Ausgabe 
7.10.1909
 
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ö28

imb Schaffen nur aus dem Wesen des Geistes entspringt aus dem UnmateriÄlsten, das auch den kleinsten Atomen gegenüber nochNichts" ist tob das vielleicht doch alles ist, da es bte Welt und toser aller Tun regiert. Doch dem sei ton, tote thM Molle des Menschen Verstand hat es bis ätto Fliegen tn der Lust gebracht. Daß ich jetzt gerade auf das Fliegen verfalle, das kommt wohl daher, daß ich mich in dtzst Bergen befinde und daß ich dieses int Anblick der Alpenwelt geschrieben habe da erwacht gar leicht des.Fluggefühl auch ant Hellen Tage, und bte Phantasie mit ausschweifend das Fluggefühl werd da sogar manchmal bis zu deut gesteigert, was man Schwindel nennt welchen ich als eine Art von Berauschung betrachte. Wenn man so hoch oben steht, unter M den Abgrund, in dem bte Nebel tot die Felsen brodeln, da zieht und reißt es von unten her ost ganz gewaltsam. Es ist, als ob man gleich freiwilltg hinunter Müsse, um der Sache ein Ende zu machen, stürzen und au den Felsen zertrümmern so zieht man einer Seelenangst gar oft den Tod vor. Das ist Berauschung des Flnggefühls, und .ich denke, daß etwas vom Wesen der Berauschung im Gange des ver­wogenen Bergsteigers liegt, der, um diesen Rausch genießen zu können, sein Leben aufs Spiel setzt. Wenn die Sehnsucht nach, dem Fliegen nicht vom Ursprung an in der Menschenseele ge­legen hätte, so wäre nie ein Luftschiff entstanden, das wollte ich beweisen, dabei stütze ich mich auf,das alte Bauernchruchlem: Wenn's im Holz liegt, so gibt's Pfeifen."

VeVMiseHtss.

* Ein b ißchdst mehr Vertrauen zu den Mit­mensch e n befürwortet Peter R o s e g g e r in seinem Heimgarten. Er erzählt da:Ein Schleiserjunge meldet sich, an, so em hübsches schwarzlockiges Zigeunerbübel: Ob wir nichts zu schleifen hätten?Na, komm her!" sagte ich und zog mein Taschenmesser heraus, ein Kapfenberger Messer mit feiner Perlmutterschale, ein liebes Andenken. Aber schon stumpf geworden.Das kannst schleifen, doch wann bringst du Mirs wieder?"Heute mittag/ Gut. Aber daß du Mir nicht durchgehst damit, verstehst?" Mit feinen großen Augen schaUte mich der Junge vorwurfsvoll an, fast traurig. Und dachte ich mir: Woher hast du das Recht, ihn zu beleidigen? Gleich ihm einen so häßlichen Verdacht ins Gesicht schnellen? Mir tat er leid, aber er war schon davon. Eilig hatte ers, mit dem schönen Messer abzufahren. Es kam der Mittag, doch nicht mein. Junge mit dem Messer. Da Hub ich an: Diese verdammten Zigeuner! Gedacht hab ich mirs ja gleich, aber Man ist immer zu vertrauensselig. Jetzt will ich 'im Dorfe Nachfragen, ob der Gauner nicht wo zu erwischen ist. Der soll Mich kennen fernen! Ausrotten soll inan diese Diebesbrut, diese vermaledeite!" Und was man im Zorn so halt hinausschreit. Am Nachmittag kam der Junge mit dem Messer. Es war sorg- Wtig geschliffen, wie neu schaute es aus, und die Schuldigkeit war zehn Heller! und meine Schuldigkeit? Oft habe ich Mir schon vvrgenömmeu, das verfluchte Mißtrauen abzutuu. Bin id) denn so viel betrogen worden? Ich Persönlich habe wirklich wenig Unredlichkeit erfahren. Oder hätte ichs bloß nicht gemerkt? DanU ists wenigstens nicht empfindlich gewesen. Aber was mau sv hört von anderen! Und was man liest! Lauter schlechte Leute überall. Die Hälfte alles Tratsches, der täglich aus der Leute Mäuler sprudelt, handelt von der Schlechtigkeit der Welt. Zwei Drittel aller Zeitungsnachrichten erzählen von der Schlechtigkeit der Leute. Dann unsere neue Literatur, unsere Bühne! Ueberall Gesindel. Woher soll man da das Vertrauen nehmen? Ich dachte doch, aus sich selber. Wie einer selber ist, so denkt er sich die anderen. Heißt es nicht ungefähr so? Nur ein wenig gröber. Man ist zwar sonst so, daß Man jeden für brav hält, sv lange man nicht das Gegenteil erfährt. Und doch kommt manch­mal so ein dummer Rappel. Dem Zigeunerbübel habe ich natürlich ein bißchen Genugtuung in die kleine Hand gedrückt und habe zu ihm gesagt:Tas war nur Spaß, heute morgen, daß du etwa das Messer nicht zurückbrächtest!"Eiwo!" gab er , zur Ant­wort,man muß ja zurückgeben, sonst wird man eingesperrt."

