Ausgabe 
8.5.1909
 
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auf dem Buchhandel lastete, zeigt sich darin, daß Charles Knight 1830 nicht weniger als 400 000 Mk. Steuer für das Papier bezahlen mußte, auf bcnt seinePeirnh Cyclopaedia" gedruckt wurde. Königin Anna ging noch weiter und besteuerte jeden Bogen Zeitungspapier mit einem Pence; später wurde dieser . Satz sogar auf vier Pence, also rund 32 Pfennig für den Bogen erhöht. Aber damit noch nicht genug führte man. auch eine I n s e r a t e n st e u e r ein: für jede Anzeige, gleichviel wie klein, . Muhten 3,50 Mk. Steuern bezahlt werden. Selbst das frei- flutende Tageslicht wurde für die Staatskasse ein Besteuerungs­mittel: zurzeit Wilhelms III. mußte für jedes Fenster eine Steuer entrichtet werden. Die Taxe war so hoch, daß Hunderte und Tausende von Fenstern Mit Brettern vernagelt wurden, um das Tageslicht nicht einzulassen. Bei Neubauten wurde die Fensterzahl- zum Schaden der Gesundheit aufs größte beschränkt, und noch heute kann man [in den alteren Teilen von London; an den ans jener Zeit erhaltenen Häusern die gemalten Fenster sehen, die der Shmmletrie wegen an die Wände gemalt.wurden.

Hochzeitsgeschenke.

lieber eine gute Sitte beim Schenken, über die wir- in Nr. 150 der Familienblätter vom vorigen Jahre unter demselben Titel Een ^Originalaufsah brachten, spricht das 2. April­heft 1909 des Kunstworts. Wir drucken den Aussatz wenig gekürzt hier ab.

Wer hat den JainMer heutiger Hochzeitsgeschenke noch nicht mit angesehen? Ein sorgsam zusammengewühltcr Hausrat wird zumeist gerade durch das verballhornt, was aus dieses i das Tüpfel­chen When sollte: bunte Terrakottenplastik, vorweltliche Töpfereien, schlechte Bilder, überladenes Silberzeug,Hausgreuel" aller Art orangen sich in ein abgestimmtes Ganzes, dessen Ersinnen reinste Freude des Brautltandes war, dessen Benutzung die harmonische volle der ptngeil Ehe sein sollte. Unabweisbar denn auch - zarte Rüchichten können unbarmherzig zwingen. Und ferner: nutzloch Dinge tauchen halbdutzendweis auf, doch notwendige fehlen. Die Wände könnten mit den verschiedensten Bildern bepflastert werden. Natürlich siuds Reproduktionen: nnb doch hat der künf­tige Ehemann vielleicht seinen besonderen Geschmack, er freut sich, wenige Originale von den Wänden wirken zu lassen. Der jungen Fran aber ist die Malerei noch fremd, sie liebt die Bücher; allein niemand 'denkt an die ersehnte Vervollständigung ihrer Bibliothek. 77 Am schlimmsten ist aber der Mißstand dort, wo die Ge­schenke eine erwartete, eine notwendige Ergänzung für die Aus- ' stattung wenig bemittelter Hochzeitsleute bedeutet. Eine Geschmack- wflgkeit haftet dann, fast unausrottbar und weiter Ivirkend, iil der neuen Familie. Jede Unnötigkeit ist zugleich eine Entbehrung des Notigen.

Wie kann geholfen werden?

In der Schweiz jedenfalls in Manchen Städten der Nord- schiveiz - besteht folgende Sitte: Braut und Bräutigam stellen in einer Liste zusammen, was sie bedürfen. Die nächsten Freunde von ihm, die vertrautesten Freundinnen Äon ihr werden beige- : zogen und erhalten die Liste eingehändigt; man verständigt sie über Plan und Geist der künftigen Einrichtung, gibt Winke über die Lieferanten, die Muster, wohl auch über die Eigenheiten ver­mutlicher Scheukgeber; kurz, man entwirft den Feldzugsplan.

_ ^te Freunde schreiten zur Ausführung; sie geben bekannt, daß Man sich an sie zu wenden habe, sie erteilen Auskunft und Rat und 'vermitteln in besonderen Fällen zwischen Schenkern und künftig Bescheiikten. Die Listen wandern von Hand zu Hand. Der eilte streicht ein Teeservice au und schreibt seinen Namen dahinter; es wird dem Haushalt nicht fehlen. Der andere merkt vor, daß er ein Dutzend silberne Gabeln Modell 63 bei Müller u. -schnitze) übernehme; ein Dritter will die entsprechenden Messer dazu spenden. Eine besondere Beitragsliste läuft um für das Kuwler, das leider aus der Aüsslattunqssunime nicht mehr zu befchtisfen war. Und so fort, bis zur wohlvolleudeten Einrichtung.

Selbst dort, Mo die Geschicklichkeit der Freunde nicht allzu groß ift, bleibt doch der Erfolg schließlich dem blindwirkenden Zufall weitaus überlegen.

m . Will man's mit dieser Sitte nicht auch einmal bei uns im Reiche versuchen? Georg D. W. Callwey.

vermischter.

