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durch lwchanstrevende Felsen bahnen. Dazu ging den Reisenden das Wasser aus, was nm so gefährlicher war, al§' sie sich inmitten einer weitausgedehnten Durststrecke befanden. Diesmal waren drei Männer vom Stamme der Wagogo die Retter, die bereitwillig ihren eigenen knappen Wasservorrat an die Europäer nbtratcn. Von Mpapua fuhr man am 7. Dezember ab- und gelangte über Kili- matinde und Tabora zum Tanganjikasee,» der von Udjidi aus mit dein Dampfboot „Hedwig von Wißmann," Überguert ivurde. In Kituta gingen die Reisenden wieder an Land, um die Reise, die bisher nur deutsche Gebiete durchquert hatte, auf englischem Boden fortzufetzen. Jetzt setzte die Regenzeit ein, die den kühnen Fahrern viele Schwierigkeiten machte. Dazu kam, daß. der bis- herige Chauffeur die Weiterfahrt verweigerte, so daß. Oberleutnant Graetz sich nach einem anderen Fahrer umsehen mußte. Er "fand ihn in einem Farmer, Herrn Kühne, der diese Gelegenheit benutzen wollte, um eine Reise nach Deutschland zu unternehmen. Der Sambesistrom wurde, da tragfähige Boote nicht aufzutreiben waren, auf einem aus Schilfbündeln zusammengeschnürten Floß Merschritten, und dann ging es durch jungfräulichen Urwald Und grundlosen Sumpf. Arg erschöpft kämen die Teilnehmer der Fahrt am 4. April in Mpikä an. Mus der Weiterreise machte sich besonders die Schwierigkeit der Hernnschaffung von Benzin bemerkbar. Wochenlang mußte man aus diesen Brennstoff warten, s-o daß die Fahrt nur langsam weiterging. Am 6. August kreuzte das Automobil die nach Kapstadt führende Eisenbahn, und angesichts der Möglichkeit, seine Reise bequemer beenden zu können, weigerte Kühne die Weiterfahrt, und so mußte Graetz mit nur einem Begleiter die Fahrt nach Livingstone fortsetzen, das uach mancherlei Fährnissen asm 7. September erreicht wurde. Hier traf ein neuer! Chauffeur, ein Engländer namens Ivo Locke, mit Ersatzteilen eins und setzte den Motor, der alle ihm zugemuteten Anstrengungen vorzüglich überstanden hatte, wieder ganz instand, so daß die Weiterreise mit großer Zuversicht angetreten werden konnte. Aus ihr entging das Fahrzeug einmal nur mit knapper Not dem Verbrennen, dann brach ein Hinterrad völlig nieder und mußte durch ein altes, viel geflicktes ersetzt, werden. Endlich gelangte man 'nach. Bulawayo. Von jetzt ab- vollzog sich die Weiterreise ziemlich rasch. Die gefährliche Kalahariwüste wurde in nur 62 Tagen durchquert, dann Gobebis erreicht, und nach kurzem Aufenthalt in Windhuk hat der kühne Automobilist das schwierige Unternehmen jetzt zu einem glücklichen Ende geführt.
ttunstgeschichtttcher Unterricht.
