— 488
Und wenn sie zusammen des Weges kamen, sw keuchend und stampfend, mit glutrotem, apoplektischem Gesicht, — er schmächtig wie ein kleiner Knabe an ihrer Seite, in Seide und Lammet gekleidet, mit Mantel und Degen, deklamierend, schmachtend, — ja — da mussten alle, die sie trafen, stehen bleiben und ihnen nachsehen, und wenn sie außer Sehweite waren, in em schallendes Gelächter ausbrechen. , , ,
Und doch war cs das Gluck, das an ihnen oorbeiging.
Denn lächelnd streut das Glück seine Gaben vor die Fuße der Menschen und lächelnd legt es sein Purpurgewand um seines Lieblings Schultern, — und lächelnd steckt es die Narrenfeder an seines Lieblings Ritterhnt.
Schluß folgt.)
vermischtes.
* Die deutschen Vettern. Das von der D a il l) Mail herausgegebene Buch über Deutschland, das weiteren Kreisen des englischen Volkes ein „ivahrheltsge- treues" Bild von dem Wesen und der Kultur ihrer deutschen Vettern vermitteln soll, enthält auch für uns mancherler des Interessanten. Die nationale Sorge über Deutschlands kaufmännische Erfolge lebt zlvischen den Zeilen, die dem Wesen des deutschen Kaufmanns gelten. „Durch ehrliche Mittel hat sich der deutsche Kaufmann seineir Ehrenplatz in der Achtung der Welt errungen. Er ist sorgsam erzogen, gebildet, fleißig und unternehmend. Mit eiserner Entschlossenheit ringt er um die Triumphe auf dem Felde, das er sich auf dem Weltmärkte abgesteckt hat. Durch keine Verdächtigungen läßt er in seinen Erfolgen sich aufhalten. Die deutsche Konkurrenz kann nur bekämpft werden mit den gleichen Waffen, die Deutschland als wirksam erprobt hat. Zölle allein reichen nicht aus. Sie würden nur dem ganzen System des deutschen .Handels und der Industrie neue Waffen aufzwingen, diesem System, das da heißtsorgsame ^Erziehung, technische Erfahrung, Militärdienst, Sparsamkeit, Vorsicht, Ehrgeiz und Patriotismus. Das ist eine Kombination, die siegen muß." Der materielle Aufschwung hat jedoch nach dem Urteil der englischen Kritiker in gewissen Gesellschaftskreisen eine ivachsende Neigung zum Luxus gezeitigt. „Man lasse vor seinem geistigen Auge die Bondstreet am Vormittag erscheinen, die Säle des Carlion-Hotel zur Teezeit, den Raum des Coventgarden-Theaters bei einer Galavorstellung, und man hat das moderne Deutschland in einer Nußschale. Man füge dem Bilde die Erinnerungen an den großen Renntag des Ascot-Cup an, die endlose Kette von Automobilen und Equipagen von Piccädilly, die eleganten Wohnhäuser von West-Kensington und die Vergnügungslokale des Pariser Montmar.re, imb man kommt dem Deutschland, wie es ist, iloch näher. Alles zeigt lär- meiide Nachahmung, ist bizarr und übersteigert, aber das Bild ist realistisch genug, um das Schlagwort von der biertrinkenden Nation zu zerstören und an deren Stelle die Er- cheinung eines luxnsliebenden plutokratischen Volkes gn etzen. Dies Kaleidoskop von Reichtum und Eleganz be- chränkt sich ilicht auf Berlin. Gewiß tritt es in der Hanpt- tadt stärker zutage. Aber auch in einem halben Dutzend anderer Städte haben Seide, Federn und Champagner Bier und Wolle verdrängt; in Hamburg, in München, Dresden, Leipzig und Köln; überall hat der luxuriöse Geist des Deutschlands von 1909 die Gesellschaft ergriffen und hat die Einfachheit und Sparsamkeit der Vorfahren zu vergessenen Idealen werden lassen." Am klarsten spricht diese Entwicklung aus der Lebensweise der modernen deutschen Frau. „Sie sahren in prächtigen Automobilen, in eleganten Equipagen und sie kleiden sich von Kopf bis zu Fuß mit den kostbarsten Geivändern, die deutsches Gold erkaufen kann. Die es sich leisten können — und auch Tausende, die es nicht können —, wollen nichts mehr hören von Toiletten oder Hüten, die nicht aus-Paris, London oder Wien kommen. Die meisten sahren zu den fremden Modezentren, um dort ihre Kleider zu bestellen." Dieser Kritik einer „jungen Gesellschaft" fügen die britischen Beobachter andere Bilder an, die mit Anerkennung nicht geizen. „Der Aufschwung Deutschlands ist der Triumph des Kollektivismus iin Gegensätze zum britischen Individualismus. Der Genius Bismarcks konstruierte eine machtvolle Maschine aus einer gelehrigen, phantasielosen und geschmeidigen Volksmasse. Jeder Bürger hat im Staate seine sorgsam und genau bestimmte Stellung. Während in England der Bürger vom Staate ignoriert wird, ansgenommen bei der Steuerzah
lung, ist in Deutschland der Bürger durch Erziehung und Ueberzeugung nur ein Teil des großen Ganzen, hat seinen festen Platz im sozialen System, seine Pflichten, seine Verantwortlichkeit gegenüber dem Lande, der Familie und sich selbst. Und das durchzieht das ganze Leben. Von der Wiege bis zum Grabe ist der Deutsche diszipliniert, so daß das Deutsche Reich heute dasteht als das vollkommenste Beispiel in der Welt für einen Triumph des Geistes über die Materie und die Unterordnung von allen unter die Interessen des Staates."
