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voni ver- vor.
r, Zeitverhültnisse waren günstig; gewinnbringende Bestellungen aus dem Auslan.de boten sich. Bon Jahr mi vergrößerte sich das Geschäft, die Familie, die ich am » Ä? Unterganges gefunden, feint zu Wohlstand, ja Reichtum. Berger hinderte mich nicht, allerlei Wohlfahrts- einrichuingen für die Arbeiter zu treffen. Es schmeichelte ihm, snh als Wohltäter seiner Untergebenen preisen ru Jörcit, nachdem er so lauge nur Abneigung und Mißachtung etfahren. Auf meine Vorstellungen hatte er auch einge- seine Tochter schon früh einem guten Pensionat ilov" t>st^ane«tV sie sich die Bildung aneigne, die den ternnderten Verhältnissen des elterlichen Hauses entsprach.
der, früheren Jahre war aber nicht auf dre Konstitution Bergers geblieben. Seine Gefuudheit^gab plötzlich nach. Gerade als seine Tochter, an gleich holdselig erblüht, ans dem Institute Tir.y’Vi11' ft? sich zur letzten Krankheit nieder. Er öu leiden, denn seine kräftige Natur unterlag nicht gleich dem crlteit Anprall des tödlichen Nebels, pflegte ihn, so gut ich wußte und konnte.
letzten Tagen trübte sich sein Beivnßtsein.
■ hielt rnich für den Sohn, den er einst im Jähzorn aus dein
hrö'chnes Gemüt ausrichtete, meine Verzweiflung auf die göttliche Barmherzigkeit hinwies, die auch für den größten Sünder Gnade habe, ich kann es nicht beschreiben.
Es dauerte lange, bis Seele und Leib dem Leben wieder öelvoniieti waren. „Was soll ich tun, meine Schiild zu büßen?" fragte ich, mein Haupt zunr Abschied vor dem alten Manne neigend.
„Dein Leben iiicht nutzlos von dir iverfen, sondern jeden Tag zu eitler werktätigen Buße machen. Geh' und sieh, ob du oas Leben, das bn nahmst, nicht ersetzen rannst. Findest du ben Platz leer, dann fülle ihn aus, gib Eltern den Sohn zurück, den du ihnen nahmst."
Ich schied von bent alten Mann wie ein Sohn Vater. Er ist längst heimgegangen, aber sein in Milde klärtes Antlitz schwebt mir noch jetzt als Leitstern Namen und Wohnort der Eltern des Getöteten wußte ich, es machte mir keine Schwierigkeit, sie zu finden. Was ich empfand, als ich ihnen zuerst gegenübertrat, ihnen die Hand zum Gruße bot, Gott allein weiß es. Ich nahm es als Buße willig hin. Ich fand, wie der Greis mir gewünscht, den Platz, den ich einnehmen wollte, leer. Die Werkstätte war verödet. Kein Geselle konnte es bei dem von jeher jähzornigen, gewalttätigen Manne aushalten, der sich seit dem Tode des einzigen Sohnes ganz dem Trunk über- Ueß. Ob er wußte, wie sein Sohn gestorben, konnte ich nicht erfahren, sein Name ward vom Vater nie, von der Mutter nur selten und scheu genannt.
Die Mutter war eine blasse, verängstigte und verhärmte Frau, die einzig darauf bedacht schien, ihr damals dreijähriges Töchterchen vor den Wutausbrüchen des Vaters zu schützen. Mit ungläubigem Staunen sah sie, daß ich nicht, wie die andern es getan, die Arbeit hinwarf und ging, sobald ihren Mann Zorn oder Wein um die Besinnung brachten, ja, daß ich, der Gesunde, Kräftige, dessen geschickte Arbeit überall willkommen gewesen wäre, es selbst gelassen hinnahm, wenn der Wütende sich zu Tätlichkeiten gegen mich hinreißen ließ. Sie wußte nicht, daß mir dies keine Ueberwindung kostete, sondern daß die Augenblicke, in denen er tobte und mich beschimpfte, die einzigen waren, iii denen es mir leicht ums Herz ward. Rur wenn er Weib und Kind bedrohte, bot ich ihm Trotz.
Anfänglich mißtraute er mir, als aber mein Benehmen immer gleich blieb, ward er zugänglicher. Er war geschickt und intelligent, aber verkommen. Mit der Zeit ward meine Macht über ihn größer. Er entsagte dem Trinken nicht ganz, aber er hielt gewisse Grenzen dabei ein, er miß- Mndelte Weib und Kind nicht mehr und gewann wieder Interesse für seine Arbeit. Er hatte ein blühendes Ge- l7af* ehe seine Leidenschaften ihn unterjochten,
ich htzjl lhiu, das Geschäft wieder empor zu bringen.