Der Oberlehrer am Gymnasium und Leiter des Museums in Düren Prof. Tr. Schoop hat bei Ferd. Hirt in Breslau eine kleine Schrift D i e b i l d e n d e K u n st i n d e r h ö h e r n S ch u l e herausgegeben, in der er zu dieser wichtigen und vielumstrittenen Frage in bemerkenswerter Weise Stellung nimmt. Während man aus der einen Seite es mit Recht tief beklagt, daß- aus den höheren Schulen die Kunstgeschichte völlig vernachlässigt wird, dabei aber in den Resormwünschen manchmal zu weit geht, wird von philologischer Seite aus das Bedenkliche hingewiesen, daß damit wieder einmal die Stosfmenge des Unterrichts gesteigert werde. Man hat nun in vermittelnder Weise daran gedacht, den kunstgeschichtlichen Unterricht entweder mit dem Zeichenunterricht oder aber mit dem Geschichtsunterricht zu verbinden. Schoop lehnt mit guten Gründen den Unterricht durch den Zeichenlehrer ab, und- verweist ihn in die Geschichtsstnnde unter der Voraussetzung, daß die Geschichtslehrer dazu besonders befähigt seien, bzw. wie in Bayern' ein besonderes knustgeschichtliches Examen ablegen. Die Kenntnis der Kunstgeschichte ist ihm ein ganz wesentliches Element der Kenntnis der Geschichte eines Volkes. Es darf dabei natürlich nicht wieder schwerfällig mit Auswendiglernen gearbeitet werden oder mit einer zu großen Stosfan Häufung. Das Beisp iel, das wir bei Schoop finden, daß ein Freund des kunstgeschichtlichen Unterrichts. in Vorschlag bringt, man solle dieses mit der Geschichte der germanischen Altertümer beginnen, ist bezeichnend genug. Es hat mit nationaler Gesinnung nichts zu tun, wenn man behauptet, daß die Kenntnis der germanischen Altertümer eines der letzten Dinge sind, deren ein Gebildeter aus der Kunstgeschichte bedarf, wenn es auch ganz hübsch ist, daß er davon einige Kenntnis gewinnt. Ganz richtig verlegt Schoop den Anfangsunterricht aus das Gebiet -der griechischen und römischen Antike, und ebenso- berechtigt ist es, daß er das Hauptgewicht dabei aus die Architektur legt, und dre 'Plastik etwas flüchtiger behandelt. Dabei gereicht es uns zur besonderen Genugtuung, daß endlich einmal ein Schulmann die Ansicht ausspricht, Lessings L a o ko o n f e i einefchädliche Schnllektüre, die ferugehalten werden müsse. Der Verfasser erörtert dann in dem Schlußkapitel, dem wichtigsten des Buches, seine eigene Methode Und feine praktischen Erfahrungen. Dabei wird ein wesentliches Gewicht' auf ein Lehrbuch gelegt, das gute Abbildungen enthält, die der Schüler auch jederzeit zu Hause Nachsehen kann, wahrend in der Schule zur Ansicht herumgereichte Bildertafeln Wege» des flüchtigen Eindrucks - nur wenig Nutzen haben. Erfreulicherweise legt er auch bei der Erörterung des Mittelalters großen Wert auf die Erklärung der alten Bauwerke, möglichst verbunden mit Schülerausflügen. Es ist geradezu schmachvoll, welche Unkenntnis und welcher mangelnde Sinn in vermeintlich hochgebildeten Kreisen in bezug auf die Baudenkmäler Unserer Vergangenheit herrschen. Bestenfalls bleibt cs da bei
leeren ästhetischen Phrasen, und auch das gefällt uns an Schoop, so. schreibt die „Köln. Ztg.", daß er ausdrücklich davor! warnt, den Schülern, statt sie die Anschauung selbst bearbeiten zu lassen, mit schönen ästhetischen Redensarten zu kommen. Große Schwierigkeiten ergeben sich- bei der Behandlung der Malerei, ob- wohl eigentlich diese im allgemeinen das meiste Interesse findet. Die Schwierigkeit liegt darin, dem Schüler gute farbige Nach!- bildungen zu geben, da man ihn doch, nur in seltenen Fällen vor Originale führen kann, um ihn überhaupt für die Schätzung von Farbenwerten fähig zu machen- Jeder andere Versuch, über Malerei zu unterrichten, ist verfehlt und erzielt nur Verwirrung. Schoop hofft, daß das Unternehmen farbiger Nachbildungen alter Meister von Fischer und Francke in Berlin über Schwierigkeiten hinweghelfen werde. Gerade dieser kunstgeschichtliche Unterricht nach Schoopscher Methode erzielt auch etwas aus allgemein pädagogischen Gründen Hocherstrebenswertes, eine innigere persönliche Beziehung, ein geistiges Zusammenleben- zwischen Lehrer und Schüler. _____________
Merkwürdige englische Steuern.