* E i u Liebespaar. Ein offenbar sehr typographisch veranlagter Mitarbeiter sendet der „B. L. Ztg." unter dem Titel „HundStagsseuizer eines verliebten Schriftsetzers" das folgende „Gedicht":
Ter Sonntag ist da. Sei, Liebchen, parat.
Wir gondeln, und würdens auch heut nur sechs 0 Zum Grünewald! Wüßte sonst nichts Gescheut's, Ist auch die Bahusahrt hin ein h.
Doch bliebst im Tiergarten du gern, So treff' ich dich am großen * Wir wandeln weiter dann selband' Und plaudern zärtlich in "3^30? Du prangst in deinem neu'sten Staat, Ein Hochgenuß mir im
Wie bist du nett, vom seid'nen Blüschen
Bis runter zu den „ "
Ich fühl' durch dich so selig mich
9US hält ich permanent 'nen —
Macht' mit dir fliegen durch den Aether, Und wärens tausend km
Für dich bis ans Weltende renn' ich, Gab' hin iür dich den letzten
Ja, wenn ein Fürstenthron mir wunkte, Ich halt' dir Treu in jedem......
Doch ob d i e auch bei dir, mein Schal, Der erste Liebes-Z
Ach, Eiiersucht ist in mir stark, Kalt geht mirs durch ost bis ins <AL Wenn gar ein andrer mir zum Kummer Bei dir noch hätte eine
Weh dir, eS träfe dich mein Fluch, Käm'S so einst zwischen uns zum '/, Doch nein, mein Lieb, nichts mehr dergleichen, Wozu dies düstre?
Wozu das unfruchtbare Jammern, Will lieber fest an dich mich [] In deinem Arm ruht sich'S so weich, Ta ist mir alles andere —
Sei heut nur pünktlich, froh und heiter, Zn mir auch liebreich u. s. w.
Bis dahin, Mädchen meiner Wahl, Grüß' ich dich viele tausend x
* Galante Schmeichelei. Herr (in dem Glauben, der Ranch seiner Zigarre belästige die nebenan sitzende junge Dame): „Ach, entschuldigen Sie, der Rauch belästigt Sie geivm. — Dame: „Bitte sehr, durchaus nicht. Im Gegenteil, ich habe es gern, wenn jemand raucht." — Herr: „So? Allerdings, Engelsköpfe sind ja auch fast stets mit Wolken umgeben.
* Anch ein Märchen. „Mütterchen, hörst du gern Geschichten?" — „Ja, mein Kind." — „Soll ich dir mal eine erzählen?" — „Nun?" — „Wirst du dich aber auch darüber freuen?" — „Gewiß, mein Kind!" — „Aber sie ist gar nicht lang!" — „Nun, erzähl' nur!" — „Es war einmal cme Wasserflasche — — — und die hab ich eben kaput gemacht!
Scherzrätsel.
Ein aller Junggeselle dacht stets ans „F" mit „G", Doch jüngst hat sich's geändert: ihm widerfuhrs mit „t . Das „G" ivar ganz berechtigt, er hat mit „F" kein Gluck; Setz' „F" an vierte Stelle, jo kennst du sein Geschick.
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Kreuzrätsels in voriger Nummer: 0 C C r h h a 1 o
0 r a t o rin m Chlor i n d e Chori stiu int u d i men
Redaktion: I V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch» und Sleindruckerei, R. Lange, Gießen«