Mit dem Erfolg hob sich sein Selbstbewußtsein und seine Unternehmungslust. Es war ihni recht, daß ich die Feierstunden benutzte, um mich weiter auszubilden. An technischer Begabung fehlte es mir nicht, so kanr ich rasch vorwärts. Was ich ersann, das führte er aus. Ein paar Erfindungen brachten unerwarteten Gewinn. Als der ft/jCE einer nahegelegenen Maschinenwerkstätte starb, kaufte schifte^ bte n,lb vereinigte sie mit dem bisherigen Ge-
Hause getrieben mtb dessen Namen er seitdem nicht über seine Lippen gebracht. Ich durfte Tag und Nacht nicht von ihm gehen. Die Jahre des Zwistes mit seinem Sohn schienen vergessen von ihm, er glaubte, ihn in seiner Knabenzeit vor sich zu sehen. Soll ich Ihnen beschreiben, was ich litt, während er, meine Hand liebkosend streichelnd, mir die zärtlichen Namen gab, die er damals für ihn gehabt, sich seine Zukunft ausmalte, die glänzendsten Pläne für ihn machte!
Auch das ging vorüber, er starb, und ich drückte dem Manne, dessen einzigen Sohu ich erwürgt, die Augen zu.
In feinem Testamente hatte er bestimmt, daß ich der Vormund seiner Tochter sein und die Fabrik für sie und die Mutter fortführen solle. Zugleich sprach er die Hoffnung aus, daß ich seine Tochter zu meiner Gattin mache.
Sein Wunsch griff mit unbarmherziger Hand in die Wunde, an der mein Herz ohnehin krankte/ Ich liebte Emma von dem Augenblicke an, da sie in ihr Vaterhaus! zurückgekehrt war; aber konnte die Schwester des Ermordeten je mir angehören? Das war unmöglich! So hatte ich das Gefühl für sie tief in mein Herz zurückgedrängt und es als Teil meiner Buße getragen, das Mädchen, das ich mit jedem Pulsschlag meines Herzens liebte, täglich um mich zu sehen und ihr meine Liebe doch mit keinem Blick zu verraten.
Ich tat des Wunsches im Testament keinerlei Erwähnung, führte die Fabrik weiter und suchte mich durch Arbeit zu betäuben. Aber ich wollte für das Glück des mir anvertrauten Mädchens sorgen, ivas eS mir auch an Selbst- überivindung koste. Ich kannte einen jungen Mann, einen Beamten der Fabrik, der seine Augen in heimlicher Liebe auf das Mädchen geworfen. Ich ermutigte ihn und versprach ihm Beistand. Als ich in seinem Namen bei ihr warb, stürzte sie sich an meinen Hals und gestand mir, daß sie mich liebe und nie einen andern lieben werde.
Was waren alle Qualen, die ich bisher gelitten, gegen die Pein dieses Augenblicks! Aber ich bezwang mich. Ich entzog mich sanft ihrer Umarinung, redete ihr beruhigend zu und bat sie, ihrem Herzen Zeit zu lassen, bis es sich elbst wieder gefunden, es werde sie niemand drängen, ich einem ungeliebten Manne zu vermählen. Von einer Erwiderung ihrer Liebe sagte ich nichts, und ich sah, daß sie das ins Herz traf."
Eine Meile schwieg Haller, dann sagte er gepreßt: „Seitdem ist ein halbes Jahr vergangen. Aeußerlich ist keine Aenderung in unserem Verkehr eingetreten, wir begegnen uns wie sonst, aber ich sehe, daß sie an ihrer zurückgewiesenen Liebe dahin iecht. Ihre Fröhlichkeit ist vergangen, still und blaß geht sie umher. Sie ist ein zartes Geschöpf, ich sehe an den Augen der Mutter, daß sie sich um ihr Kind sorgt und daß sie hofft, daß ich das erlösende Wort spreche.
Ich dachte, es würde vielleicht besser tverden, wenn ich für einige Zeit verließe. Ich verreiste, aber die Mutter rief mich zurück. Sie schrieb, die Gesundheit ihrer Tochter sei schwankend, ich solle sie nicht allein lassen in dieser Sorge. So trat ich den Rückweg an. In der Unruhe meines Herzens suchte ich hier, ivo ich ein paar Stunden Aufenthalt hatte, die Kirche auf; ich hörte Ihre Predigt, nun komme ich. Sie zu fragen: Was soll ich tun? Soll ich meine schuldbefleckte Hand in die reine Hand des vertrauenden Mädchens legen, oder soll ich die Geliebte vor meinen Augen hin- tvelken sehen und der Mutter, der ich den Sohn nahm, auch die Tochter rauben?"
Haller schwieg. Es war eine Mile lautlos still in dem Zimmer.
„Sie wollen sich dem Mädchen nicht anvertrauen und es selbst über sein Geschick entscheiden lassen?" fragte der Geistliche daun bewegt.
„Hundertmal war ich auf dem Punkt, es zu tun !"■ rief Haller. „Wenn ich denken könnte, daß das Bekenntnis meiner Schuld sie von ihrer Neigung zu mir heilte und ihr Herz einer anderen Liebe zugänglich machte, Gott ist mein Beuge, ich würde es tun, wie schwer es mir auch fiele! Aber sie könnte es nicht tragen. Sie ist nicht stark, ich weiß, es würde sie töten."-
„So öffnen Sie Ihr Herz der Mutter. Vermag sie zu verzeihen, dann betrachten Sie es als Zeichen, daß Gott Ihre Buße angenommen hat. Sie mag auch entscheiden, ob die Tochter von Ihrer Vergangenheit wissen soll."
. „Ich will es tun," sagte Haller, nachdem er eine Weile schweigend mit sich gekämpft.