* Ein r i e f e n Hafter tier ft ei netter B a u in ist rn einer Kohlenmine iit Südengland entdeckt und in einer Sitzung der Gesellschaft für Geologie und Bergbau in Man- aiefter beschrieben worden. Der Baumstamm zeichnet sich durch seine Länge ans-, die nach dem Urteil -der Sach- verstandigen überhaupt alles übertrifft, was man bisher bon Resten der Pflanzenwelt ans der Steinkohlenzeit 3av tage gefordert hat. Der Abdruck des Stammes zeigte sich rik einer Tiefe von rund 250 Metern und konnte auf eine -ange von rund 35 Metern verfolgt werden. Es nes; fach erkennen, daß er der ansgestorbeiren Gattung Leptdodendron -angehörte, die in den Wäldern der Stein«

Viedaktion: K> Neurath, Rotationsdruck und Verlag der Brü

kohlenzeit mit die größte Rolle gespielt Hai. Der Stamm lag nicht in einem Kohlenflöz selbst, aber nur ein Meter darüber in den auflagernden Schiefern. Die Rinde des Stammes zeigte sich wohl erhalteii, während die holzigen Teile des Jnilern verschwunden waren. Der Baum muß nn Vergleich zu seiner Größe von ungewöhnlich schlanker Gestalt -gewesen fein, sein Durchmesser betrug in einem Abstand von etwa vier Metern über der Wurzel nur rund 70 Zentimeter.

* Für praktische Hausfrauen. In der neuesten Nummer des Guckkast -e n gibt Tante Eufemia (Paul Keller) wieder einige sathrische Ratschläge für praktische Haus, freuten, die den leider so sehr Verbreiteten Unfug der Ver­wendung alter, wertloser Gegenstände famos verulken.

Gebrauchte Krage n.

Komme ich da neulich zu meiner Nichte und sehe sechs gebrauchte Herrenkragen im Gemülle liegen. Das Herz im Leibe wollte mir zerspringen über solche Verschwen­dung. Sechs Kragen! Es ist wahr, sie nmren stark ab­genutzt und an den Rändern ausgefranzt; aber sie hatten einmal 4,50 Mark gekostet. O, ihr jungen Hausfrauen, wann werdet ihr lernen, sparsam zu wirtschaften?

Natürlich -nahm -ich die Kragen an mich, rollte sie zu einem Kreise von 51/4 cm Durchmesser, umnähte sie mit zwei Lagen von weißer Seide und bestickte sie kunstvoll mit dem Monogramm meiner Nichte in lichtgrüner Farbe. Nachdem ich noch die Ränder mit hellblauem, breitem Bande versehen hatte, schenkte ich die sechs Röllchen der jungen Fran zum Geburtstage. Die Ueberraschuttg! Sie wußte zunächst nichts damit anzufangen, sie ist ja noch so jung! Serviettenringe! Natürlich hatte ihr gerade ein halbes Dutzend gefehlt. Wer ich. hatte Mühe, daß sie die zier« liehen Gebilde auch wirklich in Gebrauch nahm. Sie schienen ihr zu kostbar, dem guten Kinde.

Mein Gatte trägt mit Rücksicht auf die spätere Aeu- deruug nur hohe Stehkragen, obgleich sie ihn. oft wund scheuern. Wenn er zwei Dutzend abgetragen haben wird, will er wieder zu den bequemeren Umlegekragen zurück­kehren, für die ich -auch schon eine Verwendung habe.

Gebräuchte Stulpen.

Mau stärke die Stulpen recht steif, leime nach Be-. lieben 24 aufeinander und beschneide sie rechteckig. Das gibt einfache Schnittentablettchen, die man nach Talent und Geschmack mit zierlicher Malerei, zarten Blümchen oder Vögelchen bemalt. Allerdings müssen diese Brettchen bei jeder Wäsche neu geleimt, beschnitten und bemalt wer­den, aber das braucht nicht so oft zu geschehen, wenn man sie bei Gebrauch sorgsam in Pergamentpapier ein« schlägt. Und welche .Hausfrau wird die kleine Mühe scheuen, wenn es die Verschönerung der gedeckten Tafel gilt!

T ante Eufami a.

Humoristisches.

* In M ar i e nbad. Kurgast (eine Händlerin beim Ver­dünnen der Milch überraschend):Aber, liebe Fran, was wachen Sie denn da?" Händlerin:Dasselbe wie Sie eine Ent­fettungskur!"

* Vorahnung. Mann:Was gibt's denn heute zu Mit­tag?" Frau:Ich glaube, einen kleinen Krach,"

* I ntcressa n t c s H a u s. Fritzchen (begeistert):Bei uns ist immer was los: Vorige Woche hat der Vater 'n. AM gebrochen, gestern hat es in der Waschküche gebrannt, und Sonntag singt meine Schwester Meta in der Kirche."

Zitaten-Rätsel.

Aus jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich em neues Zitat ergiebt:

1. Der Feige droht, nur, wo er sicher ist.

2. Des Menschen Wille, das ist sein Glück.

3. Was? Der Blitz! Das ist ja die Gnstel aus Blasewitz.

4. Tie schmale Kost und der Arbeit Last, Mag sich nur ein And'rer erwählen.

5. Es ist so schwer, den falschen Weg zu meiden.

6. Tas eben ist der Fluch der bösen Tat, Daß sie sorizeugend immer Böses muß gebären.

7. Dasein ist Pflicht, und ivärs ein Augenblick. Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Weipert Eisen - Rüge« Wilhelmi - Arklow Gardasee Taganrog;

Wer iv a g t, gewinnt.

l'schen Universitäts-Buch- und Steindrnckerei, R, Lange, Gießen.