Die Politiker, die jetzt bei uns so eifrig am Werke sind, neue Steuern zu erfüllten, würden vielleicht Mancherlei Anregungen,' schöpfen können aus den eigenartigen Steuern, mit deren Hilfe der,große William Pitt sein Vaterland aus der Finanznot rettete, in die es die amerikanischen Kriege, die Aufstände in Irland und die Kämpfe mit Frankreich gestürzt hatten. Gleich manchen modernen Steuererfindern mußte auch, Pitt freilich zuweilen die Enttäuschung erleben, diesen oder jenen schönen Steuer- plan vereitelt zu sehen. So- erging es ihm, wie eine englische Zeitschrift erzählt, mit der P u d c r st e u e r, die er in stiller Stunde ersonnen hatte und die dazu dienen sollte, aus dem tveißen! Puder der Menschlichen Eitelkeit schwarzes Pulver für britische Kanonen zu schaffen. Jene gute alte Zeit hatte die Perücke bereits glücklich überwunden, aber die -Erinnerung an die vergangene Herrlichkeit spukte in der Mode fort, und die Dandys schürzten ihr Haar hoch empor, puderten cs sorgsam in lichtes Weiß und trugen, so „echte" Perücken. Pitt schlug -vor, diese männliche- Eitelkeit zu besteuern, und zwar sollten die Herren, die nicht davon ablassen wollten, ihr Haar zu pudern, dafür jährlich 20 Mr. bezahlen. Nur wenige Ausnahmen waren vorgesehen, so Geistliche mit weniger als- 2000 Mk. Jahreseinkommen, die jüngeren! Offiziere der Armee und Marine und die Väter zweier verheirateter Töchter; diesen letzteren war das Recht eingeräumt, die drei Familien als eine zu rechnen. Von der sonderbaren Pudersteuer erwartete man einen Ertrag von vier Millionen Mark für das Jahr. Aber der schöne Plan scheiterte; eine Anzahl altenglischer Aristokraten, unter ihnen der Herzog von Bedford und Lord Jersey, versaminelreil sich in der Woburn-Abtei zn einer feierlichen Beratung; das Ergebnis war, daß die tonangebenden Herren sich alle die große Fisur abschneiden ließen und durch ungepuderte, gewellte Locken ersetzten. Diese neue Mode wurde überall ausgenommen und machte die Pudersteuer gegenstandslos. Auch Pitts Plan, alle Ladenbesitzer mit einer Gewinnsteuer! von fünfzig Pfennig bis zwei Mark zu belegen, scheiterte. Besseren Erfolg hatte die D i e n st b o t e n st e u e r; für jeden weiblichen Dienstboten mußten 2,50 Mk. Steuern,_ für drei Dienstboten 10 Mk. Jahressteuer entrichtet werden. Die A u k t i o n s st e u e r die Pitt einführte, hatte eilt amüsantes Ende. Ursprünglich betrug sie 100 Mk. pro Jahr. Später wurde sie auf 200 Mk. pro Jahr erhöht, und Mit dieser Erschwerung des Auktionshandels verknüpfte Man auf der anderen Seite eine Erleichterung, die bald mißbraucht wurde: Die Auktionatoren wurden von der Vorschrift befreit, beim Verkauf von Spirituosen von Fall zu Fall vorher Erlaubnis einzuholen. Daraus entwickelte sich nun ein schwunghafter und sehr rentabler Schnapshandel, so- daß Pitt schließlich das Privileg aufheben mußte. Vor Pitts Zeiten wurden in England sogar Geburt, Tod und Heirat zum- Gegenstände der Besteuerung gemacht. Der ^Herzog, der eine Gattin erwählte, mußte für dieses Privileg dem Staate 1004 Mk. Steuer bezahlen; beschenkte die Gemahlin ihn mit feinem Erben, so verlangte das Schatzamt 602 Mk. und für jeden weiteren Sohn hatte der glückliche Vater 502 Mk. zu bezahlen',. Bei dem! Tode der Gattin flössen in die Staatskasse 1004 Mk. und auch bei entfernteren! Verwandten mußten entsprechend kleinere Todessteuern entrichtet werden, sind diese Steuer galt, natürlich mit angemessener Ermäßigung, auch für den kleinen Bürger; der bekehrte Junggeselle der kaum 1000 Mk. Jahreseinkommen besaß, mußte für feine Braut 2,50 Mk. Steuer entrichten und später im glücklichen Ehestände für jeden Sohn 2 Mk. Die gleiche Summe mußte an dick Staatskasse entrichtet werden, wenn das Schicksal dem Familienoberhaupt cs auferlegte, seine Frau oder eines seiner Kinder zu! Grabe zu tragen. Selbst die Studenten durften das Glück ihres Junggesellentum'es nicht ungesteuert genießen. Von 1695 bis 1706 -Mußten alle Männer über 25 Jahre, die sich der soziale«! Pflicht der Verehelichung entzogen, je nach ihrem Range eine Steuer bezahlen, die zwischen fünf Schilling und 250 Mk. schwankte. Diese I u u g g efel l en ste u e r brachte dem Staate jährlich 1040 000 Mk. ein. Wilhelm III. kam dann auf den Gedanken, das P a p i e r zu bestcuÄm; eine zeitlang mußten -sogar 560 Mk. für jede Tonne Papier bezahlt werdeup Wie hart diese .©teuer