* Mit jemand deutsch reden. Deutsch und deutlich gehören ihrer Ableitung, also auch ihrem Begriffe itach, zu- Jtotiiiett. Deutsch bedeutet ursprünglich die Sprache (denn von dieser erscheint das Wort im 9. Jahrhundert zuerst gebraucht) des vstfränkischen Volkes (biot = Volk, davon diutisk, tiutsch, deutsch) im Gegensatz zum Latein, der Sprache der Kirche, der Geistlichen und Gelehrten, und damit auch, im Gegensätze zu der der West- frauken (der späteren Franzosen), die sich aus.der lateinischen entwickelt hatte und demzufolge auch als die höherstehende, feinere galt: kurzum die (niedere) Volkssprache. Der deutschredende Ost- franke, den man nun bald nach seiner Sprache den Deutschen nannte, verstand den romanischen westlichen Nachbar nicht. Die Predigt soll in Oststanken nicht in lateinischer, sondern in deutscher Sprache gehalten werden, befahl Karl der Große, und in den Straßburger Eiden vom Jahre 842 leistet der West fränkische Herr­scher Karl der Kahle seinen Eid in deutscher Sprache, damit das, was er schwört, dem östlichen Volk da drüben verständlich, dem Inhalt nach deutlich sei. Leider zeigt sich nun schon in sehr früher Zeit die unglückliche Neigung (um nicht zu sagen Sucht)

