Ausgabe 
8.3.1909
 
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Auf Liebespfaden.

Roman von H. Ehrhardt.

'Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Tie verführerischen Walzerklänge lockten noch andere Besucher herber, die erst das richtige Karnevalsmilieu schufen. Unheimliche schwarze Gestalten im alles verhüllenden Domino, mit hnschendcrr Bewegungen und raunenden Stimmen, die glitzernden Augen das einzig Lebendige in der düsteren Tvtenfarbe. Tie Gewandtheit, toiit der sie, den Arm um eine schlanke Mädchentaille legend, ihre holde Besitzerin in dem engen Raum zum flüchtigen, wortlosen Tanze führten, verrieten das deutlich genug, was der schöne Leutnant Lena von Rieding, die sich nur widerwillig von den Vermummten umschlingen ließ, beruhigend zuflüsterte:

Es siird alles Offiziere von uns, die Masken tragen, weil sie in ihrem 'Amüsement nicht behindert sein wollen."

Fvünlein von Meppen zeigte wieder ihre ewige Jugend, sie ließ sich von dem bartlosen Leutnant im Walzer drehen und kannte keine Ermüdung.

Am kühlsten war die Exzellenz trotz der brennenden, dunkel tcknschatteten Augen, sie Hatte wohl glühenderen Rausch gekostet, als daß der künstliche, flüchtige sie erregte.

Auch sie tanzte, aber es geschah interesselos, mit der .Höf­lichkeit der Weltdanre, die nicht Spielverderberin sein will, wo sichs der Mühe nicht lohnt.

Bei dem rasch improvisierten Souper später eroberte sich der Schriftsteller mit dem Korpsstudentengesicht und dem Leutnants- ntoiwkel küHn den Platz an Lenas rechter Seite, während auf der andern natürlich der Husar seine Attacke auf die reizende Frau fortsetzte.

Hans von Hassingen saß bei der Jugend und fühlte sich recht wohl da, indem die beiden Spaßmacher, der Dresdener Artillerist und der Mainzer Husarenbaron, beide in ihrem heimischen Dialekt so reichlich für Unterhaltung und Amüsement sorgten, daß die jungen Mädchen nur Augen und Ohren für sie hatten unfc keinerlei Ansprüche an ihren schweigsamen dritten Kavalier stelltem

Die beiden Mütter legten nach Tisch ein Veto gegen die Fort­setzung des Tanzes ein und drangen auch siegreich durch, da das Tantchen nach der Ruhe des Stillsitzens die Ermüdung der Beirre spürte und ebenfalls nach Hause verlangte, ehe der Gähn-- reiz kam und die schweren Augenlider.

Die Mainzer Herren hofften auf Unterstützung von feiten der jungen Frau, sahen sich aber bitter enttäuscht, denn auch Lena von 'Rieding war für die Mckfahrt nach Wiesbaden.

Sie wehrte sich auch gegen jede Fortsetzung der Karnevals- freuden, und da sie im übrigen den drei Herren ein Wiedersehen in Wiesbaden, verhieß, tröstete der schöne Moeschen sich in Gep danken an die weniger exklusiven, aber auch nicht zu verachteiiden Amüsements, die ihm der Faschingsdienstag in Mainz unter den vielen kleinen Mädchen verhieß, diej ihn anbeteten und ihn nicht so knapp hielten wie die reizende Frau, die ein wenig kühl drein-« blickte, Mil sein Handftiß ein wenig Zu Miß ausgefallen.

In ztoei Wagen fuhr dis Gesellschaft zum Bahnhof, die beidetk Husaren gingen nach kurzem Ueberlegen doch noch in die Stadt­halle. Im letzten Moment fiel Fräulein von Meppen die Pou-i larde ein, rind wenn der Neffe auch versicherte, sie würde ihrer! Bestimmung, gebraten und gegessen zu werden, nicht entgeht er mußte doch einmal herausÄettern und sich sein Mittagessen! schwer verdienen, indem er das unglückselige Huhn aus der Sofa--, ecke herausholte, in welcher abwechselnd jemand darauf gesesseii und ihm wahrscheinlich schon einen Vorgeschmack des Bratofens bereitet hatte.

Auf dein Bahnhof herrschte ein fürchterliches Gedränge. Trotz eingelegter Züge tobte ein lebensgefährlicher Kantpf um die Coupes.

Es ist unntöglich, daß wir zusammen bleiben können!" sagte die junge Frau, stirnrnnzelnd über das wüste Treiben Hin- ivegfehend.Es nmß feder auf eigene Faust versuchen, nach Hause zu kommen."

Natürlich, auf dem Bcchnhof in Wiesbaden feiern wir Wieder­sehen, bis dahin gehe jeder seinen eigenen Weg!" pflichtete Fräulein von Meppen bei und stürzte sich als Erste mutig ins Gewühl.

Hans von Hassingen aber war neben Lena getreten, die rwM unschlüssig am Gitter stand.

Sie zeigte kein Erstaunen, daß der blonde Offizier die Absicht hatte, sie nicht zu verlassen, nur ein klein wenig zuckte die rote Lippe, als die Exzellenz sich spöttisch lächelnd noch einmal um­wand tc, ehe sie im Gedränge verschwand.

Warten Sie einen Moment auf mich, lieber Freund!" be-, beutete sie dann und war, ehe Hassingen eine Frage tun konnte/ verschwunden.

Ter Menschenstrom begann sich etwas zu verteilen, als sie wieder erschien, es war höchste Zeit, wollten sie noch mitkommen. Schon schmetterten die Coupötüren zu, ein Schaffner blickte deM Paar ungeduldig ftagend entgegen.

Erster!" sagte die schlanke Frau kurz.

Six hätte zwei Zuschlagkarten genommen und sie hatte ihren Zweck erreicht.

Das Abteil, das der «Schaffner, der wohl ein Liebespaar Ivite terte, ihnen öffnete, war leer.

Gott sei Tank!"

Lena ließ sich aufatmend in die roten Polster gleiten und, nahm den Hut ab, den sie sehr schick mit den Narzissen gar­niert hatte, die der unbekannte Verehrer ihr gespendet.

Nur eine trug sie zwischen den Knöpfen der schwarzen Tuch- sacke.

Nun nahm sie dieselbe, und mit der Unbefangenheit, die etwas so Reizvolles an ihr war, stand sie auf, und neben Hassingenj tretend, befestigte sie die weiße Blüte im Kiwpfloch feines lieber-! ziehers.

Tie rosigen Finger Hantierten so graziös unter seinen Angen, die Nähe ihres schmiegsamen Körpers mit dem diskreten Veilchen- duft und dem leisen Rauscheir ihres seidengefütterten Kleides wirkte so schmeichelnd und verführerisch, das ihn ein Angenblicks- rmrsch mit fortriß, et die weichen Hände, nachdem sie ihr Werk Mllendet, erfaßte und sie abwechselnd beide an die Lippen preßte.

Sie ließ es geschehens ptzne daß ihr fyarMx Blick erkaltete