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nesen ihr Strohwiiwerium nicht allM tragisch. Die schönen Pariserinnen, die sich für die venezianischen Glasarbeiten begeisterten, eilten in Hellen Scharen in die Werkstätten, um die Muranesen bei der Arbeit zu sehen, und diese liebens- tvürdigeii Atelierbesuche, so berichtet auch der Gesandte ausführlich ait seine Regierung, übten auf die Arbeiter eilte sehr starke Anziehungskraft aus. Selbst Colbert fand, daß die Gastfreiheit der Muranesen ein wenig zu weit gehe: die mit so schweren Opfern gefesselten Arbeiter plauderten lieber mit den schönen Pariserinnen als sich mit der Herstellung von Spiegelglas anzustrengen. Man verbot den galanten Frauen schließlich den Besuch der Werkstätten, und die Fürsorge Colberts für seine Glasarbeiter ging so weit, daß er beschloß, alles zu tun, um dem so gefährlichen Zölibat der Muranesen ein Ende zu bereiten. Nun wählte auch er die Praktiken GmstinianiZ; durch gefälschte rührende Briefe bewegte er die zurückgelassenen Frauen, ihren Gatten nach Frankreich nachzukoininen. Die Müranesinnen rochen zwar den Braten, aber die Aussicht aus ein bequemes Leben lockte doch und sie reisten ab. Venedig schien nun endgültig besiegt. Aber nun griff der venezianische Gesandte zu drastischeren Mitteln. Wenige Wochen später wurden zwei der Arbeiter bei Streitigkeiten auf der Straße verwundet, zwei andere starben plötzlich an einem geheimnisvollen liebel. Wohl nicht mit Unrecht wurden die Ueberlebenden mißtrauisch. Nachdem der Gesandte ihnen eine reiche Dotierung und völlige Straflosigkeit zugesichert hatte, verlangten die Glasarbeiter von der Gesellschaft eine so riesige Gehaltserhöhung, daß die Annahme von vornherein aussichtslos war. Aber drei Jahre lang hatte man Gelegenheit gehabt, die Arbeitsweise der Muranesen zu beobachten, und so entließ man denn schließlich die so heiß Umworbenen in ihr Vaterland. Jene Gesellschaft aber, die damals die Muranesen engagiert hatte, besteht noch heute und hat die damals gewonnenen Geheimnisse längst entwickelt und ausgebaut.
Vermachter.
* Wie der Zufall spielt. Dr. M. A. Stein, dessen geographische und archäologische Forschungen in Zentralasien in den vergangenen Jahren auch an dieser Stelle mehr- ach rühmend erwähnt wurden, hat am nächsten Montag einen Vortrags- und Ehrenabeud vor der Royal Geogra- chical Society zu London. Dr. Stein ist das Haupt der randesaufnahmeabteilung in beit Nordwestprovinzeii Indiens. Er ist der Sohn jüdischer Eltern, und seine Wiege hat in Ungarn gestanden. Mit Dr. Sven Hedin teilt er die Vhre, die Hauptbeiträge des letzten Jahres zu den neuen Ergebnissen geographischer Forschung geliefert W haben. Die Felder ihrer Tätigkeit lagen, wenn auch vielfach sehr weit auseinander, so doch zuweilen wieder nahe zusammen, Und daß sich dabei mitunter ihre Kreise schnitten, ist nicht Überraschend. Ein bemerkenswertes Beispiel davon wird in einem Londoner Klub erzählt, dem zahlreiche Mitglieder der verschiedenen gelehrten Gesellschaften angehören, und der von ihnen den Namen trägt. In dieser Gesellschaft, die fremden Besuchern gastfreundliche Aufnahme zu gewahren pflegt, trafen sich die beiden Forschungsreisenden Sven Hedin und Stein jüngst am gastlichen Tische, rechts und links vom Präsidenten, und während die Unterhaltung ihren Gang nahm, zog Dr. Stein eine Maßschnur in kleiner Aluminium-Federkapsel aus der Westentasche hervor, hob sie zwischen Daumen und Zeigefinger empor, daß die Nachbarn sie sahen, und bemerkte: „Diese Maßschnur habe ich im Jahre 1906 in Ost-Tibet am Fuße einer alten Ruine gefunden. Ich trage sie seitdem stets bei mir und brauche sie jeden Tag und immerfort." Dr. Sven Hedin nahm die kleine Trommelkapsel in die Hand, betrachtete sie einen Augenblick aufmerksam und erklärte: Das ist eine Maßschnur, die ich vor acht Jahren in Tibet, wahrscheinlich! da und da, so ungefähr so und soviel Meilen von dem und dem großen See verloren habe. Gäste und Wirte waren überrascht und angenehm angeregt durch das merkwürdige Zusammentreffen, daß im weiten, wüsten, unerforschten Lande nach fünfjährigem Zwischenraum ein Forschungsreisender in die Fußstapfen des andern trat und einen so winzigen
Gegenstand auflas, der dem andern entfallen war, und daß Finder Und Verlierer nach 'weiteren drei Jahren einander in St. James Street in London bei festlichem Klubmahl begegnen und die Gelegenheit bestätigen konnten, wo im fernen Asien ihre Kreise sich geschnitten hatten. Die Adaß« schnür aber, das kleine Baud des Zusammenhangs, ist seitdem dem Museum der Royal Geographica! Society einverleibt worden, wo sie mit unzähligen andern merkwürdigen Er.« innerungsstücken vereinigt ist.
D junge Mädchenherrlichkeit.
Untere alten Studentcnlieder erweisen sich immer mehr als unzureichend. Sie sehen nämlich die holde Weiblichkeit noch am anderen Wer. Nun aber hat sie sich bereits mitten unter die Musensöhne gestellt und will nicht nur mitzustudieren, sondern auch mitzusingen da sein. Ihr „Gaudeamus igitor, „virgines“ dum suinus" baden sie schon, und an einem Festabend des „Vereins studierender Frauen" in Berlin wurde den weiblichen Kommilitonen eine Umdrehung der „alten Burschenherrlichkett" dargebrachk, die ihnen hoffentlich Spasi gemacht hat. Trotzdem düriten die lustigen Strophen kaum berufen sein, fortan in den Gemütern graduierter Studentinnen dieselbe wehmütige Begeisterung zu erwecken wie die wundersame „alte Burschenherrlichkett". Nach dem Türmer (Greiner & Pfeiffer, Stuttgart) hat der neue Kantus nach- solgenden Text:
O junge Mädchenherrlichkeit,
Welch' neue Schwulitäten, Bezieht ihr alle weit unb breit Die Universitäten.
Vergebens spähe ich umher, Ich finde keine Hausfrau mehr. 0 je nun, jerum, jerum, 0 quae mutatio rernm.
Die Rähmaschin' bedeckt der Staub, Es sank der Herd in Trümmer, Der Kessel ward des RosteS Raub, Verblichen ist der Schimmer.
Die Wäsche gibt man aus dem Hans Und beizt mit Chlor die Flecke aus. 0 jerum usm.
Wo sind sie, die beim Kaffeekranz Nicht wankten und nicht rückten, Die ohn' Latein bei Scherz und Tanz Die Herrn der Erd' entzückten? Jetzt kommen sie uns ins Geheg' Und ivandern früh in das Kolleg. 0 jerum usw.
Da forscht mit glüh'ndem Angesicht Die ein' in Quellenjchristen, Die andre Frauenrecht verficht, Und die hantiert mit (Sitten. Sie alle hat der Wissensdrang Hinausgelockt ans altem Zwang, 0 jerum usw.
Hier beugt ein dunkler Lockenkopf Sich übers Corpus juris, Die mit dem blonden Mozartzopt Forscht, was denn wohl die Ruhr ist. Wer schilt die säum'ge Köchin aus? Und wer flickt meinen alten Flaus? 0 jerum usw.
Ihr Jung traun, diesen lust'gen Scherz Dürst ihr für Ernst nicht halten.
Ihr wißt, eiu echtes Burschenherz Kann nie für euch erkalte».
Tragt Knchenschürz', tragt Doktorhut, Wir wissen, beides steht euch gut und bleiben euch die alten.
0 jerum usw.
Ergänzungsrätsel.
D.. SB..ft.n. .s. an M..s..e. at H..8,
.i ..r F.n..n .m ..ein;
E. sch.ä.t ..ch. v.. ..ch s..b.t h.r..S, .r w..l h.r..s.sch.ag.. . e.nl
Auflösung in nächster Nummer:
Auflösung des Kreuzrätsels in voriger NnmmSM
A 8 H 1 c a ahn Alabastef Schaf köpf Hanak atze tot e p z r f e
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gießen.