des Deutschen, das Fremde, das Weit Her ivar, höher zu schätzest als das Eigene, Was.nicht weit her" war. Natürlich geschah das auch mit der Sprache. Fremde, romanische Worte drangen itt die ursprünglich teilteVolkssprache". Höherstehende glaubtest feiner zu erscheinen in ihrer Ausdrucksweise, wenn sie für gewisse, in der Heimsprache etwas derb klingende Bezeichnungen die des' Westens einsetzten. Und ist es nicht unglücklicherweise noch heutt so? Wer ist es, der den Wortfremdlistgen die Dore unserer Sprache öffnet, der sie so freundlich einlädt, zu uns zu kommen, ja sich nicht eutblödet, sie mit Gewalt zu uns hereinzuziehen? Wer ist es, anders als gerade die geistig Hochstehenden, sie, denen hie Wahrung der Reinheit ihrer Muttersprache am meisten am Herzest liegen sollte, die zu ihren Hütern berufen sind? 'DeM Volke im allgemeinen waren die fremden Ausdrücke naturgemäß zunächst un­verständlich, wer ihstt gegenüber deutlich werden wollte, mußte (und muß Noch heute) deutsch reden. So erhielt bemt, der Aus-i druckmit jemand deutsch reden" den Sinn vondeutlich reden". Er hat ihn Noch heute, und auch der Nebensinn fehlt nicht, der dest dänischen Ausdruck unfeiner, derber erscheinen läßt als den fremden.. Deutlich und herb sind die beiden Begriffe, die wir heute für das Deutschreden" einsetzen können. Von den zahlreichen Belegstellest nur wenige. In dem Fastnachtsspiele von Cvntz Zwergen (15. Jahrhundert) heißt es:Du weißt es wohl, wenn ich dirs ja Teutsch sagen soll," und in Brants Narrenschiff (1494):Ich sag dir tütsch, wie ich das mein." Ja, das Spiel des Hans Sachs vom Bösen Weib kennt sogar eine Steigerung, davon: Wilt, das ichs teutscher (deutlicher) sagen sol?" meint die Magd ihrer Frau gegenüber. Wenn endlich Lessing int Jungen Ge­lehrten (II 2) sagt:er ist deutsch genug, mir gerade ins Gesicht zu sagen . . .", so ist hier der Uebergang von der Sprache auf den Sprechenden vollzogen, lute wir ihn noch heute in der Be­zeichnung haben: ein alter (leider alter!) Deutscher, d. h. in seinen Ausdrücken deutschdeutlicher, freilich auch unverkennbar etwas derber Mann. Dasselbe bedeutet ein alter deutscher Degenknopf, bei dem es heute nicht mehr darauf ankommt, ob er jemals beit KriegsmantÄ getragen habe oder nicht. Beachtenswert ist der Unterschied in der Rechtschreibung; es heißt: er spricht gut Deutsch (Hauptwort): aber: mit dem müßte einmal deutsch (Um- standswört) gesprochen werden. Nebenbei: Wie der Germans seinDeutsch reden", so hatte der Römer (Cicero, Phil. 7, 17) seinLatine loqui", ebenfalls im Sinne vondeutlich reden".

siteratrzr.

Cook und Pear y , N a'n sen und Hed i n. Vier Forschungsreisende, die ihr Leben tausendfältigen Gefahren aus­gesetzt haben! Zwei, die sich nicht genug tust können, sich gegen­seitig in der öffentlichen Meinung herabzusetzeu, bis die Lange­weile ihres Zankes das berechtigte Interesse an ihren Leistungen ertötet. Die anderen zwei, vornehme Naturen, ernste wissenschaft­liche Forscher, die Entsetzliches erlebt Und erduldet haben, aber es bescheiden und doch in so glühenden Farben schildern, daß sie fortreißen zur Bewunderung ihrer schlichten Größe, ihres Helden­tums: echte Vertreter der Ideale des alten Europas gegenüber den Repräsentanten bramarbasierenden Paukeetums. Nansens klassisches BuchIn Nacht und Eis" kennt jedes Kind. Nun tritt ihm ebenbürtig zur Seite Sv en H edin mit seinemTrans- hi 'm a l a j a". Die erste Lieferung liegt uns vor. Mitten hinein' in die Konflikte springt der Verfasser. Demütig erbittet er vost der englischen Regierung die Erlaubnis zur wissenschaftlichen Er­forschung des höchsten Alpenlandes der Erde, aber das stolze Albiost versagt alles. Da greift er zur List. Wie er sie alle betrügt, die Regierungen von Indien und England, von Tibet und China, das muß man Nachlesen in der Erzählung dieses modernen viel- gewaudten Odysseus. Schon heute sehen wir: kein Maulheld im» kein einseitiger Wissenschaftler Und kein trockner Chronist spricht zu uns, sondern ein fröhliches Gemüt erzählt den spannendest RoMast feistes Lebens.

Kreuzrätsel.

In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a aaaa, bbbbbb, cc ec, e eeeee, gg, iii, 11111 lf n n n, o, r r r r, s s, u n derart einzutragcn, daß die wage­rechten und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben!

1. Ort in Bayern.

2. Republik in Amerika.

3. Raum, welcher gesellschast- lichen Zwecken dient.

Auflösung in nächster Nummer: -- >

Auflösung des Logogriphs in voriger Nuunnerr Bode, Mode.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße».