Ausgabe 
8.2.1909
 
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Sie werben mir Nachricht geben von der Entscheidung Ihres Schicksals'?" sagte der Geistliche, als Haller sich ver­abschiedete.Ich werde Ihr Ergehen mit der ganzen Antcil-- nahnre meines Herzens begleiten. "

Haller war noch am selben Abend nach H. zurilckge- kehrt; aber er hatte sich nach kurzer Begrüßung von Mutter und Tochter unter dem Vorwande der Ermüdung auf sein Zimmer zurückgezogen. Es war ihm nicht möglich, mit dem gefaßten Vorsatz in der Brust den Frauen unbefangen zu begegnen. Angekleidet hatte er sich auf sein Lager geworfen und starrte nach den zuckenden Lichtern, welche die Glut des Kamins aus die Decke des Zimmers warf.Ich kann Nicht," entrang es sich stöhnend seiner Brust.

Da öffnete sich die Tür, die Mutter trat herein. Frau Berger, Sie!" rief Haller, sich jäh ausrichtend,was führt Sie zu dieser Stunde hierher'?'

Vielleicht dasselbe, toas Sie nicht schlafen läßt," sagte sie leise.

Wenn Sie davon wüßten, Famen Sie nicht!"

Wollen Sie sich mir nicht anvertrauen, mein Sohn?" bat sie sanft.

Sagen Sie nicht .Sohn'!" schrie, er auf.Sie wissen Nicht, wen Sie so nennen!"

Und wenn ich cs doch wüßte?"-

Er starrte sie entsetzt an.

Sie zögern, Emma zu ihrer Gattin zu machen, lveil" sie neigte ihren Mund dicht an fein Ohr.

Sie wissen" stammelte er.

,Lch weiß es seit lange."

Haben vie Toten gesprochen?"- Er blickte verstört tim sich.

Sie legte beruh igend die Hand auf seinen Arm.Haben Sie vergessen, wie Sie sich, ein paar Jahr nachdem Sie zu uns kamen, den Fuß in der Maschine zerquetschten? Ich pflegte Sie, während Sie im Wundfieber sprachen."

Wie konnten Sie für wahr halten, was ein Besinnungs­loser sprach?"

Weil ein Zeuge mir seine Worte bestätigte," sagte sie leise.

Ein Zeuge?"

Ja. Ich ordnete die Schriften aus Ihrem Schreibtisch. Sie hatten den Schlüssel daran stecken lassen, in dem Fach, in das ich die Papiere legen wollte, fand ich die Brieftasche, die ich selbst einst meinem Sohn gestickt hatte, und die er bei sich trug, als er umkam." Ihre Stimme war fast unhörbar geworden.

(Schluß folgt.)

vermischter.

C.K. Wie Kaiser Kwaug- starb, davon gibt,auf Grund zuverlässiger direkter Informationen aus Peking" jetzt Francis Mury in derRevue" eine neue aufsehenerregende Dar­stellung, nach der man das Schicksal des unglücklichen Kaisers, den vfsiziösen Ausstreuungen entgegen, gewaltsam herbeigeführt hat. Als Tsu-Si, die Kaiserin-Witwe, ihr Ende herannahen fühlte, berief sie einen Ministerrat, der am 12. Mvembec zusammentrat. Hier wurde nach langen Beratungen ihr dreijähriger kleiner Neffe Pu-Bi zum Erben des Kaiserthwns bestiurmt, Prinz Tschun und der Vater Pn-Dis sollten bis zur Großjährigkeit die Regent­schaft führen. Nach der Beratung behielt die Kaiserin Nnanchikai und den alten Prinzen Tschin bei sich zurück und ließ den Groß­meister der Eunuchen rufen. Hier wurden allo Maßnahmen fest­gesetzt. Das Ergebnis war zunächst eine Mitteilung, wonach sich das Befinden des Kaisers gefährlich verschlimmert habe; dem früheren Brauche entgegen wurden diesmal die Dienstangebote der Legationsarzte rundweg abgewiesen. Am nächsten Morgen um 10 Uhr betrat der Großmeister der Eunuchen, begleitet von zwei sicheren Männern,den kleinen Palast, der dem Kaiser zur Wohnung angewiesen war. Die Umgebung des' Herrschers wurde entfernt Und nun teilte der Großmeister dem Kaiser mit, daß Tsu-Si im Sterben läge uttb daß er sie in den Tod begleiten müsse. Dabei legte er vor dem Kaiser die Opiumkügelchen, die kleinen Gold­blätter und die gelben Seidenschnüre auf den Tisch, mit denen die Chinesen von Stand Selbstmord begehen. Dis kleinen Gold» bMtchen dienen beut Ersticknngstvde; der Lebensmüde legt eines der dünnen zarten Blättchen auf den Mund, atmet tief eilt, wo- burch die kleine Scheibe in den Hals geweht wird, die Oefftumg der Luftröhre verschließt und so den Tod herbeiführt. Der Grv^ freister zog sich dann zurück mit dem Hinweis, daß er um ein Uhr

