräutigam.
Die Mutter der Braut, in deren Herzen wahrer Christenglaube wurzelt, deren Wesen echte Frömmigkeit wiederstrahlt, greift vor dem Schlafengehen zum Gebetbuch, um das Glück ihrer Tochter dem Schutze des Allmächtigen zu empfehlen und den zur Hochzeit zu laden, der auf der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein verwandelte.
(Fortsetzung folgt.)
Vas G!a§ im Altertum.
Gleich der Keramik erstrecken sich die Anfänge der Glas- macherknnst bis in die ältesten Zeiten der Menschheitsgeschichte. Die Geschichte von der Erfindung des Glases durch die Phönizier, tote sie Plinius erzählt,' ist durch dis neueren Forschungen berichtigt worden. Schon früher waren die Aegypter, vielleicht durch einen Zufall, mit der Herstellungsweise von Was bekannt geworden, und erst von ihnen übernahmen die findigen Phönizier das Geheimnis. Schon im 16. Jahrhundert v. Ehr. sind die Aegypter soweit vorgeschritten, daß sie außerordentlich kunstvolle Glasarbeiten hervorbringen. Der Gebrauch von Glasöfen kam erst später im römischen Reiche in Aufnahme; vordem schmolz man die Glasmassen in Oeffnungen, die man in die Erde bohrte. Die berühmten Gemälde aus der Totenkammer von Beni-Hassan aus der zwölften Dynastie schienen anzudeuten, daß die alten Aegypter auch die Glasbläserei kannten. Allein die Forschung hat gezeigt, daß die auf diesen Bildern dargestellten Szenen sich auf die Metallindustrie beziehen; geblasenes Glas tritt selbst im Orient erst nach der Ptolemäischen Periode auf. Das Glas der Alten zeigte gewöhnlich eine bläuliche oder olivgrünliche Färbung, die ihre Ursache in dem Eisenoxyd der gebrauchten Kieselerde hat. Die alten Aegypter, so führt G. A. Hückel im Anschluß an Anton Kisas neue Forschungen in La Nature aus, pflegten die künstliche Färbung, die bis zum