Wittags wiederkehreit toMe. Sollte bis dahin Kwang- nicht dis Ofmlmpillen geschluckt oder die Goldblättchen eingeatmet haben, so Müsse er trotz des Respekts, den die Person des Monarchen ihn? einflöße, den Kaiser durch die Seidenschnüre erdrosseln lassens Tie beiden Begleiter des Großmeisters blieben als Wachen zurück. Im Palast verbreiteten sich sofort Gerüchte über dunkle Gescheh nisse, die Fmnen des Kaisers zitterte« für ihr Leben und büi Eunuchen versuchten zu flieheir. Aber Yuanchikai hatte seine Maß- nahmen getroffen, niemand konnte den Palast verlassen und bald zog eine dumpfe Ruhe ein. Ms der Großmeister am Mittag zurückkehrte, waren die Opiumkugeln verschwunden, der Kaiser, lag kaum noch atmend auf seinem Ruhebette, das Herz scUug mit iwch schwach und die Glieder begannen bereits zu erkalten. Puan- chikai wurde sofort verständigt, machte der todkranken Kaisernk Mitteilung, die Gesandtschaften empfingen Nachricht, der Kaisen liege tut Sterben und Prinz Tfchin wurde nach den Kaisers räberck gesandt, durch Opfergaben die Borfahren auf das Nahen eines, künftigen Gefährten vorzubereil-en. Dieser Tragödie ivareit Jn- triguen twranfgegäugen, die sich auf Jahre erstrecken und ick denen Nnanchikai eine tzervorrageird« Rolle spielt. Er hatte deck Kaiserin den Plan Ktuang-süS, Tsu-Si durch Nnanchikai entführen zu lassen, verrate», Partei gewechselt und mußte die Rache des nnglücklicheu Kaisers fürchten, in dem Augenblick, da er der Vor­mundschaft seiner Tante entrückt sein würde. Sv begegneten sich feilte Absichten mit denen der Kaiserin-Witwe, die für den Fall,- doß der völlig geschwächte, energielose, kranke Kwang- nach ihren« Tode die Regierung ergreifen würde, innere Unruhen voraussaU und in ihrer Sterbestunde noch ihnen durch einen grausamen Ent­schluß vvrbeugte. ...

C. K. Die Heilkraft des Radiums. Aus Lvuvon, wird berichtet: Ueber die Bedeutung des Radiums für die Heil-, künde hat sich im London Hospital jetzt Sir Frederick anSge­sprochen und dabei eine Reihe von interessanten Fällen beschrieb ben, in denen mit Radium außerordentlich günstige Heilresultates erzielt imirden. Die Wirkung ist oft verblüffend bei Schwellungeck und Geschwülsten der Hautgefäße und bei allerlei Arten Vock Muttermalen. ZSir Frederik Treues erzählte von einem Fall/ in dem der Patient ein fast pflaumengroßes Blutgeschwür ank Auge hatte, das viermal erfolglos operiert wurde; bei der An-< Wendung von Radium vollzog sich schließlich die Heilung ohich Schmerzen und Schwierigkeiten. Sehr interessant waren die Mit- teiluuaen, die der Gelehrte über die Art machte, in der das Radiiuck seine Wirkung ausübt. Nach der ersten Anwendung ist eine Ein­wirkung überhaupt nicht zu bemerken und alles scheint tage lang beim alten zu bleiben; erst am fünften Tage zeigt sich plötzlich eine Veränderung. Die Haut wird rot und reizbar und schließlich' bildet sich eine Kruste, die nicht abgenvmmen werben darf und bis nach zwei bis drei Wochen von selbst abfällt. Die zweite An­wendung des Radiums findet gewöhnlich erst einen Monat späten statt und verläuft in der Regel so befriedigend, daß die Aerzte sich um den Patienten überhaupt kaum noch zu kümmern brauchen. Sir Frederik Treues wies dann auf einen merkwürdigen Versuch (litt, den ein bekannter englischer Gelehrter kürzlich mit dem Radium angestellt hat. Der Forscher gab einer Maus, die künstlich mit Krebs infisziert worden war und sich bereits in fortgeschrit­tenem Kmnkheitsstadimn befand, eine Einspritzung von Radium« lösimg. Das Wachstum des Krebses kam sofort zum Stehen und schließlich erholte sich die Maus sogar von der Krankheit. SiV Frederick TreveS warnt zwar ausdrücklich davor, derartige Einzel- refultate in ihrer Bedeutung zu überschätzen; die Wirkungsmög- lichkeiien des Radiums int Kreise der Heilkunde bedürfen noch umsassenderer Beobachtungen, um ein endgültiges Urteil zu er«, möglichen. Tie Studien sollen sich jetzt erstrecken auf eine syste­matische Untersuchung der Wirkung der Radiumstrahlen auf Bak­terien und Bazillen, zugleich werden die Experimente mit deck HautgeschwUsten fortgesetzt und schließlich lvird man den Einfluß des, RMums auf den Krebs methodisch untersuchen.

Rätsel.

Einst ging ich von Kirchhain nach Auen, Da begegneten mir zwei Frauen.

Jede Fran hat eine Ziege,

Jede Ziege hat ein Böcklein, Jedes Bocklein hat ein Glöckleiu. Wie viel Glöckleiu, Böcklein, Ziegen, Frauen Gingen von Kirchhain nach Auen k

Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Anagramms in voriger Nummer: Lech, Elch.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der VvubI'scheu Universitäts-Buch' und Steindrnckerei, R. Lange, Gießen.